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Von Alexander Benesch

Kommentierte Auszüge aus Reinhard Königs “New Age”

Nichts am „New Age“ ist wirklich neu. Es ist vielmehr der Versuch, Menschen ins Vormittelalter, oder sogar in die Antike zurückzubringen.

Die dargestellte New Age-Spiritualität hat einen ganz bestimmten Zweck: Die Vorbereitung der Menschheit auf das noch in der Zukunft liegende Kommen eines sogenannten „Weltenlehrers“ der dann alle Dinge im Sinne des New Age zum Guten wendet. Das Erscheinen dieser Messias-Figur soll durch die Anhänger des New Age dadurch beschleunigt werden, dass sie eine sogenannte „Invokation“, d.h. die Aufforderung an den Weltenlehrer, auf die Erde niederzukommen, in Meditation „beten“.

Infiltration des Christentums

Wie beim Mimikry im Tierreich benötigen die New Ager „Signalfälschung“ um nicht von vorneherein vom Großteil der Bevölkerung abgelehnt zu werden.

Unsere Kultur ist stark von christlichem Gedankengut geprägt. Daher hat eine neue Idee zur gesellschaftlichen Veränderung nur dann eine Chance auf breiteste Durchsetzung in der Bevölkerung, wenn sie sich auf die Eigenheiten christlich geprägten Denkens einstellt. Die Vordenker des New Age wenden diese Taktik mit einer estaunlichen Überzeugungskraft an. Die Tatsache, dass sie oftmals christliche Terminologie gebrauchen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Christentum in seinem Absolutheitsanspruch völlig und teilweise brüsk abgelehnt wird. Ein personaler Gott existiert für die New Ager nicht. Die Hoffnung der Christenheit auf den wiederkehrenden Christus der Bibel wird auf den „New Age“-Christus umgelenkt. Die New Age-Vordenker lassen keinen Zweifel daran, dass sie ein „fundamentalistisches“ Christentum – und Judentum – im New Age nicht dulden werden.

Dem Filmemacher Peter Joseph gelang mit seiner „Zeitgeist“-Reihe ein New-Age-Hit, der zunächst auf der Welle der Aufklärung über 9/11 und der Zentralbanken schwomm. In einem Interview erklärte er, dass diejenigen Amerikaner die an Bibel und Gewehr festhalten wollen, im neuen Zeitalter „umerzogen“ werden müssten. Joseph versuchte eine andere Art von Infiltration des Christentums, nämlich die Argumentation, die Christenheit hätte von den alten Mysterienkulten abgekupfert, die die Basis der modernen New Age-Bewegung darstellt.

Besonders der erste Teil provozierte heftige Kritik, auch, weil darin zahlreiche astronomische, astrologische, mythologische und historische Behauptungen aufgestellt werden, die nachweislich falsch oder ungenau wiedergegeben sind. Tim Callahan (Geologe) kritisiert den ersten Teil des Films, in dem es um die Ursprünge des Christentums geht: Manche der Annahmen seien wahr, das Material sei jedoch nach Gutdünken mit falschen und rein erfundenen Aussagen gemischt. Zeitgeist, so Callahan, sei der Da Vinci Code auf Steroiden. Chris Forbes, Althistoriker mit dem Schwerpunkt Frühes Christentum an der Macquarie-Universität, hat ebenfalls den ersten Teil des Films heftig kritisiert. Er habe keinen Platz innerhalb der seriösen Lehrmeinung und sei nicht auf alte Quellen gegründet. Stattdessen berufe er sich auf Amateurwissenschaftler, welche „Quellen gegenseitig austauschen und unsinnigen Stoff immer wieder warmkauen“. In der offiziellen Quellenliste des Films könne „keine seriöse Quelle“ gefunden werden.

Peter Joseph ist natürlich nicht der einzige, der zunächst mit politisch-historischen Verschwörungen ein Publikum anlockt, um diesem publikum dann New Age anzudrehen. Fast die gesamte „Verschwörungs-Szene“ funktioniert nach diesem Strickmuster. Der schweizerische Kleinkirchen-Guru Ivo Sasek schwenkte zunächst um auf Verschwörungsthemen mit Internetvideos und Konferenzen, dann bastelte er seine Version des Christentums mit sich selbst im Mittelpunkt in ein esoterisches New Age-Christentum um.

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Foto: Anti-Zensur-Konferenz

Auf einem von Sasek berufenem Konzil, das „prophetische Konzil zu Flums“ wurde am 22.11.2008 die Reinkarnationslehre offiziell eingeführt. Doch wie kam es dazu dass es diese Lehre in der evangelikalen Theologie nicht gibt? Sasek sieht hier ein Verschwörung dahinter. Er lehrt, dass die Reinkarnationslehre auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahr 533 aus der christlichen Theologie entfernt wurde. Sasek biegt sich einige Bibelstellen die nach Reinkarnation „riechen“, einfach um und nimmt sie als Beweis her. Er beruft sich auf diejenigen Schreiber der Antike, auf die sich New Ager typischerweise berufen.

Auch in der New Age-Literatur wird die östliche Lehre der Wiedergeburt vertreten. Allerdings soll der Mensch nicht nur immer wieder auf der Erde geboren werden, sondern er soll viele „neuen Leben“ in höheren Seinsstufen hinter sich bringen. Die Auffassung der New Age-Autoren über die Reinkarnation ist sehr uneinheitlich, eine Ansicht ist jedoch immer vertreten: Nämlich dass der Mensch nach seinem Tode weiterlebt und in einen Zustand vollkommener Zufriedenheit und vollkommenen Glücks eingeht. Die Existenz eines richtenden Gottes – wie ihn das Christentum lehrt – wird dabei strikt abgelehnt. Auch die ewige Verdammnis wird verworfen.

Die New Age-Priester verzichten aber nur scheinbar auf Angst machende Elemente und Kontrolle durch Furcht.

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Foto: David Icke

Die Menschheit und der Kosmos werden im New Age auf die Dummenformel „Liebe oder Furcht“ reduziert. Hinter David Ickes komsischem Phantasiestrahl aus dem Mittelpunkt der Milchstraße verbirgt sich nichts anderes als die alte esoterische Denkfalle namens „Gesetz der Anziehung“:

„Unsere eigene Wirklichkeit zu bestimmen und unser eigenes Schicksal zu entscheiden ist eigentlich ein sehr einfacher Prozess. Er kann durch folgenden Satz zusammengefasst werden: Was wir aussenden, kommt zu uns zurück.“

Das heißt im Klartext: Verdränge wichtige Gefühle wie Angst oder Wut, überlagere alles mit einer diffusen Liebes-Gefühlssuppe und halte dich bloß fern von Menschen, die nicht auch schon gläubig sind wie du selbst und die anzweifeln, dass dein neues religiöses Steckenpferd irgendeinen Wert hat. Die Vorstellung eines komsischen „Gesetzes der Anziehung“ ist eine uralte hochstaplerische Idee, die teilweise aus fernöstlichen Religionen abgekupfert wurde. Beispielsweise soll der Glaube daran, Geld haben zu werden, durch kosmische Gesetze dazu führen, dass du Geld bekommen wirst. Alle stinkreichen gutaussehenden Männer mit ihren Model-Freundinnen kennen angeblich dieses Geheimnis und haben nur deswegen Erfolg. Und für nur ein paar Kröten können sie das „Geheimwissen“ auf amazon.com auch kaufen!

„Wir können jederzeit eine neue Wirklichkeit schaffen. Wir ganz allein haben die Lösungen. Wir ganz allein haben die Kontrolle. Wir sind das Zentrum unseres eigenen Universums, und wir können daraus machen, was immer wir wollen. Es ist einfach unglaublich!“

Weshalb hat Icke dann heute immer noch schwere rheumatoide Arthritis und konnte diese in 20 Jahren nicht wegdenken, wegwünschen, wegzaubern? Wegen reptiloiden Zauberschwingungen aus der unteren vierten Dimension? Was ist mit den unschuldigen Opfern von Naturkatastrophen? Selber schuld, denn sie waren auf den falschen Schwingungen. Hätten sie mal besser den Glücksstrahl in ihr Chakra gelassen.

Wer sich von Icke einen neuen esoterischen Glauben aufschwatzen lässt, der beginnt die übliche erste Verliebtheitsphase mit viel Enthusiasmus, hofft und praktiziert. Wenn aber das eigene Leben sich nicht verbessert, die Wünsche nicht in Erfüllung gehen, lastet ein erhöhter Druck auf einem selbst. Was mache ich falsch? Bald kommt man auf die Schlussfolgerung: Die nichtgläubigen, miesepetrigen Menschen in meinem Umfeld ziehen mich auf die untere Schwingungsebene der vierten Dimension! Ich muss mich von denen trennen oder stark absondern! So endet man mit einem Freundeskreis von lauter Gläubigen, die sich ständig gegenseitig in ihrem Glauben bestätigen. Diese Echokammer erstickt jeden Fortschritt und jede persönliche Entwicklung. Und man kommt da nicht einfach wieder heraus. Auch David Icke hat das typisch verdrehte „totalitäre“ Moralverständnis der Okkultisten:

„Wir haben Kriege, Hungersnöte, Krankheiten und unzählige andere Probleme. Das ist alles richtig. Aber unter dem Aspekt der Evolution der Menschheitist das ales vollkommen in Ordnung. Wir können uns nur entwickeln, wenn wir aus den Erfahrungen lernen, und das bedeutet, die Folgen unserer Gedanken und Handlungen am eigenen Leib zu erfahren.“

Das ist spiritueller Darwinismus! Die Nichtgläubigen seien an allem schuld:

„…dann müssen wir solange einen Tritt in de Allerwertesten bekommen, bis der Groschen fällt und uns ein Licht aufgeht.“

„Ich hasse die Reptiloiden nicht. Ich möchte sie vielmehr lieben, denn das brauchen sie fast dringender als alle anderen Wesen.“

Die New Age-Propheten versprechen, die materiellen Begrenzungen des Menschen und die Bewertung des Lebens nach dem Tod durch den Christengott seien nicht real:

Neben dem Gottesbegriff und anderen zentralen Aussagen des Christentums wird der christliche Glaube von einem weiteren Faktum größter Wichtigkeit geprägt: Von der Gewissheit der Endlichkeit menschlichen Lebens und der Gewissheit der Beurteilung dieses Lebens durch Gott. Diese Tatsachen sind für die Menschen unter dem „neuen Paradigma“ unangenehm. Daher wird bereits seit längerer Zeit versucht, das Phänomen des Todes in einer positiven, die eigene Angst vermindernden Weise darzustellen. Die New Ager lehren, dass das Leben nach dem leiblichen Tod auf einer anderen, höheren Ebene weitergehen soll. Der Tod verliert seinen Schrecken, weil nach dem jetzigen Leben noch viele andere, „spirituelle“ Existenzen durchlebt werden.

Dennoch schwingt beim New Age auch ein gewaltiges Drohpotential mit: Wer nicht den New Age Glauben praktiziert, der fördert Unglück und Elend im persönlichen Leben und auf der gesamten Welt. Wie in einem Super-Mario-Spiel mit unendlichen Leben bzw. Reinkarnationen soll man laut der New Age-Lehre immer und immer wieder neu auf der Bildfläche erscheinen können, einen neuen Versuch bekommen.

Verherrlichung der Natur

Die Natur ist eigentlich exakt das Gegenteil der Licht-und-Liebe-Sekte. Alles was in der freien Wildbahn nicht kämpft, jagt, tötet, mühevoll sammelt und ständig Gefahren abwehrt, stirbt elendig. Trotzdem soll laut dem New Age die Natur nichts anderes sein als Harmonie und Liebe.

Die Natur ist wegen der ihr innewohnenden Spiritualität auch die höchste moralische Instanz für menschliches Handeln. Die Integrität und Erhaltung der Natur werden deshalb als die höchsten moralischen Werte angesehen, und alle menschlichen Werte haben sich diesen „Grundwerten“ unterzuordnen. Letztlich gilt die Natur als eine in sich selbst ruhende, ewige Existenz die zu ihrem vollkommenen Sein den Menschen nicht benötigt.

Sio nutzen die Gurus die latenten Minderwertigkeitskomplexe und Schuldgefühle in den Gläubigen aus, kanalisieren sie in eine religiöse Grundüberzeugung. Es ist eine menschliche Urangst, sich so wertlos zu fühlen dass man keine Rechtfertigung mehr erkennt, überhaupt zu existieren.

Hier wird bewusst an Vorstellungen der Griechen angeknüpft, die die Erde als Gottheit „Gaia“ verehrten.

Die kommerziell erfolgreichsten Filme aus Hollywood pflegen New Age-Thematiken und den Gaia-Kult. In James Camerons „Avatar“ wechselt der Protagonist mit Querschnittslähmung einfach per futiristischer Technologie in den künstlichen Körper eines Außerirdischen und wird Mitglied eines Stammes von klischeehaften „noblen Wilden“ die im perfekten Einklang mit der Natur leben, wo alles miteinander verbunden ist und der unpersönliche Weltgeist alles durchdringt. Auch hier sehen wir die Aufhebung der Angst vor dem Tod des menschlichen Körpers, die Reinkarnation.

Abgesehen auf wenige Ausnahmen und Abwandlungen bekommen wir in solchen Werken immer den gleichen Plot verkauft: Protagonist lebt in Unterdrückung oder zumindest weit unter seinen Ansprüchen, sehnt sich nach Abenteuer und persönlicher Bedeutung. Er stößt an menschliche Grenzen, er kann nicht alles was er will und hat keinen passenden Mentor greifbar. An dieser Stelle findet eine Begegnung mit einer übersinnlichen Welt statt. Die Vermittler sind Fabelwesen wie Zauberer oder Zwerge. Sie sind die erleuchteten Lehrmeister und zeigen dem späteren Helden, wie er mit einer Zauberlehre seinen Zielen näher kommt. Erst die völlige Unterwerfung unter die Zauberkraft und Mythologie bringt am Ende den Sieg über den Feind. Der Weg vom Lehrling über den Gesellengrad hin zum Meister wird erfolgreich beschritten. Dies ist der Plot von Avatar, Harry Potter, Matrix und Star Wars.

Der Physiker Fritjof Capra schreibt dazu: „Bislang war grüne Politik, das heißt Politik des neuen Paradigmas, in der Bundesrepublik am erfolgreichsten […] Die spirituelle Dimension der grünen Politik wird also in Einklang mit der kulturellen Orientierung grünen Denkens stehen müssen, das heißt, sie wird posthumanistisch, postpatriarchal und postmodern sein müssen.“

In den Parteiprogrammen und Schriften der Grünen finden sich alle die Aspekte des New Age, die bereits dargestellt wurden: Naturmystik und Naturreligiösität, Förderung des „Weiblichen“, Bejahung anderer sexueller Orientierungen, Frauenbewegung, Friedensbewegung, Ablehnung bestehender gesellschaftlicher und politischer Strukturen.

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