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Bizarre Wendung im Fall Peggy – Mann gesteht Leiche weggeschafft zu haben

Ein 41 Jahre alter Mann namens Manuel S. hat gestanden, das tote Mädchen Peggy in einen Wald in Thüringen gebracht zu haben. Der Mörder will er aber nicht gewesen sein. Er hätte die Leiche von jemand anderem entgegengenommen. Die Forensik brachte sein Fahrzeug mit der Leiche in Verbindung. Sein bisheriges Alibi ist dahin. Jetzt wird es interessant. Kann man ihm den Mord nicht nachweisen, sondern nur den Transport der Leiche, dann bleibt er unbehelligt. Seinen geistig behinderten Bekannter Ulvi K. könnte er nun belasten, der in der Vergangenheit wegen dem Mord verurteilt und dann wieder freigesprochen worden war. Ulvis Verurteilung galt als ein Justizskandal, hinter dem evtl. die Absicht steckte, den Fall abzuwickeln und einen strafrechtlichen Erfolg melden zu können.

Die Ablenkung Teil I

Man quetschte vor Jahren ein wackliges Geständnis aus dem geistig zurückgebliebenen Ulvi, der pädophile Neigungen hatte, und hakte die Sache als Sexualmord ab, wie er häufig nach dem Schema F abläuft: Der Täter begeht sexuellen Missbrauch, gerät dann in Panik, vom Opfer an die Behörden verraten zu werden, und begeht einen Mord, um die Sache zu vertuschen. Allerdings erfolgte das Geständnis in Abwesenheit eines Verteidigers; außerdem gibt es davon keine Tonaufzeichnung, es stützte sich auf das Gedächtnisprotokoll des Ermittlers. Wie sollte ein Mann auf dem geistigen Entwicklungsstand eines Zehnjährigen eine Leiche verschwinden lassen, ohne gesehen zu werden und physische Spuren zu hinterlassen? Angeblich habe der Vater ihm dabei geholfen, hieß es. Im Juli 2012 hat der Hauptbelastungszeuge, ein Mitinsasse im Bezirkskrankenhaus, der mit der Polizei zusammengearbeitet hatte, seine Aussage gegen Ulvi eidesstattlich widerrufen. Zuvor behauptete er, Ulvi hätte ihm gegenüber den Mord gestanden und Details genannt. Der Belastungszeuge begründete seine Zusammenarbeit mit der Ermittlungsbehörde mit versprochenen Hafterleichterungen. Inzwischen ist dieser Zeuge tot und kann nicht mehr aussagen über diejenigen Beamten, die ihm möglicherweise den Deal angeboten hatten, über Ulvi auszusagen. Wenn sich Beamte 100% sicher gewesen wären, dass Ulvi der Täter war, könnte man zumindest irgendwie nachvollziehen, dass ein Geständnis und eine belastende Zeugenaussage erfunden bzw. zusammengeschummelt wurden. Aber es gab neben Ulvi leider in Peggys Umfeld zahlreiche weitere verdächtige Pädophile, Sexualstraftäter und andere zwielichtige Gestalten.

Pädos und Sexualstraftäter mit Sonderbehandlung

Das Umfeld von Peggy war hochgefährlich, aber niemand schien das Mädchen sonderlich zu schützen. Diverse Verdächtige kamen ins Visier der Behörden, gerieten aber schnell wieder in Vergessenheit. Wie verheerend es sein kann, Verdächtige zu schnell beiseite zu schieben, zeigte der Fall des Monsters Marc Dutroux. 1989 wurde er bereits zu 13,5 Jahren Haft verurteilt wegen Entführung und Vergewaltigung von fünf jungen Mädchen und Frauen. Experten warnten, er sei ein “perverser” Psychopath, aber die Behörden ließen Dutroux wegen guter Führung als Musterhäftling schon drei Jahre später offiziell “begnadigen” und laufen. Hatte er damals schon einflussreiche Freunde, für die er Frauen entführte? Es gab noch mehr Vorzugsbehandlung: Nach Dutrouxs Entlassung bescheinigte ihm der Psychiater Emile Dumont eine seelische Schädigung aufgrund der Haft mit resultierender Erwerbsunfähigkeit auf Lebenszeit, wegen der er eine staatliche Rente bekam, und verschrieb ihm Schlafmittel und Sedativa, die er später zur Betäubung und Ermordung seiner Opfer einsetzte.

Im Fall Peggy gab es mehrere Verdächtige neben dem geistig zurückgebliebenen Ulvi, die einschlägig vorbestraft waren:

  • 2007 war das Haus des in der Nähe wohnenden vorbestraften Sexualstraftäters Robert E. untersucht worden. Bei dem Mann handelt es sich nach Informationen der „Welt“ um einen vorbestraften Sexualstraftäter, der für den Missbrauch mehrerer Mädchen drei Jahre im Gefängnis gesessen hat. Dabei wurde ein Kinder-Unterhemd gefunden, DNA-Spuren von Peggy ließen sich darauf aber nicht nachweisen. Für die Tatzeit hatte der Mann ein Alibi vorweisen können. Neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führten dazu, dass ab 22. April 2013 eine weitere Hausdurchsuchung und Grabungen auf dem Gelände vorgenommen wurden, da es sich um einen „Leichenablageort“ handeln könnte. Robert E. wurde erneut befragt. Bei den Grabungen wurden – wie bereits bei früheren Straßenbauarbeiten in diesem Areal – Knochenteile gefunden. Im Mai 2013 gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Knochen nicht von Peggy stammen. Diejenigen bei den Behörden, die die Kontrolle hatten über die Beweisstücke (Kinder-Unterhemd, Knochenteile), hätten theoretisch die Macht besessen, hier die Ermittlungen zu verfälschen. Vielleicht bekamen die Mediziner gar nicht die Original-Beweisstücke in die Hände. So ließen sich theoretisch Personen nach Belieben be- und entlasten. Dann müsste man sich aber bei all dieser blanken Spekulation fragen, warum hier zugunsten von solchen Figuren wie Robert E. agiert wurde.
  • Seit Anfang September 2013 gab es neue Ermittlungen gegen einen Mann aus Halle, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war. In den Fokus gerückt hatten den Mann allerdings nicht die Fahnder, sondern zwei Journalisten. Der Mann war öfter zu Besuch im Haus der Familie des Mordopfers und war im Umgang mit Peggy unangenehm aufgefallen. Durch Recherchen der beiden Journalisten Ina Jung und Christoph Lemmer waren die Ermittler wieder auf den Mann gestoßen, der damals zwar vernommen wurde, aber gegen den nicht weiter ermittelt wurde. Warum war der Mann nicht schon vorher von den Beamten ins Visier genommen worden und warum verlor man so schnell das Interesse? Berichten zufolge war der Mann “in Peggy verschossen gewesen” und seine Familie habe angeblich gewusst, dass er Kinderpornos auf dem Computer hatte.
  • Am 13. Dezember 2013 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen einen weiteren Mann, den Adoptivbruder des Tatverdächtigen aus Halle, ermittelt. Die Ermittler prüften, ob er bei der Beseitigung der Leiche geholfen haben könnte. Zwar konnte er zunächst für den fraglichen Zeitraum ein Alibi vorweisen, allerdings stellte sich dieses später als falsch heraus

Ablenkung Teil II? Die Pädo-Nazis

Das Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrunds, einige der Vertrauten des Trios aus den beiden Uwes und der schweigsamen Beate Zschäpe, war bekanntermaßen von vielen Informanten der Behörden durchsetzt. Immer wieder konnte das Trio auf magische Art und Weise sich dem Zugriff der Behörden entziehen, bis schließlich die Uwes allem Anschein nach in ihrem Wohnmobil von einem Unbekannten erschossen wurden. Posthum hängte man dem Trio die gesamte “Dönermordserie” an, wobei die Uwes als Tote nicht mehr reden können und Zschäpe sich nach einem seltsamen Wohnunsgbrand den Behörden stellte und seitdem über fast alles schweigt. Dann fand sich angeblich eine DNA-Spur von Uwe Böhnhardt an einem Stofffetzen in der Nähe des Leichenfundortes von Peggy. In der Nähe befindet sich eine Hütte, die von Neonazis benutzt wurde. Interessanterweise wurde die unvollständige Leiche von Peggy erst im Juli 2016 entdeckt, also lange nach dem Tod von den beiden Uwes vom NSU. Kamen die investigativen Autoren und diverse Journalisten der Wahrheit zu nahe? Entschied sich deshalb der Mörder von Peggy, die vergrabene Leiche wieder auszubuddeln und in das Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen zu bringen, in unmittelbare Nähe der Neonazi-Waldhütte? Schließlich hieß es, die Forensiker hätten unbeabsichtigt den Fundort von Peggys Leiche mit Böhnharts DNA kontaminiert, was ein höchst ungewöhnliches und unwahrscheinliches Versagen darstellt.

Zwar gab es immer wieder Bezüge der Neonazis zur Pädophilie und sogar der Außenbordmotor eines alten Freundes von Böhnhardt war in der Nähe eines toten Jungen gefunden worden, aber die DNA auf dem Stofffetzen war der einzige irgendwie bedeutende Link zwischen dem Fall Peggy und Böhnhardt. Kommt als nächstes eine weitere “Sensation” von den Behörden? Ein verspäteter DNA-Treffer bei Kindersachen, die die beiden Uwes in ihrem Wohnmobil gefunden wurden?

Leiter der Sonderkommission Peggy II war Wolfgang Geier. Er war auch der Leiter der Sonderkommission Bosporus betreffs der NSU-Mordserie. Olaf Przybilla, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, kritisierte im Oktober 2016 den Ermittler wegen seiner Irrtümer in beiden Fällen.

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