Politik

Orwells manipulatives Buch „1984“ ist jetzt gemeinfrei

Bild: idesignf/shutterstock.com

Der Roman „1984“ ist 70 Jahre nach dem Tod des Autors gemeinfrei geworden und nun werfe Verlage neue deutsche Übersetzungen auf den Markt. Es gilt zwar als Aushängeschild für freiheitliche Literatur, war aber Teil einer Kampagne für „Sozialismus light“ um den Ost-Sozialismus zu verdrängen.

George Orwell (alias Eric Arthur Blair) ist mit 1984 und Animal Farm wohl der bekannteste dystopische Romanautor, der vor totalitären Diktaturen gewarnt hat. Bei genauerer Betrachtung spielte er aber eine ähnliche Rolle wie der mysteriöse Rebellenführer Goldstein in 1984: Er verrät dir keine Geheimnisse, sondern will dich nur bei der Stange halten. Orwell war gegen den Stalinismus, aber er plädierte im Endeffekt auch für einen Linkskurs.

In 1984 liest Winston ein Exemplar des Buchs “The Theory and Practice of Oligarchical Collectivism”, das zumindest Grundzüge des Wesens und der Funktionsweisen der Diktaturen verrät. Dieses Machwerk erzählt Winston allerdings nur das, was er sowieso schon weiß bzw. was er sich selbst zusammenreimen kann. Richtiger Tiefgang und richtige Strategien werden nicht geliefert; ähnlich wie in der realen Enthüllungs- bzw. Verschwörungsliteratur. Winston bekommt nur eine simple Abhandlung über Revolutionen, die der Unterschicht nicht die gewünschten Ergebnisse bringen. Die Revoluzzer aus der Mittelschicht belügen die Unterschicht, damit jene sich an der Revolution beteiligt. Die Mittelschicht tauscht dann die Plätze mit der Oberschicht und verrät dabei die Interessen der Unterschicht.

Im Prinzip lautet also die Botschaft an den Leser von 1984, dass man sich nicht an Revolutionen unter der Führung von Mittelschichtlern beteiligen sollte (obwohl solche Revolutionen prinzipiell funktionieren können im Interesse der breiten Bevölkerung), sondern dass man sich beteiligen müsse an evolutionärem Sozialismus light. Orwell lässt sein rigoroses Misstrauen durchscheinen gegenüber der Mittelschicht, also das bei Linken verhasste Bürgertum. Nach Orwells Logik kann aus der Mittelschicht keine positive Revolution heraus entstehen, sondern nur eine neue Diktatur. Die einzige Möglichkeit, um eine Oberschicht loszuwerden, sei eine Vermischung von Unterschicht und Mittelschicht, was Umverteilung bedeutet, die wiederum die Eigentumsrechte und weiteren Rechte der Mittelschicht (und der Unterschicht!) aushöhlt. In 1984 ist die Mittelschicht extrem stark kontrolliert und indoktriniert, während die Unterschicht das wahre Potenzial für Freiheit und Veränderung besäße. Winston lässt sich auf O’Brien ein, der sich als Revolutionär ausgibt, sowie auf einen Ladenbesitzer in den Vierteln der Unterschicht. Dies ist nicht einfach nur ein Hinweis auf die allgegenwärtige Überwachung in stalinistischen Diktaturen, sondern es zeigt die Verachtung und das Misstrauen Orwells gegenüber Personen aus der Mittelschicht, die für Privilegien und etwas mehr Besitz ihre Mitmenschen verraten. Winston ist (im Gegensatz zu seiner heimlichen Liebschaft Julia) höchst interessiert an dem Verschwörungsbuch, aber er erfährt darin nichts Handfestes zu der Frage, wie man gegen die Diktatur kämpfen soll. Es ist nie klar, ob das Buch an sich nur eine gezielte Falle der Geheimpolizei ist, um Dissidenten aufzuspüren und zu inkriminieren. Winston bekam das Exemplar von O’Brien, der die Rolle eines ranghohen Dissidenten spielt, aber in Wirklichkeit nur für die Geheimpolizei Dissidenten jagt. Zwar erklärt sich Winston bereit, eine Art Agent zu werden für die mysteriöse Widerstandsorganisation “Bruderschaft” und folgsam Befehle auszuführen, egal wie brutal diese sein mögen, aber es ist zu bezweifeln, dass Winston jemals wirklich in der Lage wäre, solch unmoralische Aufträge zu erfüllen. Selbst hatte er überhaupt keine Ahnung vom Widerstandskampf und sein einziger Lehrmeister stellt sich als Mitglied der Geheimpolizei heraus. Donald Trump erinnert verblüffend an die Romanfigur O’Brien in George Orwells Roman 1984. O’Brien ist ein Mitglied der “Inneren Partei”, also des Establishments, allerdings spielt er gerne auch den Rebell, der angeblich mit mächtigen Verbündeten (“Die Bruderschaft”) einen Umsturz plant und das Land befreien möchte. In Wirklichkeit ist O’Brien durch und durch ein Mann der Partei. Mit seiner Schauspielerei trickst er die Hauptfigur des Romans aus, Winston Smith. Der Rebellen-Führer Goldstein erinnert an Alex Jones, der sich inzwischen als Vordenker sowie als Hofberichterstatter der “Trump-Revolution” betrachtet. Jones’ Quellen, die natürlich nie enthüllt werden, sowie diverse Leute im Umfeld von Trump (Q Anon), werden gepriesen wie die “Bruderschaft” im Roman 1984.

Blairs Hintergrund

Eric Arthur Blair wurde am 25. Juni 1903 in Motihari, Bihar, in der Kolonie Britisch-Indien geboren. Sein Urgroßvater Charles Blair, war ein wohlhabender Gentleman vom Lande in Dorset, der Lady Mary Fane, Tochter des Earl of Westmorland, heiratete und ein Einkommen als abwesender Gutsherr von Plantagen in Jamaika hatte. Sein Großvater, Thomas Richard Arthur Blair, war ein Mann des Klerus. Eric Blair beschrieb seine Familie als „untere obere Mittelschicht“. Francis Fane, 1. Graf von Westmorland, war noch ausgezeichnet worden mit dem elitären Order of the Bath. Blairs Vater, Richard Walmesley Blair, arbeitete in der Opiumabteilung des britisch-indischen öffentlichen Dienstes. Diese Bürokraten herrschten über mehr als 300 Millionen Menschen nach der Ära der gierigen Britischen Ostindien-Kompanie, was nur mit professioneller und rigoroser Spionage möglich war. Blair erhielt 1917 einen Stipendien-Platz als King’s Scholar in Eton. Dieser Hintergrund macht ihn von vorneherein verdächtig. Warum sollen wir glauben, dass ausgerechnet er einer der ehrlichen Rebellen gewesen sei aus der begüterten, privilegierten Schicht? Könnte er selbst einer von den verräterischen Pseudo-Rebellen sein, vor denen er warnte? Im Oktober 1922 segelte er an Bord der SS Herefordshire durch den Suezkanal und Ceylon zur indischen kaiserlichen Polizei in Burma, wo er für die „Sicherheit“ (gemeint ist Unterdrückung) von etwa 200.000 Menschen verantwortlich war. Wieviel von seiner Arbeit hatte mit einem Spitzelsystem zu tun, um aufrührerische Kolonialsubjekte zu finden, zu verhören und zu bestrafen? Wie ich in meinen vergangenen Büchern zeigen konnte, betrieb der Adel einen eigenen Geheimdienst. Ende 1924 wurde er nach Syriam, näher bei Rangun, versetzt. In Syriam befand sich die Raffinerie der britisch kontrollierten Burmah Oil Company. Später schrieb er, dass er sich wegen seiner Rolle in der Arbeit des Imperiums schuldig fühlte, und er „begann, sein eigenes Land genauer zu betrachten und sah, dass auch England seine Unterdrückten hatte“. Und so sah er sich um, was für rebellische Aktivistengruppen es gab und besuchte Treffen der Kommunistischen Partei und von Sir Oswald Mosley, ein Faschist mit hohen Adelsverbindungen. Die britische Geheimpolizei Special Branch listete ihn als subversiv und stellte ihn unter Beobachtung. Orwell stellt klar, dass er selbst für den Sozialismus sei, aber nicht für den Stalinismus. Es wurde aber noch bunter: Er ging nach Spanien, um dort auf am Bürgerkrieg teilzunehmen. So trat er der Miliz des POUM ( Partido Obrero de Unificación Marxista = Arbeiterpartei für marxistische Einheit) bei, die als das spanische Gegenstück der ILP galt. Orwells Eintritt in eine POUM-Einheit, mit der er an der aragonischen Front kämpfen sollte, war mehr zufällig. Die Pro-Moskau-Gruppen mochten die moskaukritischen Gruppen nicht und meldeten dem sowjetischen Geheimdienst Blair als Verräter am wahren Sozialismus.

Der Herausgeber des Romans „1984“ war der Verlag Secker & Warburg und wir erkennen, dass es Teil einer größeren Propaganda-Kampagne war, um „Sozialismus light“ zu bewerben und scharf abzugrenzen vom Stalinismus der Sowjetunion. Der Verleger Fredric Warburg hatte nach dem Ersten Weltkrieg ein Chemiestudium an der Christ Church, Oxford, begonnen, wechselte aber später zu Klassikern und Philosophie und erhielt 1922 seinen MA. Warburg begann seine Verlagskarriere 1922 als Lehrling bei Routledge & Sons, wo er unter die Vormundschaft von William Swan Stallybrass kam, einem Mann, den er als „den größten Gelehrten und Verleger seiner Zeit“ betrachtete. William Teulon Swan Stallybrass war Rechtsanwalt, seit 1936 Rektor des Brasenose College, Oxford, und seit 1947 Vizekanzler der Universität Oxford. Alle männlichen Mitglieder der Bloomsbury-Gruppe, mit Ausnahme von Duncan Grant, wurden in Cambridge ausgebildet (entweder am Trinity oder am King’s College). Die meisten von ihnen, mit Ausnahme von Clive Bell und den Stephans-Brüdern, waren Mitglieder der „exklusiven Cambridge-Gesellschaft, der ‚Apostel'“. Siehe auch der Cambridge Spionagering des KGB. Die Firma wurde für ihre unabhängige linke Position bekannt, da sie sowohl antifaschistisch als auch anti-stalinistisch war, was sie mit vielen Intellektuellen der damaligen Zeit in Konflikt brachte. 1952 wurde Warburg Mitglied des Komitees der Society for Cultural Freedom (SCF), einer Organisation, die – in den Worten von Warburgs Freund T. R. Fyvel – gegründet wurde, um „die westliche Kultur zu fördern und sie gegen die kommunistische Kultur des Ostens zu verteidigen“. Die SCF produzierte ein Kulturmagazin, Encounter, das in den 1960er Jahren anhaltende Kritik erhielt, als sich herausstellte, dass ein Großteil des für die Produktion des Magazins verwendeten Geldes direkt von der CIA gekommen war, angeblich ohne das Wissen der meisten ihrer Mitwirkenden und Unterstützer, einschließlich Warburg. Encounter war eine Literaturzeitschrift, die 1953 von dem Dichter Stephen Spender (Ritter des British Empire, Mitglied der kommunistischen Partei Großbritanniens, später bei der Allied Commission) und dem Journalisten Irving Kristol (Vater des Neokonservatismus, American Enterprise Institute, Mitglied des Council on Foreign Relations, Freiheitsmedaille von George W. Bush) gegründet wurde. Encounter feierte seine größten Jahre in Bezug auf Leserschaft und Einfluss unter Melvin J. Lasky. Lasky arbeitete für den amerikanischen Militärgouverneur Lucius D. Clay in Berlin.  Lasky gründete 1948 die deutsche Zeitschrift Der Monat, die ebenfalls „progressive“ linke Geister einfangen und vom Stalinismus fernhalten wollte. 1947 sandte Lasky eine Botschaft an General Lucius D. Clay, die als „The Melvin Lasky Proposal“ bekannt wurde. In diesem Dokument plädierte Lasky für eine aggressivere Kampagne kultureller und psychologischer Operationen zur Bekämpfung der Sowjetunion im Kalten Krieg. Bald darauf erhielt Lasky Mittel aus dem Marshall-Plan, um die deutschsprachige Zeitschrift „Der Monat“ zu schaffen, die während der sowjetischen Blockade 1948 nach Berlin geflogen wurde. Der Monat blieb eine prominente deutschsprachige Zeitschrift, die Essays und Artikel vieler westeuropäischer und nordamerikanischer Intellektueller sowie Dissidenten aus dem Ostblock enthielt. Zu den Autoren gehörten Theodor Adorno, Hannah Arendt, Franz Borkenau, Thomas Mann, Arthur Koestler, Raymond Aron, Ignazio Silone, Heinrich Böll, Hans Sahl, Max Frisch, T. S. Eliot, Saul Bellow, Milovan Djilas, Richard Löwenthal, Peter de Mendelssohn, Hilde Spiel und Hermann Kesten. Die Zeitschrift wurde auch von der Ford Foundation und dem CIA finanziert. Lasky half bei der Gründung des Kongresses für kulturelle Freiheit (CCF) auf einer von ihm 1950 in West-Berlin organisierten Konferenz. Frank Wisner vom Büro für Politikkoordination der CIA kritisierte Lasky dafür, dass er das amerikanische Sponsoring der Konferenz zu offensichtlich machte. Wisner hatte zu tun mit der ultrageheimen Geheimgesellschaft „Seven Society“ und arbeitete eng mit Kim Philby zusammen, dem britischen Agenten, der auch ein sowjetischer Spion war. Von 1978 bis 1987 tauchte Der Monat als Quartalszeitschrift wieder auf, ohne dass Lasky als Chefredakteur beteiligt war, aber Lasky blieb Verleger zusammen mit seiner deutschen Frau Helga Hegewisch, während der neue Chefredakteur der Zeitschrift der SPD-Politiker und spätere deutsche Kulturminister Michael Naumann war. Er ist verheiratet mit Marie Warburg, Tochter von Eric Warburg (Order oft he British Empire) und Enkelin von Max Warburg.  Die Warburgs machten wichtige Geschäfte für das Welfen-empire; ausgerechnet heikle Geschäfte mit Nazis und dem Ostblock. Naumann promovierte 1969 an der Universität München zum Dr. phil. in Politikwissenschaft und setzte sein Studium als Florey-Stipendiat am Queen’s College in Oxford fort. 1985 wurde Naumann Verleger des Verlags Rowohlt Verlag (Holtzbrinck)

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1 comment

Esel 21. Februar 2021 at 23:56

Zerschmettert bei den kommenden Wahlen das ALTPARTEIENKARTELL

Damit ihr wieder FREIHEIT bekommt z.B. verreisen wie etwa nach …

https://www.youtube.com/watch?v=stwlBOkVtBE ;D

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