Kommentar

Weitere Details aus dem Privatleben des Germanwings-Piloten Andreas Lubitz sickern an die Öffentlichkeit, auch wenn erst am Montag weitere Fahndungsergebnisse offiziell bekanntgegeben werden. Alles deutet darauf hin, dass ihm seine gesamte Existenz und seine Gesundheit in den Händen zerronnen.

Seine Freundin Kathrin G., die er hätte heiraten wollen, sei schwanger gewesen und soll sich wegen seinem narzisstischen, kontrollsüchtigen und aggressiven Verhalten getrennt haben. Auch der spontane Kauf zweier Neuwagen der Marke Audi konnte nichts daran ändern. Nach außen wirkte er selbstsicher, im Privatbereich jedoch wollte er alles kontrollieren: Was sie anzieht, mit wem sie spricht. Er sei ein „Kontrollfreak erster Klasse“ gewesen. Immer benötigte er Aufmerksamkeit, Lob und Zuspruch wie die Luft zum Atmen. Dazu kamen laut Medienberichten regelmäßige Wutausbrüche. Genau dieses Verhalten verscheuchte auch eine weitere Beziehung, eine Stewardess.

Verschlimmernde Augenprobleme kündigten das baldige Ende seiner Karriere, vielleicht sogar seines gesamten Berufslebens an. Fahnder sollen bei der Hausdurchsuchung Berge von Medikamenten gefunden haben. Völlig unbestätigt bisher sind Behauptungen über Tagebucheinträge und dass er seine Medikamente abgesetzt hätte.

Das Frappierende: Er soll Stimmungsaufheller und Stimmungsstabilisierer genommen haben, trotzdem kippte seine Stimmung ins absolute Extrem. Der wohl bekannteste Stimmungsstabilisierer gilt offiziell als „Goldstandard“ und als „das wirksamste Mittel zur Suizidprophylaxe“. Die Antidepressiva vom Typ SSRI werden relativ leichtfertig bei „Burnout“-Diagnosen verschrieben. Oft werden im Rahmen einer Therapie mehrere Präparate durchprobiert, auch gleichzeitig. Manche Experten warnen, dass die immer behaupteten Erfolgsquoten absichtlich von Herstellern übertrieben wurden. Neue Studien legen nahe, dass die Medikamente genausowenig wirksam sind wie ein Placebo, jedoch Nebenwirkungen haben.

Die Massenmedien konzentrieren sich hauptsächlich auf die Diagnose Burnout und Depression, vernachlässigen aber die höchst umstrittenen Nebenwirkungen der Medikamente sowie die wahrscheinliche narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Die meisten Menschen wissen nichts über die narzisstische Persönlichkeitsstörung und können sich deshalb nicht erklären, wie ein Einzelner solch eine verheerende Entscheidung treffen kann. Jemand der „nur“ unter Depressionen leidet, wäre viel wahrscheinlicher alleine im Segelflugzeug gegen den Berg geflogen. Der Narzisst will sich aber an der Welt und „dem System“ rächen, ein Symbol setzen und demonstrieren, dass in Wirklichkeit er die Macht in den Händen hält und er alleine entscheidet, wann und wie er aus der Welt scheidet.

Lubitz als jemand mit einer schweren Persönlichkeitsstörung ist derzeit mit Abstand das solideste aller Szenarien. Als die ersten Meldungen eintrafen über die Auswertungen des Cockpit-Rekorders, konnte man noch verhältnismäßig skeptisch sein. Dann aber kamen nach und nach die fehlenden Puzzleteile. Wie auf Recentr vermutet wurde, hatte Lubitz neben psychischen auch erhebliche körperliche Probleme. Allem Anschein nach Augenprobleme, die eine Arbeitsunfähigkeit und sogar Erblindung mit sich bringen konnten. Narzissten sind normalerweise Überlebenskünstler und suchen sich schnell neue Quellen von Bestätigung und Aufmerksamkeit, fallen aber bei nicht mehr zu managenden Krisen in suizidale Starre und erleben irrationale Wutausbrüche und wollen Rache an der Welt nehmen.

Das wichtigste Beweismittel ist derzeit eine Audioaufnahme aus dem Cockpit. Wer diese kontrolliert, kontrolliert die Ermittlungen und dies sollte ein gesundes Maß an Misstrauen erwecken. Allerdings ließen sich die bekannten, aktenkundigen Fakten über Lubitz aus vielen verschiedenen Kliniken kaum in Nachhinein einfach so komplett erfinden.

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