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Noch mehr schlechte Ratschläge an die AfD

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Bild: C. Nass/Shutterstock.com

Zwei Landtagswahlen verliefen für die AfD enttäuschend und „alternative“ Medien meinen genau zu wissen, wie man die Lage verbessert: Die Meinungen der alternativen Medien noch mehr zu übernehmen; also genau die Meinungen, die die Flügel-Anhänger anscheinend seit jeher ungeprüft einfach übernehmen und kopieren. Das soll die große Wende bringen und Millionen Wähler wieder anlocken. Lässt sich diese Strategie irgendwie untermauern durch Meinungsforschung? Nein.

Stefan Schubert, ein zentraler Autor des KOPP-Verlags, rattert aktuell auf der Verlagswebseite die üblichen Talking Points herunter. Das Thema muslimische Einwanderung, das seit einer Weile einfach nicht mehr zieht, sei vernachlässigt worden:

Es wirkt jedoch beinahe so, als ob sich ein Teil der AfD-Spitze damit abgefunden hat.

Das klingt nach dem Talking Point, Meuthen sei ein Verräter, der für das „System“ arbeitet oder zumindest den Kampf aufgegeben hätte.

Eine breite Mobilisierung der Bevölkerung gegen diese kaum mehr rückgängig zu machende Masseneinwanderung aus meist muslimischen Herkunftsstaaten ist der AfD nicht gelungen.

Eine „breite Mobilisierung“ ist auch Herrn Schubert und dem KOPP-Verlag nicht gelungen, weil einfach andere Themen in den Vordergrund gerückt sind. Wie stark soll denn laut Schubert die AfD die islamische Einwanderung zum (Wahlkampf-)Thema machen? Und in welcher Form? Denn je krasser die AfD entgleist bei dem Thema, umso eher vergrault sie auch wieder haufenweise Wähler. Ist halt nicht so einfach wie gegen Meuthen zu maulen. Schubert meint, die AfD-Führung (also das Meuthen-Lager) sei zu Feigem Massendemonstrationen anzuleiern gegen die „Islamisierung“. Woher will denn Schubert wissen, dass sich überhaupt Massen an Bürgern anlocken ließen zu einer Mega-Demo?

Medien würden sich einzelne Rechtsextremisten herauspicken, um die ganze Partei schlecht aussehen zu lassen. Soll Schubert doch mal das geleakte letzte Dossier des Verfassungsschutzes zur AfD lesen das aus rein öffentlichen Quellen erstellt wurde, und sich dann überlegen, welche geheimen Informationen vielleicht längst vorliegen darüber, dass bestimmte AfD-Abgeordnete womöglich die ganz radikalen Ideen kopiert haben aus „alternativen“ Medien.

Wenn der Bevölkerung durch Offenlegung die Arbeitsweise des Verfassungsschutzes und die dafür verantwortlichen CDU-Netzwerke bekannt werden, verliert auch die Drohkulisse »Verdachtsfall« das beabsichtigte Einschüchterungspotential.

Hat Schubert magische Kräfte und kann in die Köpfe reinschauen von Leuten wie Kalbitz oder Höcke? Wie kann sich Schubert so sicher sein, dass keine hinreichenden Verdachtsmomente gefunden werden können, die für die Gerichte ausreichen, damit der Verfassungsschutz schärfere Mittel einsetzen darf um nachzusehen, ob bestimmte AfD-Abgeordnete abseits der Öffentlichkeit das breite Spektrum radikaler Ideen aus den alternativen (Verschwörungs-)Medien übernommen haben? Vielleicht glauben ja manche beim KOPP-Verlag an Remote Viewing.

Nachdem die Fake-Protokolle der Weisen von Zion 2001 in Deutschland indiziert wurden, nahm der KOPP-Verlag das von Johannes Rothkranz aus Versatzstücken des Originals verfasste mehrbändige Werk „Die Protokolle der Weisen von Zion – erfüllt!“ aus dem Duracher Schmid-Verlag ins Vertriebsprogramm und warb dafür mit der Beschreibung: „Die Übereinstimmung des Geplanten mit dem heute Erreichten ist nahezu perfekt!“ Kann es sein, dass manche AfD-Leute sich in der Vergangenheit schon einfach zugedröhnt hatten mit solchem Material, und deswegen leichte Beute sind für den Verfassungsschutz? Kann es sein, dass dieses Standard-Gemecker gegen Linke und den Verfassungsschutz wirkungslos verpufft und kein Raum mehr bleibt, um die massiven Probleme im rechten Lager zu lösen?

Die AfD hat ohnehin schon im größere Stil die Narrative der alternativen Medien zur Pandemie ungeprüft übernommen. Dem letzten Schritt, also die uneingeschränkte Solidarisierung mit gewissen Corona-Aktivisten (die zu den alternativen Medien zählen) verweigern sich Meuthen und Meuthens Vertraute. Na und? Würde der letzte Schritt Wunder vollbringen an den Wahlurnen? Es gibt keinen vernünftigen Grund, davon auszugehen. Alternative Medien logen, was das Zeug hielt, über die Teilnehmerzahl der ersten großen Corona-Demo 2020. Von 1,3 Millionen Teilnehmern wurde gefaselt. Zweifler wurden attackiert.

Ob sich Schubert und der KOPP-Verlag freuen würden, wenn Meuthen abgesägt wird? Wenn der Flügel dann unmissverständlich die Partei kontrolliert, aber die erwünschten Wahlergebnisse ausbleiben, dann gibt es ja keinen Meuthen-Flügel mehr, den man beschuldigen kann. Was bleibt dann? Das althergebrachte Gemaule über Linke und Stigmatisierungen? Die Sichtweise, dass man den Schaden durch den Meuthen-Flügel nicht wieder ausbeulen konnte? Egal was wieder schieflaufen wird, die „alternativen“ Medien werden die passende Ausrede parat haben.

Es scheint, alternative Medien sind seit der Flüchtlingskrise und dem Hype der neurechten Trump-Ära in eine Art Größenwahn hineingeraten. Sie wollen im Endeffekt bestimmen, wie die AfD und generell konservative Politik auszusehen habe. Schubert meint:

Wie Erfolg geht, hat Donald Trump vorgemacht. In der Werbebranche würde man dessen Strategie wahrscheinlich als konsequentes Zielgruppenmarketing bezeichnen.

Trump hatte die Republican Party hinter sich, Milliardärs-Gönner wie die Mercers und füllte seine Administration mit Insidern aus altbekannten Kreisen. Die Republicans brauchten die Konsumenten gewöhnlicher Verschwörungsmedien als Wähler-Vieh, also sonderte Trump gehässige Sprüche ab gegen die Linken und gab sich narzisstisch-dreist. Mit dem Ergebnis, dass die Democrats nun das Weiße Haus haben, den Senat und den Kongress. Von Trump lernen, heißt verlieren zu lernen. Oder hat Schubert etwa auch den Murks über eine „gestohlene“ Wahl aus den alternativen Medien ohne genügende Prüfung kopiert?

AlexBenesch
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