Interpol und Europol verstärken Zusammenarbeit mit Firma des KGB-ausgebildeten Kaspersky

Die Firma Kaspersky Lab des russischen KGB-ausgebildeten Kryptologen Yevgeny Kaspersky hat die Zusammenarbeit mit Interpol und Europol verstärkt. Man liefert Informationen und Hardware für die Abteilung für digitale Forensik...

Die Firma Kaspersky Lab des russischen KGB-ausgebildeten Kryptologen Yevgeny Kaspersky hat die Zusammenarbeit mit Interpol und Europol verstärkt. Man liefert Informationen und Hardware für die Abteilung für digitale Forensik des Interpol Global Complex for Innovation (IGCI) Office in Singapur und bildet Fahnder aus gegen Cybercrime. Viele ernste Bedrohungen stammen aus Russland, wie etwa die Bankenhacks vor wenigen Wochen, und es bleibt abzuwarten wie sich dieser Interessenkonflikt auswirken wird, denn Kaspersky ist eine russische Firma und steht dem Staat nahe.

Kaspersky kündigte zuvor eine neue Sicherheitslösung für die populärsten virtuellen Servertechnologien an. Unzählige Webseiten weltweit laufen auf sogenannten virtuellen Maschinen vom Typ VMware, Citrix und Microsoft. Über 300 Millionen Kunden weltweit nutzen Produkte des exzentrischen Mannes mit der interessanten Vergangenheit; man hofft darauf zur Nummer zwei weltweit im Bereich Sicherheitssoftware aufzusteigen.

Die Ukraine-Krise würde dem Firmenchef zufolge die internationale Kooperation von Regierungen im Hinblick auf Internetsicherheit behindern. Im vergangenen Herbst schien alles noch in Butter, er erklärte selbstsicher auf der 82. Generalversammlung von INTERPOL, dass die Partnerschaft seiner Firma mit der mächtigen internationalen Polizeiorganisation zu einer „sichereren Welt“ führen werde. Er reiste auch auf Sicherheitskonferenzen der Europäischen Union und nach Straßburg zwecks Schaffung einer „globalen Cyberpolizei“.

Vergangenes Jahr verkündete INTERPOL mit Sitz im französischen Lyon, die Dienste von Kaspersky Lab buchen zu wollen, um Cybercrime und Online-Bedrohungen zu bekämpfen. Was Yevgeny Kaspersky vorschwebt, ist eine neue Art Internet, in dem man nur mit digitalen Ausweisen unterwegs sein kann und die Regierung Kontrolle über soziale Netzwerke hat, weil es momentan „zuviel Freiheit“ gäbe.

„Streng geheim, also kann ich mich nicht erinnern“

Kaspersky Lab mit Sitz in Moskau  ist die Schöpfung von Yevgeny “Eugene” Kaspersky, der auf einer KGB-gesponserten Schule ausgebildete Kryptologe, der zu einem von Russlands berühmtesten Business-Oligarchen geworden ist. Antivirensoftware von Kaspersky zählt zu den meistverwendeten Sicherheitsprodukten weltweit.

„Transnationales Verbrechen kann nicht in Isolation bekämpft werden, die Nutzung der Expertise und des Supports aus dem privaten Sektor gegen Cybercrime ist essentiell,“

erklärte Ronald Noble, INTERPOL Secretary General, gegenüber Journalisten. Noble war einst Undersecretary for Enforcement des US-Finanzministeriums unter Präsident Bill Clinton. Mr. Kaspersky ist offensichtlich erfreut über die neue Partnerschaft, die er seit mehreren Jahren anstrebt:

„Wir übernehmen eine aktive Rolle bei den Ermittlungen gegen internationale Cybercrimes und bieten zu diesem Zweck unsere Expertise, Technologie und Ressourcen für Strafverfolgungsbehörden in verschiedenen Ländern weltweit an.“

Die WELT Online fragte ihn 2009, was ihm die Ausbildung in der KGB-Akademie für Kryptografie brachte:

Kaspersky: Das Wissen von dort habe ich eigentlich so gut wie nicht gebraucht. Was mich die KGB-Akademie aber gelehrt hat, ist Arbeiten.

Man soll ihm das einfach so abkaufen. Wired Magazine fragte ihn, was genau er im Militär getan und was genau er an dem KGB-gestützten Institut für Kryptografie, Telekommunikation und Computerwissenschaften studiert hatte. Seine Antwort:

„Das war streng geheim, also kann ich mich nicht mehr daran erinnern.“

Der Sowjet-Staat existiert nach offizieller Lesart eigentlich nicht mehr, also wäre er technisch gesehen nicht mehr an die Geheimhaltungspflicht gebunden. Es war ausgerechnet sein alter Professor am Geheim-Institut gewesen, der für ihn einen ansonsten eigentlich schwierigst zu beschaffenden Austritt aus der Armee möglich machte und ihn in die Privatwirtschaft brachte. Nichts geht in Russland ohne den Segen der „Siloviki“, den neuen Adel aus alten KGB-Eliten. Nachdem Washington die Entwicklung und den Einsatz der Spionageprogramme Stuxnet und Flame gegen Regime wie das im Iran initiiert hatte, war es Kaspersky Labs das der Operation ein abruptes Ende bescherte. Geht es aber um die Interessen des Kremls, dann klingt Kaspersky nicht mehr wie der Beschützer von Underdogs, sondern seine Rhetorik gleicht der des ehemaligen FSB-Chefs Nikolai Patruschew. Unzufriedene in der Bevölkerung, die gegen das Siloviki-Regime aufbegehren, seien gefährlich. Auch ausländische Webseiten seien eine Bedrohung.

Es wird zunehmend unmöglich in Russland, auf freie Informationen zuzugreifen. Selbst der Besuch bestimmter Webseiten kann einen in das Fadenkreuz der Geheimdienste bringen. Wer einmal angeklagt ist, dem ist die Verurteilung sicher.

Zwischen 2009 und 2010 stiegen laut Forbes die Verkäufe von Kaspersky Antivirensoftware um 177 Prozent auf 4.5 Millionen Einheiten pro Jahr, beinahe so viel wie die beiden Rivalen Symantec und McAfee zusammen. Microsoft, Cisco, and Juniper Networks haben alle Code von Kaspersky in ihre Produkte eingebettet.

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Technologie
3 Comments on this post.

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  • Toxi1965
    15 Oktober 2014 at 13:23
  • Orendel
    21 April 2014 at 18:11

    Wer soviel Kohle macht, kennt kein Vaterland mehr. Diese „Herrschaften“ werden dann in wichtigeres „Ganzes“ eingeweiht und eingebaut.

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  • abgelehnt83
    21 April 2014 at 17:18

    Der russische Bär will Honig und der Eugen soll ihn holen.

    http://gutenberg.spiegel.de/buch/4172/9

    Gut, sagen manche bestimmt dann wieder, immer noch besser als „die“ Amis die alten Schnüffler, schließlich sagt Kreml-TV RT so „waahre“ Dinge, denen traue ich alles zu; für gewisse Leute könnte das allerdings ein honey pot werden…

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