chossudovsky

Alexander Benesch

Der dem russischen Kreml äußerst freundlich gesinnte kanadische Professor und Journalist Michel Chossudovsky schreibt aktuell:

„Unter der Überschrift »In Kiew stand israelischer Armeeveteran an der Spitze einer Straßenkampfeinheit« bestätigte die Nachrichtenagentur Jewish News Agency (JTA), dass Soldaten der israelischen Streitkräfte (IDF) an den Protesten der Euromaidan-Bewegung unter dem direkten Kommando der rechtsradikalen Partei »Allukrainische Bewegung Freiheit« (»Swoboda«) beteiligt waren.“

„Es ist schon eine bittere Ironie, dass der Kommandeur der IDF-Miliz seine Befehle von der rechtsradikalen Partei Swoboda erhielt.“

Chossudovsky versucht, wie viele andere Putin-Propagandisten, den Widerstand in der Ukraine gegen russische Übernahmeversuche als einen reinen Plot von „zionistischen“ Kreisen, der CIA und von Neonazis zu porträtieren. Er hat enge Beziehungen zu dem populären internationalen russischen Fernsehsender Russia Today (RT) und ist der Sohn eines jüdisch-russischen Emigranten und sozialistischen Karrierediplomaten bei den Vereinten Nationen, der sich für Handel mit der Sowjetunion ausprach.

Der Reporter Eli Lake von The Daily Beast berichtet aktuell:

„Führungsfiguren der kleinen ukrainischen jüdischen Gemeinde (Experten schätzen zwischen 80.000 und 350.000 Juden in der Ukraine) sagen, sie seien besorgter über antisemitische Angriffe von russischen Agenten und Janukowitsch-Loyalisten als von den Nationalisten, die sich in Kiew und anderen Städten sammelten um ihn zu stürzen.“

Joseph Zissels, Präsident der ukrainischen jüdischen Geminde, sagte gegenüber Lake:

 “Die russische Propaganda hat die Rolle der Neonazis in der neuen ukrainischen Regierung übertrieben.“

„Es gibt mehr Neonazigruppen in Russland als in der Ukraine.“

Die auch von Chossudovsky zitierte Jewish News Agency (JTA) berichtete:

„Bei einer Pressekonferenz im Manhattan-Büro der United Jewish Communities of Eastern Europe, verglich [Rabbi Yaakov Dov] Bleich, ein führender Rabbi der Ukraine, Russlands Verhalten mit dem der Nazis vor dem Anschluss Österreichs im Jahr 1938.“

Dem russischen Präsidenten Putin wird vorgeworfen, mit übertriebenen Neonazi-Kommentaren über die Ukraine abzulenken von seiner eigenen antisemitischen Propaganda. Er erklärte beispielweise öffentlich, dass mindestens 80% der ersten sowjetischen Regierung jüdisch gewesen wären. Putin-Fans und Kreml-Strategen bastelten sich die Ansicht zusammen, dass die Juden die Zaren gestürzt und Russland ins kommunistische Unglück getrieben hätten. In der heutigen Russenpropaganda werden all die Verbrechen von Russen an Russen im 20. Jahrhundert pauschal Juden angehängt und man präsentiert gleichzeitig Putins Regime als Bollwerk gegen das „internationale Judentum“.

Die internationale extreme Rechte, inzwischen stark pro-Putin, zieht nach und verbreitet die Behauptung, die bolschewistischen Revolutionäre seien zu 80% jüdisch gewesen. David Duke, die ehemalige Ku Klux Klan-Führungsfigur, schreibt in seinem Buch „The Secret Behind Communism“ über die jüdische Rolle im Weltkommunismus. 2005 reiste Duke nach Moskau um sich mit russischen Staatsfunktionären, Neonazis und Zeitungs-Chefredakteuren zu treffen. Putin sei, so Duke, ein „echter Russe“. Das „größte Hindernis für die Neue Weltordnung“ der Juden sei Putin.

Deutsche extreme Rechte bezeichnen Putin gar als „Beschützer und Bewahrer der traditionellen Werte der Schöpfungsordnung“.

„Dieser Kampf gegen die menschenverachtende Unternehmung des Machtjudentums, eine Weltregierung zu bilden, nahm in Russland in der letzten Zeit deutliche Konturen an.“

„In einem 44-seitigen Bericht des Zentrums für Strategische Kommunikation, der mächtigsten Denkfabrik des Kreml, ‚wird Putin als ’neuer Weltführer der Konservativen‘ gepriesen.“

Die Ansicht, dass Juden die bolschewistische Revolution dominierten, gilt heute sowohl unter westlichen als auch unter russischen Historikern wie Kozhinov als überholt und falsch. Der britisch-amerikanische Historiker Antony Sutton hat sich in seiner Karriere ausführlichst mit der bolschewistischen Revolution auseinandergesetzt und trennt in seinem Buch „Wallstreet and the Bolshevik Revolution“ deutlich zwischen tatsächlichen Geldströmen einzelner jüdischer Banker an die Revoluzzer und den falschen verbreiteten Darstellungen über das tatsächliche Ausmaß des jüdischen Einflusses:

„Es gibt keine konketen Beweise dafür, dass Juden deshalb an der bolschewistischen Revolution beteiligt waren, weil sie jüdisch waren. Es mag tatsächlich eine höhere Proportion an beteiligten Juden gegeben haben, aber was würde man angesichts der Behandlung von Juden unter den Zaren auch anderes erwarten? Es gab wohl auch viele Briten oder Männer britischer Abstammung, die in der Amerikanischen Revolution gegen die britischen Truppen kämpften. Na und? Macht dies die amerikanische Revolution zu einer britischen Verschwörung?“

In der typisch-schlampigen Verschwörungsliteratur der letzten 100 Jahre finden sich die immergleichen Quellen, wie etwa der Verweis auf den Britischen Premierminister Winston Churchill und dessen Artikel von 1920 für den London Illustrated Sunday Herald mit der Überschrift „Zionismus versus Bolschewismus“. Darin verbreitet Churchill die inkorrekten Einschätzungen, dass die „internationalen“ und „atheistischen“ Juden eine „sehr große Rolle“ in der bolschewistischen Revolution gespielt hätten und dass, abgesehen von Lenin, „die Mehrheit“ der Revolutionsführer jüdisch gewesen sei.

Auch immer gerne zitiert wird das Dokument „Bolschewismus und Judaismus“ von 1918 von dem US-Außenministerium, in der State Department Decimal File (861.00/5339). Es werden darin folgende jüdische Figuren mit der Revolution in Verbindung gebracht: Jacob Schiff , Felix Warburg, Otto H. Kahn, Mortimer L. Schiff, Jerome J. Hanauer, Guggenheim, Max Breitung und Isaac Seligman. Außerdem werden jüdische Bolschewisten aufgelistet. Antony Sutton erklärte:

Die Liste von Juden die an der Bolschewistischen Revolution beteiligt waren, muss aufgewogen werden gegen die Listen von Nichtjuden die an der Revolution beteiligt waren. Wenn man diese wissenschaftliche Methodik anwendet, dann liegt der Anteil der ausländischen jüdischen Bolschewisten an der Gesamtzahl der Revolutionäre bei unter 20 %.

Es ist bedeutsam, dass Dokumente in den Unterlagen des Außenministeriums bestätigen, dass der Investmentbanker Jacob Schiff, der oft als Quelle der Gelder für die Bolschewistische Revolution genannt wird, in Wirklichkeit gegen die Unterstützung des bolschewistischen Regimes war. Diese Position stand im direkte Kontrast zu der Unterstützung von Morgan und Rockefeller an die Bolschewisten.

Die Hartnäckigkeit mit der der Mythos der jüdischen Verschwörung verbreitet wurde, deutet darauf hin dass es womöglich ein absichtliches Maneuver ist, die Aufnerksamkeit von den wirklichen Themen und Ursachen abzulenken. Das Beweismaterial in diesem Buch zeigt, dass dass die New Yorker Banker, die jüdisch waren, relativ geringe Rollen spielten bei der Unterstützung der Bolschwisten, während die New Yorker Banker die keine Juden waren (Morgan, Rockefeller, Thompson) große Rollen spielten.

„Christlich-kapitalistische“ Firmen stützen die junge Sowjetunion

In New York war schließlich das Büro der Sowjets im World Tower Building, 110 West 40 Street aufgemacht worden, über welches die Revoluzzer allerhand wichtige – und illegale – Geschäfte mit amerikanischen Firmen machten. Außerdem unterstützte man die aufkommende kommunistische Partei in den USA und prominente Linke. Chef des Büros war der deutsche Ludwig C. A. K. Martens.

Zu den über 1000 US-Konzernen, die glänzende Geschäfte machten mit den Sowjets, zählten die Chicago Packers, die United States Steel Corporation, Rockefellers Standard Oil, American Steel Export Company, International Harvester Company, Aluminum Company of America und die Ford Motor Company. Auch glänzende Judenhasser wie Ford lieferten dringend benötigte Technologie and die Sowjets.

Der Support für die Sowjets war nicht wirklich eine jüdische Verschwörung, sondern eine Kollaboration gieriger Männer, die ihre Spuren verwischen wollten indem sie u.a. die nach außen hin streng antikommunistisch auftretende Gruppe „United Americans“ schufen. Gerade westliche, nichtjüdische Großkapitalisten versuchten ständig, Kartelle zu bilden, Monopole zu erreichen, die Märkte und die Politik zu manipulieren. Der Sozialismus ist nur ein Werkzeug der Reichen, um mit Hilfe der Arbeiterschichten die Mittelschicht zu zerstören, eine Diktatur zu errichten und einen fairen Wettbewerb in der Wirtschaft zu unterbinden. Auch die Nationalsozialisten, die über den „jüdischen Kommunismus“ schwadronierten, waren letztendlich Sozialisten und Feinde des Kapitalismus.

Protokolle von Zion

Das russische Volk war platte antisemitische Propaganda bereits gewohnt, also konnte das Zarenregime den Menschen in den Frühzeiten revolutionärer Bewegungen einimpfen, dass die antizaristischen Bewegungen ein zionistischer Plot seien. Selbstverständlich hatten auch unzählige nicht-jüdische Russen die Nase voll und kämpften in den verschiedenen sozialistischen Gruppen.

Der Desinformationsexperte Petr Ivanovich Rachovsky aus dem zaristischen Geheimdienst Ochrana soll zu diesem Zweck die „Protokolle von Zion“ gefälscht haben. Stationiert war er zur fraglichen Zeit in Frankreich; dort fand auch der Zionistenkongress 1897 statt. Der moderne Zionismus ist eine unter den Juden weltweit höchst umstrittene religiös-politische Splitterbewegung. Die allermeisten betrachten sich zwar als froh über das neu gegründete Heimatland Israel, nichtsdestotrotz gelten prominente Führungsfiguren der Zionistenbewegung wie Theodor Herzl als bittere Fanatiker, die mit allen möglichen Mitteln jüdische Menschen aus aller Welt in den Kleinstaat am Meer treiben wollten.

Der jüdische Author Lenni Brenner zeigt diese Geschichte auf in seinem Werk „Zionismus und Faschismus“. Zionisten warnten vor der „Gefahr der Assimilation“ der jüdischen Gemeinschaft unter fremden Völkern. Die zionistische Weltbewegung setzte sich widerholt über die Mehrheit der jüdischen Organisationen weltweit hinweg.

Die Spur der Fälscher der Protokolle verliert sich in einem Wust aus Esoterikern und Agenten, man geht aber davon aus dass es Rachovsky war der sich bei dem unbekannten Satiretext „Dilog in der Hölle zwischen Machiavelli und Montesquieu“ von Maurice Joly bediente. Frankreich wurde einfach ersetzt mit die „Welt“, Napoleon III durch „die Juden“. Die ganze Welt war seinerzeit bereits überzogen von bizarren okkulten Gruppen. Der Historiker James Webb schreibt in seinem Werk „Das Zeitalter des Irrationalen“:

„In den Kreisen, in denen die Protokolle in Frankreich entstanden, in jenen, in denen sie in Russland entgegengenommen wurden und in der Kommunikation zwischen diesen beiden Sphären gab es eine beträchtliche Dosis des Mystischen. Beinahe jeder der „erleuchteten“ Russen hätte Das Geheimnis der Juden [ein älterer antisemitischer Text] schreiben oder Material dazu beisteuern können. Doch könnten sie oder die Glinka oder einer der anderen Mystiker, die in Kontakt mit Juliette Adam standen, die gefährlicheren – weil vergleichsweise sachlicheren – Protokolle verfasst haben? Denn es gibt fast keine mystische Anspielung in den Protokollen.“

Man kann im Nachhinein kaum hundertprozentig feststellen, welcher Okkultist gleichzeitig Agent war, die Übergänge sind fließend.

Der französische Arzt, Okkultist, Esoteriker, Theosoph, Rosenkreuzer, Kabbalist und Martinist namens Papus hatte die Theosophische Gesellschaft mitbegründet. Er genoss das Vertrauen des Zaren Nikolaus II und reiste mehrfach nach St. Petersburg, um den Aristokraten in medizinischen und esoterischen Balangen zu unterrichten. Dabei gründete er eine Martinistenloge, der auch der Zar selbst angehörte. Zugleich waren andere beunruhigt über das zumeist blinde Vertrauen des Zaren und seiner Ehefrau in den Okkultismus. Papus assistierte dem Zarenpaar bei wesentlichen Regierungsentscheidungen und warnte sie vor den Einflüssen Rasputins. Es war üblich zu der Zeit, dass praktisch jeder jeden beschuldigte, ein jüdischer Zionistenagent zu sein.

Papus schimpfte unter einem Pseudonym in Artikeln im Echo de Paris über das dunkle Finanzsyndikat, welches es auf Russland abgesehen hätte:

„So wurde vor wenigen Jahren ein Finanzsyndikat gegründet, das heute allmächtig ist und dessen oberstes Ziel darin besteht, alle Weltmärkte zu monopolisieren. […] wir sollten uns angelegentlich daran erinnern, dass der berüchtigte Cornelius Hertz einer der Hauptagenten dieser internationalen Vereinigung war, dessen Zentrum sich in London befindet und dessen wichtigste Zweigstellen in Wien und Deutschland liegen.“

Er machte fleißig Anspielungen auf die Rothschilds, polterte dass Agenten bereits das Finanzministerium Russlands und den Generalstab unterwandert hätten. Auch Rasputin beeinflusste den Zarenhof. Papus hatte das Vertrauen der leichtgläubigen Zaren, stellte für die Zaren Dokumente über die „Freimaurer-Verschwörung“ zusammen. Interessanterweise hatte er selbst früher freimaurerische Textbücher geschrieben.

Die ultrarechte russische Gruppe „Union des russischen Volkes“, die mit Propaganda Pogrome anfachte, war einer der Erstveröffentlicher der Protokolle von Zion. Die Judenhass-Stimmung war ironischerweise ein wichtiger Grund, weshalb sich viele Individuen jüdischer Abstammung der sozialistischen Revolution angeschlossen hatten. Während der russischen Revolution von 1905 wurde die Protokolle-Fälschung in Paris erneut verbreitet durch den Zarengeheimdienst Ochrana unter dem Namen eines mystischen russischen Priesters namens Sergius Nilus.

Die Protokolle von Zion verbreiteten sich nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Ausgerechnet der einflussreiche Freimaurer und Großindustrialist Ford, der kriegsrelevante Fabriken wie Gorki Park in der Sowjetunion baute, publizierte die Protokolle. Auch im mittleren Osten unter den muslimischen Völkern wurde der Text weit verbreitet. Oft mit Hilfe der sowjetischen Geheimdienste.

Sakharovsky, der eine hohe Poistion im rumänische Dienst Securitate innehatte, ließ 1951 eine Kopie in mehrere Sprachen übersetzten und in Westeuropa und dem mittleren Osten verbreiten.

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