Von Alex Benesch

Es gibt inzwischen einen großartigen Markt für taktische Kleidung, funktionelle und robuste Gegenstände die tatsächlich einen höheren Nutzwert aufweisen und auf die sich seit Jahr und Tag Menschen auch unter extremen Bedingungen verlassen. Der Look alleine macht einen bestimmt nicht zum Jack Bauer; in voller Montur beim Ausleihen von 24-Staffeln in der Videothek auf dem Heimweg nicht ausgeraubt zu werden, ist noch keine taktische Leistung.

Nichtsdestotrotz macht die richtige Ausrüstung tatsächlich messbar und fühlbar höhere Leistungen möglich. Man kann im Special Forces-Ultra-Rucksack mehr Gewicht über längere Zeit bei weniger Fitness tragen ohne schlapp zu machen oder eine Verletzung zu riskieren. In modernen Stiefeln läuft es sich heute ähnlich wie im Turnschuh und man bekommt keine Blasen mehr wie die Trooper aus dem letzten Jahrhundert, die eher mit ihren Füßen zu kämpfen hatten als mit dem Gegner.

Die Sachen müssen kein Vermögen kosten, man sollte jedoch rechnen können: Ist eine Billig-Alternative halb so teuer, hält aber nur ein Viertel so lange, sparen sie eigentlich nichts sondern werfen ihr Geld zum Fenster hinaus. Beim Airsoft-Sport oder beim Paintballen ernten sie Gelächter wenn ihre nachgemachte Special Forces-SOCOM-BlackOps-Hose im Schritt reißt (sie können mit dem Anblick vielleicht ihren Gegner kurzzeitig verwirren).

Foto: Pants FAIL

Materialversagen kann aber im realen Leben schnell gefährlich werden, zu Verlust von weiteren wichtigen Gegenständen führen, zu Verletzungen und weiteren Problemen. Eine richtige Einsatzjacke oder Hose z.B. kann einen 10 Jahre und weit länger begleiten und ist in extremen Zeiten extrem viel Wert. Ausrüstung wird bestimmt durch drei Kerneigenschaften:

  •     Das Konstruktionsdesign
  •     Die verwendeten Materialien
  •     Die Verarbeitung

Ein Gegenstand, auf den man sich verlassen kann wenn es darauf ankommt, muss nicht in allen 3 Kategorien Bestwerte aufweisen, darf aber in keiner einzigen der Kategorien wirklich schlecht sein. Ein miserables bzw. völlig veraltetes Design ist auch nicht durch tolle Materialien namhafter Hersteller oder durch makellose Verarbeitung zu retten. Beispiel Rucksack: Man bekommt bereits bei moderatem Gewicht Probleme mit dem Rücken und den Schultern, was schnell zu unnötigen Verletzungen führen kann. Besonders wenn das Adrenalin pumpt, ignoriert man Warnzeichen.

Wenn die verwendeten Materialien schlecht sind, dann hilft es auch nichts wenn die Konstruktion und die Verarbeitung meisterhaft sind. Die Reißverschlüsse gehen kaputt, die Schnallen gehen kaputt, das Nylon wetzt durch und reißt. Wenn die Verarbeitung nichts taugt, gehen früher oder später die Nähte auf und die Träger reißen ab. Auch ein clever designter Rucksack aus 1000DEN-Cordura fällt so auseinander.

Foto: Bundeswehrstiefel-Nachbau nach 3 Jahren leichter Benutzung

Die Verfügbarkeit neuer Sachen ist bei chaotischen Zuständen ein Riesenproblem. Praktisch die gesamte Kleidungsproduktion befindet sich seit langem in Dritte-Welt-Ländern. China kann die Produktion schnell umstellen auf vorwiegend eigene militärische Nutzung und schon stellen die Fabriken keine kik-Discount-Hosen mehr her sondern BDUs für die kommunistische Volksarmee.

Immer hilfreich ist ein konstruktiver, narzissmusfreier Dialog untereinander wenn es um Ausrüstung und Erfahrungen damit geht. Niemand auf dem Planeten hat alle Produktserien von allen Herstellern in der Wüste von Dreckslochistan getestet. Prahlerei ist genauso für den Müll wie Neid. Respekt muss man sich verdienen und ist nicht durch Statussymbole kaufbar. Schier endloses Vergleichen und Fachsimpeln um des puren Quasselns wegen ist Zeitverschwendung.

Blend in und Blend out

Viele die in Prepping einsteigen, möchten reflexartig Paratrooper-Stiefel und ausgemusterte Armeehosen kaufen und würden damit auffallen wie Guido Westerwelle in einer wahabitischen Moschee. Am naheliegendsten ist die Frage: Wie auffällig bin ich insbesondere mit Tarnmustern und ändert sich dadurch mein rechtlicher Status in extremen Zeiten nachteilig? Man möchte entweder sichtbar und gleichzeitig unauffällig sein (blend in), oder man möchte überhaupt nicht gesehen werden (blend out). Für beides gibt es glücklicherweise die passenden Sachen.

Zuallererst das fiese an der ganzen Angelegenheit: Regierungen fahren hier einen unfairen Doppelstandard, man gibt sich selbst carte blanche, schreibt aber anderen alles Mögliche vor. Man zieht eine Trennung zwischen militärisch und zivil, hält sich aber selber im Ernstfall nicht dran. Ein deutscher Bürger z.B. darf nicht in einer kompletten militärischen Montur herumlaufen und Hoheitsabzeichen tragen, weil er sonst den falschen Eindruck erweckt, er arbeite für die Regierung. Viele Bürger weltweit sowie private Söldner (“contractors”), mischen deshalb einfach verschiedene Farben und Muster. Ein bisschen Tarn, schwarz und oliv zusammen, und schon sieht man ganz ganz anders aus.

Alles mögliche kann Tarnung bedeuten in der jeweiligen Umgebung. Flecktarn für Wald und Wiese, schwarz, grau für die Stadt. Viele “taktische” Produkte von Herstellern wie 5.11 oder Helikon sind gezielt so entwickelt, dass sie völlig unauffällig aussehen, aber trotzdem die anderen gewünschten Eigenschaften haben.

Wie kann ich im Ernstfall vermeiden, in einen Checkpoint hineinzugeraten und zu verdächtig auszusehen? Wie kann ich vermeiden, in chaotischen Krisenzeiten als feindlicher Kämpfer designiert zu werden? Ehrliche Militärs haben in Büchern zugegeben, dass die Trennung von zivil und militär überholt und naiv ist. Der vermeintliche Schutz, den man als Zivilist “genießt” ist oft eher vogelfreiheit.

Die Schweizer haben das längst erkannt und ein Milizsystem etabliert, genauso wie die USA ursprünglich per Verfassung und gesundem Menschenverstand ein Milizsystem eingerichtet hatten. Leider verstecken Regierungen hinter der Trennung von militärisch und zivil meist nur unbegründete Verbote für Bürger. Zivilisten sind praktisch immer direkt von Kriegen betroffen. Regierungen zielen auf gegnerische zivile Infrastruktur ab um den gesamten Feind zu lähmen. Regierungen verpflichten auch nach eigenem Gutdünken ihre Zivilbürger in nullkommanichts für einen Kriegdienst: “Hier ist ihre Schaufel und ihr Gewehr! Jetzt marschieren sie und schießen in die Richtung die wir ihnen befehlen!”

Auch in Deutschland nach Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht kann man nach wie vor im Ernstfall eingezogen werden, falls man männlich und in verwendungsfähigem Alter ist. So werden übrigens auch gerne Staatsfeinde beseitigt: Man schickt die unbequemen Störenfriede in die garantiert übel endenden Missionen oder sie werden beim Training oder im Einsatz “aus Versehen” erschossen. Verlassen sie sich nicht auf Gedeih und Verderb auf Papier, Gerichte und die angeblichen Grundreste an gesundem Menschenverstand im Land.

Selbst wenn man als Bürger keinen Ärger sucht und sich in chaotischen Zeiten nicht an irgendwelchen offensiven Dingen beteiligt, sondern nur seine unmittelbare Umgebung von marodierenden Banden verteidigen will, kann man von Regierungen nach Gutdünken als feindlicher Kämpfer eingestuft werden. Solange man männlich und zwischen 13 und etwa 90 Jahren alt ist. Da ist es wurscht ob man keinen Fitzel Tarnmuster und als Bewaffnung nur ein Gewehr in 22 lfb. trägt. In der dritten Welt und im Sozialismus reicht für die Designation Staatsfeind schon ein Witz über die Regierung oder öffentlich geäußerte Kritik. Da hat man dann doch lieber gleich richtige Ausrüstung.

Die sog. Staatengemeinschaft, gemeint sind die verschiedenen Regierungen, schreiben eigentlich allen Soldaten bzw. Partisanenkriegern oder sonstigen Kämpfern vor, dass sie sich jederzeit als Soldaten zu erkennen geben müssen. Keine Sau hält sich aber dran. Weltweit führen Männer Doppelleben als gewöhnliche Bürger und Widerstandskämpfer. Man taucht in der generellen Bevölkerung unter. Oft mit Segen von NATO, Russland, al-Kaida oder sonstwem. So entstehen ja gerade die meisten neuen Regierungen.

Regierungen verschmieren, wenn sie es für nötig halten, die fiktive Trennlinie zwischen militärisch und zivil. Da werden Militär, Polizei und Geheimdienste einfach zusammengeworfen und das Trennungsgebot aufgehoben. Soldaten und Spitzel operieren in zivil oder ohne parlamentarische Aufsicht. Zivilisten werden zwangsweise eingezogen und zum Kampf ausgebildet oder für Aufgaben verpflichtet, die zwar kein Schießen beinhalten, aber trotzdem eine militärische Bedeutung haben. Man verhängt das Kriegsrecht wegen einer Misere die man selbst verursacht hat. Der Staat macht was er will und erklärt seine eigenen Handlungen für legal während man seinen Gegnern mit übelsten Konsequenzen droht wegen unerlaubter “Kriegslisten”.

Verhalten

Entweder man wählt Kleidung und Ausrüstung so dass man gesehen werden kann ohne hervorzustechen, oder so dass man möglichst gar nicht gesehen werden kann. Blend in beinhaltet auch vernünftige Verhaltensweisen. Die wichtigste, einfachste und am häufigsten missachtete Regel lautet:

Wenn Polizisten oder militärische Sicherheitskräfte dich nicht sehen können, können sie dich nicht überprüfen oder verhaften.

Die meiste Polizeiarbeit besteht nicht in filmreifen Schießereien oder in investigativen Meisterleistungen sondern darin, einfach in der Gegend herumzufahren oder zu Fuß zu patroullieren und Ausschau nach Auffälligem zu halten. Wenn 3 bis 5 Männer im gleichen Fahrzeug sitzen, ist die Wahrscheinlichkeit enorm höher, dass man aufgehalten und näher betrachtet wird. Das eigene Fahrzeug und der Fahrstil müssen einwandfrei sein: TÜV, Lichter, Versicherung. Wenn sie beim Anblick von Polizisten blitzartig irgendwelche auffällige Akrobatik betreiben, werden sie näher unter die Lupe genommen.

Liefern sie einfach keinen Vorwand um angehalten zu werden, keine Szene machen in der Öffentlichkeit, kein unnötiger Blödsinn. Und immer wieder das eigene Auto, Rucksäcke, Taschen und Jacken überprüfen: Ist das alte Messer das seit 10 Jahren im Kofferraum herumgammelt inzwischen verboten? Hat irgendein Bekannter das Auto geliehen und einen Brocken Hasch irgendwo liegenlassen oder versteckt? Liegen Musik-CDs herum mit Album-Titeln die sich anhören wie “Fuck the Government” oder “Burn Cops Burn?” Ominös beschriftete Rohlinge, Sticks, Flyer, Hanf-Buttons?

Immer höflich sein gegenüber Beamten, auch wenn es schwerfällt. Manche kriegen das keine 5 Minuten hin. Keine Schimpftiraden, Beleidigungen, Debatten und schon gar keine Drohungen, keine leicht zu durchschauenden Lügen erzählen, nichts langweilt einen Polizisten mehr als die Wahrheit. Versuchen sie die Beamten auf der Straße nicht über den 9/11-Inside Job oder die Federal Reserve zuzuschwadronieren.

Fazit

Seien sie ihr eigener “Agent”, vertreten sie ihre eigenen Interessen und sammeln sie ihre eigene Ausrüstung. Es lohnt sich, professionell recherchierte Romane und Geschichtsbücher zu lesen über diverse Konfliktsituationen oder Geheimdienste. Hier erhalten sie einen realistischeren Einblick in die wirkliche Welt und mit wie wenig Ausrüstung Menschen gezwungen waren, Berge zu versetzen.

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1 comment

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Wahrheitssucher 14. November 2012 at 15:31

Als minimalistischer Survivalist (Skill>Equipment) muss ich aber noch eines zu TacGear in BugOut-Situationen anmerken:
In einer Katastrophensituation kann es ein riesen Nachteil sein, mit taktisch wirkender Ausrüstung herumzulaufen, weil sonst irgendwelche unbeholfenen Personen sich einem Anschließen wollen, weil man aussieht “als hat man Ahnung und es lohnt sich einem zu folgen”. Problem dabei: Wenn einem x-Leute folgen ist es schwer, sich Nahrung und Ressourcen zu organisieren, da man teilen muss. Besser ist es, hochwertige Outdoorausrüstung, die dezent ist (Schwarz), aber nicht militärisch wirkt (Tarnfarben) zu nutzen. Leute, mit denen man sich gruppieren will, kann man dann mitteilen, dass man gut gerüstet ist, aber solche, die einem ein Klotz am Bein sind, bekommen es nicht mit. Das mag hart klingen, aber in einer Notsituation ist man sich eben selbst der Nächste.
Zu Ausrüstung: Vielseitige Gegenstände sind Trumph! Ein Pali-Tuch in ölivgrün ist beispielsweise ein guter Schal, kann aber auch zur Tarnung benutzt werden (http://www.youtube.com/watch?v=6iM_3R8pAMg)
oder zur Tasche umfunktioniert werden (http://www.youtube.com/watch?v=RbQ0TntBvrU).
Die wichtigsten Überlebensgegenstände, egal ob in Stadt oder Wald sind meiner Meinung nach:
1. Behälter zum Kochen
In der Natur am schwersten zu improvisieren, in der urbanen Gegend oft nicht sicher zum benutzen. Man muss sich Wasser und Lebensmittel abkochen können!
2. Messer oder Multitool
Ich selbst habe Zwar ein hochwertiges fulltang Jagdmesser, nutze mitlerweile aber lieber ein Schweizer Rucksackmesser (http://www.amazon.de/Victorinox-Taschenwerkzeug-Rucksack-feststellbar-0-8863/dp/B0001P15B2/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1352906296&sr=8-1 -> kann ich auch für den Recentr-Shop empfehlen!)
Ist als EDC gut zu gebrauchen. Eine Säge und Ahle dabei sind natürlich umso nützlicher (z.B. zum Fallenbau)
3. Etwas zum Feuer machen (Firesteel z.B.)
Wer sich nicht gerade einen Feuerbohrer basteln will, und schnell ein wärmendes Feuer braucht kommt nicht ohne ein Hilfsmittel zum Feuermachen aus.
4. Unterschlupf (in meinem Fall: Ein gutes Ripstop-Tarp)
Neben der Kleidung braucht man zum schlafen einen Wind- und Regensicheren Unterschlupf. Dafür eignet sich ein Tarp, oder eine einfache Abdeckplane aus dem Baumarkt (wenn man nicht viel ausgeben will) gut.
5. Wissen! In der Not wird jeder Depp mit entsprechendem Werkzeug improvisieren können (Überlebensinstikt), aber es kann nicht schaden, beispielsweise ein Buch über Essbare Wildpflanzen dabei zu haben. Noch besser ist es sich auszukennen.

Was Equipment an sich betrifft:
Bevor man sich, wie ein Prepper sein Haus vollhamstern sollte, sollte man sich eine gute BugOut-Bag zusamenstellen. Wenn z.B. in einer Krise bewaffnete Räuberbanden unterwegs sind, gegen die man alleine machtlos ist, könnte es sein dass man sein Haus (und seine gebunkerten Lebensmittel etc) verlassen muss.
Einfach mal bei Youtube nach “Bug out bag” suchen, da findet man gute Anregungen.
Z.B:
http://www.youtube.com/watch?v=5RF5femVwIo
http://www.youtube.com/watch?v=Olael7Blb5E
http://www.youtube.com/watch?v=dhmMbh3wnXI

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