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Der Islam oder der “Islam”

Die (vermeintlich) gemäßigten Muslime werfen den terroristischen Gotteskriegern traditionell vor, die Lehren des Propheten zu verzerren oder fehlzuinterpretieren. Die Dschihadisten kontern mit der Haltung: Ihr versteht oder kennt euren Glauben nicht.

Die Gemäßigten betonen, die höhere Bedeutung des Dschihads sei ein geistiger Kampf in einem selbst. Eine Geschichte aus den Hadithe wird hierfür herangezogen, der Sammlung aus Überlieferungen: Mohammed kehrte aus einer Schlacht zurück und erklärte, das Abmurksen von Feinden sei nur der kleine Dschihad, der Große hingegen wäre der spirituelle Kampf des muslimischen Lebens. Die Radikalen sind von diesem Hadith überhaupt nicht beeindruckt und halten ihn für schlicht erfunden, auch die angesehensten Hadith-Gelehrten der Welt halten ihn für “schwach”. Sie passt nicht zu den anderen Lehren des Islam und dem Koran; den Regeln zu folgen wird nirgendwo als Dschihad beschrieben.

Die Gemäßigten erklären den Dschihad als reine Selbstverteidigungsmaßnahmen für das Heimatland des Islam, während legendäre radikale Anführer wie Qutb darauf hinweisen, dass Mohammed und die ersten Kalifen die größtmögliche offensive Ausbreitung des Islam anvisierten. Auch zu softe muslimische Regierungen seien der Feind. Seriöse Historiker gehen davon aus, dass Mohammed in Mekka keinerlei Verfolgung ausgesetzt war. Die mekkanische Gesellschaft tolerierte unzählige verschiedene Religionen. Stattdessen wurde der Prophet größtenteils ignoriert und hin und wieder beleidigt. Sobald er nach Medina emigrierte und Streitkräfte sammelte, eroberte er die gesamte arabische Halbinsel.

Ein Leben als Terrorist

Für Muslime ist Gott der Autor des Korans, nicht einfach nur dessen Thema. Der Koran ist die Grundlage der islamischen Zivilisation. Die 114 Suren sind nicht zeitlich oder thematisch geordnet. Manche Suren springen auch von einem Thema zum anderen. Sowohl muslimische als auch nicht-muslimische Wissenschaftler machten sich im Laufe der Zeit daran, herauszufinden welche Sure wann entstanden ist. Vergleicht man diese neue, chronologische Ordnung auch noch mit der Biographie Mohammeds, wird das Ganze wesentlich aufschlussreicher.

Traditionell picken sich Islambefürworter immer die gleichen wenigen Textstellen heraus, die Toleranz gegenüber Nichtgläubigen predigen. Diese Stellen stammen jedoch aus der mekkanischen Frühzeit, als der Prophet noch keine militärische Macht besaß, sondern vergeblich versuchte, sich als neuer Chef der Christen und Juden zu propagieren. Die christliche und jüdischen Religionen waren zwar viel älter und etablierter als der Islam, trotzdem argumentierte Mohammed, dass Allah der Ursprung gewesen sei, und Juden sowie Christen einfach vom rechten Weg abkamen. Beispielsweise wird im Koran die Geburt von Jesus beschrieben, der als Säugling sofort erklärt, ein Sohn Allahs zu sein. Islam-Schönredner betonen immer wieder, wie sehr doch Jesus und Moses im Koran gewürdigt werden. Dies ist jedoch keine brüderliche Brücke zwischen den Weltreligionen, sondern der Islam behauptet einfach, diese beiden Figuren seien muslimische Figuren, basta. Diejenigen, die die “Zeichen Allahs” nicht anerkennen und “Gottes Wort verfälschten”, würden “Bewohner des Höllenfeuers” sein.

Allah klagt im Koran Juden und Christen als Abtrünnige an und verspricht härteste Strafen. Die Nacherzählung biblischer Geschichten macht mindestens 7% des Korantextes aus. Wenn also jemand erzählt, es gäbe soviel gemeinsamen harmonischen Boden zwischen den Weltreligionen, will derjenige sie entweder veräppeln oder er weiß eigentlich nichts über das, wovon er redet. Nach dem anerkannten Interpretationsprinzip gilt immer der neuere Vers mehr als der alte und kann den alten sogar aufheben. Soviel zur Toleranz.

Als Mohammed mit dem Versuch scheiterte, Christen und Juden durch Überredung für seine Gruppe abzuwerben, änderten sich die freundlichen Worte dramatisch. Nur wenige verstreute Verse sind respektvoll gegenüber Andersgläubigen. Dagegen werden Ungläubige hunderte Mal verflucht. Von der Gewichtung her nehmen gewaltsame Eroberungen und das Verteilen der Beute einen essentiellen Teil des Korans ein. Die vielbeschworene “Barmherzigkeit” Allahs ist nur die Gegenleistung für die Unterwerfung unter seinen Willen.

Die Islam-Schönredner lügen oder überbewerten einen umstrittenen, schwachen Hadith wenn sie betonen, der Dschihad sei “hauptsächlich” der innere Kampf des Gläubigen um seinen Glauben und sein Handeln. Der bewaffnete Kampf sowie die Tötung und Unterwerfung Andersgläubiger ist das Thema in vierzehn von 24 Suren aus der Medina-Zeit. Es geht konkret um den direkten Aufruf zum Kampf, Lob und Verheißungen für die Kämpfer, eine Verurteilung kampfunwilliger Männer, die Deutung des militärischen Erfolges als Beweis für die Wahrheit des Islam, sowie die Verteilung der Beute.

Die Muslime unter Mohammed waren Eroberer, keine Landarbeiter, Händler oder Handwerker. Die wichtigsten Einnahmequellen waren die erzwungenen Steuerzahlungen der Ungläubigen und die Beute von Raubzügen, darunter auch Frauen- und Kindersklaven. Irgendwann dachte der Prophet über die arabische Halbinsel hinaus und verkündete in Sure 8 den Kampf gegen alle Ungläubigen auf der Welt, bis es keine andere religiöse Anbetung mehr gibt. Die Anhänger griffen folglich auch Ziele in Asien, Afrika und Europa an.

Es gibt aber verschiedene Formen, um Dschihad zu führen. Ist man irgendwo auf der Welt noch in der Minderheit, hält man sich zunächst oberflächlich an die dort geltenden Gesetze und versucht, die eigene Zahl zu vergrößern. Lügen und Täuschen ist explizit erlaubt. Moscheen sind nicht ohne weiteres mit anderen Kirchen vergleichbar, denn dort sollen eigentlich auch Waffen gesammelt und Angriffspläne geschmiedet werden. Sobald man eine einflussreiche Minderheit ist, wird gerüstet. Hat man eine gewisse Stärke erreicht, kommt der offene Kampf um die Herrschaft im Land.