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Ein Kommentar von Alexander Benesch

Selten ist etwas wirklich so wie es scheint. Für die einflussreichsten Kreise im Westen war der kalte Krieg eine hervorragende Sache: Rüstungsausgaben und Militärforschungen ohne Ende, die Rechtfertigung in Zweite- und Dritte-Welt-Ländern Diktatoren zu installieren, und vor allem die Möglichkeit, alles im Westen zu standardisieren und unter zentrale Kontrolle zu bringen. Zu diesem Zweck musste WallStreet von 1917 ab aufwärts immer wieder Kredite und technisches Know-How an die Sowjetunion liefern, damit jene überhaupt die erwünschte Bedrohung darstellen konnte. Nach 1989 taugte der islamische Terror nur mäßig als Ersatzbedrohung. Wie soll man die irrsinnigen Ausgaben für Flugzeugträger oder beispielsweise das F-35-Kampfbomberprogramm (323 Milliarden$) rechtfertigen, wenn der Feind nur ein Haufen staatenloser Dschihadis sind, die in Großstädten in ihren Appartments Pizza essen und unsichtbar bleiben bis sie irgendwann mit einer Maschinenpistole in ein Einkaufszentrum gehen? Irak unter Saddam Hussein und Afghanistan unter den Taliban waren zwei Länder mit praktisch den schwächsten Armeen auf der Welt. Nur ein paar afrikanische Elends-Länder haben noch weniger Militärmacht. Die einzigen Bedrohungen, die gewünschten Kriterien erfüllen, sind Russland und China.

Westliche Eliten lassen sich doch ihre „Erfolge“ nicht zunichtemachen und erlauben, dass nach dem kalten Krieg die vielen einzelnen Länder in Ost und West eigenständig und frei werden. Da freute man sich diebisch über die erheblichen Reste an KGB-Spionen in den ganzen ehemaligen Ostblockländern, da ließ man mit Freuden KPdSU-Kader Volksvermögen in den Westen verschachern und das Geld in westlichen Banken anlegen mit traumhaften Renditen. Da ließ man gerne KGB-Experten über das westliche System überall im Westen kriminelle und höchst einträgliche wirtschaftliche Unternehmungen machen. Man schaute auch weg, als die polnische Präsidentenmaschine mit selbstbewussten und recht unabhängigen Führungsfiguren des Landes unter fadenscheinigen Umständen in Russland abstürzte.

Die einflussreiche Trilaterale Komission gibt in einem Bericht namens „Engaging Russia The Next Phase“ unumwunden zu:

„…die bedrohlichste Situation wäre ein schwaches und instabiles Russland, in dem extremistische Elemente nach vorne stoßen. Die Sicherheit von Lagern für Massenvernichtungswaffen würde in Gefahr sein. Lokale Konflikte könnten aufflammen und Russland würde eine weit weniger verlässliche Quelle für Energie und andere Rohmaterialien werden..“

Man will kein zerbrechendes Russland in dem sich neue, eigensinnige Staaten bilden, nicht wirklich einen Haufen Staaten im Ex-Ostblock der Eigenständigkeit übt und Atomwaffen besitzt. Wie will man sowas globalisieren und zu dem anvisierten Weltstaat machen? Was liegt näher für westliche Eliten auf höchster Ebene, als mit den Russen zusammenzuarbeiten, um all die vielen einzelnen Staaten mit schwelenden Ost-West-Konflikten aufzureiben und zu beschäftigen?

Wir sehen das an der Ukraine: Es ist nicht einfach ein simpler Kampf zwischen EU/USA und den Russen um die Kontrolle in der Ukraine. Es kämpfen auch die EU/USA und Russland gemeinsam gegen die Unabhängigkeit der Ukraine. Die Kissenschlacht in den Medien um die Ukraine ist eine große, hundsgemeine Show. Längst haben die EU und Russland weitläufigste Kooperationen vereinbart. Eine Gruppe von extrem einflussreichen Vertretern aus Deutschland und Russland trifft sich beispielsweise regelmäßig wie die Bilderberger und versucht, mit einer harmlos wirkenden Webseite und einem unscheinbaren Namen möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der „European Business Congress e.V.“ gibt sich als Nichtregierungs- und NonProfit-Organisation, ist aber eine handverlesene Elite aus der deutschen und der russischen Energiewirtschaft und trifft sich beispielsweise im Berliner Ritz Carlton Hotel. Man verwaltet Milliarden und baut eine langfristig angelegte russisch-europäische Energiewirtschaft auf, mit allen damit verbundenen gegenseitigen Abhängigkeiten. Das geplante neue deutsche Stromnetz soll russischen Atomstrom transportieren, nicht Windstrom aus der Nordsee.

Russland braucht, will sogar den Druck von außen. Man ist jeden Tag dankbar über die westliche Rüstung, über den wackeligen Raketenschirm der in der EU gebaut wird und der sich ohne große Mühe ausschalten lässt, und über die flauen CIA-Missionen zur Destabilisierung. In den 1930er Jahren suchten die Sowjets vergeblich und händeringend nach einer echten innerstaatlichen Bedrohung und fanden keine mehr. Man hatte Millionen Menschen in die Lager gebracht, weil sie sich einfach nur beschwerten. Das waren keine James Bond-Westagenten. Also war man gezwungen, Feinde und Verschwörungen zu erfinden. Nur durch den gewünschten Druck von außen ließ sich in Russland nach 1990 die Rüstung rechtfertigen, die Geheimpolizei, die Kontrolle und Zerschlagung jeglicher Freiheit und Opposition. Viele höhere Sowjets und viele Geheimdienstler waren selbstverständlich eingeweiht in den Plan, die Sowjetunion heimlich weiterzuführen und die Herrschaft der alten Kader zu bewahren. Nach 1989 konnten die Pleite-Sowjets die jahrzehntelang heimlich vom Westen gefüttert wurden, endlich den großen Reibach machen und ihre Macht u.a. auf ganz Europa ausdehnen wie es in alten Zeiten nie möglich gewesen wäre.

Der scheidende Bilderberg-Agent und erste Präsident des Europäischen Rates, Hermann van Rompuy, forderte im Dezember 2012 nicht etwa eine „Einkreisung und Isolierung Russlands“, sondern vielmehr Folgendes:

„Russland und die EU haben viel zu gewinnen durch eine Kooperation. Beider Wirtschaft sind eng miteinander verbunden. Wir müssen weitere Fortschritte machen für ein neues Abkommen, um unsere zukünftige Zusammenarbeit auf eine solide rechtliche Basis zu stellen. Die EU und Russland können gemeinsam einen entschiedenen Beitrag leisten für Global Governance.“

Der ehemalige russische Außenminister Igor Iwanow darf Gastartikel schreiben bei Project Syndicate, ein Projekt des Globalisten George Soros und dessen Open Society Foundation. Der Milliardär Soros verfügt über beinahe 500 Zeitungen in über 150 Ländern und ist Mitglied bei TC, WPC, CEIP und Bilderberg. Iwanow darf in seinem Text mit der Überschrift “Need for Europe-Russia institutional integration” (Notwendigkeit einer Integration russischer und europäischer Einrichtungen) die Verschmelzung von Russland und EU fordern.

Iwanow nahm jahrzehntelang an Treffen des CFRs teil, schrieb für das CFR-Journal Foreign Affairs, war im Vorstand der Euro-Atlantic Security Initiative (EASI) des Carnegie Endowment, saß im Vorstand von Ted Turners United Nations Foundation, sprach zum World Economic Forum und verkehrte mit vielen Weltregierungsbefürwortern des Royal Institute for International Affairs (RIIA). Inzwischen wurde er Präsident des Russian International Affairs Council (RIAC), der russischen Roundtable-Gruppe.

Einer seiner alten Kumpane im britischen diplomatischen Corps ist Sir Roderic Lyne, ehemaliger britischer Botschafter für Russland und großer Befürworter der Ost-West-Konvergenz, insbesondere einer Integration von Russland und der EU. Lyne ist inzwischen Vizepräsident des RIIA, Vorstandsmitglied der russisch-britischen Handelskammer und Berater für JP Morgan Chase. Sein Artikel in der Publikation Europe’s World von 2006 hatte den Titel “Russland in der EU? Wir sollten niemals nie sagen.” Lyne war zusammen mit Strobe Talbott (CFR) und Koji Watanabe Autor des zuvor erwähnten Berichts der Trilateral Commission “Engaging with Russia: The Next Phase”.

Ist es also der Plan des angelsächsischen Establishments, Chinas und Russlands, einfach die ganze Weltbevölkerung aufzureiben und hinterher eine unfreie Weltregierung zu bilden? Die Konvergenz-Strategie wurde in deutlichen Worten vom ehemaligen Präsidenten der Ford-Stiftung und Mitglied des Council on Foreign Relations, H. Rowan Gaither, ausgesprochen. Er gestand dem Ermittler des US-Kongresses Norman Dodd im Jahr 1953, dass er und weitere Personen innerhalb und außerhalb der Regierung zusammenarbeiten „um das Leben derart in den Vereinigten Staaten zu verändern, dass wir bequem mit der Sowjetunion verschmolzen werden können.“  (William H. McIlhany’s The Tax-Exempt Foundations, Arlington House, 1980).

Manche Analysten befürchten, dass manche oder alle der Beteiligten doch einen Weltkrieg in Betracht ziehen, um selbst den ganzen Kuchen zu bekommen und um auszuschließen, dass man von den anderen Power-Playern hereingelegt wird.  Das Säbelrasseln in der Tagespolitik und in den Medien ist nicht zu unterschätzen. Russland rüstet extrem und hat strategische Partnerschaften mit einer weiteren militärischen Supermacht, China, welche Ansprüche erhebt auf die Seehoheit. Sobald Chinas Marinestreitkräfte groß genug sind und auf den anderen Militärbereichen nachgeholt wurde was im Moment noch fehlt, könnte durchaus der Versuch gestartet werden, eine Neue Weltordnung der BRICS-Staaten mit purer Gewalt umzusetzen. Joel Skousen vermutet, dass das westliche Establishment mit diesem Szenario rechnet und sogar BRICS einen Angriff schmackhaft zu machen. Es gibt tatsächlich vieles das darauf hindeutet, dass man sich den USA darauf voebereitet, einen Erstschlag zu absorbieren und dann mit geheimer, überlegener Militärtechnik den moralischen Retter und Befreier der Welt mimen will.

Welches Szenario auch eintreffen mag. Lassen sie sich nicht für dumm verkaufen und seien sie im gleichen Maße misstrauisch und ablehnen gegenüber den Eliten in Ost und West.

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