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Sicherheit

Türkischer Vorstoß nach Syrien ist letztendlich NATO-Operation, 50 Atomwaffen inklusive

Kommentar

Zuerst gibt die US-Regierung der Türkei quasi grünes Licht für eine Mini-Invasion in Syrien, jetzt wird Entsetzen geheuchelt über die Türkei.

Angeblich würden nun der Iran profitieren, Russland, Assad und der IS. Aber vergessen wir nicht dass die Türkei die zweitgrößte NATO-Armee hat und nun zusätzlich auf 50 amerikanischen Atomwaffen sitzt. So dumm ist das für die NATO nicht unbedingt, wie die Presse gerade theatralisch herumheult.

Was in der Region stattfindet, wird exakt vorausgeplant von Strategen im Pentagon. Es ist nicht abhängig, wie uns vorgegaukelt wird, von den Launen eines Donald Trump. Gerade mit Trumps scheinbarer Unberechenbarkeit kann das Pentagon seine Strategien verschleiern und den Eindruck zu erwecken, Geopolitik sei so spontan und unvorhersehbar wie Tagespolitik oder Trumps Launen.

Die Massenmedien erzählen unter Verweis auf Quellen in Trumps Regierung, dass der Präsident mal wieder einen Telefonanruf mit einem ausländischen Staatschef vergeigt und Erdogan nicht genügend gewarnt hätte vor den Konsequenzen einer Invasion. Die Reporter berichten diese Darstellung, als sei sie in Stein gemeißelt und hinterfragen gar nicht, ob es sic um strategische Desinformation handelt. Falls Trump sich in den nächsten Monaten aus der Politik zurückzieht, kann Mike Pence oder der nächste Gewinner der Präsidentschaftswahlen so tun, als habe er (oder sie) den Konflikt geerbt wegen der Dummheit von Trump.

Die mal wieder hintergangenen Kurden wechselten nun auf die Seite von Assad und rund 1000 verbleibende US-Truppen sind nun abgeschnitten und müssten mit Flugzeugen evakuiert werden. In der Incirlik-Luftwaffenbasis lagern noch 50 Atomwaffen der Amerikaner. Es soll so aussehen wie ein ernster Bruch zwischen den USA und der Türkei. Aber stattdessen können die Türkei und die USA nun freier agieren und jeweils behaupten, sie hätten keine Kontrolle über das, was der andere tut.

Lange Kooperation

Traditionell pflegte das türkische Militär beste Beziehungen zu den Amerikanern und holte sich in der Vergangenheit mehrfach amerikanische Hilfe für die Machtübernahme und die Auflösung des Parlaments.

Im März 1947 übernahmen die USA die britische Schutzmachtrolle für Griechenland und für die Türkei, die zudem Kredite erhielten, um einer Machtausweitung im Zuge der Sowjetischen Gebietsansprüche in der Türkei entgegenzuwirken. Wegen dieser Auseinandersetzungen gab die Türkei schließlich ihre Neutralität auf und trat am 18. Februar 1952 gemeinsam mit Griechenland der drei Jahre zuvor gegründeten NATO bei. Am 31. Oktober 1959 stimmte Ankara der Aufstellung von US-Mittelstreckenraketen zu. Schon am 9. Januar 1948 hatten die USA begonnen, Militärgüter zu liefern. Am 14. Juli 1948 wurden in einem Schauprozess 14 Kommunisten verurteilt. Ende des Jahres trat die Türkei der UNESCO bei.

Das türkische Militär putschte beispielsweise am 12. September 1980. Auslöser war die sehr instabile Phase in den 1970er-Jahren, die durch wechselnde politische Koalitionen, politische und wirtschaftliche Instabilität und Terrorakte durch das extrem rechte und linke politische Spektrum geprägt war. Das Militär unter General Kenan Evren verhängte über das Land das Kriegsrecht und verbot alle politischen Parteien. Die Junta ging heftig gegen die kurdischen Separatisten und linke Oppositionelle vor. Am 7. November 1982 wurde die von den Militärs vorgelegte und bis heute gültige Verfassung der Republik Türkei durch eine Volksabstimmung angenommen und trat am 9. November 1982 in Kraft.

Evren war der Kommandant des türkischen Zweigs des NATO-Programms Gladio, die sogenannte Counter-Guerrilla. Er wurde zu einem Teil des neuen herrschenden Triumvirats nach einem Putsch 1980. Das Parlament wurde aufgelöst. Der Chef des CIA-Büros in Ankara, Paul B. Henze, erhielt damals einen Anruf aus dem Situation Room des Weißen Hauses:

“Paul, deine Jungs haben es geschafft.”

Seal_of_the_Turkish_National_IntelligenceDie CIA unterhält auch eine Reihe an Spionen im türkischen Geheimdienst. 1977 gab der ehemalige Geheimdienstvize und CIA-Kollaborateur Sabahattin Savasman dies zu.

Die USA stabilisierten noch in der Anfangszeit Erdogans Wirtschaft und machten ihn zu Mr. Wirtschaftswunder, der sich hohen Umfragewerten in der Bevölkerung erfreuen konnte. Später jedoch gab es starke Spannungen, der wirtschaftliche Support wurde eingestellt und man sah eher Bemühungen, die türkische Wirtschaft zu sabotieren, in der Hoffnung, einen Regierungswechsel herbeizuführen. Gleichzeitig sah man eine Verstärkung der Volksproteste, die möglicherweise von ausländischen Geheimdiensten gefördert wurde.

Erbfeindschaft mit den Russen

Türkische Kräfte, die ein neues, rassereines Großreich anstrebten, hatten sich kurz vor dem erhofften Fall von Stalingrad an der kaukasischen Grenze positioniert, um von der Niederlage der Sowjetunion zu profitieren. Nach Ende des zweiten Weltkrieges unterstützen die Allierten ultrarechte Kräfte in der Türkei um einen Drift nach links und hin zu den Russen zu verhindern. Eine Türkei als Teil der Sowjetunion wäre ein strategisches Desaster gewesen, also bildete man türkische Spezialeinheiten aus in “unkonventioneller Kriegsführung”, Terrorkommandos die vor nichts zurückschreckten. Moskau-Agenten in dem Land hatten lange Zeit so gut wie keine Chance, unter dem Deckmantel der Presse das Regime zu destabilisieren.

Das russische Oligarchen-Regime freut sich garantiert nicht darüber, dass heute vor der eigenen Haustür dank der USA die Türkei über die zweitgrößte NATO-Armee verfügt. In der Türkei befinden sich außerdem seit Jahrzehnten NSA-Horchposten und geheime Operationsbasen für verdeckte Einsätze im Osten zur Spionage und Destabilisierung. Das Land ist ein wichtiger Korridor für Drogenhandel und andere lukrative Aktivitäten, außerdem ein Vektor für NATO-Luftoperationen.

Die Türkei stützt die Umsturzversuche der USA in Syrien, was wiederum die Russen auf die Palme bringt.

Eine alte Partnerschaft zwischen Türken und Russen zerbrach einst spektakulär:

  • Das alte osmanische Reich hatte seine erfolgreichsten Jahre hinter sich, war militärisch und organisatorisch weit hinter konkurrierende Großmächte zurück gefallen.
  • Russland gab sich zwar als Schutzmacht der Osmanen, hatte aber eigentlich die Absicht, die Osmanen letztendlich zu erobern und das russische Zarenreich zu vergrößern
  • In dem gewaltigen Krimkrieg von 1853 bis 1856 zwischen Russland auf der einen und dem Osmanischen Reich auf der anderen Seite kamen Frankreich und Großbritannien aus eigennützigen Motiven dem Osmanischen Reich zu Hilfe.
  • Nach dem Krieg gewann das Osmanische Reich zwar die Garantie territorialer Unabhängigkeit, dennoch versuchten die anderen Mächte nach Kräften, die Osmanen zu destabilisieren. Die Sultane wollten durch ein moderneres Staatswesen nichtmuslimische Bevölkerungsteile besser integrieren, um die Stabilität zu erhöhen.
  • Die Russen griffen in den 1870er Jahren erneut an und besetzten einen großen Teil des Osmanischen Reichs. Die Osmanen verloren einige Gebiete, die zu unabhängigen Staaten wurden, wie etwa Rumänien.
  • Die finanzielle Kontrolle der europäischen Mächte über das Osmanische Reich stieg rasant an.
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2 comments

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Killuminati 15. Oktober 2019 at 17:43

Mir kam auch der gedanke das Russland mit der truppenverlegung der syrischen armee nach norden die türkische armee testen will. Gibt natürlich auch mehrere gründe, wie zb. das die PKK den norden syriens aufgeben soll, in dem sie sich wieder assad anbiedern um nicht komplett zerlegt zu werden.Den köder scheinen sie ja geschluckt zu haben. Also quasi eine rückeroberung durch “Assad” ohne nennenswerte kampfhandlungen…

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WELTÜBERGANG 15. Oktober 2019 at 10:16

Man kann auch erwähnen, dass es die offiziell erklärte wenn auch selten publik gemachte Politik Israels ist, in Syrien lieber radikale sunnitische Islamisten zu unterstützen als das Assad-Regime, weil es als Unterstützer vom Iran gilt. Aber die haben halt gute PR.

Wenn wir Glück haben, bringt Erdogan tatsächlich einige der 3,6 Millionen syrischen Flüchtlinge zurück, die sich derzeit in der Türkei befinden. Ansonsten haben wir die bald an der Backe. Auch hier ein netter Trick des westlichen Establishments: die EU hatte der Türkei versprochen, ihr bis 2018 eine Summe von 6 Milliarden zur Flüchtlingshilfe zu überweisen. Bisher hat die EU nur 2 Milliarden überwiesen. Kein Wunder, dass man Erdogan in Richtung Syrien drückt.

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