Ein Kommentar von Alexander Benesch

Die Dons der US-Steuermafia IRS schickten ihre Capos raus um einen Konkurrenten auf ihrem Gebiet hochzunehmen, das anonyme Online-Bezahlsystem Liberty Reserve.

In insgesamt 17 Ländern gab es Durchsuchungen und Verhaftungen, dem Gründer Arthur Budovsky und sechs Mitstreitern wird Geldwäsche und der Betrieb einer unerlaubten Einrichtung für Finanztransaktionen vorgeworfen. Die Verantwortlichen fuhren Rolls Royce und werden wohl die übliche Web 2.0-Verteidigungslinie versuchen: „Wir lieferten nur das Werkzeug an Kriminelle und machten damit Kohle, angestiftet haben wir niemanden…“

Bei dem Unternehmen Liberty Reserve S.A mit Sitz in San José, Costa Rica konnte man die Währungen US-Dollar als „Liberty Dollar“, Euro in „Liberty Euro“ sowie Gold als „LR-Gold“ aufbewahren sowie anonym Zahlungen an andere Benutzer senden und empfangen. Einmal abgeschlossene Zahlungen waren unwiderruflich. Liberty Reserve hat seinen Sitz in San José, Costa Rica. Die Tochterfirma HYIP Liberty Reserve ist eine Bank mit Sitz in Gibraltar und war die Anlaufadresse Nummer 1 für Schneeballsysteme im Internet.

Das Ein- und Auszahlsystem fungierte über sogenannte „Exchanger“ – dritte Anbieter, die dafür einen gewissen prozentualen Anteil an der Summe für sich behalten. So ließ sich Geld über Landesgrenzen hinweg auf Konten buchen, ohne Aufsicht. Entsprechende Einzahlungen bei den Exchangern standen mit zahlreichen Methoden zu Verfügung, beispielsweise Western Union, Banküberweisung, Paysafecard, MoneyGram oder Ukash. Über entsprechende Exchanger war auch direkt die Einzahlung über Bitcoin möglich. Da Liberty Reserve keinerlei Ausweis oder Identifizierung für Accounts vorschreibt, war de facto eine quasi-anonyme Nutzung bei Angabe falscher Daten möglich.

„Für Gerechtigkeit müssen wir zu Don Corleone.“ – Der Pate

Der IRS ist derzeit in einen dicken politischen Skandal verwickelt, weil anscheinend gezielt liberale und konservative Gruppen attackiert wurden. Konfuses Steuerrecht ist kein Zufall sondern Methode. In Russland versteht z.B. auch niemand mehr das konfuse Steuerrecht, auch wenn immer gesülzt wird dass es dort ja eine Flat Tax gibt. Dann machen sie mal dort ein Business auf und sehen wie die Realität aussieht. Kritisieren sie auch noch die Regierung, haben sie schnell um 5 Uhr morgens die Steuerpolizei mit Maschinenpistolen in ihrem Schlafzimmer.

Faustregel: 90 bis 95 % derjenigen, insbesondere im Internet, die sich und ihre Projekte als „Alternative“ oder „Opposition“ anbieten zum Establishment, sind selbst Kriminelle oder mindestens gierige Schwindler.

In klassischer Manier nannten die hochgenommenden Betreiber ihr System „Liberty Reserve“ obwohl das Ganze mit Freiheit oder einer soliden Deckungsreserve rein gar nichts zu tun hatte. Wir sollen jetzt wie die Idioten das übliche Spielchen mitspielen und das Ganze bewerten, als seien die Typen von Liberty Reserve automatisch die Good Guys, die Gandhis und Nelson Mandelas.

Als herauskam, dass eine Establishment-Bank wie Wachovia 400 Milliarden US-Dollar Drogengelder wusch und kartonweise Cash in Filialen nahe der mexikanischen Grenze akzeptierte, war das Geschrei in der informierteren Öffentlichkeit groß. Zwar mag man argumentieren, dass Drogen entkriminalisiert gehören und der Staat nicht vorschreiben soll, wer was mit sich selbst anstellt, trotzdem ist es verheerend wenn eine Bank oder ein Zahlungsdienstleister sich bereichert indem er schwerstkriminelle Gruppen im gewaltigen Umfang unterstützt. Die mexikanischen Gangs sind inzwischen organisiert wie ein Militär, teilen die Kontrolle über das ganze Land unter sich auf, kaufen sich mit ihrem Blutgeld in legitime Wirtschaftszweige ein und foltern Menschen die ihnen im Weg stehen mit Bohrmaschinen zu Tode.

Wenn hingegen die Betreiber von Liberty Reserve jedem Kartell, jeder Pädomafia und jedem Scammer Geldwäsche anbieten ohne sich über die „Kunden“ zu informieren nur damit man Rolls Royce fahren kann, sollen wir diese Helden feiern und jenen nach dem Takedown als Märtyrer im Kampf gegen IRS und Fed einen Altar zurechtmachen?

Die Gauner wollten ihre Stück vom Kuchen und sich arrangieren, sie wollten keine Rebellion für freiheitlichen Geldverkehr. Genauso wie die Bitcoin-Vögel klargstellt haben, dass sie sich in jeder Hinsicht mit dem Establishment arrangieren wollen, hauptsache sie werden reich dabei. Trotz dieser Offensichtlichkeit und Öffentlichkeit der Einstellung lebt der idiotische Mythos der Geldrebellion, des Cyber-Messias weiter, er ist nicht totzukriegen.

Viele Leute sind einfach nur oberflächliche Gestalten und zwängen jeden Sachverhalt in dieses filmreife und primitiv-kindliche Good Guy, Bad Guy-Schema. Viele die immer gegen „die Masse“ schimpfen, verhalten sich exakt gemäß dem Massendenken wie beispielsweise in Gustave LeBons Buch geschildert: Unfähig zum kritischen Denken, oberflächlich, von Emotionen und einfachen Ideen getrieben und voller Hass gegen diejenigen, die sich entgegen der „alternativen“ Masse äußern.

Andere wiederum sind noch verschlagener: Sie verstehen sehr wohl, dass diverse Geld scheffelnde Schwindler da draußen krumm sind, jubeln denen aber trotzdem zu weil sie selbst gerne erfolgreiche Betrüger wären. Selbstverständlich werden dann die erfolgreichen Schwindler gegen jede gesunde Argumentation verteidigt, weil man sich denkt: „Das bin ich später einmal mit dem Bentley in der Garage und den heißen Bitches in der Yacht!“

Geschätzt liegen momentan Millionen von Dollar auf Liberty-Reserve-Konten, die derzeit nicht von deren Betreibern abgehoben werden können. Eine eventuelle Beschlagnahmung durch die Behörden ist nicht ausgeschlossen. Betroffen hiervon sind auch legale Transaktionen, insbesondere in Ländern, in denen Liberty Reserve bisher als Paypal-Ersatz diente, da es in den entsprechenden Ländern kein Paypal gibt.

2011 war Liberty Reserve zusammen mit Dwolla eine der wichtigsten Methoden um Geld in Bitcoin-Wechselstuben zu bewegen und Bitcoins zu kaufen.

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