Kommentar

Seit 9/11 gab es keinen singulären großen Anschlag mehr in der westlichen Welt, der genügend Wellen schlagen konnte um direkt militärische Aktionen im Ausland, sowie weitreichende rechtliche Veränderungen im Inland zu ermöglichen. Während 9/11 zu einem mehrjährigen Medienrummel führte, erzeugt inzwischen ein kleinerer Anschlag wie in Las Vegas, oder Nizza oder Berlin international gerade einmal zwei oder drei Tage Schlagzeilen, während in dem jeweiligen Land des Anschlags eher vier bis fünf Tage Schlagzeilen zu erwarten sind.

Aber auch diese kleinen Anschläge haben in der Summe ähnliche Effekte wie 9/11 und ermöglichten beispielsweise in Bayern die unbegrenzte Haft für Gefährder und dienten als Vorwand für militärische Aktionen in Nordafrika, Syrien und Irak. Diese Vielzahl an kleineren Anschlägen an unterschiedlichen Orten mit komplexen Vorgeschichten und Nachgeschichten stellt die alternativen Medien vor eine fast unlösbare Aufgabe, denn es bleiben bei einem Anschlag nur wenige Tage Zeit für Analyse und Berichterstattung, bevor das Interesse erlischt, das Thema nicht mehr “heiß” ist und alle sich wieder anderen Themen zuwenden. Bei 9/11 fabrizierten alternative Medien bereits viel Blödsinn, aber auch Qualität, weil genügend Zeit vorhanden war, um die Sachverhalte zu untersuchen. Heute bei den kleinen Anschlägen liegt das Zeitfenster bei nur noch wenigen Tagen.

Aufmerksamkeit bekommt nur noch derjenige, der blitzschnell eine Reihe an Indizien und Auffälligkeiten aufbläst zu einer Schein-Sensation und aggressiv jeden angreift, der Zweifel äußert und zur Vorsicht mahnt. Während nach 9/11 noch substanzielle Aufklärung einer breiten Bevölkerung zugänglich wurde und echter Druck entstand innerhalb von Behörden, so erreichten alternative Medien nach 9/11 bei kleineren Anschlägen nichts außer die Generierung von Klicks und Eigen-Diskreditierung außerhalb einer begrenzten Szene des typischen Verschwörungspublikums. In den letzten Jahren erreichte diese Negativ-Entwicklung einen Höhepunkt und schloss auch zunehmend konkrete Lügen, Fakes, Russenpropaganda sowie Bedrohungen gegen vermeintliche Mitverschwörer mit ein, sodass Regierungen wie auch Internetkonzerne mit dieser Steilvorlage eine neue Ära der Zensur einleiten konnten. Viel schlimmer als diese Zensur ist aber die Zensur und Eigenzensur, die die alternativen Medien und das Publikum mit sich selber betreiben. Wer nicht Russenpropaganda bejubelt, wer nicht die jeweils aktuelle Trend-Meinung vertritt, wer auf die Bremse drückt, gefährliche Illusionen demontiert und kritisch denkt, wird konsequent angegriffen, denunziert und in den sozialen Medien als radioaktiv behandelt.

Eine amerikanische Webseite über 9/11 beklagte bereits vor Jahren diese Zustände:

Viele Aspekte der 9/11-Anschläge sind nicht beweisbar, sondern vertuscht. Viele wichtige Fragen zu der Sache bleiben unbeantwortet und viele Dinge sind mit den uns zugänglichen Informationen einfach bisher nicht zu klären. Der erste Schritt, um sich der Wahrheit zu nähern, ist die Feststellung, dass man die Antwort noch nicht hat. Die “Wahrheitsbewegung” bei 9/11 ist aber voll mit Leuten, die nicht nur so tun als wenn sie alles bereits wüssten, sondern die dich noch als Provokateur bezeichnen, wenn du irgendeine Meinungsverschiedenheit hast. Wenn man sie auffordert, konkrete und relevante Belege zu zeigen für eine weit hergeholte Behauptung, dann entsteht sofort Wutgeheul und man wird davongejagt. Sowas ist keine Wahrheitsbewegung, sondern eine Glaubensbewegung.

Die Neigung, unverifizierte Informationen weiterzureichen ohne richtige Überprüfung, hat der 9/11-Wahrheitsbewegung wahrscheinlich irreversibel schwer geschadet. Qualitätskontrolle setzt voraus, dass man eine neue Behauptung untersucht und Belege dafür und dagegen findet, bevor man die Sache auf einer Webseite oder Facebook-Gruppe postet.

Diese Probleme wurden nicht gelöst, sondern haben sich seitdem drastisch verschlimmert. Was ist also zu erwarten bei dem nächsten 9/11?

  • Falls bei dem nächsten 9/11 muslimische Täter präsentiert werden und die Sache in irgendeiner Weise nicht nur Amerika und der NATO-Sphäre nützt, sondern auch in Russlands Strategie passt, werden die alternativen Medien sich größtenteils weigern, den Fall wirklich eingehend zu untersuchen. Vergangene kleinere Anschläge haben dies deutlich gemacht.
  • Obwohl davon auszugehen ist, dass die wahren Täter bei einer neuen False Flag wesentlich weniger Spuren hinterlassen werden als es bei 9/11 der Fall gewesen war, werden alternative Medien wahrscheinlich erneut dünne Indizien, Irrtümer und Fakes zu Schein-Sensationen aufblasen. Kritik wird nicht zugelassen, sondern bekämpft werden.
  • Eine False Flag, die der “neuen Rechten” in den Kram passt und Trumps Position stärkt, wird von vielen kaum kritisch untersucht werden. Große alternative Medien wie Infowars haben bereits vorab ihre Zustimmung zu einem Koreakrieg Trumps signalisiert und sind vielleicht auch offen für einen Krieg gegen den Iran.
  • Eine manipulative Darstellung der Hintergründe des Anschlags wird in das Muster gepresst werden des Schein-Konflikts zwischen Trump und dem Deep State.
  • Anstatt die politische Mitte, Linke, Rechte und Muslime zusammenzubringen, wie es nach 9/11 getan wurde, werden die Spannungen nach dem nächsten Anschlag eher verstärkt werden durch alternative Medien.
  • Russenpropaganda und entsprechende Fakes werden erneut ungeprüft übernommen werden. Jede Kritik daran wird abgeschmettert. Keine Spuren, die auf Russland deuten, werden untersucht werden.
  • Russland wird unablässig als Retter der darauffolgenden Krise präsentiert werden, als Vorbild und sicherer Hafen. Bei geopolitischen Eskalationen werden zu 100% die Forderungen Moskaus übernommen und Moskaus Handlungen verteidigt werden.
  • Die Internetkonzerne und Regierungen werden rigoros durchgreifen, der Popularität und Monetisierung alternativer Medien gewaltig schaden und neue Interessenkonflikte erzeugen. Provokationen ohne konkrete Belege werden auch mit (zivilen) Klagen beantwortet werden. Wenn alternative Medien um ihren Lebensunterhalt und ihre berufliche Zukunft bangen müssen, knicken sie lieber ein bzw. suchen sich ein anderes Betätigungsfeld. Im Gegensatz zu der Zeit nach 9/11 wird es bei dem nächsten großen Anschlag viele Barrieren geben im Internet.