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Eine Wagenknecht-Partei wäre jetzt das Desaster für die AfD

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Kommentar

Was wäre im aktuellen Umfragehoch das größte Desaster für die AfD? Der fünfundzwanzigste Höcke-Skandal? Vielleicht.

Bis Ende des Jahres will Sahra Wagenknecht über ihren Verbleib bei DIE LINKE entscheiden und womöglich kündigt sie dann eine eigene neue Partei an. Das hieße, ein kremlfreundlicher Anti-NATO-Laden mit sozialistischen Elementen, eine portion Ostalgie, aber auch gegen übermäßige Migration. Eine Protestpartei, bei der es keine Höcke-Skandale geben kann.

Die Meinungsforscher können jetzt bereits ausrechnen, wie viele der AfD-Wähler auf die Wagenknecht-Partei umwechseln würden.

Thematisch begründen zwei Drittel der AfD-Anhänger ihre Parteipräferenz in erster Linie mit der Zuwanderung (65 Prozent). Sobald die Wagenknecht-Partei sich positioniert mit einer Begrenzung der Zuwanderung, hätte sie das wichtigste Kriterium für diese Wähler erfüllt und kein Parteimitglied hätte dabei den Dunst des Rechtsextremismus an sich kleben.

Die Mehrheit der AfD-Anhänger gibt an, sich aktuell vor allem aus Distanz und Enttäuschung gegenüber den anderen Parteien für die AfD zu entscheiden. Diese Protestwähler haben also Vorbehalte gegen die Partei und keine besondere Loyalität ihr gegenüber.

Nur ein Drittel begründet die eigene Präferenz für die Partei damit, der AfD näher zu stehen und von ihr überzeugt zu sein. Das Kernpotenzial der AfD liegt also bei knapp über sechs Prozent.

https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/ard-deutschlandtrend/2023/juni/

Stellen wir uns also vor, die AfD fällt auf sechs Prozent und die Wagenknecht-Partei holt bundesweit 12 bis 13%. Wir hätten somit ein Doppel-Sammelbecken.

Am Mittwoch sagte Wagenknecht dem WELT-Nachrichtensender, wenn es wieder ein „attraktives Angebot“ gäbe, „mit guten Köpfen, mit einem seriösen Programm“, dann glaube sie, dass sehr viele eine solche Partei wählen würden.

Querfront

Die Washington Post wertete einen Leak von russischen Geheimdokumenten aus die zeigen sollen, dass der Kreml mit Nachdruck daran arbeitete, die AfD und die linken Anhänger von Sahra Wagenknecht zu beeinflussen, um eine Art Querfront zu schaffen und Stimmung zu machen, die Hilfen an die Ukraine einzustellen.

Die russischen Dokumente seien beschafft worden von „einem europäischen Geheimdienst“

Kurz nachdem der Kreml den Befehl gegeben hatte, eine Union zwischen Wagenknecht und der extremen Rechten zu schmieden, begannen AfD-Abgeordnete, sich im Parlament für sie einzusetzen, und Parteimitglieder skandierten ihren Namen auf Kundgebungen.

Einer der Personen, die mit russischen Beamten in Kontakt standen, war Ralph Niemeyer, Wagenknechts Ex-Ehemann. Er sagte der Washington Post, dass er immer noch in fast täglicher Kommunikation mit Wagenknecht stehe und dass ihm bei den jüngsten Treffen mit hochrangigen Kreml-Beamten in Moskau klar sei, dass „es gewisse Leute in Russland gibt, die ein Interesse haben“ an einer Union zwischen Wagenknecht und der extremen Rechten.

Die russischen Strategen hatten Zielvorgaben, wie schnell man die Stimmung in Deutschland zu einer bestimmten Prozentzahl beeinflussen wollte. Mindestens einmal pro Monat wurde Bilanz gezogen, welchen Effekt man hatte und welche Reichweite die vielen deutschen pro-russischen Accounts auf den Sozialen Medien.

Im Kalten Krieg gab es immer wieder linke Figuren in Europa, die als Zuträger für die Geheimdienste der DDR und der UdSSR enttarnt wurden. Selbst wenn jemand alle Vorsichtsmaßnahmen konstant einhält, kann dennoch ein Maulwurf oder ein Überläufer weiter oben die Konspiration zunichtemachen.

Die Russen, so zeigen die Dokumente, waren stets im Bilde über geplante Demonstrationen in der ganzen Republik. Andreas Kalbitz, Ex-Vorsitzender der AfD in Brandenburg, erklärte dass die Russen in St. Petersburg sogar den Yusopov-Palast angemietet hatten, um die AfD-Gäste zu beeindrucken.

Juristisch ist all das hochexplosiv, denn Russland führt einen eindeutigen Angriffskrieg, der nach deutschem Recht nicht einmal gebilligt und befürwortet werden darf. Politiker und Influencer können diese Verbote zwar teils umgehen mit irreführendem Gejammer, dass die USA versprochen hätten, die NATO nicht Richtung Osten auszudehnen. Aber vor wenigen Jahren wurde das Recht in Bezug auf Angriffskriege runderneuert und verschärft, sodass diverse Unterstützungshandlungen und Absprachen geahndet werden können. Verschwört man sich mit den Russen und verabredet eine Art Handel, mit dem man russische Hilfe bekommt für die eigene Partei und im Gegenzug aktuelle und künftige Eroberungen der Russen billigen und sogar unterstützen wird, ist man dran.

Was die Washington Post in der Hand hält an Dokumenten, beschreibt nur die internen Pläne der Russen, Einfluss zu üben in Deutschland. Es ist nicht geschildert, wer tatsächlich wie mit ihnen aktiv kooperiert.

Sergej Kirijenko, Vize-Chef der russischen Präsidialverwaltung soll eine Gruppe von Strategen am 13. Juli 2022 versammelt haben, um Deutschland zum Fokus einer Einflusskampagne zu machen. Man wünsche sich, dass die AfD ihre Kräfte vereint mit pro-russischen Linken die auf der Linie von Sahra Wagenknecht sind.

Jürgen Elsässer vom COMPACT-Magazin, bewarb nach Kräften die Querfront-Idee, nachdem er jahrelang eher einen stark rechten AfD-Kurs beworben hatte. Elsässer hatte in den 1990er Jahren noch als Linker Bücher mit Wagenknecht über die „Aktualität des Kommunismus“ veröffentlicht und beschwerte sich ausladend über diverse Querfront-Versuche von Linken und Rechten. Als der Kreml Jahre später mehr auf eine Querfront setzte, startete das COMPACT-Magazin mit Querfront-Kurs. Als Russland sich ein stärker konservatives Marketing verpasste und international eine neurechte Trendwelle existierte, wurde die COMPACT das Blatt für die rechten AfD-Seilschaften. Als die AfD stagnierte und der Trend vorbei war, heißt es bei der COMPACT nun wieder Querfront.

Björn Höcke von der AfD machte Wagenknecht gar eine formelle Einladung, aber sie überdehnte ohnehin ihre Möglichkeiten, Leute zu begeistern für ein national-bolschewistisches Konzept. Wenn in Russland die Oberschicht lebt wie die Fürsten und Zaren im alten Kaiserreich, dann könnte es im linken Lager zu viel Gegenwind geben und zu viele Streitereien innerhalb der Linken.

Die AfD konnte es seit dem Überfall gegen die Ukraine vermeiden, wie in den Jahren zuvor die eigene Beliebtheit zu torpedieren mit skandalträchtigen Aussagen bei Veranstaltungen. Der Kreml will anscheinend eine Runderneuerung der Partei, um weitere Wählerschichten anzusprechen.

Um diese Veränderung herbeizuführen, müssten aber wohl Figuren wie Höcke abserviert werden. Erst dann wäre der Weg frei für Figuren wie Wagenknecht. In Umfragen konnten sich viele Deutsche zumindest vorstellen, eine eigene Wagenknecht-Partei zu wählen. Aber die Etablierung einer solchen Partei ist immens aufwändig und würde DIE LINKE schwächen. Wagenknecht darf nicht zuviele Linke vergraulen, während gleichzeitig nicht zuviele Rechte empört werden dürfen durch das Abservieren von Leuten wie Höcke.

Während der Obama-Administration fuhr die US-Regierung einen mehrgleisigen Kurs im Bezug auf Russland. Einerseits ließ man dem Putin-Regime alles Mögliche durchgehen ohne ernste Konsequenzen, darunter sogar die Eroberung der Krim, aber gleichzeitig lief eine gewaltige Geheimdienstkampagne hinter den Kulissen. Der Oberaufseher über alle US-Geheimdienste, James Clapper, kündigte offen an, man werde pro-russische Parteien in Europa komplett durchleuchten; auch rückwirkend auf deren Handlungen der vorhergehenden 10 Jahre. Ich warnte eindringlich, dass politische Kräfte sich nicht auf die Russen einlassen dürfen, weil sie sich auf diese Weise völlig verwundbar machen für den Spionageapparat der Amerikaner.

Seitdem gab es neben Enttarnungen von russischen Agenten und Attentaten und der Ausweisung russischer Diplomaten, bei denen es sich wohl um Agenten handelte, Leaks in der Presse über heikle Ost-Verbindungen europäischer Politiker. Wie viel die US-Geheimdienste tatsächlich schon wussten, blieb geheim.

AlexBenesch
AlexBenesch
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