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Beobachter der griechischen Finanzkrise waren perplex, als Tsipras trotz des gewonnenen Referendums einknickte vor den europäischen Geldgebern. Griechische Zeitungen scheinen nun die Antwort zu haben auf dieses Rätsel: Tsipras wollte angeblich 10 Milliarden Dollar von Russland haben, um die Drachme wieder einzuführen und sich von dem westlichen Kreditsystem abzuwenden. Von Putin wurde er jedoch im Stich gelassen und so blieb nichts anderes mehr übrig, als die Einigung mit den Gäubigern.

Die griechische Zeitung “To Vima” berichtete:

Tsipras plante die Rückkehr zur Drachme bereits seit Anfang 2015 und zählte auf Russlands Hilfe, um dieses Ziel zu erreichen.

Die wichtigsten Koalitionsmitglieder der Regierung seien eingeweiht gewesen. Tsipras war vor den Europawahlen 2014 dem Direktor des Russischen Instituts für Strategische Studien vorgestellt worden. Möglich machte diese Verbindung der griechische Professor für Russlandkunde Nikos Kotzias, der später als Belohnung den Posten des Außenministers bekam.

Noch in der Nacht des Referendums sprach sich jedoch in hohen Zirkeln herum, dass Putin nun doch nicht die Rückkehr zur Drachme unterstützen würde. Somit blieb für Tsipras nichts mehr übrig als ein Einknicken. Die russische Zentralbank hält gewaltige Reserven in Dollars und Euros.

Der griechische Präsident Tsipras telefonierte am Morgen nach dem gewonnenen Referendum mit Russlands Staatschef Putin. Er erhielt zwar herzliche Glückwünsche, aber keinen einzigen müden Rubel an dringend benötigten Krediten. Was wenig überrascht – denn Russland hat nichts mehr und die EU ist immer noch ein wichtiger Handelspartner für Moskau.

Die Gouverneurin der russischen Zentralbank Elvira Nabiulllina warnte im Juni, dass eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands negative Auswirkungen auf Russland haben werde:

“Wir betrachten dieses Szenario als eines von mehreren Risiken, die die Turbulenzen auf den Finanzmärkten Europas erhöhen würden. Man darf nicht vergessen dass die Europäische Union einer der wichtigen Handelspartner ist und wir machen uns definitiv Sorgen.”

Es gab während dem St. Petersburg Economic Forum zwar eine vollmundige Abmachung über ein Pipeline-Geschäft mit den Griechen, allerdings ist das zunächst nicht mehr als hohle Worte und keinesfalls ein fester Plan. Wenn die Europäer sowieso immer weniger Russengas kaufen, lohnen sich die Pipelines erst recht nicht mehr.

Russland bot den Griechen an, Mitglied in der BRICS-Bank zu werden, eine Konkurrenz zu westlichen globalen Geldinstitutionen. Mit einem spärlichen Volumen würde ein Zwergenstaat wie Griechenland allerdings nur Krümel abbekommen. Vor allem weil Athen später auch zu den BRICS-Geldgebern “Nein” sagen und die Kredite nicht zurückzahlen würde.

Alternativ schlugen die Russen vor, wertvolle Assets der Griechen wie Häfen aufzukaufen.

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