Der mutmaßliche Betreiber des vom FBI geschlossenen illegalen Internet-Auktionshaus für Drogen namens Silk Road hofft nun vor Gericht darauf, sich hinter dem Gesetz verstecken zu können, nachdem er zuvor große Anstrengungen unternommen haben soll, um es zu umgehen. Die Anwälte von Ross Ulbricht werfen den US-Behörden vor, die Silk-Road-Seite ohne richterlichen Beschluss gehackt zu haben, um den Ort des versteckten Servers herauszufinden. Der Staat kontert, dass die verwendete Methode kein Hacking gewesen sei und der Server im Ausland nicht dem Schutz der US-Verfassung unterliege.

Ein Gutachten des Expertenanwalts in Technologiefragen Joshua Horowitz bemängelt die Darstellung des FBI, “irgendwelche Daten” in eine Login-Seite von Silk Road eingegeben und dann die IP-Adresse erhalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft kontert, dass die Webseite offensichtlich kriminelle Kaufgeschäfte von Drogen abwickelte und deshalb der Schutz gegen “unangemessene” Durchsuchungen laut US-Verfassung nicht greift. Der vierte Verfassungszusatz verbietet willkürliche Durchsuchungen ohne hinreichenden Verdacht. Gibt es ernstzunehmende Hinweise auf ein Verbrechen, muss ein Richter entscheiden, ob er einen Durchsuchungsbefehl ausstellt. Bei Silk Road jedoch war es von vorneherein klar, ob Gesetzesbrüche stattfanden.

Die folgenden Wochen werden zeigen, welcher Rechtsauffassung sich das Gricht anschießt. Möglicherweise geht der Fall noch durch mehrere höhere Instanzen und führt zu Grundsatzurteilen. Nachteilig für Ulbricht ist außerdem, dass der Server in einem isländischen Datenzentrum stand, zudem noch von einer externen Webhosting-Firma vermietet wurde und Ulbricht die Nutzerbedingungen verletzte. Besteht Ulbricht auf dem Schutz der Privatsphäe im Hinblick auf den fraglichen Server, würde dies bedeuten dass er zugibt, dass es seiner sei. Ulbrichts Anwälte stellen sich dumm, schließlich könnte ihr Mandant ja nur ein Nutzer der Seite gewesen sein. Die Hoffnung ist, dass die Lokalisierung des Servers für unzulässig erklärt wird, was alle folgenden Beweise unzulässig für den Gerichtsprozess machen würde.

Das FBI meint, man hätte schlicht einen Konfigurationsfehler in der Anonymisierungs-Software TOR ausgenutzt, die Silk Road schützen soll, und eine Fehlermeldung bei der Login-Seite von Silk Road provoziert, die Informationen geliefert hätte. Wenn Ulbricht oder einer seiner Helfer tatsächlich einen Fehler gemacht haben, dann wäre die Information über den Server-Ort öffentlich zugängliche Information.

US-Bundesbehörden haben nach langen Ermittlungen das bekannteste illegale Auktionshaus im Internet namens “The Silk Road” geschlossen, die Server beschlagnahmt und Anklage erhoben gegen den mutmaßlichen Betreiber Ross William Ulbricht wegen Geldwäsche, Drogenhandel und Erteilung von Mordaufträgen.

Besuchen konnte man die Seite nicht ohne weiteres wie jede andere, es war für die Käufer und Verkäufer notwendig, sich über das TOR-Anonymisierungsnetzwerk zu verbinden, dessen Entwicklung ironischerweise von der US-Regierung bezahlt wird und das laut wissenschaftlichen Expertenanalysen nur schwache Sicherheit bietet und mit relativ wenig Aufwand zu enttarnen ist. Die Betreiber verwendeten laut der Anklageschrift TOR-Chat zur Kommunikation, sowie ein internes Email-System.

Bezahlt wurde mit der pseudo-anonymen und heftig umstrittenen Währung Bitcoin, die Umsätze der Auktionen überstiegen eine Milliarde US-Dollar. Anstatt wie üblich Drogen oder Dienstleistungen wie illegale Hacks kaufen zu können, erschien vor ein paar Tagen nur noch der behördliche Hinweis auf den Bildschirmen der Nutzer, dass “diese versteckte Seite beschlagnahmt worden ist”.

Der 29-jährige Betreiber mit Universitätsabschlüssen im Technologiefeld beteuerte unter seinem Alias “Dread Pirate” immer wieder öffentlich, dass er eine Art libertärer oder anarchokapitalistischer Verfechter des freien Marktes sei und die Nutzer seines Auktionshauses niemandem Schaden zufügen würden. Freilich ist eine Entkriminalisierung von Drogenkonsum längst notwendig, vor allem um die exorbitanten Profite des organisierten Verbrechens auszutrocknen. Aber Dread Pirate sackte ja gerade nur deshalb geschätzte 80 Millionen Dollar an Komissionen ein, weil die gehandelten Güter gesetzlich verboten sind. Außerdem wird dem Betreiber vorgeworfen, hunderttausende Dollars bezahlt zu haben für Auftragsmorde gegen Erpresser und gefährliche Störer seiner Plattform. Womit wir wieder beim organisierten Verbrechen wären.

Ein verdeckter Ermittler beschwerte sich über die kleinen Mengen Drogen die gehandelt wurden und suchte einen liquiden Käufer für “mehr als zehn Kilogramm Kokain”. Laut Anklageschrift erklärte der Chef-Pirat, sich bei den registrierten Nutzern mit hohen Umsätzen “umzuhören”, fand dann auch tatsächlich einen geeigneten Kandidaten. Ein wichtiger Mitarbeiter von Ulbricht wurde nach Vollzug des Deals verhaftet. Empört darüber, dass der Verhaftete auch noch Geld von anderen Nutzern gestohlen haben soll, heuerte Ulbricht den Behörden zufolge den verdeckten Ermittler an, die betreffende Person zu verprügeln und das Geld zurückzufordern. Ziemlich bald soll aber das Ganze in einen Mordauftrag erweitert worden sein, um zu verhindern, dass das Opfer plaudert.

Für 80.000$ an kassiertem Geld kamen als Gegenleistung inszenierte Bilder des “Mordes” zurück. Als Antwort erklärte Ulbricht, nun “etwas verstört” zu sein, nichtsdestotrotz in der Zukunft eventuell wieder auf diese Dienste zurückgreifen zu wollen.

Popularisiert wurde The Silk Road nicht nur via Mundpropaganda und schmuddeligen Internetforen, sondern auch durch die Massenmedien, die ihrem Publikum mitteilten, dass es da draußen eine Art ebay für Methamphetamin, Kokain, Marihuana und alles mögliche andere gibt, bei dem die gekauften Artikel per Post zum Kunden kommen.

Käufer und Händler haben nun zu befürchten, dass die Ermittler mit ihren forensischen Teams massenweise Identitäten erhalten und die Verfahren an die zuständigen Behörden weiterleiten. In den Behördendokumenten ist ersichtlich, dass Ross Ulbricht Fehler in seinen Sicherheitsvorkehrungen beging, gleichzeitig aber davon ausging, niemals erwischt werden zu können. Auch vorherige Phantome des Internets, wie etwa die Hacker von Anonymous und Lulzsec, nutzten zu ihrem Schaden TOR und VPN-Dienste. Es wird gemutmaßt über Amtshilfe durch die NSA.

Was sicher ist, sind dilletantische Missgriffe und die gute alte Gier: Erfreut über die Aufmerksamkeit durch die Medien erhoffte sich Ulbricht möglicherweise noch gigantischere Profite. Dass neben gefährlichen Drogen auch kriminelle Dienstleistungen wie etwa Auftragsmorde, Hacks und Identitätsdiebstähle angeboten wurden, war ihm egal.

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