Reichstagseröffnung-640

Auszüge aus “Wer Hitler mächtig machte” von Guido Preparata, Ökonom und Professor in den USA

Die plötzliche Machtentfaltung des Deutschen Reiches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nötigte das britische Commonwealth dazu, ein weitreichendes Manöver gegen die kontinentale Landmasse der Welt zu lancieren. England schloss eine Tripelallianz mit Frankreich und Russland ab, die das Deutsche Reich einkreisen sollte (1907). Nach Ausbruch des Krieges wurde die Operation ausgeweitet, indem man den Beistand der Vereinigten Staaten in einer Phase gewann, als die russische Seite der Tripelallianz einzubrechen drohte (1917). Als sich im Osten eine gefährliche Lücke auftat, beeilte sich Großbritannien, sie dadurch zu schließen, dass man ein liberales Experiment unter einem Strohmann – ein Rechtsanwalt namens Kerenski – ermutigte. Es sollte schon nach wenigen Monaten scheitern.

Inzwischen griff man als mögliche Alternative auf revolutionäre Nihilisten, die sogenannten Bolschewiken, zurück. Man hegte dabei die Erwartung, dass sich aus diesem Zustrom ein despotisches Regime ergeben würde, deren Ausrichtung (materialistisch, antiklerikal und antifeudal) das polare Gegenteil derjenigen des Deutschen Reichs darstellte.

So unwahrscheinlich es auch erscheinen muss, aus dem nachnapoleonischen Morast war ein deutsches Reich aufgetaucht. Aus einer verstümmelten Konstellation streitsüchtiger Fürstentümer hatte sich schließlich eine Nation zusammengefunden. Sie war durch “Blut und Eisen” um den militärischen Kern der streitsüchtigsten Provinz, des Königreichs Preußen, zusammengebacken worden.

Es war ein instabiles Konglomerat, eine Verbindung aus feudalem Hunger und enormen wissenschaftlichen Leistungen. Schließlich handelte es sich um die wunderliche Ehe zwischen der unbesiegbaren preußischen Armee und der besten Musik, Physik, Chemie, Volkswirtschaft, Historiographie, Philosophie und Philologie, die der Westen zu bieten hatte. Ein bemerkenswerter Anfang.

Anfangs hatte England der deutschen Politik kaum Aufmerksamkeit geschenkt, da es zu sehr von der französischen Konkurrenz in Sachen Kolonien und von dem “Great Game” in Zentralasien, wo seine militärischen Kräfte gegen das zaristische Russland standen, in Anspruch genommen war.

Doch als die Charakteristik des Handels zwischen England und Deutschland sich unter Leitung des Meistertaktikers und Kanzler des Reiches, Otto Bismarcks, allmählich umkehrte, das heißt als Deutschland aufhörte, nur noch der Lieferant von Nahrungsmitteln für das Vereinigte Königreich und Empfänger seiner Industrieerzeugnisse zu sein, und stattdessen selbst zu einer wachsenden Industriemacht wurde, begannen das britische Außenministerium und die mitwirkenden Clubs über die Angelegenheit mit Besorgnis nachzudenken.

Wie zu erwarten, standen die Kosten für das Vordringen des deutschen Reiches in Afrika, am Pazifik und im fernen Osten in keinem Verhältnis zu zu den Gewinnen aus der Förderung von Rohstoffen und der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Deutschland erwarb “Kolonialgebiete, die etwa viermal so groß waren wie es selbst.” Den Deutschen fehlte die imperiale Dreistigkeit im Umgang mit den Eingeborenen, sie hatten nicht jene ruhige Kaltblütigkeit, mit der sich der britische Sahib im “einheimischen Geist” der Menschen einnistet, um ihn fester im Griff zu haben.

Bismarck wurde ungeduldig, die Berliner Großbanken zeigten kein Interesse an diesen exotischen Experimenten, und inzwischen ärgerte sich das britische Reich zunehmend über das Vordringen der Deutschen an ihrer Peripherie. Die Briten fürchteten eine “Wachablösung” zwischen England und Deutschland, etwas Ähnliches wie der Übergang vom spanischen zum britischen Reich im 17. Jahrhundert.

Trotz seiner Naivität in den Künsten imperialer Intrigen legte das deutsche Reich, wo immer es ging, Eisenbahnstrecken an – und zwar in avanciertester Technik – , baute ein beneidenswertes Netz von Handelsniederlassungen auf, führte tadellose Verwaltungen ein und hoffte schließlich, das alles mit der Ausbreitung seiner unübertroffenen Künste  und Wissenschaften zu krönen.

Obwohl politisch nicht so erfahren wie die Briten, war es doch ein Konkurrent von beunruhigender Brillianz. Die Deutschen einzudämmen, herauszufordern, und zu besiegen war keine leichte Aufgabe.

 

 

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7 comments

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OnkelWö 31. Dezember 2013 at 13:09

Mein Tipp dazu, “das Reich im Kreuzfeuer der Weltmächte” von Andreas Naumann

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Marie Curie 31. Dezember 2013 at 18:05

Im Weltnetzladen erhältlich xD

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Volkan 30. Dezember 2013 at 23:07

Ich bin auf das Buch gespannt.

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Sonnenblümchen 30. Dezember 2013 at 21:30

Habe das Buch von Guido Preparata gerade heute fertig gelesen 🙂
Kann jedem hier empfehlen, das ganze Buch zu lesen.

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Soma 30. Dezember 2013 at 22:24

Vermerkt, kommt auf die Wunschliste.

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Heyoka 31. Dezember 2013 at 13:26

Absolutes Pflichtbuch!
Zusammen mit den Arbeiten von Antony C. Sutton und Gary Allen sieht die Geschichte plötzlich ganz anders aus und macht auf einmal wesentlich mehr Sinn.

Das schöne an Preparata und Sutton ist ja, daß der Vorwurf des “rechten” Geschichtsrevisionismus vollkommen haltlos ist. Das haben die beiden anderen Autoren voraus.

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Marie Curie 31. Dezember 2013 at 17:59

Naja, Gary Allen war besipeilsweise für die Rassentrennung.

Auch Sutton und Preparata stützen sich auf Werke der englischen Faschistin Nesta Helen Webster.

Vollkommen haltlos wäre der Vorwurf also nicht.

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