von Jürgen Roth

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Am 15. Mai 2011 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen bemerkenswerten Artikel. Die Überschrift lautete: „So schön kann Russland sein.“ Das alles hängt direkt mit folgendem Vorgang zusammen und der berührt nun wiederum Deutschland.

„Fußball-Hooligans als Journalisten—Schläger engagiert“, titelte Russland-Aktuell am 10. November 2010. Demnach werden Umweltschützer und Journalisten in Russland zuweilen Opfer von brutalen Überfällen. „Möglicherweise lassen Beamte, die sich von deren Tätigkeit belästigt fühlen, Fußball Hooligans die Drecksarbeit machen.(1)

Für die Jugendorganisation der Putin-Partei Einiges Russland, die Naschi (die Unsrigen), dienen sie laut russischen Medien, hin und wieder als Sturmtruppen oder Wachmannschaft.

Anfang November 2010 wurde der Journalist Oleg Kaschin brutal zusammengeschlagen, so dass er mit schweren Schädelverletzungen und zahlreichen Knochenbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er hatte sich zuvor mit seiner Kritik an den undemokratischen Zuständen in Russland viele Feinde gemacht.

“Oleg Kaschin hatte ein Interview mit Umweltaktivisten publiziert, die gegen ein Straßenbauvorhaben bei Moskau protestierten. Prompt wurde er auf der Internetseite der Kreml-Jugendorganisation als Verräter-Journalist bezeichnet, der seiner Strafe nicht entgehen werde. Mit einer Eisenstange wurden ihm der Kiefer, die Beine und Handknochen zertrümmert.“(2)

Und als Ende November 2010 der Putin-Kritiker Boris Nemtsow aus den USA zurückkehrte, wurde er noch am Moskauer Flughaften verprügelt. Nach seinen Worten waren es Angehörige der Naschi.(3) In den USA hatte es Boris Nemtsow gewagt für Wladislaw Surkow, den Kreml-Berater und Mitbegründer der Naschi, ein Einreiseverbot in die USA zu fordern.

Im Sommer 2010 trat Ella Pamfilowa, Vorsitzende der Menschenrechtskommission beim russischen Präsidenten von Ihrem Posten zurück. Vor ihrem überraschenden Rücktritt hatte sie eine Aktion der Kreml-Jugendorganisation Naschi in einem Sommerlager heftig kritisiert. “Die Jugendlichen hatten Bilder mit den Köpfen von Menschenrechtlern und Regierungskritikern symbolisch auf Pfähle gespießt und diese Kräfte als Verräter Russlands kritisiert. Ella Pamfilowa sagte, sie habe Angst, dass ’solche Leute an die Macht kommen’. Bei Aktionen der sogenannten Putin-Jugend seien auch schon Bücher verbrannt worden, kritisierte sie.“(4) Wenige Monate zuvor hatte bereits Robert Schlegel, der ehemalige Pressesprecher der Naschi und inzwischen Abgeordneter der Putin-Partei Einiges Russland, ihre Ablösung gefordert.(5)

Was die Angelegenheit so schmierig macht sind deutsche Politiker die das alles nicht besonders zu stören scheint. Einer ist Philipp Mißfelder, Chef der Jungen Union und außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU. hat wenig Berührungsprobleme,  mit Mitgliedern der Putin-Jugend Naschi. Zum Beispiel mit dem Duma-Abgeordneten Robert Schlegel. „In Moskau wird Philipp Mißfelder mit Robert Schlegel diskutieren.“ Die Diskussion fand im Zusammenhang mit einer Veranstaltung des Vereins.. “Deutschland-Russland – Die neue Generation” in Moskau statt.

Zu diesem Verein gehört als Vorsitzende  Anna-Marie Großmann, die Tochter des Chefs des Energiekonzerns RWE an. Unterstützt wird sie von Maximilian von Waldenfels. Das ist der Sohn des ehemaligen bayerischen Finanzministers und war bis zum Rücktritt des Plagiators und Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg dessen persönlicher Referent. Dann sind auch noch zwei führende Mitarbeiter von McKinsey dabei. „Vernetzt sind die Leute von der „neuen Generation“ in der Politik sehr gut“. schreibt Markus Wehner in der FAZ. Sogar Bundespräsident Christian Wulff, in dessen Umfeld ein Mitglied des Vereins sitzt, setzte sich für den Verein ein, damit Wladimir Putin sie in Moskau empfängt.

Mitinitiiert wurde der Verein von Wladimir Kotenjow, dem russischen Ex-Botschafter in Berlin, einem Mann mit einer bewegten Vergangenheit und bis heute ein treuer Vasall des undemokratischen Systems Wladimir Putin. Inzwischen ist der langjährige Propagandist für Putins Politik (Botschafter von 2004-2010)  kein Diplomat mehr, sondern lässt sich nun von Gazprom als deren Deutschland-Chef fürstlich bezahlen. Seine Aufgabe ist es für Gasprom den Weg nach Westen noch weiter zu öffnen und den Einfluss des Energie-Unternehmens in Europa ausbauen.(6)

Geld spielt da keine Rolle. Ebenso hilfreich sind natürlich Beziehungen, um dieses vom Kreml vorgegebene Ziel zu erreichen. Sanfte Propaganda auf der einen Seite – und da spielt der Verein Die neue Generation wohl eine wichtige Rolle – und brutale Gewalt in Russland auf der anderen Seite, man spürt die Schule des alten KGB.

Um entsprechende Überzeugungsarbeit zu leisten  flogen 120 Mitglieder des Vereins, auf eigene Kosten, von Berlin aus nach Moskau, um die schönen Seiten von Russland besser kennenzulernen. „Ein Wermutstropfen ist, dass das geplante Treffen mit Wladimir Putin nicht stattfinden wird. Der Ministerpräsident hat abgesagt. An seiner statt kommt der stellvertretende Minister für Jugend und Sport. Zudem wird Wladimir Kotenjow mit dem Vorstandsvorsitzenden von Eon-Russland diskutieren. Und wer sponsert nun die Veranstaltung Die neue Generation in Moskau? „Neben Gasprom, der Gasprombank und McKinsey gehören Eon, Wintershall, Siemens, Porsche, die Deutsche Bank, Henkel sowie russische Industrieriesen wie Sewerstal oder Norilsk Nickel dazu.“(7)
(1) www.aktuell.ru/russland/panorama/fussball-hooligans_als_journalisten-schlaeger_engagiert_3151.html

(2) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28. November 2010

(3) www.ruthfullyyours.com/2010/11/23/russian-hooligans-assault-a-critic-of-putin-kgb-tactics-reset/

(4) Focus Online, 30. Juli 2010

(5) The St. Petersburg Times, 9. Oktober 2009

(6) Markus Balser: Gazprom auf dem Weg nach Westen, Süddeutsche Zeitung, 9. Juli 2010

(7) Markus Werner: So schön kann Russlan sein, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15. Mai 2011

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