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Joe Rogan und Elon Musk mischen sich in die Impf-Debatte ein

Datum:

Kommentar

Podcaster Joe Rogan und Milliardär Elon Musk haben einen Impfstoffforscher angegriffen, der Rogans jüngstes Interview mit dem Impfgegner Robert F. Kennedy Jr. als „Unsinn“ abgetan hatte.

Dr. Peter Hotez, Kinderarzt und Dekan der National School of Tropical Medicine am Baylor College of Medicine, twitterte am Samstag seine Besorgnis über Rogans Interview mit Kennedy, einem demokratischen Präsidentschaftskandidaten.

Kennedy wiederholte in dem Interview die Behauptungen, dass gängige Impfungen bei Kindern Autismus verursachen, was Hotez als „schrecklichen Unsinn“ bezeichnete.

Rogan antwortete mit einer Herausforderung:

„Peter, wenn du behauptest, dass das, was RFK jr. sagt, „Fehlinformation“ ist, biete ich dir 100.000,00 $ für die Wohltätigkeitsorganisation deiner Wahl, wenn du bereit bist, in meiner Show ohne zeitliche Begrenzung mit ihm zu debattieren.“

Musk mischte sich schnell ein und schürte das Drama auf Twitter, das ihm gehört, indem er twitterte, dass Hotez „Wohltätigkeit einfach hasst“ und sagte, der Wissenschaftler habe „Angst vor einer öffentlichen Debatte, weil er weiß, dass er falsch liegt.“

Joe Rogan ist ein Experte für Kampfsport, Musk ein Technologie-Unternehmer und Kennedy gelernter Jurist. Dazu kommt noch die Problematik, dass prominente Impfgegner in den USA Multimillionäre sind und in riesigen Anwesen wohnen. Leute in der Bevölkerung gieren nach einfachen Antworten. die einen laufen naiv allem hinterher, was als anerkannt gilt und die anderen meinen, von Influencern bestens beraten zu werden zu den ganz großen Verschwörungen.

Pharma-Firmen sind bekanntermaßen involviert gewesen in Biowaffen-Forschung und der ganze Bereich Biosicherheit ist von hoher Geheimhaltung umgeben. Echte Ermittlungen gestalten sich schwierig und Influencer wie Kennedy meinen, das Establishment hätte ausgerechnet in handelsübliche Impfstoffe bösartige Dinge versteckt. Eine massive Geheimoperation sei demnach so entworfen worden, dass für die Täter das maximale Risiko entsteht, erwischt zu werden und komplett unterzugehen. So funktionieren Geheimoperationen aber grundsätzlich nicht. War es die Absicht gewesen, die Menschen dümmer und kränker zu machen, so ließ sich das subtil bewerkstelligen über Nahrung, das Schulsystem, Alkohol, Zigaretten, die Medien und vor allem auch schlechte Informationen aus dem Internet. Den Bürgern wurde von Influencern eingeredet, sie sollen sich ungeschützt allen möglichen Erregern aussetzen, auch neuartigen Fledermausviren die alle möglichen Schäden an Gehirn und Organen auslösen können. Es werden einfach Satzbausteine über Klaus Schwab, „Transhumanismus“ und einen „linken Deep State“ aneinandergebastelt. Mit dieser Masche überzeugte man auch Leute vom Trump-Hype oder der Q-Sekte. Es lässt sich für allen möglichen Unsinn verwenden. Deutsche Influencer empfehlen inzwischen, mit Urin zu gurgeln, um es der Pharmaindustrie und Bill Gates so richtig zu zeigen.

Präsident JFK unterzeichnete 1962 das Vaccination Assistance Act, um, wie es in einem CDC-Bericht heißt, „so schnell wie möglich den Schutz der Bevölkerung, insbesondere aller Kinder im Vorschulalter … durch intensive Impfaktivitäten zu erreichen“.

RFK jr. wohnt aktuell in einem Anwesen im Wert von 5 Millionen Dollar.

Eine prominente Figur, die durch Impf-Aktivismus zum Multimillionär wurde, ist Andrew Wakefield.

Wakefield sorgte in den 1990er Jahren für einen riesigen Aufruhr um einen spekulierten Zusammenhang zwischen der MMR-Dreifachimpfung und Erkrankungen des Austismus-Spektrums sowie schweren Darmerkrankungen. Nach einem zunächst für ihn positiven Medienrummel folgte die Enttäuschung über seine Studie und Interessenkonflikte, und er galt bei seinen schärfsten Kritikern als eine Art „Relotius“ der Medizin, also jemand, der Sensationen mehr oder minder herbeikonstruierte, um Karriere zu machen. Er ging nach Amerika, ließ sich sponsern von einem New Yorker Hedge-Fund-Giganten, heiratete ein wohlhabendes Model und ist seither Aktivist, der zeitweise von der Trump-Administration hervorgehoben wurde. Inzwischen empfahl Trump aber mehrfach die COVID-Impfung sowie die Masernimpfung und der Abstand zu Wakefield wurde größer.

Einer von Wakefields Erzfeinden ist der Journalist Brian Deer, dessen Buch „The Doctor who fooled the World“ seit Ende letzten Jahres als Paperback und ebook erhältlich ist. Deer war spezialisiert auf Korruption im medizinischen Bereich und brachte u.a. eine Pharma-Firma zu Fall wegen einem gefährlichem Antibiotika-Cocktail. Als Profi war sich Deer aber darüber bewusst, dass nicht jede Anschuldigung unbedingt stimmen muss und dass nicht jeder vermeintlich Geschädigte ein David ist, der gegen Goliath kämpft.

Wakefield kannte sich mit Viren nicht aus und war eine völlig unbedeutende Figur gewesen. Dann stellte er die Hypothese auf, dass Masern (bzw. die Masern-Impfung) die Darmerkrankung Morbus Crohn auslösen könnte. Er bekam viel Aufmerksamkeit und erhielt sogar Geld von dem Pharma-Giganten Merck. Er bastelte eine wackelige Studie zusammen, laut der masern-geimpfte Leute dreimal häufiger Crohns bekämen und wurde dafür in einer Top-Publikation veröffentlicht, aber mit einer Reihe Disclaimern, dass noch keinerlei konkrete, kausale Zusammenhänge bewiesen seien.

Eltern mit Autismus-Kindern taten sich mit Anwälten zusammen: Der MMR-Impfstoff sei der Auslöser der Gehirnschädigung. Auf Wakefield stieß man anscheinend wegen seine arbeiten zu Crohns Disease und Masernimpfungen. Er meinte zunächst, er wisse gar nichts über Autismus. Aber dann ließ er sich breitschlagen, mitzumachen. Je mehr Familien man finden kann, umso eher bekommt man die Anwaltskosten bezahlt durch die Regierung. Man erzählte den Eltern, es gäbe da Tests um Klarheit zu gewinnen. Die Eltern meinten, dass ihre Kinder ab und an mal Durchfall hätten und schon wurden die Kinder zu Versuchspersonen in der Studie gemacht. Gefährliche invasive Tests zeigten bei zwei von 12 Kindern kleine Auffälligkeiten im Darm, die sich später als nicht bedeutsam herausstellten. Die Forscher hofften, in Proben aus dem Darmgewebe Hinweise auf Masern-Viren zu finden und man bastelte die erweiterte Hypothese, dass die Problem im Darm zu Problemen im Gehirn führen und Austismus auslösen. Wakefield und die anderen Forscher hatten eigentlich nichts Konkretes in der Hand. Trotzdem wurde ein Medien-Hype gestartet über eine PR-Firma. 1998 kam der große Auftritt von Wakefield. Eine Studie mit nur 12 Patienten, ohne Kontrollgruppe, ohne dass man konkrete Darmerkrankungen zeigen, geschweige denn mit Masernviren aus der MMR-Impfung in der Verbindung bringen konnte. Die Studie wurde in The Lancet veröffentlicht, einer Top-Publikation, aber eben auch eine ausführliche Gegendarstellung. Wakefield hatte schon hochtrabende Träume über Diagnose-Produkte und Medikamente, die sich entwickeln und vermarkten ließen. Eine Reihe an Anwälten bereiteten Klagen vor gegen Impfstoffhersteller. Solche Klage-Versuche gab es bereits in der Vergangenheit. Brian Deer, der den Fall Wakefield untersuchte, hatte Erfahrung mit solchen Dingen. Er besuchte Margaret Best, die 2,75 Millionen britische Pfund Schadensersatz von einem Impfstoffhersteller bekommen hatte. Laut ihrer Geschichte hatte ihr Sohn 1969 nach einer DTP-Dreifachimpfung den ersten von vielen schweren Anfällen und war danach behindert. Ihre Geschichte war aber voller Widersprüche und Deer beschaffte sich die Transkripte des Gerichtsprozesses und fand noch mehr Widersprüche. Die medizinischen Akten zeigten, dass sie nach der angeblichen Impfreaktion ihres Kindes eine zweite DTP-Impfung machen ließ. Der Arzt des Kindes hatte keine Aufzeichnungen über Anfälle, die angeblich ständig passierten. Best hatte einfach Glück vor Gericht, und gute Anwälte. Es gab weitere Fälle von Klagen auf Schadensersatz, wo herauskam, dass die Eltern bzw. Mütter logen in den den USA und Britannien. Auf Anraten der Anwälte behaupteten die Eltern, die Probleme seien innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung aufgetreten, obwohl sie teils vorher begonnen hatten, teils erst viele Monate später.

Die Interessenkonflikte von Wakefield und den Anwälten waren riesig; die Aussagekraft der Studie mit 12 Kindern dagegen fast null. Das Royal Free Hospital wurde regelrecht eine Fabrik, um genügend Belege zu suchen für die Hypothese. Die Anwälte hatten von vorneherein keine gute Aussicht eine Klage zu gewinnen, aber immerhin Honorare zu kassieren, bezahlt vom Steuerzahler.

Japanische und amerikanische Forscher versuchten ähnliche Darm-Studien wie Wakefield, aber fanden nichts. Die Japaner hatten sogar ultra-sensible PCR-Technik, um Masern aufzuspüren in Darmgewebe. Aber ohne Ergebnis. Wakefield meinte, er hätte Masernviren gefunden mit nur einem Mikroskop (!) und Antigen-Tests. Sogar einer der forscher neben bzw. unter Wakefield widersprach Wakefield. Wakefield mochte anscheinend Daten, die seine Hypothese stützten, und verwarf, was widersprach. Bei einem Meeting mit vielen hochrangigen Wissenschaftlern meinte jemand, Wakefield habe bei der Benutzung von Antikörpern nicht die empfohlenen vier Negativ-Kontrollmethoden verwendet. Man fand in Wakefields Studie nur eine Kontrollmethode. Dann kam die heikle Frage: Woher habt ihr die Kinder? Selection bias? Es war sogar noch schlimmer: Es waren Kinder von Eltern die klagen wollten und Wakefield sollte dafür die passenden Belege liefern.

Vier große Zeitungen und TV-Sender berichteten zunächst positiv und regelmäßig über Wakefield. 1800 Familien hatten sich gemeldet bei den Anwälten. Eine Koryphäe von der Royal Society mit ritter-Titel wurde Wakefields neuer Vorgesetzter und wollte jenen loswerden. Es gab sogar das Angebot, eine ausführliche Studie zu finanzieren, die Wakefields These entweder bestätigen oder verwerfen würde. Wakefield nutzte das Angebot nicht, denn er wollte unter eigenen Vorstellungen mit seinen eigenen Kontrollmethoden arbeiten. Er lieferte dünne Papers ab, laut denen angeblich Masernviren im Darmgewebe nachgewiesen worden seien. Viele Forscher vermuteten aus guten Gründen eine Kontamination der Proben und konnten selbst die Ergebnisse nicht replizieren.

Mit einer Abfindung verschwand er in die USA, stilisierte sich zum Opfer einer Verschwörung und die groß geplanten Klagen scheiterten. Die Anwälte wurden reich und der wichtigste davon gründeten dann noch eine Homöopathie-Organisation.

Ein reicher New Yorker Hedge Fund-Typ (Abschluss von Elite-Unis, Ausbildung bei den Lazard-Bankern und Homöopathie-Fan) gab 3 Millionen $ an Wakefield für den Film Vaxxed und Klagen gegen Brian Deer und das British Medical Journal. Wirklich neue, belastbare Erkenntnisse über MMR und Zusammenhänge mit Darmerkrankungen oder Autismus gab es keine.

Deers Buch ist wirklich lohnenswert. Hätte er geglaubt, dass Wakefield ein Held sei und die Hersteller der MMR-Impfung die Bösewichter, hätte sich dies in seiner Berichterstattung und in einem Buch sicherlich widergespiegelt.

AlexBenesch
AlexBenesch
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