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Mittwoch, August 17, 2022

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Querdenken-Begründer Ballweg in Haft wegen Verdachts auf Abzocke

RechtQuerdenken-Begründer Ballweg in Haft wegen Verdachts auf Abzocke

Kommentar

Solange man kein praktizierender Arzt ist, sondern nur ein Aktivist, ist es nicht verboten, den Eindruck zu erwecken, man könnte eine Pandemie weglabern, und sich für diese Illusion bezahlen zu lassen. Allerdings sollte man dafür rechtzeitig ein Gewerbe oder eine Stiftung anmelden, um nicht in Teufels Küche zu geraten.

Der Gründer der Querdenken-Bewegung Michael Ballweg wurde nun festgenommen wegen des Verdachts auf Betrug im Zusammenhang mit seinem Aktivismus gegen Corona-Maßnahmen. Die Pressemitteilung der Polizei Stuttgart war recht knapp gehalten und erwähnte den Namen nicht. Mit diesem standardmäßigen Prozedere soll der Eindruck vermieden werden, die Ermittlungen seien eine Art Rache des Staats:

Der 47-Jährige steht im Verdacht, seit Mai 2020 durch öffentliche Aufrufe finanzielle Zuwendungen eingeworben zu haben und hierbei die Zuwendenden über die beabsichtigte Verwendung getäuscht zu haben. Nach derzeitigem Ermittlungsstand soll der Tatverdächtige in der Folge einen höheren sechsstelligen Betrag der eingeworbenen finanziellen Zuwendungen zweckwidrig für sich verwendet haben. Die Beamten vollstreckten heute richterlich angeordnete Durchsuchungsbeschlüsse in zwei Wohnungen und Geschäftsräumen und beschlagnahmten Beweismaterial, welches nun ausgewertet werden muss. Darüber hinaus wurden gerichtlich angeordnete Vermögensarreste vollzogen

Die Staatsanwaltschaft und die Polizei Stuttgart befürchteten, dass Ballweg mit seinem Geld ins Ausland ziehen könnte, so wie zuvor einige prominente Aktivisten. Selbstverständlich interpretieren Ballwegs Supporter die Sache als politisch motiviert. Ohne harte Fakten in der Hinterhand hätte der Staat ihn aber eher in die Bedeutungslosigkeit entschwinden lassen, anstatt zu riskieren, ihn zur Märtyrerfigur zu machen.

Solidarisieren sich jetzt Supporter mit ihm, könnten sie später beim Prozess allesamt ziemlich schlecht aussehen, falls die Beweislage zeigt, dass er viel Kohle gebunkert hatte, ohne sie schnell wieder in Aktivismus reinzupumpen. Ballweg hatte viel Geld eingesammelt und viel koordiniert bei den Demonstrationen, was ihm auch massive Kritik aus den eigenen Reihen der Aktivisten eingebracht hatte. So manche erwarteten Aufwandsentschädigungen aus dem Spendentopf oder Hilfe bei den steigenden Gerichts- und Anwaltskosten wegen diverser Verfahren, nur um dann leer auszugehen.

Selbstverständlich beobachteten die Gegner der Querdenker, was vor sich ging, und suchten nach Angriffsflächen. War Querdenken ein Gewerbe? Steuerpflichtig? Wie, wo? Wer sind die Gesellschafter und wer haftet wie?

Michael Ballwegs alte Firma für Softwarelösungen wollte ihre Homepage vom Netz nehmen, weil große Kunden untersagt hätten, als Referenzen aufgeführt zu werden. Zu den großen Kunden gehörten die alteingesessenen Konzerne thyssenkrupp und die Robert Bosch GmbH. Ballweg wollte offenbar gleichzeitig den Rebellen spielen und Geld mit Großkonzernen verdienen. Die Großkonzerne hatten laut dem SWR zudem ihre Verträge mit Ballwegs Firma gekündigt. Thyssenkrupp teilte mit:

“Gemäß einer Referenzvereinbarung, die eine Anlage des Vertrags darstellt, kann ohne Nennung von Gründen verlangt werden, die Nutzung des Logos und Namens als Referenz einzustellen. Wir haben die media access GmbH am 11.8.20 darum gebeten, die Nutzung der Referenz einzustellen.”

Für Ballweg blieb noch die Vollzeit-Betätigung als COVID-Agitator. Ironischerweise brauchte er dazu genau das, wogegen er protestierte: Einschränkende Maßnahmen wegen COVID. Immer mehr Aktivisten wollten ihr Stück vom Spenden-Kuchen abhaben und drängten ihn zunehmend beiseite.

Alles schon mal dagewesen

Alle wichtigen Überzeugungen der Querdenker gab es schon während der Spanischen Grippe. In der Frühphase hatte aber die Regierung eine große Kampagne laufen zur Verharmlosung, bevor es dann schließlich doch zu Maßnahmen kam.

In dem Buch „The Great Influenza“ von John Barry erfährt man anschaulich, wie die zweite Welle der Spanischen Grippe vor rund 100 Jahren die amerikanischen Städte verwüstete und die US-Regierung den Zeitungen befohlen hatte, die Lage mit schamlosen Lügen zu verharmlosen. Die erste Welle schien noch handhabbar. Die zweite war die Hölle, da das Virus sich durch den Mechanismus namens „Passage“ besser an den Menschen angepasst hatte, nachdem er durch zig Menschen hindurchgegangen war.

Am 10. Oktober 1918 starben 759 Tote Tote in Philadelphia. Früher hatte man 485 Tote pro Woche (alle Ursachen inklusive). Die Leichen stapelten sich oder wurden in Massengräbern verscharrt. In immer mehr Städten war es das gleiche Bild. In Camp Pike, Little Rock gab es 8000 neue Patienten in vier Tagen. Die Namen der Toten wurden nicht mehr veröffentlicht. In der Stadt meldete die Zeitung Arkansas Gazette:

„Die Spanische Influenza ist nur eine normale Grippe – das altbekannte Fieber und Schüttelfrost.“

Tausende und abertausende Zeitungen im Land brachten exakt den gleichen Talking Point, es sei nur eine gewöhnliche Grippe. Genauso verbreiteten 2020 Kommunisten, moskautreue Neurechte, russische Geheimdienste und zahllose Nachplapperer bei uns im Westen, bei COVID handle es sich nur um eine normale Grippe. Sehr früh wurde diese extreme Sichtweise in den Sozialen Medien herumgeblasen und zu einem regelrechten Mantra gemacht, einem „Talking Point“ der endlos kopiert und weiterverbreitet wurde. Man könne den Virus einfach ignorieren, aufhören zu testen, und man würde nichts Ungewöhnliches bemerken, vor allem keine Übersterblichkeit.

Die Verleger wurden damals bei der Spanischen Grippe bedroht von der US-Regierung: Druckt nur Konstruktives, wie etwa Empfehlungen zu Präventivmaßnahmen. Der Los Angeles public health director meinte: Es gäbe keinen Grund zum Alarm, wenn gewöhnliche Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Wascht euch einfach die Hände etc. und das reicht. 48 Stunden später ließ er panisch alle öffentlichen Veranstaltungs und Treffpunkte schließen.

Die COVID-Truther klangen identisch mit ihren Beteuerungen, dass man mit Händewaschen und etwas Abstand seine Pflicht getan hätte, genauso wie bei der normalen Grippe. Auch mit diesem Talking Point wird unterstellt, man hätte nie einen Lockdown machen dürfen. Die COVID-Truther hätten anscheinend, wären sie an der Macht, nur dumm zugeguckt bei der Pandemie, und auf das beste gehofft.

The Bronxville, New York, Review Press und der Reporter berichteten damals gar nichts eine lange Zeit zur Spanischen Grippe. Dann beklagte man Alarmismus. Die Angst sei das größere Problem als die Krankheit. Der Illinois superintendant of public health wollte in vertraulichem Treffen vorschlagen, alle Firmen zeitweise dichtzumachen. Er wurde rigoros abgeblockt. Angst töte mehr Leute als die Epidemie, hieß es. Im Cook County Hospital gab es eine Todesrate von rund 40% bei Influenza. Literary Digest, eine der am weitesten verbreiteten Publikationen im Land, meinte: Die Angst ist der größte Feind. Zig andere Zeitungen brachten exakt das gleiche Mantra.

Die COVID-Truther hatten sich heute regelrecht in einen Wahn hineingestusst mit dem Mantra, man solle bloß keine „Panik“ haben und „Panikmache“ akzeptieren. Wenn jemand das Virus ernst nahm und wenn Standard-Maßnahmen ergriffen wurden, dann schreiten sie, das wäre Panik. Gleichzeitig verbreiten die Truther Panik vor einer vermeintlichen COVID-Diktatur in Deutschland, für die aber das notwendige Personal fehlte. Die echte COVID-Diktatur in Russland ignorierten sie.

Viraler Stuss der US-Regierung

In den Werbeanzeigen von Vicks Vapo Rub hieß es damals, die Krankheit sei „nur die altbekannte Grippe, unter neuem Namen.“ Bürgermeister und Gouverneure ließen sich mit exakt den gleichen Statements zitieren am laufenden Band. Der Public Health Service der US-Regierung ließ gebrauchsfertige Druckerplatten herstellen mit identischer Propaganda und verschickte die Platten an zehntausende Zeitungen. Millionen Pamphlete und Poster mit dem Stuss wurden zusätzlich gedruckt mit dem Geld des Roten Kreuzes. Als Gesundheitstipps gab es Weisheiten wie „Seien Sie hygienisch. Kauen Sie ihr essen gründlich.“ Immerzu hieß es, die Situation sei unter Kontrolle.

Die COVID-Truther benutzten die Sozialen Medien und versuchen, den Eindruck zu erwecken, viele individuelle Meinungen abzubilden. In Wirklichkeit bringen sie immer die gleichen vorgestanzten Talking Points. Sie verdienen nicht einmal den Begriff „Verschwörungstheoretiker“, weil sie die plausiblen Verschwörungshypothesen weitgehend ignorieren und stattdessen sich eingeschossen haben auf die schwächste Verschwörungshypothese, es handle sich um einen Schwindel (englisch: „Hoax“) bei dem eine „normale Grippe unter neuem Namen“ durch „Panikmache“ aufgebauscht wurde, um einen Lockdown umzusetzen, den es gar nicht bräuchte, weil „gewöhnliche Vorbeugemaßnahmen wie Händewaschen völlig ausreichend wären“ und „Angst das größere Problem sei als das Virus“.

Das Journal der American Medical Association wusste es besser in der Spanischen Grippe und verwarf samt und sonders die offizielle, gefährliche und fahrlässige Verharmlosungspropaganda. Die Menschen konnten sowieso mit ihren eigenen Augen beobachten, wie ihre Mitmenschen in alarmierender Zahl wegstarben. Die Verharmlosungskampagne hatte eher den gegenteiligen Effekt auf das Publikum.

Die Anti-Mask League of San Francisco (zu deutsch die Anti-Masken-Liga von San Francisco) war eine Organisation, die gegründet wurde, um gegen die Anordnung zu protestieren, in San Francisco, Kalifornien, während der Grippepandemie von 1918 Masken zu tragen. Die Gesundheitsbehörde der Stadt erließ verschiedene Maßnahmen, um die Krankheit einzudämmen, z. B. das Verbot von Versammlungen, die Schließung von Schulen und Theatern und die Weisung an die Bürger, Menschenmassen zu vermeiden. Für Personen, die beruflich mit Kunden in unmittelbaren Kontakt kamen (Friseure, Hotel- und Pensionsmitarbeiter, Bankkassierer, Drogisten, Verkäufer und alle anderen Personen, die der Öffentlichkeit dienen), wurde das Tragen von Masken vorgeschrieben. Am 25. Oktober erließ die Stadt dann eine Verordnung, wonach „jeder Einwohner und Besucher von San Francisco verpflichtet“ war, „in der Öffentlichkeit oder in einer Gruppe von zwei oder mehr Personen eine Maske zu tragen, außer während der Mahlzeiten“.

Die anfängliche Akzeptanz der Maskenverordnung war hoch; schätzungsweise vier von fünf Personen trugen in der Öffentlichkeit eine Maske. Das Rote Kreuz verkaufte am Terminal des Hafens Masken für Personen, die mit der Fähre ankamen. Personen, die keine Maske trugen oder eine Maske unsachgemäß trugen, wurden wegen „Ruhestörung“ angeklagt und dann verwarnt und mit einer Geldstrafe von zumeist 5 US-Dollar belegt, die dem Roten Kreuz zugutekam.

Hierunter befanden sich ausgerechnet ein Kongressabgeordneter, ein Justizbeamter, ein Konteradmiral der Marine, Bürgermeister Rolph und der Gesundheitsbeamte Hassler. Alle wurden von einem Polizeifotografen gefilmt, der seinem Chef Kopien der Abzüge schickte. Hassler zahlte an Ort und Stelle eine Geldstrafe von 5 Dollar und gab zu, dass seine Maske möglicherweise heruntergefallen sei, während er eine Zigarre geraucht habe. Einige Tage später wurde Bürgermeister Rolph ein Foto seines unmaskierten Gesichts gezeigt und er wurde von seinem eigenen Polizeichef mit einer Geldstrafe von 50 Dollar belegt.

Enthält Auszug aus wikipedia unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike License;

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