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Putins Trolle drehen durch: Die CIA soll Boris Nemzow ermordet haben

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Timofeev Sergey / Shutterstock.com

KOMMENTAR

Der Führerkult um den ehemaligen KGB-Chef Putin ist nun endgültig das zentrale, verbindende und sinnstiftende Element der „alternativen“ Bewegungen im Westen geworden.

Egal, welche hirnrissige Propaganda von den russischen Geheimdiensten zusammengesponnen wird, die Putin-Trolle verbreiten sie mit flammender Überzeugung im Westen. Die Trolle sind Neokonservative, die an die Lemminge von George W. Bush erinnern, und so tun, als seien sie Analysten.

Kaum ist die Leiche von Kreml-Kritiker Boris Nemzow kalt, werden auch schon die Talking Points des Kremls nachgeplappert. Paul Craig Roberts, ein ehemaliger Finanzbeamte unter US-Präsident Ronald Reagan, verbreitet die These, die CIA hätte Nemzow umgelegt, um Putin schlecht aussehen zu lassen. Das obwohl Putin derzeit im Ausland sowieso schon schlecht genug aussieht und Nemzow einer der wenigen verbleibenden Kreml-Kritiker von internationalem Format war.

Die CIA hat null überzeugendes Motiv. Die CIA hatte außerdem noch nie ernstzunehmende Assets in Russland, dafür russische Spione im eigenen Pelz. Eine solche Operation dermaßen nahe am Kreml ist extrem weit hergeholt. Das Putin-Regime hingegen hat ein direktes Motiv für den Mord und konnte diesen spielend leicht ausführen.

Alternativ mutmaßt Roberts, Nemzow sei von russischen Nationalisten für einen Agenten Washingtons gehalten worden. Er erwähnt nicht, dass praktisch jeder Kritiker in dem faschistischen Russland als Landesverräter gilt. Zu Stalins Zeiten genügte es, ausländische Verwandte zu haben, um von der Geheimpolizei abgeholt zu werden.

Paul Craig Roberts ist eine extrem supekte Figur, die ständig international die Kreml-Linie vertritt:

Die in den vergangenen Jahren erbärmlich inkompetent gewordene Plattform infowars.com liefert gleich noch einen fast identischen Beitrag des Pro-Putin-Schwätzers Tony Cartalucci. Nemzow wird dargestellt als dreckiger Agent des großen Satans USA, nur weil er Kontakte zu amerikanischen Stiftungen hat, während es als völlig selbstverständlich gilt, dass jeder unzufriedene Amerikaner Russenkontakte sucht.

Infowars ist das Sammelbecken für Putinistas geworden. Anscheinend ist es einfacher, Alex Jones‘ Office zu infiltrieren als in Russland als Kremlkritiker fertiggemacht zu werden.

Vor wenigen Jahren war dies völlig anders. Bevor also der nächste Amateur oder Spinner meint, Alexander Benesch würde mal wieder ohne Grund „alte Weggefährten“ angreifen:

infowars-putinVor wenigen Jahren erschienen auf Infowars.com und in Alex Jones‘ Radiosendung noch regelmäßig Berichte über Putins verdeckten Terror. Russlands Führung kopierte fast 1:1 den amerikanischen Krieg gegen den islamischen Terror. Putin wurde „dank“ der Anschlagsserie auf Wohnblöcke in der Nähe Moskaus von der lahmen Ente zum Kriegsführer und zur Kultfigur.

Dass der Geheimdienst bei dem Plazieren von Sprengstoff ertappt wurde, erfuhr das Infowars-Publikum. Auch die verdächtigen Geiselnahmen in Beslan und ähnliche Ereignisse wurden von Jones‘ Truppe adäquat behandelt. Immerhin wurden die Taten regelmäßig Russlands Bin-Laden-Verschnitt Schamil Bassajew zugeschrieben, der wahrscheinlich ein Doppelagent und ursprünglich von den Russen ausgebildet worden war. Auf der Welle des islamischen Terrors ritt Putin zu Reichtum und Macht. Alle Freiheiten wurden beseitigt, alle unbequemen Medien dichtgemacht.

Googlen sie nach den Begriffen Beslan und Infowars.com und sie finden eine Reihe solider Artikel von u.a. Paul Watson, der heute rigoros die Kreml-Linie verteidigt.

Was führte zu diesem brachialen Sinneswandel? Ließ sich Alex Jones bequatschen von zahlreichen falschen Freunden die ihn umgeben haben und bis heute kreml-treu sind? Denkt er tatsächlich, Russlands kriminelle Elite sei die große christlich-konservative Hoffnung? Oder hält er das russische Regime für das wesentlich kleinere Übel und verteidigt es deshalb mit Falschdarstellungen?

Jones enstammt eigentlich konservativen amerikanischen Kreisen die lange vor ihm wichtigste Aufklärung leisteten und von denen Generationen von Autoren abschrieben. Autoren wie Antony Sutton oder manch andere hatten nicht nur eine extrem kritische Haltung zum West-Establishment, sondern waren vehement antikommunistisch. Viel Wissen, das oft sogar von sowjetischen Überläufern geliefert wurde, konnte so einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Vorhersagen hatten eine erstaunliche Treffgenauigkeit.

Umso erstaunlicher ist es, dass in den letzten Jahren Jones dermaßen vom Kurs abgewichen ist und sein Publikum in Richtung Putin-Kult schickt. Der Führerkult um den ehemaligen KGB-Chef hat nun 9/11 als verbindendes, sinnstiftendes Element der populären establishment-kritischen Bewegung abgelöst.

AlexBenesch
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