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Bekommen Massenmedien bei geheimen Irak-Protokollen erneut Vorsprung durch Wikileaks-Anführer Assange?

SicherheitBekommen Massenmedien bei geheimen Irak-Protokollen erneut Vorsprung durch Wikileaks-Anführer Assange?

Anstatt dem “Krieg gegen den Terror” einen empfindlichen Schlag zu verpassen, scheint die Veröffentlichung von 90.000 Seiten an geheimen Dokumenten des US-Militärs über den Afghanistanfeldzug durch die Online-Plattform Wikileaks eher das Gegenteil bewirkt zu haben. Die Publikation The Guardian in Großbritannien, die New York Times in den USA und das deutsche Magazin Der Spiegel hatten frühzeitig Zugang zu dem Material erhalten und verbrachten mehrere Wochen damit, ihre Berichterstattung auszuarbeiten. Andere Medienplattformen wurden überrascht und mussten erst langwierig eigene Recherchen betreiben, während die Establishment-Publikationen mit ihren Artikeln von vorneherein die Diskussion dominierten.

Im Zuge der gegenwärtigen internen Revolte bei Wikileaks verließen nun nach Daniel-Domscheit-Berg auch Herbert Snorasson und ein Programmierer die Plattform, weil sie unter dem autokratisch herrschenden Julian Assange nicht weiterarbeiten wollen. Wie bei den Afghanistan-Berichten kooperierte anscheinend Assange erneut mit den Massenmedien:

„Auch andere Wikileaks-Mitglieder haben sich unzufrieden mit einem Alleingang von Assange geäußert: Er soll einigen bislang unbekannten Medien die Irak-Dokumente zur Verfügung gestellt haben – ohne Rücksprache mit seinen Mitstreitern. Auch der geplante Erscheinungstermin wurde von Assange allein festgelegt,“

heißt es bei Golem.

„Inzwischen ist der Erscheinungstermin für die Dokumente zum Krieg im Irak durchgesickert: Sie sollen am 18. Oktober veröffentlicht werden. Snorrason hält es für völlig unrealistisch, bis dahin alle 392.000 Dokumente zu redigieren und Namen von möglicherweise gefährdeten Menschen zu entfernen.“

Snorrason war für die geheimen Chatrooms bei Wikileaks verantwortlich.

Das Weiße Haus hatte wie erwartet die Wikileaks-Veröffentlichung der Afghanistan-Berichte vehement kritisiert und verlautbart, jene “könnte Leben von Amerikanern und unserer Verbündeten aufs Spiel setzen und bedroht unsere nationale Sicherheit”. Allerdings sei man in Washington laut Michael Calderone von Yahoo zufrieden gewesen mit der Berichterstattung der New York Times. Die Informationen über verschwiegene zivile Opfer, Sondereinsatzteams für gezielte Tötungen und diverse Kriegsverbrechen werden überdeckt von Anschuldigungen gegen Pakistan. Eine Ausweitung des Krieges gegen den Terror nach Pakistan wurde ohnehin von der Obama-Administration gefordert, die eigentlich mit einer Antikriegshaltung in den Wahlkampf gezogen war. Laut Wikileaks existieren weitere 15.000 Dokumente aus dem Afghanistan-Krieg, die laut einem Insider der Organisation von Assange aus unbekannten Gründen zurückgehalten werden.

In einem Chat, dessen Protkoll dem Nachrichtenportal Wired.com zugespielt wurde, kritisierte Domscheidt-Berg Assanges Führungsstil und gab zu verstehen, dass auch andere Kernaktivisten so denken würden. Assange beurlaubte Domscheidt-Berg daraufhin für einen Monat. Snorrason kritisierte die Beurlaubung Domscheidt-Bergs und Assange gab ihm deutlich zu verstehen, auch er sei nicht länger erwünscht.

Der Unteroffizier Bradley Manning der US Army, der bereits der Weitergabe von geheimen Material an Wikileaks angeklagt wird, steht auch im Verdacht die Quelle für die Afghanistan- und Irak-Dokumente zu sein.

Laut dem Hacker Adrian Lamo soll Manning von Wikileaks angeleitet worden sein; die Anklage listet Handlungen die den Eindruck von klassichem Hacking machen. Der nur 22 Jahre alte Manning wurde am 30. Juli von Kuwait nach Quantico, Virginia transportiert und befinde sich laut einer Meldung von Fox News unter ständiger Beobachtung wegen Selbstmordgefahr. Die Massenmedien betonen unterdessen Mannings angebliche Depressionen und zitieren Online-Postings, in denen seine frustrierte Haltung gegenüber Militär und Gesellschaft zum Ausdruck gebracht werden.

Im Umkreis von Washington DC erwartet ihn der Prozess, bei einer Verurteilung drohen mehrere Jahrzehnte Haft. Es existieren widersprüchliche Informationen darüber, inwiefern Wikileaks Anwälte eingeschalten hat um die vermeintliche Quelle des Leaks zu verteidigen.

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