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Sky-Serie “Das Boot” ist ein kompletter Reinfall

Wenn der deutsche Staat (Anteilseigner der Bavaria Film), Sky (ursprünglich Murdochs NewsCorp) und eine beliebige Hollywood-Klitsche (Sonar Entertainment) eine Fortsetzung des Kultfilms “Das Boot” drehen und fast 30 Millionen Euro Budget zum verblasen haben, dann wäre dies eigentlich eine einfache Aufgabe: Die Kamera-Arbeit muss stimmen wie beim Original und sogar mehr zu bieten haben wegen des technischen Fortschritts. Die Besetzung muss so gewählt sein, dass beim Zuschauer sofort Sympathien geweckt werden. Die Musik muss richtig knallen, am simpelsten wäre eine Neufassung und Erweiterung des alten Doldinger-Soundtracks. Das neue Drehbuch musste auch keine Raketenwissenschaft sein. Eine bloße Wiederholung des Original-Plots wäre dämlich und überflüssig gewesen und so hätte man sich verschiedene Abwandlungen einfallen lassen können. Der ursprüngliche Plot war ohnehin total dünn, ohne dass man sich daran gestört hat, weil eben alle anderen Elemente des Films so gelungen waren.

Mit dem Original-Cast war es sogar erfüllend, zuzuschauen wie die höchsten Offiziere an Bord der U96 am engen Tisch sitzen, Schimmel aus dem Brot schneiden und sich eklige Getränke mixen.

Alles in allem also eine leichte, lösbare Aufgabe. Und die Produktionsfirmen sind total dabei gescheitert. Es ist ein bisschen so wie die neuen Star-Wars-Filme von Disney, die das Star Wars-Erbe ermordet haben. Es geht nicht nur um die Social Justice Warrior-Themen und fehlgeleiteten Feministen-Plots sondern um die Zerstörung all dessen, was die Originale ausmachte.

Die neuen Star-Wars-Besetzungen ließen die Fans fast komplett kalt und genauso verhält es sich mit “Das Boot” von Sky. Der neue Kapitän sieht aus und klingt wie eine Kopie von einem jungen Tobias Schweighöfer, wobei Schweighöfer inzwischen alt genug wäre, um einen deutlich besseren Kapitän zu spielen. Wo Prochnow im ursprünglichen Film zur Legende wurde, haben wir in der Serie einen blassen Grünschnabel, der sich stresst, in die Fußstapfen seines berühmten Vaters zu treten. Gähn. Der Rest der neuen Besetzung ist mir als Zuschauer entweder komplett egal, oder sie müssen wie etwa Wittgenstein mit der dünnen Regieführung und dem lahmen Dialog im Skript zurechtkommen.

Der gesamte Cast der Serie muss nicht wie der Originalfilm aus sympathischen Charakteren bestehen, aber die Schauspieler müssen zumindest so gewählt sein, dass man mit deren Schicksal mitfühlt.

Der Look der neuen Serie ist als hässlich zu bezeichnen, was angesichts der modernen Technik unverzeihlich ist. Im alten Film hatte man noch mit den Schwierigkeiten des Filmdrehs zu kämpfen: Die Beleuchtung war schwieriger, man hatte kein Sofort-Playback wie bei heutigen digitalen Kameras, es gab keine digitale Nachbearbeitung, keinen digitalen Schnitt usw.

Heute dreht man auf einer digitalen Arri Alexa in einem “flachen” Look und beleuchtet alles recht ebenmäßig und kann hinterher jede Farbe und Helligkeit bis ins Detail regeln. Wie kann es dann sein, dass die neue Serie so hässlich ist? Jede Szene, die nicht draußen bei Tageslicht stattfindet, ist verwaschen und mit grässlichen Farben. Die Bild-Komposition erinnert an eine Tatort-Folge die möglichst schnell abgespult wird. Millionen Menschen sahen damals auf ihren Röhren-Fernsehern die Original-Reihe und der Look funktionierte. Heute sehen wir die digital gedrehte Serie auf UHD-Flachbildfernsehern jenseits der 50 Zoll Bilddiagonale oder auf Projektoren und das Ergebnis ist hässlich.

Kommen wir zur Musik. Oh Gott, die Musik. Hätte man doch nur Doldingers Soundtrack neu aufgenommen und erweitert. Aufgabe erledigt. Oder hätte man einen Hans Zimmer angeheuert. Stattdessen bekommen wir den puren Minimalismus in Form von ein paar Piano-Tasten die jemand gedrückt hat, ein bisschen Tiefbass-Dröhnen im Subwoofer und der Rest ist so beliebig, dass es wirkt wie Staubsauger-Geräusch.

Kommen wir zuletzt zu den “politischen” Inhalten und Messages. Der ursprüngliche Roman und die Verfilmung dramatisierten die tatsächlichen Ereignisse, was aber niemanden stört. Die Charaktere waren sympathisch und gleichzeitig Mitglieder der Nazi-Streitkräfte, was provokant war, aber letztlich sterben einige dieser Charaktere, was einen traurigen Sinn ergab: Egal, welche militärischen Leistungen man brachte  damals und wie man versuchte, einen Rest menschlicher Normalität zu behalten, die Deutschen verloren den Krieg. Eingeschoben war der Hinweis auf die Sabotage von (ganz) Oben, als beispielsweise “der Alte” als Kapitänsleutnant sich ärgert, dass nur ein Dutzend U-Boote verfügbar waren um den gesamten Atlantik zu bearbeiten. Wer tiefer nachbohrt, stößt auf massive Sabotage an allen Ecken und Enden, die auf Hitler zurückgeht. Das heikle Thema Spionage wird ebenfalls angerissen im Originalfilm, als sich die Mannschaft bei einem Zwischenstopp in Spanien schnell wieder aus dem Staub macht, anstatt sich verköstigen zu lassen. Wer nachforscht, wie stark die Nazis von ausländischen Geheimdiensten infiltriert waren, wird sein blaues Wunder erleben.

In der neuen Serie hingegen lassen uns die Charaktere völlig kalt. Es wirkt wie ein pädagogischer, grottiger Erklärbär-Film, der uns vermitteln soll, dass der Faschismus heute noch lebendig ist. Das Zentrum des Faschismus heute liegt in Russland, komplett mit Führer-Kult, dominierender Riesen-Partei, Polizeistaat und Blut&Boden-Ideologie. Und dieser russische Faschismus hat Sympathisanten weltweit. Ganz kurz dringt in der Sendung durch, dass reiche amerikanische Familien am Krieg verdienten und an der Nazi-Rüstung beteiligt gewesen waren. Aber für den durchschnittlichen Zuschauer bleibt davon nicht mehr hängen als plumpe Kapitalismus-Kritik.

So wie die neuen Star-Wars-Filme von Disney das alte Erbe von Star Wars erniedrigten und ermordeten, so verhält es sich mit der Neuauflage von “Das Boot”. Das Böse an sich kommt einfach irgendwie von den Männern und der Männlichkeit.

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8 comments

SVEN UNGLAUBE 6. Dezember 2018 at 15:58

Sie sollten Ihre Video “Recentr KULTUR: Rezension von “Das Boot” (Sky)” in Ihrem Artikel Oben Nachträglich einbauen !!!!

https://www.youtube.com/watch?v=7ZqUKgc3nCo

Und Sie sollten auch Ihre Rezension zu “THE MAN IN THE HIGH CASTLE (Amazon Prime)” machen in der Recentr KULTUR Serie !!!!

The Man in the High Castle

https://www.amazon.de/gp/video/detail/B01973WFS0/ref=atv_hm_hom_1_c_xcZS6w_brws_89_1

https://www.amazon.de/gp/video/detail/B01973W4MM/ref=atv_dp_pb_core?autoplay=1&t=0

The Man In The High Castle – Recap: Season 1 and 2 I Prime Video !

https://www.youtube.com/watch?v=61souSkwDk4

Reply
Leif 5. Dezember 2018 at 16:48

Hey Serie Beat dt. Prod. hat mal Geheimdienst Inhalte, allerdings ist da der Spin auch schon ab folge 1 abzusehen!
Beste Grüße

Reply
KIDWITDEGUN 5. Dezember 2018 at 15:18

Ich habe die Serie noch nicht gesehen, aber die hölzernen Charaktere scheinen mir die schlechteste Nachricht zu sein.

Denn die gelegentliche Mitfinanzierung eines Filmes durch den deutschen Staat könnte ich verschmerzen (schlimmer ist das grundsätzlich viel zu hohe Budget der Staatsmedien). Auch die vorhersehbaren Seiten von grundsätzlich Guten und Bösen – freiheitliche Demokraten gegen Nationalsozialisten – sind ja nicht falsch. Selbst das Verschweigen von der angelsächsischen Kriegsverantwortung halte ich nicht für das Schlimmste, denn das würde ja sowieso niemand glauben.

Gut wenn auch ebenso vorhersehbar finde ich, dass Frauen eine größere Rolle spielen. Das weckt vielleicht politisches Interesse und individuelle Verantwortung der Frauen.

Aber das (angeblich) schlechte Drehbuch und die zweidimensionalen Persönlichkeiten sind hier kulturell das Wichtigste und wenn das schiefgeht, dann hat man im besten Fall Zeitverschwendung und im schlechtesten Fall Propaganda.

Alex legt seinen Finger genau in die Wunde, dass der ursprüngliche Reiz von Das Boot in der Tiefe der Charaktere lag, Nazis und somit böse und trotzdem menschlich zu sein. Dass dies filmisch möglich ist, zeigt ja derzeit eine amerikanische Serie, die den schlimmsten aller Figuren als Hauptperson hat: Luzifer. Wenn es erlaubt ist, mit dem Teufel zu empfinden, dann darf man auch einen Nazi nicht in Schwarz und Weiß malen.

Wir Menschen wollen als Individuen ernst genommen werden, Entscheidungsgewalt über uns selbst haben, Leid freiwillig akzeptieren und, wenn wir es verdienen, dafür gelobt werden. Wir wollen eben kein gesichtsloses Mitglied eine Kollektivs sein, kein belangloses Werkzeug einer Vorherbestimmtheit oder kein irrelevantes Wesen einer nihilistischen Welt. Und die falsche Weltansicht der Nazis, eben Teil eines guten Kollektivs zu sein und das böse Kollektiv zerstören zu dürfen, ist ja nicht nur ein Grund, warum wir froh sind, dass die Nazis verloren haben, sondern auch dass es aus der Nazizeit keine guten Filme gibt. Denn falsche Ideologie erschafft nichts Ewiges.

Ich befürchte, die deutschen Schauspieler in die Serie Das Boot haben geradezu unbegrenzte Lust, im Film den Bösen zu spielen, um sich privat damit reinzuwaschen und zerstören so genau jene Ambiguität, die Figuren erst zu Leben erweckt. Sie sind sich sicher, das Böse umso besser dazustellen, je weniger Menschlichkeit sie zeigen. Dabei ist es genau andersherum: Das wirklich Schreckliche an der Nazizeit waren nicht die Untaten sondern dass Wissen, dass eigentlich Menschen dahinter standen. Hätten diese Schauspieler eine Ahnung, wie schnell sie während der Nazizeit wahrscheinlich zu denen gehört haben, die weggeschaut oder mitgemacht hätten, würden sie ihren Rollen die Ehre erweisen, und sie mit echter Liebe und echter Furcht in den Augen spielen.

So haben wir wieder nur ein hölzernes Werk, dass zuerst einen politischen Punkt machen will, anstatt sich selbst zu erforschen. Gute Kunst weiß nämlich nicht vorher sondern entdeckt im Schaffensprozess die Gefühle ihrer Darsteller. Hingegen ist es ein Element der Propaganda, dass alles vorherbestimmt und jede Figur zu 100% gut oder zu 100% böse ist.

Zu unserer heutigen Propaganda passt, dass diese Kunst – wie während der Nazizeit – vom Staat finanziert wird. Dass sie nur teilweise vom Staat finanziert wird, ist vielleicht ein Zeichen, dass es langsam aber sicher besser wird. Und immerhin ist der Film, im Gegensatz zu Nazipropaganda, wenigstens aushalten.

Reply
KIDWITDEGUN 10. Dezember 2018 at 15:01

Hier ist, was ich meine:
https://www.youtube.com/watch?v=mqsb5rfLEI4

Dies ist ein Interview mit den Hauptdarstellern der fantastisch guten Netflix-Serie OZARK.

Bei 1:10 Min. werden sie nach ihrer Präferenz gefragt, wie die Serie ausgehen soll und ob ihre Charaktere vielleicht sterben sollten. Die Antworten und die Gestik sind faszinierend, weil man hier begeisterte Künstler bei der Arbeit und echte Menschen sehen kann. Sie sind sich bewusst, dass ihre Charaktere gute und schlechte Seiten haben. Diese sind einerseits ihren Familien und Freunden treu und wollen niemandem schaden. Andererseits verkaufen sie Drogen, waschen Geld, begehen Mordanschläge, kooperieren mit der Mafia, betrügen sich gegenseitig und lügen ständig. Bei 1:53 Min merkt man wortwörtlich, dass die Regisseure und Schauspieler nicht wissen, wie die Serie ausgehen wird. Selbst wenn sie eine persönliche Vorliebe haben (z.B. Happy End, Tod eines besonders üblen Charakters, politische Message), so erkennen sie, dass die Serie eine bestimmte Logik hat und man mit ihr nicht machen kann, was man will, ohne das Gesamtkunstwerk zu zerstören.

DAS ist große Kunst! Große Kunst ist nicht, einen Nazi-Film zu drehen, bei dem klar ist, wer böse und wer gut ist, und wie der Film auszugehen hat. Das ist vielleicht ein Lehrstück über Geschichte. Oder es ist gar Propaganda. Selbst wenn es gut gemeint ist, kann es schlechte Kunst sein.

Und das Schöne ist: das Publikum weiß es, selbst wenn es das nicht erklären kann. Deshalb sind die Klickzahlen für OZARK so hoch und die Reaktionen der Fans intensiv und langlebig. DAS BOOT hingegen wird in kurzer Zeit vergessen sein und international kaum auf Aufmerksamkeit stoßen. Trotz staatlicher Finanzierung!

Das heißt übrigens nicht, dass Netlix keine Propaganda macht; wenn auch unabsichtlich oder heimlich. Die Serie DESIGNATED SURVIVOR, in der Kiefer Sutherland einen US-Präsidenten spielt, ist so dermaßen vorhersehbar und hyperpatriotisch bis führerkultig, dass man sich schwer vorstellen kann, damalige Nazi-Propaganda hätte Emotionen besser instrumentalisiert.

Reply
SVEN UNGLAUBE 5. Dezember 2018 at 13:57

DA IST “The Man in the High Castle” VIEL BESSERE TV-SERIE !!!!

In “The Man in the High Castle” sieht man wie die Dortigen SIEGERMÄCHTE mit Ihren AGENTEN, SPIONEN und V-LEUTE jedem WIDERSTAND gegen SIH mittels Geheimdienstlicher Methoden von PERFEKT VON INNEN HERAUS UNTERDRÜCKEN UND SCHON VON ANFANG AN ZU FALL BRINGEN TUEN !!!!

The Man in the High Castle ( https://www.amazon.de/gp/video/detail/B01973WFS0/ref=atv_hm_hom_1_c_xcZS6w_brws_89_1 )

https://www.amazon.de/gp/video/detail/B01973W4MM/ref=atv_dp_pb_core?autoplay=1&t=0

The Man In The High Castle – Recap: Season 1 and 2 I Prime Video !

https://www.youtube.com/watch?v=61souSkwDk4

The Man in the High Castle Season 1 – Official Trailer: What If?! | Prime Video !

https://www.youtube.com/watch?v=hzz_6dmv03I

Reply
abgelehnt83 5. Dezember 2018 at 13:36

Warum muss der deutsche Steueresel Pay TV-Programme (mit-)alimentieren??
Da wird doch der Liberalismus-Gedanke komplett ad absurdum geführt -,-

OLOL ich hab mal die Besetzung gegoogelt
“generation impfschaden” hihi

Na zum Glück falle ich demnächst wohl endgültig dem Wahnsinn anheim und bekomm das Elend dann nicht mehr ganz so mit 🙂

Reply
AlexBenesch
AlexBenesch 5. Dezember 2018 at 13:50

Ja, Generation Impfschaden + Waldorfschule + Theatergruppe.

Reply
abgelehnt83 5. Dezember 2018 at 19:10

seit einiger Zeit wird übrigens auch durch die “sozialen” Medien ein Konflikt zwischen Babyboomern und Millennials herbeigeschrieben – hier und dort sickert bereits einiges in den deutschsprachigen Raum
Auch so ein Faktor
und da passt Das Boot (original) versus Das Boot (neu) als Beispiel dafür genau ins Schema
auf der einen Seite die kantigen bzw. markanten Boomer … auf der anderen die supertolle neue Generation – und glatt wie ein Babypopo 😀
ist natürlich einiges dran an den Unterschieden, aber eben auch über die Jahre herbeigepfuscht worden also gewollt
schön mal wieder die Gesellschaft spalten, wo es keinen Sinn macht

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