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Oktober, 6

Das Imperium schlägt zurück – gegen Wikileaks

Die Plattform Wikileaks wäre ohne die Hacker-Community wohl in dieser Form nicht denkbar; nun landen die  Computerspezialisten die bei ihrer Jagd nach geheimen Informationen so erfolgreich gewesen waren, verstärkt im Fadenkreuz des Militärs und der Bundespolizei FBI.

Der Hacker Eric Gorden Corley (Pseudonym „Emmanuel Goldstein“), der auch die Szenepublikation 2600 betreut, verkündete am 18. Juli 2010 bei der HOPE-Konferenz vor rund 3000 Kollegen, dass bis zu 25% der Hacker in irgendeiner Form als Informanten für die Behörden tätig seien. Dagegen könne man nichts tun und müsste mit dieser Situation leben, hieß es resigniert.

Goldstein selbst gestand ein, einmal Informationen an die Behörden übermittelt zu haben um einen „Unschuldigen“ zu retten. Ein weiterer Sprecher der Veranstaltung, Adrian Lamo, meinte er hätte aus Gewissensgründen den US-Unteroffizier Bradley Manning verraten, welcher ein Massaker-Video des Militärs und eventuell auch die über 90.000 Dokumente über den Afghanistankrieg an Wikileaks weitergegeben hatte. Wikileaks-Gründer Julian Assange versicherte mehrmals, dass das Material sowieso Monate alt und vor der Veröffentlichung bereinigt worden sei um keine Menschenleben zu gefährden. Lamo gilt nun bei vielen Hackern als Verräter, der zum eigenen Vorteil Manning ausgeliefert hat. Im April verlor Lamo seinen Rucksack mit Antidepressiva und rief die Polizei, die ihn nach eigenen Angaben in einem verwirrten Zustand antraf und in eine psychiatrische Anstalt einwies.

Die anderen drei Sprecher Kevin Mitnick, Bernie X und Fiber Optic wurden in der Vergangenheit zu Haftstrafen verurteilt auf Grund von Informationen, die von Informanten den Behörden zugesteckt worden waren. Allen drei wurden geringere Strafen angeboten wenn sie sich bereit erklärt hätten, selbst zu Informanten zu werden. Sie lehnten dies ab und die Strafverfolgung traf sie mit voller Härte.

Appelbaum

Der US-Programmierer Jacob Appelbaum hatte bei der Hackerkonferenz Hope in New York den WikiLeaks-Gründer Julian Assange vertreten und sich so öffentlich als Aktivist der Plattform präsentiert. Appelbaum, der für den Internet-Anonymisierungsdienst „Tor“ arbeitet, berichtet der SPIEGEL, sei am Donnerstag über Amsterdam nach Newark in New Jersey geflogen und von den Behörden aufgegriffen worden.

„Nach Angaben aus dem WikiLeaks-Umfeld tasteten Grenzpolizisten den Mann am ganzen Körper ab, dann musste er seine Schuhe ausziehen, wurde in einen separaten Raum geführt, zwei US-Behördenvertreter befragten ihn dort. […]

Der Darstellung zufolge beschlagnahmten die Männer drei Mobiltelefone und den Laptop des Mannes, um die Geräte zu untersuchen. Außerdem sei seine Geldbörse durchsucht worden, Quittungen seien kopiert worden. Als Grund für die Festsetzung hätten die Behördenvertreter auf den Auftritt bei der Hackerkonferenz „Hope“ verwiesen.[…]

Die beiden US-Behördenvertreter hätten Appelbaum unter anderem nach dem aktuellen Aufenthaltsort von WikiLeaks-Gründer Assange und dem Krieg in Afghanistan befragen wollen. Auch Bradley Manning soll ein Thema gewesen sein.“

Am Samstag sprach Appelbaum dann in Las Vegas bei der Hackerkonferenz Def Con über das „Tor“-Projekt. Nach dem Vortrag konfrontierten ihn zwei FBI-Agenten, er lehnte jedoch ein Gespräch ab.

Bradley Manning

Funktionäre des US-Militärs bezeichnen Bradley Manning als den Hauptverdächtigen hinter der Beschaffung der Afghanistan-Protokolle. Die Armeeabteilung für strafrechtliche Fälle interviewte in dem Zusammenhang zwei Zivilisten, laut denen nach einer Gruppe von Mannings Freunden in Cambridge, Massachussetts gefahndet wird. Diese Bekannten, unter anderem vom Massachusetts Institute of Technology und der Boston University, könnten Verbindungen zu Wikileaks haben. Der Analytiker für den Nachrichtendienst Private Manning, der im Irak mit der Second Brigade der 10th Mountain Division östlich von Bagdad stationiert gewesen war, besuchte im Januar während seinem Heimaturlaub Freunde in Boston. Er soll eine Sicherheitslücke ausgenützt haben, um sechs Monate lang geheimes Material zu beschaffen und auf CDs zu kopieren.

Laut dem Hacker Adrian Lamo soll Manning von Wikileaks angeleitet worden sein; die Anklage listet Handlungen die den Eindruck von klassichem Hacking machen. Einer der befragten Zivilisten gab an, dass die Armee ihm eine „erhebliche Summe Geld angeboten hat für den Fall, dass ich mich umhorche und ihnen Informationen über Wikileaks gebe“. Es scheine der Plan zu sein, ein Netzwerk unter Bradley Mannings Freunden aufzubauen um Wikileaks zu infiltrieren.

Der nur 22 Jahre alte Manning wurde am 30. Juli von Kuwait nach Quantico, Virginia transportiert und befinde sich laut einer Meldung von Fox News unter ständiger Beobachtung wegen Selbstmordgefahr. Die Massenmedien betonen unterdessen Mannings angebliche Depressionen und zitieren Online-Postings, in denen seine frustrierte Haltung gegenüber Militär und Gesellschaft zum Ausdruck gebracht werden.

Im Umkreis von Washington DC erwartet ihn der Prozess, bei einer Verurteilung drohen mehrere Jahrzehnte Haft. Es existieren widersprüchliche Informationen darüber, inwiefern Wikileaks Anwälte eingeschalten hat um die vermeintliche Quelle des Leaks zu verteidigen.

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5 Kommentare

  1. Was mich auch ganz besonders stört ist, dass die Leute die Vor- und Nachteile der Veröffentlichung der Dokumente diskutieren und nicht die Akten selbst. Eigentlich müssten wir Demonstrationen gegen den Afghanistan-Krieg veranstalten. Da steht doch schwarz auf weiss, was los ist. Krieg und nicht „kriegsähnlicher Zustand“. Man sieht wie die PR-Maschinerie der Massenmedien arbeitet. Aber Alle verschließen dia Augen. Selbst viele „Verschwörungstheoretiker“. Jetzt hätten wir als Volk die Chance „Druck“ auf die Regierung auszuüben. Ich scheine jedoch allein mit meiner Meinung zu sein.

    Habe die Dokumente mal angesehen. Ganz besonders war ich an dem „Kunduz-Luftangriff“ in der Nacht von 3. auf den 4. 09.2009. Da ist ein „Zeitloch“ von 23:11 bis 04:04Uhr. Also in dem Zeitraum des Ereignisses. Hoffe das wird noch veröffentlicht.

    UND die „Insurgents“ haben auch chinesische Raketenwerfer. Hmmm….

  2. Ja, es ist wieder mal die zeit in der sie „schwarz zu weiss“ machen wollen und wo 2+2 —> 5 ist *grml*
    Doch das tolle ist, das sie uns es diesmal nicht so mir nichts dir nichts reindrücken können! Simma froh, das wir vernetzt sind 😉

  3. @InvisibleFreak

    Da stimme ich Dir vollkommen zu. Die Aussage, es klebe Blut an Assange Händen, ist der absolute Knüller! An wessen Händen klebt denn das Blut? Die USA hat den Krieg begonnen und unschuldige Menschen gemordet und nicht Wikileaks!

  4. Auszug aus einem interview mit Admiral Mike Mullen (chairman of the Joint Chiefs of Staff):
    „Mr. Assange can say whatever he likes about the greater good he thinks he and his source are doing, but the truth is they might already have on their hands the blood of some young soldier or that of an Afghan family.“

    …die leiden doch unter realitätsverlust!!!! Das sagen sie doch nur, weil sie angepisst sind, das jemand mal ihre machenschaften da drüben aufdeckt. Hier das ganze interview: http://www.msnbc.msn.com/id/38487969/ns/meet_the_press-transcripts

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