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So fake war der Kreml-Putsch von 1991

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Kommentar

Der sowjetische Staatsstreich von 1991, auch Augustputsch genannt, war nach offizieller Lesart ein gescheiterter Versuch von Hardlinern der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michail Gorbatschow gewaltsam die Kontrolle über das Land zu entreißen.

Die putschende Gruppe war schlecht organisiert und hinterher gab es keine echten Konsequenzen.

Der Putsch scheiterte innerhalb von zwei Tagen und Gorbatschow kehrte ins Amt zurück, während alle Verschwörer ihre Posten verloren. Jelzin wurde später zum dominierenden Führer und Gorbatschow verlor einen Großteil seines Pseudo-Einflusses. Der gescheiterte Putsch beschleunigte den Zusammenbruch der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und die Auflösung der UdSSR vier Monate später.

Den Putsch-Mitgliedern und ihren Komplizen wurde Hochverrat in Form einer Verschwörung zur Machtergreifung vorgeworfen. Bis Januar 1993 waren sie jedoch alle aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Prozess vor der Militärkammer des Obersten Gerichtshofs Russlands begann am 14. April 1993. Am 23. Februar 1994 erklärte die Staatsduma eine Amnestie für alle GKChP-Mitglieder und ihre Komplizen sowie für die Teilnehmer der Krise vom Oktober 1993. Sie alle akzeptierten die Amnestie, mit Ausnahme von General Warennikow, der die Fortsetzung des Prozesses forderte und am 11. August 1994 schließlich freigesprochen wurde.

Die russische Staatsanwaltschaft wollte auch den ehemaligen stellvertretenden Verteidigungsminister Wladislaw Achalow anklagen, doch der Oberste Sowjet Russlands weigerte sich, seine Immunität aufzuheben. Darüber hinaus verzichtete die Staatsanwaltschaft darauf, zahlreiche weitere Personen anzuklagen, denen Mittäterschaft am Putsch vorgeworfen wurde, darunter auch den Stabschef der Armee.

Yuri Andropow war Vorsitzender des KGB gewesen, bremste im Diplomatenposten den ungarischen und tschechoslowakischen Aufstand aus, spielte eine Rolle bei der Afghanistan-Invasion und wurde Generalsekretär der Sowjetunion. Michail Gorbatschow war ein unbedeutender lokaler Komsomol-Funktionär, der die Mächtigen bei ihren Spa-Trips unterhalten sollte.

Jeder interpretiert Gorbatschow und seine Ära, wie es demjenigen am meisten gefällt: Die glühenden Vertreter des angloamerikanischen „aufgeklärten“ Imperiums klammern sich an die Fantasie, dass gewöhnliche Diplomatie und Handelsbeziehungen und Aktivismus in den sowjetischen Völkern (vor allem in Polens Bewegung „Solidarität“ und in der DDR) zu dem Ende der Sowjetunion führten.

Die Hardcore-Supporter des Putin-Regimes halten Gorbatschow für einen Verräter, der dem Westen viel zu weit entgegengekommen war. Die Sowjetökonomie sei eigentlich gesund gewesen. Der ganze Kommunismus sei Russland ohnehin aufgezwungen worden durch Agenten der USA.

Gorbatschow war aber kein Sowjet-König, der von seinem Thron aus das Empire umbauen konnte. Die tatsächliche Kommandostruktur der Sowjetunion war geheim und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der höchst erfahrene Andropow frühzeitig den unbeeindruckenden Gorbatschow rekrutiert und dessen Blitz-Karriere verwaltet hat, da man für später eine Marionette brauchte, die international einen harmlosen Eindruck macht und den Wandel glaubhaft vermitteln kann.

Gorbatschow wurde 1931 geboren in einer Familie von armen Bauern, mitten in der kommunistischen Zwangskollektivierung, die unzählige unnötige Hungertote bedingte. Er schrieb in seinem Buch „Memoiren“, dass seine beiden Großväter wegen Verbrechen gegen den zaristischen Staat verhaftet worden seien.

Er trat dem Komsomol bei, der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei und wurde erster Sekretär des Komsomol für die Region Stawropol. Er blieb für die nächsten 22 Jahre im langweiligen Stawropol am Schreibtisch und brachte es zum Parteichef für die gesamte Region Stawropol. Dort befanden sich Heilbäder, die von der Parteielite besucht wurden und es war Gorbatschows Aufgabe, diese Aufenthalte zu managen. Es war Yuri Andropow, der erfahrene und einflussreiche Geheimdienstler und Diplomat, der Gorbatschow rekrutierte und ins Politbüro brachte. Gorbatschows Aufstieg ins Politbüro war schneller als der von irgendjemandem seit Stalin. Vor seinem 50. Geburtstag war er Sekretär des Zentralkomitees, eine Position, die ihn in den innersten Kreis der Macht brachte. 1980 wurde er reguläres Mitglied des Politbüros.

Bereits Anfang der 1980er Jahre gab es Geheimverhandlungen zwischen Washington und Moskau über die Zukunft der Sowjetunion. Dabei wurde auch entschieden, dass Deutschland wiedervereinigt wird, in der NATO bleiben darf, und dafür abrüstet und russisches Gas bezieht. Es war definitiv nicht „das Volk“, das sich in der DDR spontan erhoben hat, und das Regime zu Fall brachte. Gorbatschow war auch nicht der „Vater der deutschen Wiedervereinigung“.

Wladimir Putin, der aus der dritten oder vierten Reihe der zahlreichen KGB-Agenten stammte, wurde rekrutiert von ranghohen Geheimdienstlern für eine besondere Truppe, die gemäß der Geheimverhandlungen das Sowjetvermögen in die City of London und in diverse Steueroasen transferieren sollte, damit der Wohlstand nicht den Bürgern der ehemaligen Sowjetunion in die Hände fällt. Die Zeitung „Scotsman“ berichtete 2004:

Was beunruhigend ist, ist die Tatsache, dass der derzeitige russische Präsident Wladimir Putin der Hauptwächter der Flamme und Architekt von Andropovs Rehabilitation ist.

https://www.scotsman.com/news/opinion/letters/he-may-be-economic-liberal-putin-andropov-heart-2467756

Der ehemalige sowjetische Geheimdienstler und Überläufer Ion Pacepa schrieb 2004 für National Review:

Wladimir Putin wirkt immer mehr wie eine schwerfällige Imitation von Juri Andropow. Kein Wunder, dass Putin befahl, Andropovs Statue – die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 entfernt worden war – wieder in der Lubjanka zu installieren. Die Führer der ehemaligen Geheimdienste des Warschauer Pakts, von denen ich einer war, sahen zu Andropov als dem Mann auf, der die kommunistische Partei durch den KGB ersetzte, als er die Sowjetunion regierte, und der Pate von Russlands neuer Ära der Täuschungsoperationen war, mit dem Ziel, das stark beschädigte Image der sowjetischen Machthaber im Westen aufzubessern.

https://www.nationalreview.com/2004/09/no-peter-great-ion-mihai-pacepa/

Innerhalb von sieben Monaten hatte Gorbatschow den größten Teil der alten Garde des Politbüros ersetzt. Im folgenden Jahr ersetzte er 41 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder des 27. Parteikongresses und drängte hochrangige Militärs und Tausende von Bürokraten in den Ruhestand.

Gorbatschow beendete das militärische Debakel in Afghanistan, das zum Vietnam der Sowjetunion geworden war.

George Bush traf sich im Dezember 1989 mit Gorbatschow zu einem Gipfeltreffen, das auf sowjetischen und amerikanischen Marineschiffen vor Malta abgehalten wurde. Dann hatte Gorbatschow seine Aufgabe erfüllt und wurde nicht mehr gebraucht. Er trat als Generalsekretär der Kommunistischen Partei zurück und löste ihr Zentralkomitee auf.

Jelzins Adjutanten fingen alsbald an, Gorbatschows Ruhestandsabkommen zu verwässern und man kürzte ihm die Luxusprivilegien.

Jeder, der mit der russischen Geschichte vertraut ist, weiß, dass Russland immer bei Misserfolgen kontrahiert und dann wieder aggressiv expandiert.

Nach Russlands Krim-Annexion vor acht Jahren sprach Gorbatschow von einer „Rückkehr“ der Halbinsel nach Russland, diese sei „ein Glück“. Das von Moskau erzwungene Referendum über den Beitritt zu Russland hielt er für legitim.

Zur neuen russischen Invasion der Ukraine im Februar äußerte sich der ehemalige Sowjet-Staatschef nicht öffentlich.

AlexBenesch
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