Tagesschau Faktenfinder zu „Verschwörungsmythen“ über Davos, WEF und Schwab

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Bild: World Economic Forum (www.weforum.org) swiss-image.ch/Photo by Remy Steinegger, CC BY-SA 2.0

Kommentar

Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF) und das regelmäßige Treffen in Davos trenden gerade auf Twitter wegen dem Begriff „Verschwörungsmythen“. Der Tagesschau-Faktenfinder präsentierte zu diesem Anlass einen flauen Artikel mit diversen Akademikern, die als Experten zu Verschwörungsmythen gelten, aber keine Experten sind zu Geheimdiensten. Sie sind also lediglich qualifiziert dazu, allgemeine Aussagen zu tätigen gegen offensichtlich falsche Behauptungen.

Der Begriff Verschwörungen wird meistens viel zu breit definiert als Zusammenschluss mächtiger Leute mit schlechten Absichten.

„Das Motiv, dass es in irgendeiner Form eine im Verborgenen agierende Elite gibt, ist ein grundlegendes Motiv fast aller Verschwörungserzählungen“,

sagt Katharina Kleinen-von Königslöw, Professorin am Fachgebiet Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg. Sie vermag es, festzuhalten dass die Veranstaltungen des WEF und Schwabs Buch über den Great Reset keinerlei Belege liefern für kriminelle Aktivitäten. Mehr auch nicht. Die Megakonzerne und die Pläne und (verdeckten) Methoden der angloamerikanischen Supermacht einzuschätzen, liegt außerhalb ihrer Expertise.

Dann wird noch Jan Rathje zitiert, Senior Researcher beim CeMAS (Center für Monitoring, Analyse und Strategie):

„Große Treffen von Menschen, die über Machtressourcen verfügen, eignen sich besonders gut als Zielscheibe für Verschwörungserzählungen.“

Das gilt aber auch insbesondere für linke Kreise, die ja zum Mainstream zählen. Ihre Ikone Karl Marx hatte behauptet, dass kapitalistische Unternehmungen prinzipiell Ausbeutung seien und Parasitentum im spezifisch jüdischen Geiste. Diese verkehrte Sichtweise hatte er von den französischen Frühsozialisten abkopiert die wegen Banken und Eisenbahnunternehmen in Frankreich bereits von einer jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung faselten. Die meisten Linken heute wissen gar nicht, dass Marx genau solche Überzeugungen hinausposaunte, die bald darauf von der rechten völkischen Szene übernommen wurden.

Für die Linken heute ist alles verschwörerisch oder Mitläufertum, was nicht links ist.

Im Juni 2020, also während der COVID-Pandemie machte Klaus Schwab die WEF-Initiative „The Great Reset“ öffentlich. Kurze Zeit später erschien sein fast gleichnamiges Buch. Er hatte die gleichen Kerngedanken zuvor schon in Büchern geschrieben. Das neue Buch wirkte, als sei im letzten Moment die Pandemie als Thema oberflächlich miteingewoben worden. Der Virus, so erklärte er, würde manche Bestrebungen bremsen und andere beschleunigen. Das ganze Buch war sehr schwammig und vage.

Aber die gewöhnlichen Verschwörungsinfluencer brauchten Sensationen für ihr Publikum und so präsentierte man einfach Schwabs Buch und einzelne ältere Pandemie-Planspiele wie es sie hundertfach gab in verschiedenen Ländern. Wie üblich wurde angedeutet, oder geradeheraus behauptet, eine jüdische Weltverschwörung zöge die Strippen, weil jüdische Kleinstfamilien sowohl das mächtige britische Kolonialreich als auch die USA mühelos unter ihre Kontrolle gebracht hätten mit nichts anderem als gewöhnlichen Krediten und ein paar strategischen Tricks. Alle Sünden der Angloamerikaner werden so umgedeutet als Beweise für die Windmühlen von Zion.

So sehr die Akademiker und Journalisten jammern über schlechte Verschwörungsmythen, so erfüllen die Mythen die Aufgabe der Ablenkung, Verwirrung und Beschäftigungstherapie für ein Sammelbecken.

Der eigentliche Beginn der modernen Verschwörungsmythen war die Zeit der Französischen Revolution. Der britische Geheimdienst steckte hinter allen drei der wichtigsten Verschwörungsbücher der damaligen Zeit, die darauf ausgelegt waren, einen Bürgerkrieg in Frankreich anzufachen.

AlexBenesch
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