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Politik

Die kommentierte Ausgabe von „Mein Kampf“ ist eine gigantische Zeitverschwendung

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Das Urheberrecht auf Hitlers zweibändige Buchreihe „Mein Kampf“ ist erloschen und schon versuchen gierige Kleinverlage, billige Nachdrucke in Osteuropa (Herstellungskosten geschätzte 3€) für 30€ pro Stück zu verhökern. Die Staatsanwaltschaften haben sich deshalb eingeschaltet, auch wenn der Bundesgerichtshof meinte, das Buch sei älter als die Bundesrepublik und könne sich daher als „vorkonstitutionelle“ Schrift nicht gegen ihre Verfassungs- und Rechtsordnung richten.

Wie auch immer die Juristen dies handhaben, so gibt es doch nun eine legale Komplettausgabe vom Münchner Institut für Zeitgeschichte. Eine „kritische“ Edition mit 2000 Seiten und 3500 Anmerkungen. Was verblüfft, ist dass die Historiker hauptsächlich Fehler in den Beschreibungen Hitlers aufdröseln, also zum Beispiel Behauptungen widerlegen über einen Theaterbesuch mit 12 Jahren. Ist das, worum es in der Geschichtswissenschaft geht? Sich an Details festkrallen und die Themen von eigentlicher Bedeutung liegen lassen?

Das Material, das Hitler für sein Buch zusammenklaute, findet man in Werken von Malthus, Gustave Le Bon, Bismarck, Chamberlain, Clausewitz, Eckart, Goethe, Streicher, Ford usw.

Damit aber aus derartigem Geschwätz Wirklichkeit wird, braucht es einen großen Kult mit einer narzisstischen, antisozialen Dynamik. Solche Kulte kosten aber eine Menge Geld und Hitler war pleite. Einer der Gründe, überhaupt „Mein Kampf“ zu schreiben, waren die angestrebten Einnahmen, um seinen Anwalt damit bezahlen zu können. Das nötige Geld für seinen politischen Aufstieg bekam er nicht nur von dem deutschen Bildungsbürgertum, sondern von einer Reihe nationaler und intenationaler Banken.

Adelbert Delbrück, Urgroßonkel des aktuellen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, gründete im 19 Jh. unter anderem die Deutsche Bank und das Bankhaus Delbrück Leo & Co. Das Haus wurde zum finanziellen Begleiter junger Großunternehmen wie Siemens und Krupp. Im Jahr 1910 erfolgt die Fusion der „Gebrüder Schickler & Co.“ mit „Delbrück Leo & Co.“ zum Bankhaus „Delbrück Schickler & Co.“ durch Ludwig Delbrück.

Während dem Wahlkampf in Deutschland 1933  wurde ein Gesamtbetrag von 3 Millionen Reichsmark von “renommierten” Firmen und Geschäftsleuten gespendet, durch ein Konto der Delbrück-Schickler-Bank gewaschen und gelangte dann in die Hände von Rudolf Heß zur Verwendung  durch Hitler und die NSDAP. Diesem Transfer an Geldern folgten der Reichstagsbrand, die Aberkennung von Verfassungsrechten und die Konsolidierung der Macht der Nazis.

In „Mein Kampf“ erklärte er die Absicht, ein Bündnis mit England und dem faschistischen Italien einzugehen. Der Plan ging im Falle Italiens auf, bei Großbritannien hätte es erschreckenderweise auch fast funktioniert.

Hitlers britische Freunde

Gerade die konservative Regierung befürchtete, dass der König König Eduard VIII. nicht neutral sein Amt ausführen würde. Eduards Bruder, der Vater von Elizabeth II., übernahm schließlich den Thron.

Nach seiner Abdankung besuchte Eduard mehrere Länder, unter anderem Deutschland, wo er mit seiner Gattin von Adolf Hitler auf dem Berghof empfangen wurde. Das führte in Großbritannien zu Verstimmungen, ebenso wie sein Besuch in Italien bei Benito Mussolini. Während der deutschen Besetzung Frankreichs von 1940 bis 1944 wurden Eduards Wohnsitze in Paris und in Südfrankreich auf Wunsch des Dukes durch die Wehrmacht bewacht. Folgende Zitate sind von ihm aus dieser Zeit überliefert:

WENN DER KRIEG VORBEI IST UND HITLER DIE AMERIKANER ZERQUETSCHT HAT … ÜBERNEHMEN WIR … SIE [DER COMMONWEALTH] WOLLEN MICH NICHT ALS IHREN KÖNIG, ABER ICH KOMME BALD ALS IHR FÜHRER ZURÜCK.
ES WÄRE EINE TRAGÖDIE FÜR DIE WELT, WENN HITLER GESTÜRZT WÜRDE

Hitler wollt Eduard mit einer jungen deutschen Prinzessin verheiraten. Eduard verbrachte seine Flitterwochen in Österreich vor dem Krieg und besuchte 1937 Hitlerdeutschland als Ehrengast. Bei den Nazis gab es die Hoffnung, er würde Hitlers Marionettenkönig werden. Das Ganze lief unter dem Namen “Operation Wille”.

Hitlers schlampige Verschwörungstheorien

Kleinlaut wird manchmal zugegeben, dass auch der Britische Premierminister Winston Churchill peinliche jüdische Verschwörungstheorien verbreitete. In seinem Artikel von 1920 für den London Illustrated Sunday Herald mit der Überschrift “Zionismus versus Bolschewismus” verbreitete Churchill die inkorrekten Einschätzungen, dass die “internationalen” und “atheistischen” Juden eine “sehr große Rolle” in der bolschewistischen Revolution gespielt hätten und dass, abgesehen von Lenin, “die Mehrheit” der Revolutionsführer jüdisch gewesen sei.

Der britisch-amerikanische Historiker Antony Sutton trennt in seinem Buch “Wallstreet and the Bolshevik Revolution” deutlich zwischen tatsächlichen Geldströmen einzelner jüdischer Banker an die Revoluzzer und den falschen verbreiteten Darstellungen über das tatsächliche Ausmaß des jüdischen Einflusses:

“ES GIBT KEINE KONKRETEN BEWEISE DAFÜR, DASS JUDEN DESHALB AN DER BOLSCHEWISTISCHEN REVOLUTION BETEILIGT WAREN, WEIL SIE JÜDISCH WAREN. ES MAG TATSÄCHLICH EINE HÖHERE PROPORTION AN BETEILIGTEN JUDEN GEGEBEN HABEN, ABER WAS WÜRDE MAN ANGESICHTS DER BEHANDLUNG VON JUDEN UNTER DEN ZAREN AUCH ANDERES ERWARTEN? ES GAB WOHL AUCH VIELE BRITEN ODER MÄNNER BRITISCHER ABSTAMMUNG, DIE IN DER AMERIKANISCHEN REVOLUTION GEGEN DIE BRITISCHEN TRUPPEN KÄMPFTEN. NA UND? MACHT DIES DIE AMERIKANISCHE REVOLUTION ZU EINER BRITISCHEN VERSCHWÖRUNG?”

DIE LISTE VON JUDEN DIE AN DER BOLSCHEWISTISCHEN REVOLUTION BETEILIGT WAREN, MUSS AUFGEWOGEN WERDEN GEGEN DIE LISTEN VON NICHTJUDEN DIE AN DER REVOLUTION BETEILIGT WAREN. WENN MAN DIESE WISSENSCHAFTLICHE METHODIK ANWENDET, DANN LIEGT DER ANTEIL DER AUSLÄNDISCHEN JÜDISCHEN BOLSCHEWISTEN AN DER GESAMTZAHL DER REVOLUTIONÄRE BEI UNTER 20 %.

ES IST BEDEUTSAM, DASS DOKUMENTE IN DEN UNTERLAGEN DES AUSSENMINISTERIUMS BESTÄTIGEN, DASS DER INVESTMENTBANKER JACOB SCHIFF, DER OFT ALS QUELLE DER GELDER FÜR DIE BOLSCHEWISTISCHE REVOLUTION GENANNT WIRD, IN WIRKLICHKEIT GEGEN DIE UNTERSTÜTZUNG DES BOLSCHEWISTISCHEN REGIMES WAR. DIESE POSITION STAND IM DIREKTE KONTRAST ZU DER UNTERSTÜTZUNG VON MORGAN UND ROCKEFELLER AN DIE BOLSCHEWISTEN.

DIE HARTNÄCKIGKEIT MIT DER DER MYTHOS DER JÜDISCHEN VERSCHWÖRUNG VERBREITET WURDE, DEUTET DARAUF HIN DASS ES WOMÖGLICH EIN ABSICHTLICHES MANEUVER IST, DIE AUFNERKSAMKEIT VON DEN WIRKLICHEN THEMEN UND URSACHEN ABZULENKEN. DAS BEWEISMATERIAL IN DIESEM BUCH ZEIGT, DASS DASS DIE NEW YORKER BANKER, DIE JÜDISCH WAREN, RELATIV GERINGE ROLLEN SPIELTEN BEI DER UNTERSTÜTZUNG DER BOLSCHWISTEN, WÄHREND DIE NEW YORKER BANKER, DIE KEINE JUDEN WAREN, (MORGAN, ROCKEFELLER, THOMPSON) GROSSE ROLLEN SPIELTEN.

Hitlers Rückgriff auf die „Protokolle von Zion“

Hitler bediente sich für „Mein Kampf“ bei den sogenannten Protokollen von Zion, dem angeblichen Leak einer jüdischen Weltverschwörung. Der Ursprung des Dokuments liegt in Russland.

Das russische Volk war platte antisemitische Propaganda bereits gewohnt, also konnte das Zarenregime den Menschen in den Frühzeiten revolutionärer Bewegungen einimpfen, dass die antizaristischen Bewegungen ein zionistischer Plot seien. Selbstverständlich hatten auch unzählige nicht-jüdische Russen die Nase voll und kämpften in den verschiedenen sozialistischen Gruppen.

Der Desinformationsexperte Petr Ivanovich Rachovsky aus dem zaristischen Geheimdienst Ochrana soll zu diesem Zweck die “Protokolle von Zion” gefälscht haben. Stationiert war er zur fraglichen Zeit in Frankreich; dort fand auch der Zionistenkongress 1897 statt. Die Spur der Fälscher der Protokolle verliert sich in einem Wust aus Esoterikern und Agenten, man geht aber davon aus dass es Rachovsky war der sich bei dem unbekannten Satiretext “Dilog in der Hölle zwischen Machiavelli und Montesquieu” von Maurice Joly bediente. Frankreich wurde einfach ersetzt mit die “Welt”, Napoleon III durch “die Juden”. Die ganze Welt war seinerzeit bereits überzogen von bizarren okkulten Gruppen. Der Historiker James Webb schreibt in seinem Werk “Das Zeitalter des Irrationalen”:

“IN DEN KREISEN, IN DENEN DIE PROTOKOLLE IN FRANKREICH ENTSTANDEN, IN JENEN, IN DENEN SIE IN RUSSLAND ENTGEGENGENOMMEN WURDEN UND IN DER KOMMUNIKATION ZWISCHEN DIESEN BEIDEN SPHÄREN GAB ES EINE BETRÄCHTLICHE DOSIS DES MYSTISCHEN. BEINAHE JEDER DER “ERLEUCHTETEN” RUSSEN HÄTTE DAS GEHEIMNIS DER JUDEN [EIN ÄLTERER ANTISEMITISCHER TEXT] SCHREIBEN ODER MATERIAL DAZU BEISTEUERN KÖNNEN. DOCH KÖNNTEN SIE ODER DIE GLINKA ODER EINER DER ANDEREN MYSTIKER, DIE IN KONTAKT MIT JULIETTE ADAM STANDEN, DIE GEFÄHRLICHEREN – WEIL VERGLEICHSWEISE SACHLICHEREN – PROTOKOLLE VERFASST HABEN? DENN ES GIBT FAST KEINE MYSTISCHE ANSPIELUNG IN DEN PROTOKOLLEN.”

Man kann im Nachhinein kaum hundertprozentig feststellen, welcher Okkultist gleichzeitig Agent war, die Übergänge sind fließend.

Der französische Arzt, Okkultist, Esoteriker, Theosoph, Rosenkreuzer, Kabbalist und Martinist namens Papus hatte die Theosophische Gesellschaft mitbegründet. Er genoss das Vertrauen des Zaren Nikolaus II und reiste mehrfach nach St. Petersburg, um den Aristokraten in medizinischen und esoterischen Balangen zu unterrichten. Dabei gründete er eine Martinistenloge, der auch der Zar selbst angehörte. Zugleich waren andere beunruhigt über das zumeist blinde Vertrauen des Zaren und seiner Ehefrau in den Okkultismus. Papus assistierte dem Zarenpaar bei wesentlichen Regierungsentscheidungen und warnte sie vor den Einflüssen Rasputins. Es war üblich zu der Zeit, dass praktisch jeder jeden beschuldigte, ein jüdischer Zionistenagent zu sein.

Papus schimpfte unter einem Pseudonym in Artikeln im Echo de Paris über das dunkle Finanzsyndikat, welches es auf Russland abgesehen hätte:

“SO WURDE VOR WENIGEN JAHREN EIN FINANZSYNDIKAT GEGRÜNDET, DAS HEUTE ALLMÄCHTIG IST UND DESSEN OBERSTES ZIEL DARIN BESTEHT, ALLE WELTMÄRKTE ZU MONOPOLISIEREN. […] WIR SOLLTEN UNS ANGELEGENTLICH DARAN ERINNERN, DASS DER BERÜCHTIGTE CORNELIUS HERTZ EINER DER HAUPTAGENTEN DIESER INTERNATIONALEN VEREINIGUNG WAR, DESSEN ZENTRUM SICH IN LONDON BEFINDET UND DESSEN WICHTIGSTE ZWEIGSTELLEN IN WIEN UND DEUTSCHLAND LIEGEN.”

Er machte fleißig Anspielungen auf die Rothschilds, polterte dass Agenten bereits das Finanzministerium Russlands und den Generalstab unterwandert hätten. Auch Rasputin beeinflusste den Zarenhof. Papus hatte das Vertrauen der leichtgläubigen Zaren, stellte für die Zaren Dokumente über die “Freimaurer-Verschwörung” zusammen. Interessanterweise hatte er selbst früher freimaurerische Textbücher geschrieben.

Die ultrarechte russische Gruppe “Union des russischen Volkes”, die mit Propaganda Pogrome anfachte, war einer der Erstveröffentlicher der Protokolle von Zion. Die Judenhass-Stimmung war ironischerweise ein wichtiger Grund, weshalb sich viele Individuen jüdischer Abstammung der sozialistischen Revolution angeschlossen hatten. Während der russischen Revolution von 1905 wurde die Protokolle-Fälschung in Paris erneut verbreitet durch den Zarengeheimdienst Ochrana unter dem Namen eines mystischen russischen Priesters namens Sergius Nilus.

Die Protokolle von Zion verbreiteten sich nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Ausgerechnet der einflussreiche Freimaurer und Großindustrialist Ford, der kriegsrelevante Fabriken wie Gorki Park in der Sowjetunion baute und Hitlerdeutschland begrüßte, publizierte die Protokolle. Auch im mittleren Osten unter den muslimischen Völkern wurde der Text weit verbreitet. Oft mit Hilfe der sowjetischen Geheimdienste.

Sakharovsky, der eine hohe Poistion im rumänischen Geheimdienst Securitate innehatte, ließ 1951 eine Kopie in mehrere Sprachen übersetzten und in Westeuropa und dem mittleren Osten verbreiten.

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