Globalismus

Neuer Skandal um italienische „P3-Loge“: Das Netzwerk besteht weiter

In Italiens verborgenem Machtgefüge hat sich, außer mehreren Namen, anscheinend nichts geändert seit den Enthüllungen um die Geheimloge Propaganda Due oder P2. Neben den Anklagen wegen aller nur denkbaren Verbrechen wie Korruption, Geldwäsche und Mord wurde damals extra das Delikt „Bildung einer geheimen Vereinigung mit dem Ziel, Verfassungsorgane zu beeinflussen“ geschaffen.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft in Rom gegen einflussreiche Männer, die der Nachfolgeorganisation P3 angehören sollen. Rund 15.000 Seiten Abhörprotokolle der Carabinieri legen nahe, dass das Netzwerk Regionalwahlen, Richterbesetzungen und sogar das Verfassungsgericht manipulieren wollte.  Italiens oberster Mafia-Ermittler, Piero Grasso, sagte der Zeitung La Repubblica:

„Die Korruption scheint heute dem Erhalt eines kriminellen Netzes zu dienen, in dem es einen derart komplizierten Austausch von Gegenleistungen gibt, dass er nicht in unsere juristischen Modelle passt.“

Die Süddeutsche Zeitung berichtet:

„Unter denen, die jetzt direkt oder als Helfer zu P3 gehören sollen, sind außer dem Staatssekretär Cosentino der nationale Koordinator der Regierungspartei PDL, Denis Verdini, und der wegen Mafia-Beihilfe zweimal zu Haft verurteilte PDL-Senator Marcello Dell’Utri. Justizstaatssekretär Giacomo Caliendo soll mit dem Kreis ebenso kooperiert haben wie der oberste Richter-Kontrolleur im Justizministerium, Arcibaldo Miller. Alle bestreiten die Vorwürfe.“

Eine Schlüsselfigur inmitten der Verdächtigen ist Silvio Berlusconi, seines Zeichens ehemaliges Mitglied der P2.

Quittung des P2-Mitgliedsbeitrags von Berlusconi

Die Politiker sollen unter anderem ihren Einfluss genutzt haben, um den Richter Alfonso Marra an die Spitze des Berufungsgerichts in Mailand zu befördern. In Mailand laufen zwei Prozesse gegen Berlusconi. Manche Presseberichte erwecken den Eindruck, es handle sich um ein italienisches Problem oder um einen begrenzten Skandal. Zugegeben, die Ermittlungen sind noch nicht allzu weit gediehen, allerdings sind die Lehren aus dem P2-Netzwerk zu ziehen; bei diesem wurde offensichtlich, welche globalen Dimensionen das Ganze angenommen hatte. Alles was Einfluss besaß, gab sich die Klinke in die Hand: Geheimdienste, Faschisten, Geheimbünde, Mafiosi, der Vatikan und Regierungen. Die „großen“ Namen der P2 wie Gelli oder Calvi dienten allesamt nur wesentlich mächtigeren Kreisen, die sich gegen Ermittlungen erfolgreich abschirmen konnten:

Licio Gelli

  • Überzeugter Faschist, unter dem italienischen Diktator Mussolini beteiligt an der Ermordung und Folterung von Partisanen, Mitglied der Waffen-SS und Nazi-Verbindungsmann, organisierte später „Rattenpfade“ für Nazis nach Südamerika, half u.a. Klaus Barbie, dem Ex-Gestapo-Chef.
  • 1965 Eintritt in die Freimaurerloge Romagnosi, außerdem Mitglied des „Ritterorden vom Heiligen Grabe“ und des Malteser-Ordens.
  • Offizier des italienischen Nachrichtendienstes SID, arbeitete mit der CIA und dem Counter Intelligence Corps CIC.
  • Staatsstreich-Versuch 1970 mit der faschistischen Fronte Nazionale. CIA-Direktor William Colby bestätigte, dass der Putschversuch durch die CIA auf Weisung von US-Präsident Nixon erfolgt war.

Michele Sindona

  • Finanzbetreuer der Cosa Nostra, Geschäfte mit Mafiafamilien wie den Genoveses und Gambinos.
  • Vertrauensbankier des Vatikans in der Banco Ambrosiano. Kontakte zu Großbanken wie Rothschild und Chase Manhattan.
  • Kontaktmann für die CIA zum Schmuggel von Geldern an faschistische Gruppen in Italien.

Roberto Calvi

  • Überzeugter Faschist, hatte für den Militärputsch Francos gekämpft.
  • Präsident der Banco Ambrosiano

Umberto Ortolani

  • Vize der P2. Großmeister des Souveränen Ordens von Malta. Enge Kontakte zum Vatikan.

Die Ermittlungen und die Berichterstattung werden zeigen, wie stark oder schwach diejenigen noch sind, die in einem Rechtsstaat leben wollen und bereit sind, sich dafür Risiken auszusetzen.

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