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Russland will Stalins Plan fortsetzen und Finnland zurückerobern in den Grenzen des Zarenreichs

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Jukka Salo/Shutterstock.com

1939 hatte die sowjetische Militärführung einen umfassenden Plan für die Besetzung Finnlands formuliert. Josef Stalin war jedoch mit dem Zeitplan nicht zufrieden und forderte die Ausarbeitung neuer und schnellerer Pläne. Das sowjetische Zentralkomitee hatte 1939 beschlossen, die ehemaligen Grenzen des Zarenreiches wiederherzustellen, inklusive des Territoriums Finnlands.

Die Herausforderung war ungewöhnlich für eine moderne Armee. Die Zentren der finnischen Armee befanden sich tief im Landesinneren. Es gab in vielen Gebieten keine asphaltierten Straßen und selbst Schotter- oder Feldwege waren rar. Der größte Teil des Geländes bestand aus weglosen Wäldern und Sümpfen. Die finnische Strategie wurde von der Geographie bestimmt. Die 1.340 km lange Grenze zur Sowjetunion war bis auf eine Handvoll unbefestigter Straßen größtenteils unpassierbar. Finnland verfügte über eine große Reservistentruppe, die in regelmäßigen Manövern ausgebildet war und von denen einige über Erfahrungen aus dem jüngsten finnischen Bürgerkrieg verfügten.

Die Soldaten wurden fast überall auch in grundlegenden Überlebenstechniken und Skifahren geschult. Die finnische Armee war bei Kriegsausbruch nicht in der Lage, alle ihre Soldaten mit angemessenen Uniformen auszustatten, ihre Reservisten waren jedoch mit warmer Zivilkleidung versorgt. Der Konflikt endete in einer Verhandlungslösung und das abgetretene Gebiet umfasste 9% des Territoriums und 13 Prozent des Wirtschaftsvermögens Finnlands. Die Zugeständnisse und Gebietsverluste Finnlands überstiegen die sowjetischen Vorkriegsforderungen.

Im Kalten Krieg setzte Finnland auf Neutralität und Verteidigung. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine kam es zum NATO-Beitritt und der Schließung der Grenzen. Finnland verfügt nun über eine Stärke von 280.000 Soldaten und 900.000 Bürgern als Reserve. Außerdem steht eine der bedeutendsten Artilleriekräfte Europas zur Verfügung.

Seitdem hat Russland angekündigt, entlang der Grenze wieder sowjetische Militärbezirke einzurichten. Einige Finnen glauben auch, dass Moskau hinter der mysteriösen Durchtrennung einer Gaspipeline und eines Telekommunikationskabels in der Ostsee im Oktober steckt. Und Finnland wehrt Cyberangriffe und Desinformation ab.

Im Gegensatz zu vielen europäischen Militärs hat Finnland mit einer Bevölkerung von rund 5,5 Millionen seit jeher die allgemeine Wehrpflicht für Männer aufrechterhalten und bildet jedes Jahr etwa 20.000 neue Wehrpflichtige aus. Die Streitkräfte des Landes wurden jahrelang bei der NATO ausgebildet, sodass der Beitritt des Militärs relativ reibungslos verlief.

Seit der russischen Invasion in der Ukraine Anfang 2022 hat Finnland seine Militärausgaben erhöht, sein Verteidigungsbudget auf über 2% erhöht und US-Raketensysteme sowie israelische Panzerabwehr- und Luftverteidigungssysteme gekauft. Das Land bereitet die Stationierung von F-35-Düsenjägern, die es von den USA erhalten wird, etwas mehr als 100 Meilen von seiner Grenze zu Russland entfernt vor.

Letzten Monat trat Präsident Sauli Niinisto, dessen häufige Treffen mit seinem russischen Amtskollegen und sein vorsichtiger Umgang mit Moskau ihm den Spitznamen „Putin-Flüsterer“ eingebracht hatten, nach zwei sechsjährigen Amtszeiten zurück. Der neue Präsident Alexander Stubb, der das Amt letzten Monat angetreten hat, hat seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, ein seit langem bestehendes finnisches Verbot des Transports von Atomwaffen über sein Hoheitsgebiet aufzuheben, da das Land die neue NATO-Mitgliedschaft und deren nukleare Abschreckung voll und ganz annimmt.

In Finnland ging nun ein neuer Atomreaktor ans Netz mit gewaltigen 1600 Megawatt Leistung, der nach Expertenschätzung elf Milliarden Euro gekostet hat; fast dreimal so viel wie ursprünglich geplant. Solche Kostensteigerungen sind nichts Ungewöhnliches in der Branche und wurden in vielen Ländern bisher toleriert aus einem Grund, der selten offen angesprochen wird: Eine signifikante Atomindustrie bringt ein Land an den Punkt, an dem es recht schnell eigene Atomwaffen improvisieren kann. Polen baut nun erste Reaktoren für ein Vermögen. Südkorea und Japan leisten sich eine Atomindustrie.

Olkiluoto 3 in Finnland ist nun der leistungsstärkste Atomreaktor Europas und der erste neue in Finnland seit mehr als 40 Jahren. Das Timing ist auffällig; genau wie bei den Polen.

Schweden und Finnland zeigten sich bereits vor der formellen Aufnahme in die Nato offen für eine Stationierung von Atomwaffen. Meistens handelt es sich dabei aber nur um amerikanische Freifallbomben, die zu groß sind und erst mühsam per Flugzeug zu den Zielorten transportiert werden müssen.

Seit Finnlands NATO-Beitritt droht Moskau mit Vergeltungsmaßnahmen. In den sozialen Medien tauchen Videos auf, die zeigen sollen, dass Russland Raketensysteme an die finnische Grenze verlegt.

Finnland wird vom Kreml nun als Bedrohung für die Kola-Halbinsel eingestuft, wo russische Militärstützpunkte die weltweit größte Konzentration von Atomwaffen beherbergen. Finnlands Grenze zu Russland erstreckt sich über 833 Meilen von der Ostsee an ihrem südlichsten Punkt bis zu einem Dreiländereck, wo die russische, finnische und norwegische Grenze etwa 65 Meilen südlich der Barentssee zusammentreffen. Im Osten liegt die Halbinsel Kola, auf der sich die Stadt Murmansk befindet, wo Russland seine Nordflotte stationiert. Dazu gehören atomwaffenfähige U-Boote.

Der finnische Staat hält Beteiligungen an nationalen Öl- und Gasproduzenten, am öffentlichen Transportwesen, und sie finanziert die beiden Fluggesellschaften des Landes. Wo es wichtig ist, setzt man auf lokale Produktion, ob nun aus der Industrie oder bei Lebensmitteln, die zu fast 80 Prozent hergestellt werden.

Die National Emergency Supply Agency (NESA) bunkert Medikamente, Schutzausrüstung, Treibstoff und Lebensmittel in Bunkern.

Es gibt noch einen Wehrdienst und von Anfang an waren Soldaten in das Corona-Management eingebunden und insbesondere die Kontaktverfolgung bei den Infektionsketten.

Bereitschaftskurse der Verteidigungskräfte schulen seit Jahren das Personal im finnischen Gesundheits- und Sozialwesen.

AlexBenesch
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