Politik

Manchester-Bomber war 18 mal dem MI5 gemeldet worden, war umringt von Spionen

Der Bombenattentäter Salman Abedi in der Manchester Arena wurde vor dem Terroranschlag von 2017 bei mindestens 18 Gelegenheiten beim MI5 gemeldet, wie eine öffentliche Untersuchung ergeben hat. Die Sicherheitsdienste wurden 2010 zum ersten Mal auf ihn aufmerksam gemacht, und 2014 wurde er zum “Thema von Interesse” gemacht, aber die Akte wurde vier Monate später fallen gelassen. Abedi wurde auch in Verbindung mit sechs verschiedenen MI5-“Themen von Interesse” identifiziert, besuchte zweimal einen Terroristen in Gefängnissen und reiste regelmäßig in das vom Krieg zerrüttete Libyen, wie eine öffentliche Untersuchung ergab. Der MI5 erhielt sechs Jahre lang Informationen über Abedi, und zwar bis zu den Monaten, bevor er sich selbst mit einer selbstgebauten Bombe voller Schrapnelle in die Luft sprengte und 22 Zuschauer im Foyer der Manchester Arena am Ende eines Ariana-Grande-Konzerts ermordete.

Abedi war umringt von Spionen:

Angeblich wurde Salman Abedi zunächst durch eine Bankkarte in seiner Tasche identifiziert. Woanders ist die Rede von Fingerabdrücken. Wahrscheinlich ist das nur standardmäßige Vernebelung, um nicht zu enthüllen, wie man ihn tatsächlich identifiziert hat. Möglicherweise stand er unter stärkerer Beobachtung, als offiziell zugegeben wird. Bei unzähligen anderen Anschlägen war immer die Rede von gefundenen Ausweisdokumenten, was natürlich unglaubwürdig ist und Möglichkeiten zur Manipulation bietet.

Wie passt es zusammen, dass Abedi angeblich als unwichtig galt, aber ins Ausland gereist war (mehrere einschlägige Länder) und eine Terrorausbildung erhalten hatte? Seine eigene Familie hätte ihn sogar schon in der Vergangenheit bei den Behörden gemeldet wegen seinem radikalen Verhalten. Amerikanische Sicherheitsfunktionäre ließen zudem durchsickern, dass für Abedis Bombe Zutaten bzw. Bauteile notwendig waren, die man in Großbritannien nicht ohne professionelle Hilfe bekommen kann. Je mehr Beteiligte, umso wahrscheinlicher würde so ein Plot auffliegen. Die britischen Behörden kannten Abedi mehr, als sie am liebsten zugeben würden: Bekannter junger Radikaler mit britischem Pass, radikalen Freunden und ultra-religiösen Eltern, der nie richtig in der Gesellschaft ankam, den Koran schon als Kind auswendig lernen musste und dann in mehreren Auslandsreisen “klare Verbindungen zu al-Kaida” knüpfte. Wie bei vielen anderen Terrorismusfällen auch, war er den britischen Sicherheitsbehörden im Vorfeld bekannt, aber galt nicht als akutes Risiko. Warum nicht? Die US-Behörden und andere Behörden wussten von seinen Aktivitäten im Ausland. Wieso wurde er dann nicht festgesetzt nachdem er mit seinem britischen Pass kürzlich wieder eingereist war? Es drängen sich Parallelen auf zu dem Berliner Weihnachtsmarkt-Terroristen Anis Amri, bei dem eine aufwändige Vertuschungsaktion seitens der Behörden folgte.

Was zudem auffällig ist: Der Islamische Staat hat sich zwar zu der Aktion bekannt, aber die britischen und amerikanischen Behörden sehen kein handfestes Anzeichen dafür, dass der IS wirklich dahintersteckt. Die Abedis besuchten die Didsbury-Moschee und der Vater war dort eine respektierte Figur. Salman galt als ruhig, starker Kiffer und Fußball-Fan. In Manchester befindet sich eine der größten Communities von radikalen Gaddafi-feindlichen Exil-Libyern, was bedeutet, dass die britischen Behörden höchstwahrscheinlich die Szene gut infiltrierten. Mehrere Personen dort waren extreme Radikale mit Verbindungen zu al-Kaida und Mitglieder der Organisation Libyan Islamic Fighting Group (LIFG). In unmittelbarer Nachbarschaft lebte der Sprengstoff-Experte Abd al-Baset Azzouz, der ein Terrornetzwerk in Libyen aufbaute und als Vorgesetzten Ayman al-Zawahiri hatte, den Nachfolger Osama bin Ladens. Es ist fast garantiert, dass die britischen Behörden in der Manchester-Community spionieren was das Zeug hält.

Der Imam der Didsbury-Moschee behauptet, sein Laden sei sauber und moderat. Salman Abedi hätte ihn bei einer IS-kritischen Predigt sehr böse angesehen. Die Moschee kooperiert mit der Polizei und beinhaltet wahrscheinlich diverse Spitzel, möglicherweise sogar der Imam selbst. Ein regelmäßiger Gast der Moschee behauptet, er hätte dort Geld gesammelt für eine Kampforganisation.

Salman und sein Bruder Ismail haben ein Haus bewohnt, wo Nachbarn zufolge unbekannte Leute ein- und ausgingen. Nach dem Anschlag stürmten 30 schwerbewaffnete Beamte das Anwesen, fanden aber keinen Sprengstoff. Wie amerikanische Sicherheitsfunktionäre vermuten, musste Salman Hilfe gehabt haben bei dem Bau seiner Bombe. Möglicherweise griff er auf Schmugglerware wie Zünder aus Libyen oder anderen Ländern in Nordafrika zurück, die er durch die Manchester-Community beschaffen konnte. Eine ominöse und detaillierte al-Kaida-Terror-Anleitung zirkuliert seit dem Jahr 2000 in Manchester. Selbst in Bibliotheken wird sie gelesen und die Bibliothekare sind aufgefordert, den jungen Lesern nicht in die Quere zu kommen. Die UK Daily Mail ist die einzige Zeitung, die hier wirklich nachbohrt. Außerdem wurden keine Spuren von Sprengstoff oder Bomben-Utensilien gefunden in dem Haus von Salman Abedi. Deswegen glaubt man jetzt, dass der eigentliche Bombenbastler noch frei herumläuft. Es kann aber auch bedeuten, dass Abedi hereingelegt wurde. Sein Kumpel soll Abdalraouf Abdallah gewesen sein, der neun Jahre Haft kassierte wegen seinen radikalen Aktivitäten. Der Vater von Abedi soll Salafist sein und in den 1990er Jahren noch einer libyschen Kampftruppe angehört haben. Da sich die britischen Dienste für so etwas brennend interessieren, könnte der Vater auch ein V-Mann oder Ähnliches sein.

Feuerwehrleute in Manchester durften auf Befehl ihrer Vorgesetzten 90 Minuten lang nicht den Opfern des Bombenanschlags helfen. Nur eine halbe Meile entfernt von dem Tatort waren sie gezwungen zu warten und die Sache im Fernsehen zu verfolgen – und das ohne ausreichende Erklärung.

Einer der Feuerwehrleute wird mit klaren Worten über seine Vorgesetzten zitiert:

“Ihr Fehlen von Führungsstärke zeigte sich in den verzweifelten Bitten der Rettungshelfer vom North West Ambulance Service. Die schrien sogar, dass Feuerwehrleute am Tatort gebraucht werden.”

Die Feuerwehrleute bei Manchester Central bekamen zweimal einen “Voralarm”, durften aber nicht ausrücken sondern mussten zur Station am Philips Park. Dort ließ man sie eine Stunde lang warten, worauf man ihnen erklärte, dass erst noch “Spezialisten” mit bombensicheren Anzügen anrücken müssten. Man schickte sie zurück nach Manchester Central und erst dann durften sie ausrücken.

Der Bürgermeister von Greater Manchester Mayor, Andy Burnham, der die Verantwortung trägt, soll jetzt eine “unabhängige” Untersuchung anordnen. Angeblich hätte es bereits genug Rettungskräfte am Ort des Geschehens gegeben. Trotzdem sah man auf Bildern schwer bewaffnete Polizisten und Zivilisten, die verwundeten Konzertbesuchern helfen mussten, meistens ohne professionelle Tragen oder ähnliche Ausrüstung. Es wurden von Passanten Werbeschilder abgerissen und als improvisierte Tragen benutzt.

Es heißt, es seien viel zu wenige Rettungshelfer vor Ort gewesen und nicht etwa zu viele. Insgesamt gab es über 100 Verletzte und deshalb hätten so viele professionelle Retter von der Feuerwehr wie möglich eingesetzt werden müssen. Stattdessen wurden die besten Profis gezwungen, Däumchen zu drehen.

Es regt sich außerdem Unmut auf einer internen Webseite der Feuerwehrbrigade und man fordert eine Untersuchung. Wäre alles normal und Routine, gäbe es nicht diesen Unmut. Gary Keary von der Feuerwehr-Gewerkschaft äußerte ebenfalls seine Bedenken und will eine Untersuchung.

Gab es etwas zu verbergen? Etwas das nur ganz wenige am Tatort sehen durften?

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