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So experimentierte die britische Tavistock-Klinik an vermeintlichen Trans-Kindern

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Als Sue Evans 2003 ihre Stelle an der Tavistock Clinic antrat, war sie begeistert, einem ihrer Meinung nach bahnbrechenden Team des neuen Gender Identity Development Service (GIDS) beizutreten.

Es handelte sich bei der Klinik um einen Ableger des berühmten Tavistock-Instituts; ein Synonym für Exzellenz und auf der ganzen Welt für seine spezialisierte Therapie für Patienten mit einer Reihe von psychischen Problemen bekannt.

Am GIDS würden diese Behandlungen jungen Menschen mit Geschlechtsdysphorie zugute kommen, die das Gefühl hatten, dass ihre Geschlechtsidentität nicht mit ihrem Körper übereinstimmte.

Es gab zunächst zwischen 70 und 90 Überweisungen zu GIDS pro Jahr, und die Verschreibung von Medikamenten, die die Pubertät hemmen – und die ausschließlich an Personen ab 16 Jahren verabreicht wurden – war noch relativ selten.

Bei den Patienten handelte es sich größtenteils um Jungen, von denen viele unter komplexen Problemen wie Autismus und Angstzuständen litten oder mit ihrer Sexualität zu kämpfen hatten.

Im laufe der Zeit wurden Tausende schutzbedürftiger junger Menschen Opfer eines im Grunde riesigen medizinischen Experiments. Dabei handelte es sich um wirksame Medikamente mit potenziell lebensverändernden Folgen, obwohl es an Daten mangelte, die deren Anwendung oder Sicherheit auf lange Sicht belegen würden.

In ihrem ersten großen Zeitungsinterview beschreibt Sue Evans den 17-jährigen Kampf, den sie und andere Whistleblower mutig geführt haben, um die Vorgänge im Tavistock landesweit bekannt zu machen.

Am Anfang hätten ihre Klinikkollegen am GIDS Gesprächstherapien eingesetzt, sagt Sue. Doch im Laufe der Zeit stellte sie fest, dass sie offenbar zunehmend an einem anderen Ansatz interessiert waren und ihren jungen Patienten schnell Pubertätsblocker empfahlen, ohne andere Probleme, die möglicherweise die Ursache für ihr Unglück gewesen sein könnten, ausreichend einzuschätzen.

Ein neu überwiesener 16-jähriger männlicher Patient bekam die Pubertätsblocker, obwohl er nur vier Mal von einem Arzt untersucht worden war. Sue stellte fest, dass Behandlungspläne offenbar von Gruppen wie Mermaids, der Transgender-Unterstützungsorganisation, und Gires, einer Wohltätigkeitsorganisation, beeinflusst wurden.

Im Laufe der Monate bemerkte Sue, dass sich das Tempo, mit dem Kinder untersucht und zur Hormonblockierungstherapie überwiesen wurden, beschleunigte. Das Umfeld konzentrierte sich zunehmend darauf, den Übergang zu unterstützen, während andere mögliche zugrunde liegende Faktoren ignoriert wurden.

Statt einer fachlichen Diagnose, verließ man sich zunehmend auf die Selbst-Identifikation der Kinder. 2005 gab es eine von Tavistock veranstaltete Konferenz über Transgender-Gesundheitsversorgung bei der es hieß, dass Geschlechtsdysphorie (das Leiden unter der biologischen Geschlechtsidentität) keine psychische Erkrankung sei.

Ein Vorgesetzter meinte zu Sue, wenn man die Kinder nicht in ihrer Selbst-Identifikation bestätige, kommen sie nicht mehr zu den Medizinern. Das Angebot der Hormonblocker war ein Anreiz.

Der damalige medizinische Direktor des Tavistock and Portman NHS Foundation Trust, Dr. David Taylor, berichtete, dass viele Kinder, die an den Dienst überwiesen wurden, mehrere komplexe Probleme wie Autismus oder Missbrauch erlebt hatten.

Im Jahr 2021/22 operierte GIDS von einer ganzen Etage im Londoner Hauptsitz von Tavistock aus und wurde immer erfolgreicher: In diesem Jahr gab es über 5.000 Überweisungen von Kindern, verglichen mit knapp 250 zehn Jahre zuvor.

Ein großer Teil davon waren heranwachsende Mädchen, die mit dem Beginn der Pubertät zu kämpfen hatten und zuvor noch nie Anzeichen einer Geschlechtsdysphorie gezeigt hatten. Und das Alter, in dem Kinder medizinisch behandelt wurden, wurde immer geringer.

„Sie gaben Kindern im Alter von zehn und elf Jahren Pubertätsblocker“, sagt Sue.

„Jedes Mal, wenn es Kritik gab, kam die gleiche Aussage vom Tavistock: Niemand hat es mit Medikamenten überstürzt, wir sind ein kompetenter, erstklassiger Service“, sagt Sue.

Diejenigen, die den Tavistock-Ansatz weiterhin in Frage stellten, wurden oft als „transphob“ bezeichnet – darunter auch Sue.

Eine Mutter, bekannt als Frau A, schloss sich Sue als Klägerin an und leitete eine gerichtliche Prüfung ein, ob Kinder unter 16 Jahren einer experimentellen Behandlung nach Aufklärung zustimmen könnten.

Sue bat zunächst Keira Bell, die heute 25-jährige Frau, die als Teenager aufgrund von GIDS Hormonblocker erhielt, als Zeugin bei der gerichtlichen Überprüfung aufzutreten.

Der Fall ging im Berufungsverfahren verloren, aber inzwischen waren Bedenken hinsichtlich des Tavistock weit verbreitet und öffentlich, was den Weg für die Überprüfung durch Dr. Hilary Cass ebnete.

Ihr bombastischer Zwischenbericht wurde im März 2022 veröffentlicht. Dr. Cass kam zu dem Schluss, dass die Organisation ihren Zweck nicht erfüllte und dass medikamentöse Behandlungen für Kinder über keine ausreichende Beweisgrundlage verfügten. Die Schließung des GIDS wurde angeordnet.

Letzte Woche wurde bekannt, dass das Büro des Informationskommissars mit gerichtlichen Schritten gegen den Tavistock and Portman NHS Trust gedroht hat, wenn dieser keine Einzelheiten seiner Kommunikation mit der Lobby-Organisation Mermaids veröffentlicht – die nun Gegenstand einer Untersuchung ist.

Für Sue ist es ein weiteres Beispiel für den Mangel an Transparenz, der Tavistock seit Jahren verfolgt.

Selbst die NY Times berichtet aktuell über die Gefahren von pubertätshemmenden Medikamenten für Kinder, die verunsichert sind über ihre geschlechtliche Selbstidentifikation.

Aber laut Überprüfungen wissenschaftlicher Arbeiten und Interviews mit mehr als 50 Ärzten und akademischen Experten auf der ganzen Welt gibt es Hinweise auf potenzielle Schäden durch die Verwendung von Blockern.

Der englische National Health Service schlug letzten Monat vor, die Verwendung der Medikamente für transsexuelle Jugendliche auf Forschungseinrichtungen zu beschränken. Es scheint tatsächlich, als seien einige Kids als Versuchskaninchen benutzt worden.

Die Vereinigten Staaten hatten keine Daten über die Wirkung oder Sicherheit von Blockern vorgelegt, insbesondere bei Transgender-Patienten unter 12 Jahren, was eine „Beweislücke für diese Praxis“ hinterließ.

AbbVie und Endo Pharmaceuticals weigerten sich, eine F.D.A.-Zulassung für den Einsatz bei Trans-Jugendlichen zu beantragen. Dann wären Krankenversicherer auch eher bereit dazu, die Kosten von zehntausenden Dollars pro Jahr pro Person zu übernehmen. Die Unternehmen wollten sich zu der Entscheidung nicht äußern.

Manche Teenager bekamen eine verringerte Knochendichte; die schon wie Osteoporose ausgeprägt war. Viele Schäden werden erst in Jahrzehnten richtig sichtbar. Viele Teens denken jedoch sehr kurzfristig und die Eltern sind oft auch erfreut, wenn ihre Kinder auf den Medikamenten nicht mehr so psychisch labil sind. Die NY Times versucht es mit dem Argument, dass die Vorteile vielleicht überwiegen. Aber die Studienlage ist schlecht.

Die meisten Patienten, die Pubertätsblocker einnehmen, gehen anschließend zu Hormonen und dann Operationen über; laut britischen und niederländischen Studien sogar 98 Prozent. Wenn aber alles abhängt von den subjektiven Eindrücken von instabilen Kindern, die noch nicht einmal geschäftsfähig sind und keine schwerwiegenden Entscheidungen treffen sollen, inwiefern beeinträchtigen Pubertätsblocker dann die Urteilsfähigkeit der Teens? Wie können sie etwas fürchten und etwas begehren, das sie gar noch nicht kennen? Viele Kinder mögen keine Veränderungen. Viele haben psychische Probleme. Soll das dermaßen häufig zurückgehen darauf, dass jemand im „falschen“ Körper steckt?

Einige Ärzte und Forscher sind besorgt, dass Pubertätsblocker eine prägende Phase des geistigen Wachstums stören könnten. Mit der Pubertät kommen kritisches Denken, ausgefeiltere Selbstreflexion und andere bedeutende Sprünge in der Gehirnentwicklung. Es hat sich gezeigt, dass Sexualhormone die sozialen und Problemlösungs-fähigkeiten beeinflussen.

Die Datenlage sei sehr schlecht. Bisherige Kids waren also Versuchskaninchen. In wenigen Jahren oder vielleicht in 10 Jahren sehen wir womöglich Studien, laut denen die Gehirne und die geistige Reife von Trans-Personen beeinträchtigt sind. Keiner will auch bisher wirklich zählen, wie viele Personen sich später gar nicht mehr als trans identifizieren und ihre Behandlung bereuen. Geschlechtsteile ein zweites Mal umzuwandeln mit befriedigendem Ergebnis ist unmöglich, genauso wie die Umkehrung einer tief gewordenen Stimme oder die Unfruchtbarkeit.

Es hängt letztendlich alles an der fehlenden klaren Diagnostik. Die Forschung legt nahe, dass genetische Faktoren und/oder Umweltfaktoren einen dramatischen Einfluss haben können auf die Gehirnentwicklung. Gäbe es eindeutige medizinische Tests, müsste man nicht herumquatschen und aus Gesprächen mit einer Person heraus herumdiagnostizieren. Wenn man sogar diagnostische Ansätze leugnen will, und stattdessen lieber von einer „Selbstidentifikation“ spricht, dann beißt sich das aber mit dem Umstand, dass Kinder (vor allem diejenigen mit psychischen Störungen) generell keine lebensversändernden Entscheidungen treffen dürfen. Schon gar nicht, wenn sie etwas sein wollen, das sie weder kennen noch klar definieren können.

Es ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn Kids auf Testosteron sich männlicher fühlen und auf Östrogen weiblicher. Interessant wären Studien, die Übergewicht und geringes Selbstwertgefühl abgleichen mit dem subjektiven Eindruck, kein Junge oder kein Mädchen zu sein. In der NY Times-Story ist ein Mädchen mit Übergewicht zu sehen, dass einfach nicht die frühen Erlebnisse hatte, wie eine Fee oder Prinzessin zu wirken. Wenn man entsprechend nicht behandelt wird von der Außenwelt, wachsen wohl die Zweifel an der eigenen Identität.

AlexBenesch
AlexBenesch
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