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Adam Charles Kokesh, der verhinderte Opportunist – UPDATE 4

PolitikAdam Charles Kokesh, der verhinderte Opportunist - UPDATE 4

Von Alexander Benesch

Adam Charles Kokesh ist semiprominenter Irakkriegsveteran, Independent-Medienfigur und Anarchokapitalist, der die USA samt Verfassung auflösen möchte. Am meisten aufgefallen ist er bislang mit Publicity-Stunts, die regelmäßig in seiner Verhaftung resultieren, ohne dass er dadurch aufgestiegen ist in die Bundesliga prominenter US-Liberaler. Sein neuester Streich war ein dramatisch angekündigter bewaffneter Protestmarsch in Washington D.C. der die Waffengesetze dort verletzt hätte. D.C. ist gemäß der US-Verfassung ein extraterritoriales Gebiet, nicht Teil irgendeines Bundesstaates und untersteht der Jurisdiktion des Kongresses. Der zweite Verfassungszusatz auf das Rechtauf Waffenbesitz greift also nicht ohne weiteres. Selbst wenn es normales US-Territorium wäre, ist es ausgeschlossen dass der oberste Gerichtshof nach dem Urteil DC vs. Heller in absehbarer Zeit erneut einen Waffenrechtsfall verhandelt, dem eigenen vorhergehenden Urteil widerspricht und die Strafen der Teilnehmer einer bewaffneten Kokesh-Demonstration aufheben würde.

Vielleicht war ja diese simple Erkenntnis ausschlaggebend dafür dass er dieses brandgefährliche Himmelfahrtskommando vorher abblies. Vielleicht war seine ursprüngliche Hoffnung, dass es zu Schießereien kommt und Märtyrer geschaffen werden, die durch ihren Tod das Land in klassischer Agitprop-Manier destabilisieren wie im arabischen Frühling. Nur Tote und Verwundete taugen als echte Märtyrer, ansonsten bringen ja softere Märtyrer-Aktionen wie Sich-verhaften-lassen usw. nichts. Der Anarchokapitalisten-Guru Hans-Hermann Hoppe lehrt:

  • Hasst alle, die in irgendeiner Form die Republik wollen
  • Macht Märtyrer-Aktionen

Genau dieses Agitprop-Programm nudelt Kokesh runter und agitiert gegen alle seine Kritiker; diese seien nur feige, faul und auf ihren Vorteil versessen. Letztendlich ließ er sich alleine früh morgens für rund 20 Sekunden am Freedom Plaza in D.C. beim Laden einer Schrotflinte und dem Ausstoßen ominöser Drohungen im Stil eines Pro-Wrestlers filmen. Kürzlich wurde er dafür wieder verhaftet und erwartet potentiell mehrere Jahre Haft.

Endlich haben die Liberalen, insbesondere die Anarchokapitalisten, einen toughen Rockstar und nicht nur großväterliche Akademiker. Jemand der als Sargeant im US Marine Corps mitten im Irakkonflikt stand und zum Antikriegsaktivisten wurde, der halluzinogene Drogen über das Internet von Unbekannt auf dem illegalen ebay-Verschnitt namens The Silk Road kauft und mit der Crypto-Währung Bitcoins bezahlt, jemand der vor laufender Kamera Drogen konsumiert und in unzähligen Sendungen sichtbar stoned ist, jemand der nach eigenem öffentlichen Bekunden seit Jahren seine Einkommenssteuererklärung nicht mehr abgegeben hat.

Seine Hoffnung, durch Publicity Stunts und die Anarcho-Haltung die Aufmerksamkeit und Unterstützung von bekannten liberalen Medienfiguren zu bekommen, um selbst endlich berühmt zu werden und aus seinem Kellerstudio auszuziehen, wurde bitter enttäuscht. Fast durchweg stieß er auf Ablehnung und Kritik für sein Verhalten und seine Strategien. Kokeshs Erklärung dafür? Lew Rockewell, die Oath Keepers und alle möglichen anderen Kritiker seien einfach „Feiglinge und Arschlöcher“:

Abgelehnt und konstruktiv kritisiert zu werden, ist wohl das Schlimmste für Adam. Er würde sich lieber medienwirksam verhaften und verprügeln lassen von der Regierung, als nüchtern und sachlich kritisiert zu werden.

Viele begeisterte Fans machen es ihm nach, kaufen Drogen über das Internet, zahlen Steuern nicht mehr und versuchen, andere Menschen zu überzeugen, die Republik auf immer zu zerstören. Rund tausend Leute wären vielleicht zu dem bewaffneten Marsch in D.C. gekommen und hätten womöglich dem Establishment einen riesen Gefallen getan. Eine nüchterne Betrachtung des Mannes ist längst überfällig.

Eine chaotische Kindheit

Sein Vater ist der wohlhabende jüdische Anwalt Charles Kokesh, allem Anschein nach ein richtiger Gauner der es wie sein Sohn ständig mit den Gesetzen nicht so genau nimmt. Die Bankenaufsichtsbehörde SEC wirft ihm vor, schlappe 45 Millionen Dollar seiner Investoren veruntreut zu haben. In Florida wird er angeklagt wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz für gefährdete Arten und falschen Angaben gegenüber Behörden, was längere Haftstrafen nach sich ziehen kann. Thornburg Mortgage Home Loans Inc. verklagte Charles und Marla Kokesh 2008 auf Zwangsvollstreckung wegen 4.3 Millionen Dollar Schulden auf ein Haus mit Grundstück. Zuvor soll Charles Verschleppungstaktiken angewandt haben um nicht zu zahlen. Auch bei dem von ihm gekaufte Santa Fe Pferdepark gab es Probleme: Die Los Alamos National Bank klagte auf Zwangsvollstreckung wegen 2,25 Millionen Dollar unbeglichener Schulden. Die Mutter ist Psychiaterin und Mitglied einer Chippewa Band, arbeitet mit den Hopi-Indianern in Arizona. Die Eltern sollen geschieden sein, Adam in seiner Kindheit 3 verschiedene Internatsschulen besucht haben. Mit 14 brachte man ihn ins Bootcamp fuer Jugendliche in Camp Pendleton. Seinen eigenen Worten zufolge will er später ziemlich gefühllos gegenüber seiner Mutter gewesen sein als er ihr mitteilte, in den Krieg zu ziehen.

Fühlte er sich von seinen Eltern abgelehnt und verstoßen, als nicht gut genug? Bekam er Zuhause als Kind die notwendige Bestätigung, bedingungslos geliebt zu werden, oder entstand hier ein bedeutender Mangel? Liegt hier Adams problematische Persönlichkeit begründet? Liegt seiner anarchistischen Ideologie und seiner Regelbrecherei eher seine Kindheit zugrunde und nicht hochtrabende philosophische Konzepte?

Die kurze Militärkarriere und das Betteln nach einer Rückkehr in den Irak

Adam schrieb sich mit 18 Jahren bei der Reserve des United States Marine Corps ein. Man teilte ihn dem 5th Battalion 14th Marines zu, einem Reserve-Artillerie-Battaillon mit Sitz in Seal Beach, California. Von 2000 bis 2003 war er matrikuliert an dem Claremont McKenna College im Fach Psychologie und leistete keinen aktiven Dienst. Schließlich kam der Befehl zum Ausrücken, zusammen mit der 3rd Civil Affairs Group ging es zwischen Januar und August 2004 in die irakische Provinz al-Anbar.

Laut seiner eigenen Biographie beschränkte sich seine Kampf-Erfahrung auf gerade einmal 18 Tage, als seine Einheit einem Bataillon in Falludschah zugeteilt wurde. Die Soldaten für zivile Angelegenheiten verteilten Essensrationen an Irakis während das Bataillon die Brücken, diverse Häuser und ein Krankenhaus prüfte, bei Checkpoints, Patroullien und Kampfeinsätzen half. Kokesh erklärte, seine Einheit verteilte einen Großteil der Zeit einfach Cash an Zivilisten und Auftragsfirmen. Nichtsdestotrotz verdiente er eine Combat-Auszeichnung. Seine Auszeichnungen und Beförderungen deuten auf einen strebsamen, ambitionierten Soldaten hin der seinen Vorgesetzten gefiel. Bald wurde aber ein schwerer Regelverstoß aktenkundig: Bei der Rückkehr von seinem Irakeinsatz schmuggelte er eine Pistole nach Hause und wurde erwischt. Wieso soll ein Amerikaner, der sich Zuhause jederzeit eine Waffe besorgen kann, solch ein Risiko eingehen? Jemand brach Adams Auto auf dem Unigelände auf und entwendete die Pistole; Adam meldete den Verlust und die Sache flog auf. Drei schwere Anklagepunkte (felony charges) wurden zum Glück für ihn in ein kleines Vergehen verwandelt. Das Militär sah die Sache aber damit nicht als erledigt an.

Wo er noch davor erst zum Rang eines Sargeant befördert worden war, stufte man ihn als Strafe zum Corporal herunter, gab ihm eine ehrenhafte Entlassung und machte ihm klar, dass ein erneutes Ausrücken für ihn ausgeschlossen war. Einem Offizier gegenüber klagte Kokesh später folgendes:

Während dieser Dienstzeit brachte ich eine Pistole aus dem Irak mit nach Hause. Es war keine Trophäe, sondern ich hatte sie von einem irakischen Polizisten gekauft mit dem wir zusammenarbeiteten. Wie dem auch sei, mein CO [Kommandierender Offizier] entdeckte das als ich mich darauf vorbereitete, für eine weitere Tour auszurücken mit dem 3rd CAG, dieses Mal nach Ramadi. Ich bettelte darum, wieder in den Einsatz zu gehen, aber man erlaubte es mir nicht. Ich hatte mich freiwillig gemeldet, bis zu einem Jahr lang aktiviert zu werden, wurde aber diese gesamte Zeit über nicht eingesetzt. Ich verbrachte den Großteil dieser Zeit damit, den Rasen um unser Gebäude herum zu mähen und bettelte darum, in den Irak geschickt zu werden. Ich wollte nur nach meinen besten Fähigkeiten in der geeignetsten Kapazität dienen.

Klingt dies nach einem Soldaten mit posttraumatischer Belastungsstörung, der es nicht länger mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, mit dem bösen Militär noch länger an einem völlig kriminellen Krieg teilzunehmen? Überhaupt nicht. Adam, der chronische Regelbrecher, hatte es sich einfach mal wieder verscherzt und wurde abgelehnt, als nicht gut genug befunden.

Im November 2006 war endgültig klar, dass das Marine Corps nicht seine Bettelei erhören und ihn nicht mehr in den Irak schicken würde. Gab es noch weitere, nicht aktenkundig gewordene Verstöße, wegen denen man keine Lust mehr auf ihn hatte? Wurde seine Persönlichkeit ihm zum Verhängnis? Im Frühling 2007 war er bereits ein „Antikriegsaktivist“.

Neuerfindung als Antikriegsaktivist

Nach seiner Entlassung erfand er sich neu als leidender Veteran, Antikriegsaktivist und geläuterter Staatsgegner, der angeblich eine posttraumatische Belastungsstörung wegen den Kampferinnerungen mit Alkohol und dem Beruhigungsmittel Xanax betäubt. Er, der ein ganzes Jahr lang zuvor noch vergeblich darum gebettelt hatte, wieder in den Irakkrieg zu dürfen, belehrte folglich die Welt über diesen unmoralischen Krieg. Er wirkt wie beleidigte Leberwurst und Opportunist in einem. Wenn er schon nicht mehr mitkämpfen durfte, dann versuchte er sein Möglichstes, um das Militär zu ärgern und gleichzeitig den Veteranenstatus irgendwie profitabel auszuschlachten. Wenn er nicht ausrücken durfte, dann sollen das andere auch nicht können. Weil ihm vom Militär seine Wünsche verwehrt worden sind und man ihn gedemütigt hatte, dann wird er sich rächen und als Promi-Aktivist seine eigene „Truppe“ aufstellen.

Er nannte sich in der Öffentlichkeit eine Zeit lang werbewirksam „Sargeant Kokesh“ obwohl er zum Lance corporal herabgestuft worden war, ein sogenannter E-3 Rang, der bei der regulären Army geradeeinmal dem Rang Private First Class entspricht.

Er zählte nach seiner Entlassung immer noch zur Individual Ready Reserve und trug am 19. März 2007 bei einer Antikriegs-Demonstration Uniformgegenstände. Er bekam die Aufmerksamkeit die er wollte, sein Foto landete in der Washington Post. Dummerweise wurde ein Major des Marine Corps darauf aufmerksam und schrieb Kokesh, man hätte eine Untersuchung eingeleitet wegen dem Bruch der Uniform-Bestimmungen. Kokesh antwortete mit einer Beleidigung, was ihm eine zweite Untersuchung wegen Fehlverhaltens einbrachte. Seine ehrenhafte Entlassung wurde nachträglich geändert in eine „weniger-als-ehrenhafte“ Entlassung, wodurch er Veteranen-Krankenkassenleistungen und 10.000 $ verlor. Wieder einmal schoss sich der empfindlich-stolze Adam mit seiner Regelbrecherei selbst ins Bein.

Er suchte im Folgenden die Gesellschaft linker Gruppen wie CodePink, ANSWER, Moveon.org, SDS und IVAW sowie prominenter Antikriegsaktivisten. Unter George W. Bush hatten die sozialistischen Kriegsgegner Hochkonjunktur.

Russlands Geheimdienste haben seit langem einen großen Einfluss auf die Antikriegsbewegung und schüren die „God damn America“ Stimmung, eine Befreiungstheologie und die Schwächung Amerikas zugunsten Russlands. Kokesh arbeitete später für den Kreml-Sender Russia Today. Der KGB hatte schon im kalten Krieg sehr viel Geld ausgegeben für Operation Ares, um die öffentliche Meinung in den USA zu beeinflussen. Beispielsweise hatte man die Stockholm-Konferenz über Vietnam mitfinanziert und mit Undercover-KGB-Offizieren ausgestattet. Massenhaft gefälschte Fotos über Kriegsverbrechen stammten ebenso aus den Fälscherwerkstätten der Russen.

Als die US-Streitkräfte sich aus Vietnam zurückzogen, massakrierten die Kommunisten dort geschätzte 2 Millionen Menschen. Die heutige Propagandaleistung der russischen Dienste besteht darin, der Welt weiszumachen, die Sowjetunion sei alte Geschichte und Russlands Führung heute die große Hoffnung und das große Gegengewicht zum amerikanischen Imperialismus. Praktisch niemand aus Sowjetrussland wurde für seine Taten zur Verantwortung gezogen, obwohl über 94 Millionen Leute während „Friedenszeiten“ durch die russische Führung getötet worden waren.

Es gab einen anderen hochgewachsenen und muskulösen Kriegsveteran, der wirklich eine Antikriegsikone hätte werden können. Er war mit dem Silver Star und dem Purple Heart ausgezeichnet, gab für das Militär seine vielversprechende Profi-Footballkarriere auf, war bereits zuvor prominent und vor allem – er kritisierte den Krieg bereits WÄHREND seinem Einsatz, nicht erst kurz hinterher nach einer Entlassung wie Kokesh. Sein Name war Pat Tillman und er wurde umgebracht. Da kann Kokesh einfach nicht mithalten. Auch John Kerry vermarktete politisch seine Zeit beim Militär. Die Medaillen die er in unrealistisch kurzer Zeit angehäuft hatte, wurden während der Präsidentschaftskampagne 2004 ernsthaft in Zweifel gezogen. Das aus hohem Hause stammende Mitglied des Eliteclubs Skull and Bones spielte in der Öffentlichkeit die Rolle des linken Antikriegs- und Antiimperialismus-Aktivisten.

Im Mai 2007 reiste Kokesh nach Deutschland und brachte dort zusammen mit einem weiteren inaktiven Reservisten einen unauthorisierten Zivilisten in eine Militärbasis. In einer Essenshalle verlas er einen Brief von „den Menschen aus Ansbach“ in dem er die Soldaten, die bald in den Irak ausgeschickt werden sollten, zum desertieren aufforderte. Die Organisation, mit der Kokesh unterwegs war, hieß Iraq Veterans against the War (IVAW). Kokesh war ein großer Unterstützer der Demokratischen Partei, welche 2006 die Mehrheit bei den Kongresswahlen gewonnen hatte. Sein IVAW-Partner Geoffrey Millard, ein Hochstapler, tauchte erst recht tief in die Antikriegs-Linke ein. Auf dem folgenden Video bejammern Millard und die anderen, dass die Demokraten nicht das umgesetzt haben, was sich IVAW erhofft hatte.

Hier ist ein Interview zwischen Millard und Kokesh:

Millard sah wegen alten Verletzungen praktisch nie den Kampf, sondern diente lediglich als Büroassistent. Als ein Austreten aus der Armee wegen medizinischer Gründe nicht durchging, versuchte er es als Kriegsdienstverweigerer aus „Gewissensgründen“. Im Anschluss zog er mit IVAW als „Vollzeit-Aktivist“ durch die Gegend und rieb sich bedeutungsschwanger an jedem Anti-Kriegs-Promi. Andere Veteranen spionierten Millard hinterher und fanden einen unbedeutenden Jammerlappen der irgendwann nicht mehr zum Dienst erschienen war. Im Gegensatz zu seinen vollmundigen Selbstdarstellungen war Millard nie ein Sargeant sondern hatte nur den Unteroffiziersgrad Specialist. Die Dokumente zeigen sehr magere Auszeichnungen, er behängt sich öffentlich aber mit zahlreichen glänzenden Medaillen. Er behauptet, überall in der Welt schon als Soldat gewesen zu sein, die Dokumente widersprechen. Das FBI ermittelt wegen Urkundenfälschung.

Jede Menge Drogen

Screenshots zeigen einen schriftlichen Beitrag von Kokesh, in dem er erklärt, Gin und das Medikament Xanax zusammen konsumiert zu haben. Er spricht von einer Phase des ernsten Alkoholismus. Alprazolam ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit mittlerer Wirkungsdauer, der zur kurzzeitigen Behandlung von Angst- und Panikstörungen eingesetzt wird. Wie alle Benzodiazepine kann auch Alprazolam schon nach kurzer Einnahmedauer zu einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit führen. Das Risiko für eine Sucht steigt mit der Höhe der Dosierung und der Länge der Medikamenteneinnahme. Patienten mit bekannten Tablettenabhängigkeit, Drogen- oder Alkoholsucht in der Vorgeschichte haben ein erhöhtes Risiko der Suchtentwicklung. Zu seiner Rechtfertigung erklärte Kokesh wieder, versucht zu haben seine posttraumatische Belastungsstörung damit in den Griff zu bekommen. Widersprüchlicherweise hatte er aber ein Jahr lang nach seinem Einsatz, der nur 18 Tagen limitierte Kampfhandlungen beinhaltete, seine Vorgesetzten angebettelt, wieder in den Irak zu dürfen.

Es scheint wie eine weitere billige Ausrede, die ihn in glänzendem Licht präsentieren, ihn besonders machen soll.

Irgendwann wechselte er über zu Marihuana und Halluzinogenen wie DMT oder Magic Mushrooms. Die Häufigkeit, in der er stoned Sendungen produziert hat, lässt darauf schließen dass sein Konsum nicht sporadisch ist, sondern möglicherweise täglich und zum Dauerzustand geworden ist.

Das Verführerische an Drogen für eine Persönlichkeit wie Kokesh ist, dass sie die Fantasien nähren, großartig und einzigartig zu sein, über Gesetzen und Regeln zu stehen, erleuchtet zu sein. Außerdem liefert der Rausch eine Isolation von den „gewöhnlichen“ Menschen. Nach außen wird natürlich die Abhängigkeit dargestellt als besondere Experimentiererei zum Erkenntnisgewinn und Wohl der Menschheit sowie als „Ausleben von Freiheit“.

Neuerfindung als koservativer Republikaner

2010 will er schließlich Politiker werden, genauer gesagt trat er ausgerechnet als „konservativer Republikaner“ in New Mexico an, wohingegen er zuvor auf der Seite der Demokraten stand. Die Wähler interessierten sich jedoch nicht für den unbekannten 28-jährigen ehemaligen Unteroffizier, der außer dem Reservedienst und den wenigen Monaten Einsatz im Irak noch keinerlei berufliche Karriere vorweisen konnte. Wieder eine Ablehnung, wieder war er nicht gut genug.

Medienfigur beim russischen Keml-Sender Russia Today

Ihm fehlt die Kompetenz in politischen und wirtschaftlichen Bereichen, aber als kameratauglicher Ex-Marine mit Irakkriegseinsatz, der sich lautstark gegen das US-Militär ausspricht, bekommt er 2010 trotzdem einen Vertrag bei dem Kreml-Sender Russia Today und seine Sendung war folglich landesweit in den USA empfangbar.

In dem folgenden Video erklärt er, volle inhaltliche Kontrolle bekommen zu haben. Auf die Frage, ob er auch Menschenrechtsverstöße in Russland thematisiere, weicht er aus mit der Erklärung, dass es darum in der Sendung nicht gehe. Er zieht außerdem einen seltsamen Vergleich zwischen den Unzufriedenen in Amerika und den Rebellen in Libyen. Man hätte gerne Luftunterstützung, bekomme aber „nur eine Fernsehsendung“ von den Russen.

Die russsischen Medien sind durchzogen von Geheimdienstlern und es wäre normales Prozedere, zumindest vorzufühlen, ob Kokesh sich möglicherweise rekrutieren ließe. Ein unzufriedener, beleidigter Opportunist mit Rachemotivation wie er wäre ein geeignetes Rekrutierungsobjekt. Seine Aussagen im obigen Video zeigen zumindest, dass er sich von den Russen Hilfe erhofft für seinen Plan, die Bundesregierung und mit ihr zusammen die US-Republik zu stürzen. Irgendwann verlängerte RT den Vertrag mit ihm nicht weiter wegen – wen überrrascht es – einem schweren Regelverstoß: Die öffentliche Bitte um Spenden für Ron Paul in dem russischen Sender. Wieder eine Ablehnung.

Anarchokapitalist und die eigenständige Fortführung der Sendung „Adam vs. The Man“

In dieser Phase wurde er zu dem, was die meisten heute kennen: Der kompromisslose Anarchokapitalist, Agorist und Steuerverweigerer, Konsument von DMT und anderen Rauschdrogen. Die Sendung Adam Vs The Man zog in seinen Keller und er war für die Monetisierung auch selbst verantwortlich, was ein ziemlich hartes Brot ist. Immerhin gibt es keinen Vorgesetzten mehr, der einen davon abhalten kann, komplette Sendungen stoned zu machen und auszusehen wie Emperor Ming. Der einzige prominente Verbündete der ihm noch bleibt, ist Alex Jones, der nicht gerade für seine Menschenkenntnis bekannt ist.

Fazit

Adam Kokesh verstrickt sich seit Jahren durch Aussagen und Handlungen in ernste Widersprüche. Bestenfalls ein unehrlicher Opportunist, könnte er auch berechnend Landesverrat begangen haben. Sollte er wegen seinem neuesten Publicity-Stunt im Gefängnis landen, ist eine weitere Radikalisierung zu erwarten. Er würde sich in seinem Kopf und seiner Vorstellung in Narzisstenmanier zum Mahatma Gandhi und zum Nelson Mandela aufschwingen.

Wie einst die Anführer der Muslimbrüder oder Lenin könnte er später zurückkehren als fanatischer Revoluzzer, der mit der russischen Obrigkeit kollaboriert. Kommt er hingegen magischerweise wieder mit nur einem Klaps auf die Hand davon, trotz mehrerer Anklagepunkte und öffentlichen illegalen Aufrufen zu bewaffneter Rebellion, nährt dies weiter die Spekulation dass er ein bezahlter Provokateur sein könnte. Seine Fans sollten besser die psychologische Komponente in ihre Einschätzung miteinbeziehen und nicht nur darauf hören, was er vor der Kamera sagt.

UPDATE:

Ein gnädiger Richter gab ihm die Möglichkeit, für lächerliche 5000$ Kaution bis zum Prozess auf freien Fuß zu kommen unter der Bedingung, dass er bis zum Urteil keine Waffen mehr besitzen darf. Kokesh scheint die Kaution abgelehnt zu haben und bleibt deshalb weiter in Haft. In der Kautions-Anhörung kamen weitere Einzelheiten über die Hausdurchsuchung ans Tageslicht: Kokesh und seine Freunde, die nach eigenen Angaben „mit der Durchsuchung rechneten“, hatten sich nicht die Mühe gemacht, LSD, Hasch und halluzinogene Pilze rechtzeitig aus dem Haus zu schaffen.

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