Focus und Wikileaks beschuldigen sich gegenseitig der Geheimdienst-Kooperation

Kommentar Wikileaks verliert sämtlichen Rückhalt bei den Massenmedien, den die Organisation noch übrig hatte. Das deutsche Nachrichtenmagazin Focus poltert, dass laut einem streng geheimen Regierungsbericht Russlands Geheimdienste interessantes Material stehlen...

Kommentar

Wikileaks verliert sämtlichen Rückhalt bei den Massenmedien, den die Organisation noch übrig hatte. Das deutsche Nachrichtenmagazin Focus poltert, dass laut einem streng geheimen Regierungsbericht Russlands Geheimdienste interessantes Material stehlen und dieses zusammen mit Desinformation dann an Wikileaks durchreichen würden. Wikileaks kontert mit Informationen über die Nähe des Focus-Magazins zu den deutschen Diensten.

Leser bewerten in aller Regel auf Grund ihrer Sympathien für Ost oder West, welcher Seite sie glauben. Die Putin-Fans attackieren ausschließlich den Focus, während das Mainstream-Publikum viel eher davon ausgeht, dass Wikileaks dem Kreml zuarbeitet. Die Welt ist aber kein Hollywood-Film mit eindeutig definierten Helden und Schurken.

Es ist kein Geheimnis, dass die deutschen Massenmedien enge Beziehungen zu den Geheimdiensten pflegen und regelmäßig geheimes Material in den großen Blättern landet. Das heißt aber nicht, dass die Informationen prinzipiell und automatisch unwahr sein müssen. Die sogenannte „Lügenpresse“ erzählt nicht 100% Unsinn, weil dies keinerlei Erfolg hätte, sondern präsentiert einen Mix aus Fakten, Unwahrem und Spekulation, mit allerhand wichtigen Auslassungen. Natürlich zitiert der Focus nicht präzise aus dem geheimen Regierungsbericht, auf welchen Erkenntnissen die deutschen Geheimdienste zu ihrer Schlussfolgerung gelangt sind, dass die Russen Wikileaks mit Material anfüttern. Denn solche Zitate und mögliche Enthüllungen von Quellen und Methoden wären illegal. Wikileaks selbst nutzte in der Vergangenheit begeistert die Massenmedien, um bereinigtes, irreführendes Material aus US-Militärdatenbanken an die Öffentlichkeit zu lancieren, wobei die Blätter wie NY Times und Guardian ihr Möglichstes taten, um das Material schönzufärben und den US-Administrationen in die Hände zu spielen.

Es gibt schlicht keine Grundlage, Julian Assange Vertrauen entgegenzubringen.

Assange ging auf dem Höhepunkt der Enthüllungen aus unbekannten Gründen ausgerechnet nach Großbritannien, dem Top-Verbündeten der Amerikaner, und ließ sich brav bei der Polizei anmelden während die Welt in den Medien las, er sei doch bestimmt auf der filmreifen Flucht wie Jason Bourne. Später machte Assange gegen Geld eine Sendung für den Putin-Sender RT. Aufklärerei über Missstände des Oligarchen-Molochs waren natürlich Fehlanzeige.

Der Kreml ließ nichts anbrennen, holte sich Snowden und gab gleichzeitig Wikileaks die Möglichkeit, nach langer Durststrecke endlich wieder in den Schlagzeilen zu landen. Eigentlich traute niemand mehr mit allen Tassen im Schrank der Klitsche namens Wikileaks seine Geheimnisse an, der Organisation die partout kein Geheimnis bewahren kann. Es wurde ein bedeutendes Wikileaks-Mitglied aus der Vergangenheit als Informant der Behörden geoutet. Ganze Festplatten mit internen sensiblen Daten landeten so bei den US-Behörden. Da können sich die anderen Whistleblower die etwas eingesendet hatten, bald eine Zelle mit Bradley Manning teilen.

Auch berichtete die Zeitung Izvestia, die sich im russischen Staatsbesitz befindet, dass der Kreml und die Geheimdienste mit Wikileaks kooperiert hätten, um Snowdens Flucht aus Hong Kong zu ermöglichen. Wikileaks veröffentlichte einen Tweet, laut dem man „Mr. Snowden bei seinem politischen Asyl in einem demokratischen Land geholfen“ hätte, durch „Reisepapiere und einen sicheren Exit aus Hong Kong“. Ein weiterer Tweet verlautbarte:

„Mr Snowden befindet sich gegenwärtig über russischem Luftraum, begleitet von Rechtsberatern von Wikileaks.“

Assange soll Ecuadors Konsul in London überredet haben, Snowden ein Reisedokument für den Flug nach Ecuador auszustellen. Dieses „demokratische Land“ springt zwar seinen unbequemen Bürgern ziemlich übel mit, das interessiert aber Assange nicht. Zweifelhafter Held der „alternativen Presse“ kann man nur werden, wenn man sich mit den anderen Teufeln ins Bett legt. Zuvor war Snowdens  amerikanischer Pass eingezogen worden. Hinterher erklärte der Präsident Ecuadors das Dokument für „komplett ungültig“. Hatten hier nicht in Wirklichkeit die Russen mitgespielt und Wikileaks als Pappkarton-Figuren davor aufgestellt? Alles deutet darauf hin, dass der FSB Snowden übernahm, sobald dieser in Moskau landete. Wikileaks erklärte der Weltöffentlichkeit, dass Snowden garantiert „nicht vom FSB debrieft“ werde. Dummerweise hat Snowdens Moskauer Anwalt Verbindungen zum FSB. Assanges engste Beraterin Sarah Harrison sei „ununterbrochen bei Mr. Snowden geblieben sein um dessen Sicherheit zu gewährleisten.“ „Sie verließen gemeinsam den Flughafen in einem Taxi und fuhren zu einem sicheren, geheimen Ort“.

So sieht sich Wikileaks gerne dargestellt in der Öffentlichkeit: Kompetent, professionell, erfolgreich. Wozu braucht es aber die Stümperer von Wikileaks, wenn doch die Profis vom FSB mehr als ausreichen? Wikileaks diente als Tarnung für die internationale Presse, damit der Eindruck erweckt werden sollte, die Russen hätten sich nicht um diesen Fisch gerissen.

Julian Assange von Wikileaks hat ebenso eine Geschichte mit den Strafverfolgungsbehörden. Die australische Mainstream-Zeitung The Age berichtete (Link) über die Enthüllung eines Gerichts in Melbourne, dass er 1993 aktiv mit der Polizei des Bundesstaats Victoria u.a. als technischer Berater kooperiert hatte bei Ermittlungen gegen mutmaßliche Besitzer von Kinderpornograhie.

Die australische Polizei hatte Anfang der 1990er Jahre noch gegen Assange und zwei seiner Hackerkollegen der Gruppe „International Subversives“ wegen zahlreicher Computerverbrechen ermittelt, die sich gegen diverse Konzerne und Regierungsbehörden wie die amerikanische NASA richteten und hunderttausende Dollars Schaden verursacht haben sollen. Die Verhaftung fand Ende 1991 statt. Überraschenderweise erhielten alle drei nach einem trotz erdrückender Beweislast nur sehr schleppend verlaufenden Verfahren 1996 nur eine geringe Geldstrafe von jeweils 2100 australischen Dollars.

Die Richterin Jeanette Morrish gab später einen Teil des Transkripts von Assanges Gerichtsverhandlung von 1996 frei , den sie einen Monat zuvor noch aus Sorge um Assanges „Sicherheit“ unter besonderen Verschluss gestellt hatte. In dem betreffenden Abschnitt heißt es u.a. von Assanges Anwältin Grace Morgan, ihr Mandant hätte „Polizeibehörden Hilfe geleistet“. Als die Presse diese Information entdeckte, wurden von Seiten des Gerichts und Assanges Anwältin rasch Details nachgereicht, damit nicht der „irreführende Eindruck“ entstehe, Mr. Assange sei ein Informant gewesen:

„1993, als Mr. Assange Anfang 20 war, hatte er Ermittlern von der Einheit der Victoria Police für Kindesmissbrauch Hilfe geleistet,“

so die Erklärung von Ms. Morgan

„Mein Klient assistierte bei zwei Ermittlungen. Seine Rolle war beschränkt auf die Bereitstellung von technischer Hilfe und Unterstützung sowie die Assistierung bei der Strafverfolgung von Personen die unter Verdacht standen, Kinderporographie im Internet zu verbreiten.“

„Mr. Assanges Beteiligung war Mittte der 1990er Jahre abgeschlossen. Ihm ist nicht bekannt wie die Ermittlungen letztendlich ausgegangen sind, aber ihm ist bewusst dass seine technische Expertise von Wert gewesen war.“

„Mr. Assange erhielt keinen persönlichen Gewinn aus dieser Hilfe und war froh, in der Lage sein zu helfen.“

Richterin Morrish schien besorgt, dass man der Justiz vorwerfen könnte, ein mildes Urteil augesprochen und eine Rekrutierung Assanges als Informant verschleiert zu haben. Sie fragte:

„Wie lange würde er Bestand haben wenn er den Ruf hätte, ein Informant zu sein?“

Assanges geringe Geldstrafe wurde seinerzeit erklärt mit der Rücksicht auf dessen schwere Kindheit. Ansonsten wären 10 Jahre Haft für die fast 30 Fälle von Computerstraftaten fällig gewesen. Es ist möglich dass sich Assange vielmehr durch seine Kooperation mit der Polizei von Victoria und evtl. weiteren ähnlichen Tätigkeiten sein mildes Strafmaß verdiente. Die Frage, ob er neben Konsumenten von Kinderpornographie auch Hacker ausspioniert und an die Behörden verraten hat, ist offen.

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