Kaum steigt die AfD auf ein neues Umfragehoch, gibt es auch prompt wieder einen Skandal, der die Partei diskreditiert: Ein Mitglied postete in einer nicht-öffentlichen Chat-Gruppe sein Argument, weshalb Claus Schenk Graf von Stauffenberg wegen dessen Beteiligung an einem Hitler-Attentat ein Feigling und Verräter gewesen sei. Das Attentat hätte im Kriegsjahr 1944 verheerende Folgen für Deutschland gehabt. Für manche Leute gibt es nur zwei Sichtweisen auf das Dritte Reich: Entweder die Darstellung der Siegermächte oder den klassischen Rechtsrevisionismus. Dabei sind beide Denkrichtungen völlig ungenügend.

Von Anfang an planten die wichtigsten Generäle Deutschlands und auch Geheimdienstchefs wie Canaris, Hitler abzusägen oder gleich umzubringen. Sogar Gestapo-Chef Rudolf Diels sammelte belastendes Material gegen Hitler und brachte dieses ins Ausland. Die einzige Frage war nur noch, wann man Hitler loswerden wollte und ob man Zusagen bekäme von Großbritannien, Deutschland bei einem Bürgerkrieg in Ruhe zu lassen. Es gab viele Treffen und Verhandlungen mit den Briten, aber letztendlich spielten die Briten nur auf Zeit.

Sabotage einer Verhandlungslösung

Für Hitler war mit genügend Willen alles möglich, er folgte seiner Eingebung, glaubte die Vorsehung auf seiner Seite zu haben und ein Genie zu sein. Dennoch lassen sich seine unzähligen verheerenden Entscheidungen in der gesamten Kriegsphase nicht einfach nur mit seinem Narzissmus erklären, denn er war immer in der Lage gewesen, Glanz und Gloria für anderer Leute Arbeit abzustauben und anderer Leute Ideen als seine eigenen auszugeben.

Ein gewisser Dr. Franz Fischer, der gleichzeitig für den britischen SIS und die deutsche SS arbeitete, sabotierte die Gespräche zwischen den deutschen Generälen und den britischen Kontakten. Die gängige Betrachtungsweise ist, dass Fischer für die SS den SIS verriet. Genauso denkbar ist aber, dass er für den SIS die deutschen Generäle verriet, weil die britische Führung kein Interesse daran hatte, dass die vernünftigeren und kompetenten Generäle die Macht in Deutschland übernehmen.

Es ist überliefert, dass Hitler ziemlich perplex war von den Entwicklungen und nur knapp überlebte er einen Bombenanschlag, hinter dem Himmler den britischen Geheimdienst vermutete. Da aber die Briten bis zu dem Zeitpunkt gezielt Hitler hereinlegten mit dem Theater um vermeintliche Sympathisanten in der britischen Oberschicht, und da man die Angebote der deutschen Generäle in den Wind schlug, scheint es unlogisch, dass Britannien Interesse am Tod des Führers hatte. Die schiere Anzahl der gescheiterten Attentatsversuche deutet darauf hin, dass die Briten und wahrscheinlich auch die russischen Agenten eher dabei mithalfen, Hitler am Leben zu halten.

Die deutschen Generäle hätten bei einem geglückten Attentat die Bevölkerung beruhigen können, dass das Leben weitergehen werde und man auch ganz gut ohne den Führer zurechtkommt. Vermeiden wollte man definitiv einen innerdeutschen Bürgerkrieg zwischen Anhängern der adeligen Offiziere und Anhängern von Hitlers Vertrauten.

Hitler erging sich in Wutausbrüchen und entließ beinahe Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch, den Oberbefehlshaber des Heeres. Wohlgemerkt, unterstellt schlechte rechtsrevisionistische Literatur bis heute, dass die Offiziere am laufenden Band versagt hätten und der Führer keine andere Wahl hatte, als sämtliche Kommandos an sich zu reißen, obwohl ihm jede fachliche Kompetenz dazu fehlte und Berge an Aufzeichnungen existieren, die Hitlers gravierende Fehlentscheidungen belegen. Im Geheimdienst „Abwehr“ verschworen sich Wilhelm Canaris und Hans Oster gegen den Führer.

Canaris gelang es sogar, Kontakt aufzunehmen mit dem Chef des amerikanischen Geheimdienstes OSS (Vorläufer der CIA), General William J. Donovan. Persönlich trafen sich die beiden in Spanien und brachten dabei auch den Direktor des britischen Geheimdienstes SIS, General Stuart Menzies, an den Tisch. Auch Allen Dulles, der spätere Boss bei der CIA, stand in Kontakt zu dem deutschen Widerstand, aber bei jeder dieser Gelegenheiten kam bei den Amerikanern und Briten der Befehl von ganz oben, die Sache fallen zu lassen und den Kontakt abzubrechen.

Sabotage der Rüstung

Dass die Amerikaner trotz ihrer gesetzlich festgelegten Neutralität die Briten über den Atlantik versorgen würden mit Kriegsgütern, war praktisch garantiert und Deutschland verfügte zunächst über keine bedeutende Marine und nur 57 U-Boote. Admiral Dönitz hatte 1938 und 1939 berechnet, dass man rund 300 U-Boote und eine verstärkte Luftaufklärung bräuchte, um Großbritannien abzuschneiden von den Nachschublieferungen aus den USA. Eine Weile lang konnte Deutschland erfolgreich die Konvois im Atlantik versenken, dann aber wurde das 9cm-Rundsicht-Radar bei den Alliierten serienreif, es gab mehr Schutzfahrzeuge und bessere Waffen gegen U-Boote. Ab 1941 war auch noch die Verschlüsselung der deutschen Marine gebrochen. Eigentlich wäre es selbstverständlich gewesen, bereits Jahre vor dem Kriegsausbruch die Produktion von U-Booten zu steigern, aber selbst 1938 versicherte Hitler noch, dass in den folgenden Jahren kein Krieg gegen die Briten kommen werde und lehnte den Bau einer Schlachtflotte ab. 1939 wurden nur 12 U-Boote hergestellt, im Folgejahr nur acht.

1943 sollte Erich Raeder, Oberkommandierender der Marine, alle schweren Schiffe abwracken und außer Dienst stellen. Er weigerte sich entsetzt und wurde daraufhin von Dönitz ersetzt. Die militärische Logik hatte geboten, eine Flotte aufzubauen für den Atlantik und Schiffe im Norden Norwegens zu stationieren, um auch die Sowjets von Nachschublieferungen abschneiden zu können. Aber Hitlers Sabotage war unerbittlich. Vielversprechende neue Düsentriebflugzeuge durften nicht in Serie gehen und erst 1942 konnte die Me262 von Messerschmitt gebaut werden, ein extrem schneller und tödlicher Jäger. 1939 erfolgte auch eine lange Unterbrechung bei der Entwicklung von Raketen.

1940 wurde in einer weiteren absurden Entscheidung die Produktion der deutschen Luftwaffe auf die fünfte Dringlichkeitsstufe herabgesetzt. Erst 1944 erreichte man einen Höchststand, wobei aber die USA alleine bereits doppelt so viel produzierten. Wäre das Ziel gewesen, Britannien zu einer Einigung zu ermuntern, hätte die Kriegsproduktion auf vollen Touren und mit dem Fokus auf Effizienz laufen müssen. Dennoch durfte nach dem Willen des Führers Deutschland keine echte strategische Bomberflotte aufbauen, Panzerprojekte wurden verzögert, unsinnige Projekte verfolgt wie beispielsweise ein 170 Tonnen schwerer Panzer namens „Maus“ und schließlich beteiligte man sich nicht ernsthaft an dem Wettrennen um den Bau einer Atombombe. Heisenberg hatte zwar am Kaiser-Wilhelm-Institut einen Forschungsreaktor, um Plutonium herzustellen, aber letztendlich waren nur etwas über 100 Wissenschaftler darauf angesetzt, Einstein war längst getürmt und der äußerst wichtige Peter Debye hatte sich in die USA abgesetzt, um dort an der Cornell University zu arbeiten. Göring, Keitel, Himmler und Raeder zeigten wenige Interesse an den Ausführungen von Heisenberg, obwohl theoretisch klar war, dass eine Atombombe von der Größe einer Ananas eine ganze Stadt zerstören kann.

Göring stoppte zusätzlich die Entwicklung des Düsentriebwerks Jumo 004 und der Zelle des Düsentriebjägers Me 262. Auch die Forschung an Flugabwehrraketen wurde gestrichen, die eine der wirkungsvollsten Defensivmaßnahmen der Welt gewesen wären. Auffällig ist auch die generell viel zu lasche Kriegsproduktion, die selbst 1940 nicht einmal 15% der gesamten Industrieproduktion ausmachte.

Im Juni 1941 standen nur 3580 Panzer zur Verfügung, die Hälfte davon veraltet. Die Sowjets hatten wiederum ca. 20.000 und stellten pro Jahr 5000 weitere her. Die deutsche Produktion gab nur maximal 3000 mittelschwere Panzer pro Jahr her und erst 1942 gab es überhaupt einen schweren Panzer namens „Typ V Panther“. Bei der Luftwaffe gab es die gleiche Situation, bei der Deutschland eigentlich frühzeitig auf höchste Produktionskapazitäten hätte setzen müssen, um mit den Briten mitzuhalten und vor allem mit den Russen, deren Luftwaffe auf amerikanischer Technik basierte.

Sabotage bei Dünkirchen

Der nächste militärisch logische Schritt nach dem Durchbrechen in den Ardennen wäre gewesen, die wichtigsten Streitkräfte der Briten und Franzosen im Norden Frankreichs konsequent einzukesseln und gefangen zu nehmen. Aber Hitler trat auf die Bremse, zum Entsetzen von Halder. General von Rundstedt ließ mit einem Schulterzucken die Panzer stoppen und erwartete, dass nach dem Eintreffen von weiteren Infanteristen endlich der Befehl kommen würde, die britische Expeditionary Force einzukassieren. Der Sieg war zum Greifen nahe, aber Hitler befahl unmissverständlich, dass die deutschen Truppen warten müssen, und gab seinen Generälen dümmliche Ausreden wie zum Beispiel, dass die Gegend von Flandern sich nicht für Panzer eignen würde und die Luftwaffe das regeln solle, aber auch hier bremste Hitler und das Wetter passte nicht. Ab und an gab Hitler zu erkennen, dass er gemäß seinen Ideen aus „Mein Kampf“ keine Absichten hegte, das Britische Empire zu zerstören und zuzusehen, wie rassisch „mindere“ Nationen sich die britischen Kolonien unter den Nagel reißen. Aber selbst, wenn dies tatsächlich Hitlers Strategie war, so hätte man doch auf Nummer sichergehen und die britischen Truppen gefangen nehmen müssen. Es wäre einfach und billig gewesen, diese britischen Soldaten unter humanen Bedingungen zu internieren und sie im Falle eines Waffenstillstandes mit Großbritannien wieder freizulassen.

Hitler verschaffte den Briten durch seine (gespielte) Unentschlossenheit aber 50 Stunden Zeit, bevor er dann doch den Angriffsbefehl gab, sodass hunderttausende britische und über 130.000 französische Truppen entkommen konnten im sogenannten „Wunder von Dünkirchen“.

Angriff gegen Russland statt England

King George machte höchstpersönlich Churchill zum Premierminister mit diktatorischen Vollmachten und der SIS startete eine Kampagne zur Beeinflussung Amerikas, sich am Krieg zu beteiligen, worauf Hitler die Idee kam, 35 Divisionen (rund 1 Million Soldaten) aufzulösen. Die Generäle wie Milch, Keitel usw. wussten genau, dass man die britische Insel jetzt angreifen müsse. General Blumentritt bekam von Hitler den üblichen Vortrag gehalten, dass es nicht im deutschen Interesse läge, das britische Imperium zu zerstören. Lloyd George würde angeblich bald Churchill im Amt ersetzen, der Duke of Windsor wieder auf den Thron steigen. Angesichts des geschlagenen Frankreichs erzählte der Führer seinen Beratern, dass der Krieg nun im Großen und Ganzen so gut wie vorbei sei. Es würde lange Zeit dauern, um seine grandiosen Erfolge entsprechend abzusichern und sein Nachfolger werde sich wohl irgendwann mit dem Thema Russland befassen. Gleich ließ er mehrere Divisionen nach Osten verlegen als Absicherung gegen einen möglichen Vorstoß der Russen. Der britische Geheimdienstler Winterbotham hingegen wusste von seinen Quellen, dass Hitler im Jahr 1941 Russland angreifen würde, ohne vorher Britannien zu erobern; eine der militärisch unsinnigsten Entscheidungen in der Geschichte.

Heinz Guderian und seine Kollegen erstellten einen fachmännischen Plan zum Angriff gegen die Sowjetunion, bei dem zunächst die Schaltzentrale und das Industriezentrum Moskau bei warmem Wetter erstürmt werden sollte. Hitler lehnte dies ab und präsentiert einen lächerlichen Alternativplan, um Zeit zu gewinnen, kürzte die Herstellung von Munition und löste Divisionen an der Ostfront auf, weil der Sieg angeblich sehr schnell kommen würde. Was sagte aber die nachrichtendienstliche Aufklärung über Russlands Ausrüstungsstärke? Nicht viel, denn man wusste nur sehr wenig darüber. Auf Hitlers Wunsch hin war weder eine strategische Bomberflotte aufgebaut worden, noch hatte man Marinestützpunkte in Norwegen, die in der Lage gewesen wären, Nachschub für die Russen aus den USA aufzuhalten. Und natürlich war die U-Boot-Flotte viel zu klein, um den Atlantik zu blockieren. Die USA, mit ihren schier endlosen Bodenschätzen und Industriekapazitäten, weichten ihr Neutralitätsgesetz von 1939 auf, sodass „überschüssiges“ Kriegsgerät an Deutschlands Gegner exportiert werden durfte. Ohne eine richtige Koordination und ohne strategische Vorteile erfolgte dann eine deutsche Kriegserklärung an die USA.

Hitlers Plan beinhaltete ausschließlich tödliche Fehler, die Stalin in die Hände spielen würden, wobei Hitler diese ganzen Einzelheiten zwangsläufig von jemand anderem eingeflüstert wurden, da er selbst nicht die Ausbildung und Erfahrung besaß, einen detaillierten Plan zu erstellen, der genau das Falsche war für die Wehrmacht: Kein schnelles Einnehmen von Moskau, Angriffe gegen die Peripherie, maximales Zerfleddern der eigenen Streitkräfte, statische Kriegsführung statt Blitzkrieg-Techniken.

Die Sowjets erhielten durch Hitlers Entscheidungen äußerst wichtige Atempausen und keine Ausrede der Welt kann diesen Verrat schönreden; sogar Halder und von Brauchitsch wollten deswegen zurücktreten. Als die Panzer Leningrad erreichten, mussten sie auf Befehl eine Blockade errichten und die Zivilbevölkerung aushungern, anstatt einen gewöhnlichen Angriff durchzuführen und Hitler zog dann auch noch Panzer ab für einen verspäteten, schlecht geplanten Angriff auf Moskau mit geschwächten Kräften und schlechtem Wetter. Durch die Atempause konnte Stalin natürlich frische Truppen und Gerät herankarren, und sibirische Divisionen nach Süden schicken, weil ja von den Japanern kein Angriff zu erwarten war. Aus Schlamm wurde Frost mit Temperaturen von 30 Grad minus, die zu massenhaft Erfrierungen und Ausrüstungsproblemen führten.

Generaloberst Franz Halder hatte Hitler längst durchschaut und landete im KZ. Auch kam es zum Bruch mit Jodl und Keitel. Nach Oktober 1942 war Hitler der einzige gewesen, der für einen Gesamtkriegsplan zuständig war und dennoch strickte man nach dem Krieg neue Dolchstoßlegenden.