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Ein Kommentar von Alex Benesch

Das Simon Wiesenthal-Center listet Jakob Augstein inzwischen unter Top 10 Antisemiten auf Grund von mehreren Kolumnen auf Spiegel-Online. Unter anderem verteidigte der Journalist den deutschen Dichter Günther Grass und dessen Gedicht “Was gesagt werden muss”:

“Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: ‘Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.’ Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen. Ein überfälliges Gespräch hat begonnen.”

Wer heutzutage versucht, die Handlungen von Israels Regierungen politisch korrekt zu kritisieren, kann das gleich bleiben lassen. Extreme geistige Verrenkungen sind nötig, um die unsinnigen Standards zu erfüllen: Holt man etwa nicht weit genug aus oder relativiert nicht im geforderten Maße oder äußert seine Kritik etwas zu häufig oder fügt nicht seitenweise Kleingedrucktes bei, hat man sich auch schon selbst aufs Abstellgleis bugsiert für das “gesonderte Hervorheben” von Israel.

Kaum eine Gelegenheit vergeht, an dem nicht ein Fürsprecher Israels ermahnt, die gleichen Maßstäbe anzulegen wie bei anderen Nationen. Bekanntermaßen ist jedoch objektive Kritik das absolut allerletzte was eine Regierung möchte. Denn objektive Kritik trifft ja schließlich am härtesten und lässt sich schwerer abblocken oder gar zum eigenen Vorteil nutzen. Was wäre die israelische Politik und PR-Arbeit nur ohne die Steilvorlagen und Sprungbretter von platten und fehlgeleiteten Kritikern?

Es ist natürlich durchaus debattierbar, ob man nicht höhere Maßstäbe an Israel anlegen soll. Ich meine damit nicht irgendwelche abstrusen historischen Vergleiche und Argumentationsmuster, die sowieso nur Zeitverschwendung sind, sondern die simple Feststellung, dass bei vielen Menschen die Hoffnung vorhanden war dass Israel ein Staat werden würde, dessen politische und militärische Führung die Messlatte für sich selbst hoch anlegt. Eine Führung, die bestimmte Dinge einfach nicht tut auch wenn sie schnellen Erfolg versprechen und strategisch verlockend sind.

Dass sich im Laufe der Zeit ganz einfach eine gewaltige Enttäuschung breitgemacht hat, lässt sich auch von hundert selbstgefälligen Intellektuellen nicht vom Tisch wischen. Ich lege an mein eigenes Land auch höhere Maßstäbe an, ich erwarte zu Recht mehr von Deutschland. Das ist doch gerade die Voraussetzung für Verbesserung und Fortschritt. Dieses ständige Sich-nach-unten-Orientieren und die endlosen Rechtfertigungen mit dem Fingerzeig auf andere erinnern an ein uneinsichtiges Kind.

Obwohl es theoretisch also völlig legitim ist, höhere Maßstäbe an Israel anzulegen, kann ich darauf getrost verzichten. Sprechen wir über die Beliebigkeit von Israel; auf die Gefahr hin dass dies mit einer verdrehten Logik bald ebenso als antisemitisch gewertet wird. Was ist mit der Folter und unmenschlichen Behandlung von Gefangenen? Alter Hut. Inszenierte Kriegsprovokationen? Standardrepertoire zahlloser Staaten. Kollektivbestrafung? Nullachtfünfzehn. Massaker? Verdeckte Terroroperationen? Ohne kommt man nicht in die hohen Sphären der Macht.

Fallbeispiel USS Liberty

Am 8. Juni 1967, drei Tage nachdem Israel den Krieg mit Ägypten vom Zaun gebrochen hatte, schossen israelische Truppen rund 400 Kriegsgefangene in den Sanddünen von Al Arish zusammen, während nicht weit davon entfernt das US-Spionageschiff USS Liberty sowie ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug vom Typ EC-121 mit einem Hebräisch-Linguisten an Bord Funksignale auffingen. Die Luftwaffe und die Marine Israels gingen dazu über, die USS Liberty ohne Vorwarnung mit Maschinengewehrfeuer, Torpedos und sogar Napalm anzugreifen. Ein Torpedo traf exakt die NSA-Räume und tötete fast alle die sich darin aufhielten. Ein Amerikaner namens Bryce Lockwood meinte:

“Es war eine Ironie des Schicksals dass der israelische Torpedo kaum einen Meter neben der Flagge mit dem Davidsstern einschlug, die noch steuerbords an den Schotten klebte.”

Der Kapitän McGonagle hatte bereits die Vernichtung der Codemaschinen, der Abhörausrüstung und der geheimen Aufzeichnungen angeordnet sowie zum Verlassen des Schiffes aufgerufen. Die israelischen Truppen feuerten prompt auf die Rettungsboote. Nach erfolgreicher Rettung der Liberty wurde McGonagle die höchste Auszeichnung ohne die üblichen Feierlichkeiten verliehen, es wurde eine Nachrichtensperre verhängt und die Überlebenden der Liberty mussten Stillschweigen geloben unter Androhung eines Militärgerichts. Die Angelegenheit wurde von Israel als “Irrtum” beschrieben und die US-Administration gab sich mit der Erklärung zufrieden, wohlwissend dass die eigene Auswertung ein gänzlich anderes Ergebnis lieferte. Walter Deeley, ein führender Mann bei der NSA-Abteilung für Funkaufklärungsoperationen kam zu dem Ergebnis:

“Sie müssen gewusst haben, dass es ein amerikanisches Schiff ist.”

NSA-Direktor Carter und der stellvertretende Direktor Tordella schlossen sich dieser Ansicht an. In einem NSA-Bericht 15 Jahre später, eingestuft als Top Secret/Umbra, wird die israelische Entscheidung, die Sache als einen Irrtum zu titulieren, geradezu verlacht:

“Einige meinen, Israel habe erwartet, wenn das Schiff völlig zerstört und die gesamte Mannschaft getötet werde, könnten die USA die VAR [Ägypten] für den Zwischenfall verantwortlich machen und an Israels Seite in den Krieg eintreten…”

Israel brachte es fertig, das Torpedoboot 203 auszuzeichnen, das den tödlichen Schuss auf die Liberty abgefeuert hatte.  Steuerrad und Glocke des Bootes werden heute stolz im Marinemuseum ausgestellt.

Moral

Der israelische Psychologe George Tamarin legte im Zuge seiner Forschungen über Moral tausend israelischen Schulkindern im Alter von acht bis 14 Jahren den Bericht über die Schlacht von Jericho aus dem Buch Josua vor. Im Namen des Herren erfolgten Plünderungen, Morde und das Hinterlassen verbrannter Erde. Die Frage an die jungen Bürger Israels lautete: Haben Josua und die Israeliten richtig gehandelt? 66 Prozent äußerten völlige Zustimmung, 26 Prozent völlige Ablehnung und 8 Prozent teilweise Zustimmung. Eine Kontrollgruppe von 168 israelischen Kindern erhielt den gleichen Text, nur wurde Josua ersetzt durch “General Lin” und Israel durch ein “chinesisches Königreich vor 3000 Jahren”. Hier ergaben sich plötzlich 75 Prozent Ablehnung für die Taten die unter General Lin begangen wurden und nur sieben Prozent Zustimmung. Solche Experimente erzielen in verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen vergleichbare Ergebnisse.

Fazit

Der durchschaubare Versuch, Israels Führung permanent gegenüber Kritik zu immunisieren, zeugt genauso wie die Kriegsverbrechen und die Menschenrechtsverletzungen von einer Grundhaltung, die nicht unterscheidbar ist von zahllosen anderen Staaten über die sich Israel rhetorisch abhebt und über die schwerwiegende Urteile getroffen werden.

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7 comments

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benjamin 6. Januar 2013 at 17:21

ich langweile bestimmt, aber auch hier fällt mir auf, dass die diskussionen wieder in denselben bahnen verlaufen. und die lauten israel/west versus orient GÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHN und immer dieselben worthülsen und argumentationsketten unterstrichen mit copy n paste-fakten fakten fakten!1

dabei gibt es genügend krumme dinge am nahostkonflikt ohne auf diese nummer einzugehen. einfach mal ein paar neue fragen stellen, wie man sie selten bis nie hört im öffentlichen oder diskturs im www

was machen die faschisten einer österreichischen angeblich “freiheitlichen” partei mit kornblume im revers in israel, während grass zur persona non grata erklärt wird?
warum spricht fast niemand über die maschenschaften der evangelikalen in israel? jews for jesus und andere scherze
warum benennt niemand die kontakte zwischen westlichen “cowboys” und rambopolitikern wie bushii und den ladens sowie anderen eliten saudi arabiens welche islamisten pampern?
warum spricht niemand von den esoterischen irren, welche an einem armageddon schrauben??
warum bauen die ölscheichs absurde protzbauten statt mal die palästinensischen “brüder” zu unterstützen?
warum warum warum

man muss noch nicht mal broder für einen … halten oder chasarentheorien nachjagen oder fragen, warum es israel heißt und nicht judäa oder judah …etc um genügend gute fragen zu stellen, welche sonst NIE JEMAND stellt.

journallie bitte übernehmen sie!

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Caligula 5. Januar 2013 at 20:30

Warum diesen Jakob Augstein verteidigen? Der ist doch selbst ein Zögling aus dem System der Massenmedien.

Selbst der Zentralrat der Juden hat ihn doch schon in Schutz genommen.

Übrigens hätte man nur den vollständigen Namen der Liste wiedergeben müssen, um zu sehen worauf das hinaus läuft:
“Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs”,
http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TT_2012_3.PDF

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Liane 4. Januar 2013 at 0:15

“alexander benesch sich extrem zurückhaelt mit kritik am zionistischen regime in israel”

Nö, er zitiert sogar den Grass, der den Besitz von Atomwaffen der Israelis dort für eine Gefahr sieht. Viel besser sollte Israel keine ernsthafte Bedrohung für den antisemitischen Vernichtungswahn seiner Nachbarstaaten darstellen.

“zweifelsohne das grundübel der welt”

*gähn*

“konzentrationslager”

Typisch, antisemitische – als “seriös” getarnte – “Kritik”, wie auch das ganze Zionistengeschwalle. Ich würde mir so gerne wünschen, wenn Typen wie du doch wenigstens Manns genug sind, anstelle von Zionisten auch Juden zu sagen. Trau dich, steh zu dir.

“wie bitte ? ‘die grundhaltung israels ist nicht unterscheidbar von zahllosen anderen staaten’ ? das ist wohl ein witz !”

Israel, der Jude unter den Staaten.

“die zionistische regierungen sind die wohl grössten verbrecher an der menschlichkeit aller zeiten.”

Die UdSSR und Nazi-Germany waren ein Witz gegen Israel, jawohl!

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Barry Soetoro 4. Januar 2013 at 0:02

mir faellt vor allem auf, dass der medienbetreiber alexander benesch sich extrem zurückhaelt mit kritik am zionistischen regime in israel oder dass du dich überhaupt mit dem zionismus mal beschaeftigst, was wohl zweifelsohne das grundübel der welt und die treibende kraft hinter der nwo ist.

in deinem artikel schmeisst du mit wattebaüschen ja nur so um dich anstatt einfach mal klartext zu reden und die unzaehligen verbrechen der zionisten zu verurteilen und deine leser aufzuklaeren.
dein fallbeispiel uss liberty ist bald 50 jahre her , schreib doch mal was über gaza, denn israel tötet dort unschuldige menschen heute jeden tag, aber so heisse eisen möchtest du wohl nicht anfassen.
da koenntest du ja als ‘antisemit’ dastehen . oh gott oh gott !

wie bitte ? ‘die grundhaltung israels ist nicht unterscheidbar von zahllosen anderen staaten’ ? das ist wohl ein witz !

wenn du dich nicht traust klartext zu reden dann spar dir
doch solche artikel in zukunft, da war der alte grass schon mutiger …

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alex 4. Januar 2013 at 7:00

Ich hatte 2012 mehrere Artikel über Gaza. Darüberhinaus: Fast alle Menschen in Israel haben Schwierigkeiten, ihre grundlegenden Rechnungen zu bezahlen. Da ist genausowenig jeder reich oder Anwalt oder Banker wie bei uns. Einen vermeintlichen “Bonus” gibt’s nur dann, wenn man sich der narzisstischen Obrigkeit andient.

Selbstverständlich versuchen sich die Menschen der jüdischen Gemeinschaften auf der Welt, sich gegenseitig zu helfen und ihre Kultur zu bewahren. Dies schließt eine Tendenz zur Bevorzugung natürlich nicht aus. Wenig überraschend freuen sich die wenigen Narzissten mit dem Attribut jüdisch darüber, wenn Judenfeindlichkeit grassiert, schließlich wächst dadurch das Verlangen nach harten Anführern.

Die ehrlichen Historiker wie Schlomo Sand geben zu, dass wie bei jedem anderen sogenannten “Volk” auch bei den Juden in der Vergangenheit eine weitreichende Durchmischung stattgefunden hat. Es ist zwar Teil des jüdischen Selbstverständnisses, zu einem auserwählten Grüppchen zu zählen das 2000 Jahre geradlinig auf biblische Figuren zurückzuführen ist, in der Realität ist die Aufsplitterung in verschiedenste Untergruppen und Grüppchen erheblich, sowohl genetisch betrachtet als auch von der jeweiligen Version des Glaubens.

Die oft genannten “jüdischen” Top-Verschwörer sind meist braunhaarige, hellhäutige Mittel-/Osteuropäer die sich äußerlich wenig oder gar nicht unterscheiden von all den Rassisten und antijüdischen Schlaumeiern die es gibt. Die Forschung gibt zu bedenken, dass die dominierenden jüdischen Linien wahrscheinlich den gleichen Ursprung in der Kaukasusregion haben wie der fiktive “Arier”.

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blechtrommler 5. Januar 2013 at 17:03

Der Alexander Benesch hat mal ein Buch gelesen über Ponerologie – seitdem hat er Ruh und kann das Böse, auf 5% Prozent genau, als “genelogischen Defekt” in förmlich Allem sehen!
(Was einer “liberalen” (sry: “libertären”) Weltauffassung ja auch entgegen kommt?)

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blechtrommler 5. Januar 2013 at 17:38

Sh*t, hab nichts gesagt – hier weiß er (oder A. Jones?) es wieder – Zit: Tatsächlich ist es so, dass die Elite selbst einen Monopolkapitalismus erschuf und aus dem Verborgenen heraus weltweit bedeutende Ereignisse manipuliert und am Ende Lösungen für Probleme anbietet, die sie selber seit Jahrhunderten schafft und auch heute noch produziert.

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