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Ein Kommentar von Alexander Benesch

Da die Hysterie über Umweltauswirkungen der Schiefergasförderung zurückgeht, spielen die Gegner des Frackings verstärkt eine andere Karte und bemängeln die angeblich zu kleinen vorhandenen Ressourcen im Boden. Es erinnert an das Peak Oil-Geschwafel, das bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht und seitdem ständig das Aus des Erdöls prognostiziert.

Sorge bereitet den Kritikern dabei am meisten, daß dem Frack-Fluid geringe Mengen Chemikalien beigemischt werden. Da hilft es auch nicht, daß es in den USA trotz vieler Tausend durchgeführter Bohrungen bislang zu keinem ernstzunehmenden Zwischenfall gekommen ist. Und auch nicht daß von sachkundiger Seite Entwarnung gegeben wird, wie etwa von der University of Texas oder in Deutschland von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die dem Fracking bei sachgemäßer Durchführung ein äußerst geringes Gefährdungspotential zuschreibt.

Die Effizienz der Bohrungen wird konstant gesteigert und neue Methoden erforscht, wie der Einsatz von flüssigem Stickstoff. Das Nachsehen haben hauptsächlich Nationen wie Russland, die außer der Förderung von Gas und Öl kaum eine ernstzunehmende Wirtschaft haben und auf einen möglichst hohen Weltmarktpreis angewiesen sind.

Gaszprom bezahlt zum Beispiel Umweltorgnisationen, die versuchen, das Projekt Southern Gas Corridor auszubremsen. Andere Umweltgruppen in Bulgarien und der Ukraine bekamen Gazprom-Geld um hysterische Kampagnen gegen Fracking zu starten.

Gazprom nutzt die Dienste der amerikanischen PR-Firma Ketchum, die zur Omnicom Group gehört. Unter anderem “korrespondiert” Ketchum mit dem berühmten Tribeca Film Festival und eruiert dort Sponsoring-Optionen. Was für ein Film lief bei dem Festival letztes Jahr? Der Anti-Fracking-Dokumentarfilm “Gasland Teil 2”. Der Streifen war dermaßen schlecht, dass er schnell auf Youtube landete ohne eine anderweitge größere Distribution zu bekommen.

Der Absolvent der teuren Elite-Uni Columbia Josh Fox bekam für den ersten Teil des Dokufilms beim Sundance Film Festival 2010 gleich den Special Jury Prize for Documentary, wurde für vier Emmys nominiert, bekam einen Emmy für beste Regie und viele weitere Preise. Die Öl- und Gasindustrie konterte mit dem Film “Truthland”, auch viele andere fanden heraus, dass Josh Fox so manches in seinem Film einfach unterschlagen hat, beispielsweise die Ursache des berüchtigten brennenden Wassers aus dem Wasserhahn: Bereits in den 70er Jahren, also lange vor irgendwelchen Fracking-Aktivitäten, gab es Verunreinigungen von Trinkwasser durch Methangas.

Das Colorado Department of Natural Resources sah sich gezwungen, wegen all den Falschdarstellungen in der Doku ein ein Dokument mit Richtigstellungen zu veröffentlichen. Auch Fox’ Behauptung, dass laut Ingenieuren der “Society of Petroleum Engineers” 35% aller Quellen weltweit lecken, ist praktisch frei erfunden. Ein weiterer Kernpunkt ist die falsche Behauptung, dass das Energie-Gesetz von 2005 die Öl- und Erdgasindustrie vom Gesetz für sicheres Trinkwasser und ähnliche Regeln ausnehmen würde. Was will Fox statt Fracking? Den Plan von Mark Jacobson für erneuerbare Energien: Weltweit 3.8 Millionen große Windräder, 90.000 Solaranlagen und unzählige weitere Anlagen.

Die Publikation Voice of Russia macht auch mächtig Stimmung gegen Fracking, ähnlich wie das TV-Netzwerk Russia Today.

Wie sieht es mit der Umweltbilanz aus von Gazprom und anderen russischen Unternehmen? Pipelines brechen an rund 25.000 verschiedenen Stellen pro Jahr. Greenpeace schätzt dass 5 Millionen Tonnen Öl auslaufen, das Siebenfache der Katastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Firmen wie Lukoil, mit Umsätzen von rund 80 Milliarden $, bekommen Geldtrafen von geradeeinmal 28.000$ für 14 Öllecks.

Bohrungsprojekte in der Barentsee könnten schnell 3000 Kilometer Küste verseuchen.

Die europäischen Gasreserven die sich durch Fracking fördern ließen, sind schwierig zu schätzen. Pro-Russland-Propagandisten und industriefeindliche Grüne untertreiben die Mengen vehement. Die US Energy Information Administration schätzt hingegen 470 Billionen cubic feet. Matt Riley schrieb:

[Die Ausbeutung von] Schiefergas führt nicht zu Erdbeben, Wasserverschmutzung oder zum Gebrauch giftiger Chemikalien. Windturbinen richten viel mehr Schaden an.

Beginnen wir mit der Behauptung bzgl. des Grundwassers. Die Gesamtzahl der Verunreinigungen des Grundwassers entweder durch Fracking-Flüssigkeiten oder Methan als Folge von Fracking in den USA beträgt Null. Eine Behauptung nach der anderen stellte sich als unwahr heraus. Die EPA hat ihre Untersuchung bei Dimock in Pennsylvania abgeschlossen und war zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine Beweise für eine Verschmutzung gab; sie hat ihre Behauptung zurück gezogen, dass Bohrungen in Parker County, Texas, dazu geführt haben, dass aus den Wasserhähnen der Menschen Methangas geströmt ist. Und sie hat ihre Anklagen wegen Wasserverschmutzung in Pavilion, Wyoming, aus Mangel an Beweisen fallen gelassen. Zwei vor Kurzem erschienene begutachtete Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Vergiftung von Grundwasser durch Fracking „physikalisch nicht plausibel“ ist.

Der Film Gasland zeigte den Fall einer durch und durch natürlichen Verunreinigung von Wasser, und der Regisseur wusste das auch, hat aber trotzdem so getan, als rühre diese Verunreinigung vom Fracken her. Ernest Moniz, der Energieminister der USA, sagte diesen Monat: „Ich habe immer noch keinen einzigen Beweis für die Verschmutzung von Grundwasser durch Fracking per se gesehen“. Zehntausende Bohrlöcher, zwei Millionen vollendete Fracking-Operationen – und nicht ein einziger nachgewiesener Fall einer Grundwasser-Verschmutzung. Natürlich kann es eines Tages doch passieren, aber nur wenige Industriezweige können eine so vorteilhafte Verschmutzungs-Statistik vorweisen.

Als nächstes zur Behauptung, dass die Erzeugung von Schiefergas mehr Methan freisetzt als Kohle. (Methan ist ein stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid, verbleibt aber kürzer in der Atmosphäre, und die Konzentration steigt derzeit nicht sehr stark). Diese Behauptung hat ihren Ursprung in einem Biologieprofessor in Cornell, mit dem man ein Hühnchen rupfen sollte. Studie für Studie wurde dies widerlegt. Ein Team vom Massachusetts Institute of Technology hat es so ausgedrückt: „Es ist falsch zu sagen, dass hydraulisches Brechen im Zusammenhang mit Schiefergas die Intensität der Treibhausgase der Erdgas-Erzeugung substantiell verändert hat“.

Dritte Behauptung: Fracking verbraucht zu viel Wasser. Der Guardian hat vor einigen Tagen mit einem Bericht aufgewartet, in dem impliziert wurde, dass eine Stadt in Texas wegen des für Fracking verbrauchten Wassers auf dem Trockenen sitze. Und dies, obwohl in Texas nur 1 Prozent des gesamten Wassers für Fracking verwendet wird; in den USA insgesamt sind es 0,3 Prozent – weniger als für das Wässern von Golfplätzen. Falls Teilen von Texas wirklich das Wasser ausgeht, mache man die Landwirtschaft dafür verantwortlich, den bei Weitem größten Verbraucher.

Viertens, die einst so neutrale BBC  hat in einem Hintergrundbericht erklärt, dass Fracking „Hunderte Chemikalien“ in den Felsen treibe. Falsch um eine ganze Größenordnung! Die Fracking-Flüssigkeit besteht zu 99,51 Prozent aus Wasser und Sand. In den verbleibenden 0,49 Prozent stecken 13 Chemikalien, die man allesamt auch in der Küche, im Badezimmer oder in der Garage findet: Zitronensäure (Zitronensaft), Chlorwasserstoff (Schwimmpäder), Glutaraldehyd (Desinfektionsmittel), Guarkernmehl (Eiskrem), Dimethylformamid (Plastik), Isopropanol (Deodorant), Borsäure (Handwaschseife), Ammoniumpersulfat (zum Haare färben), Kaliumchlorid (intravenöser Tropf), Natriumkarbonat (Geschirrspüler), Äthylenglykol (Enteiser), Ammonium-Bisulphit (Kosmetika) und Petroleum-Destillat (Kosmetika).

Und was Erdbeben betrifft – die definitive diesbezügliche Umfrage der Durham University aller induzierten Erdbeben über viele Jahrzehnte hinweg kam zu dem Ergebnis, dass „fast die gesamte seismische Aktivität (durch Fracking) von so geringer Größenordnung war, dass nur Geowissenschaftler in der Lage gewesen sind, sie zu entdecken“. Bergbau, Geothermie und Wasserspeicherung im Untergrund verursachen mehr und größere Beben.

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8 comments

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schimmelbub 16. Oktober 2014 at 20:14

Da geb ich meinem Vorredner recht.
Alex sag uns/mir mal bitte warum wir aus deiner Sicht Fracking betreiben sollten?
Aucb in Hinsicbt auf Ziel und Dauer des Frackings.
Bitte schreib was hierzu!

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testbert 10. September 2014 at 2:01

Zahlen über Zahlen..
da kommt ja keiner mehr mit..
*hust
hier die Gas-Import-Statistik bis 2013 von destatis.de:
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Aussenhandel/Handelswaren/Tabellen/Erdgas.html

uhhh… muss das weh tun!
für so einen US-Liebhaber..

btw. ist es als Vater eigentlich kein Problem,
zu propagieren:
die Umwelt zu verballern, nur um absehbar kurzfristigen ‘Return bzw Profit’ verzeichen zu können?
ich würde da fix den Shop anklicken und die Gas-Maske orden.. zum Glück überlebe ich dann den Peak.. lol 🙁

so stelle ich mir ehrlich gesagt die Zukunft unseren Seins nicht vor.. *hust

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testbert 10. September 2014 at 1:23

An den nicht vorhandenen Kommentaren(sorry Karl)
erkennt man, dass die Leser hier sich jeden noch so grotesken Shice gefallen lassen..

was hat alex nichmal studiert..

egal, zum Thema:
1. Gasland ist ein Arte-Film zum Thema => anschauen!
2. die Gas-Förderung ist gerade einmal 10.6% der Energieerzeugung in DE:
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/Energie/Erzeugung/Erzeugung.html

3. Wer das intervenieren der USA in Europa nicht sieht, tut mir leid!
3a. Russland hat seit Jahrzehnten zuverlässig Gas geliefert – wiso sollte man jetzt, im Sep-2014 plötzlich Angst bekommen?

ich breche hier ab..
Glück auf

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Karl Johnson 6. September 2014 at 20:43

Was Peak Oil angeht liegst Du definitiv falsch! Hast Du dich mit dem Thema überhaupt ernsthaft auseinandergesetzt?
“Es erinnert an das Peak Oil-Geschwafel, das bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht und seitdem ständig das Aus des Erdöls prognostiziert.”
So ein Bullshit! Peak Oil bezeichnet nicht das Ende des Erdöls, sondern sein Fördermaximum! Lies Dich doch mal bitte in das Thema ein und denk ein bisschen mit. Öl ist nun mal begrenzt, folglich kann die Förderung nicht bis in alle Ewigkeit gesteigert werden, das ist ganz einfache, simple Logik.
Du hast auch mal in einem Deiner Videos die abiotische Theorie anklingen lassen. Selbst wenn die wahr wäre, so wäre das Erdöl dann ja nicht in 100 Mio Jahren, sondern in 5 Milliarden entstanden, also noch langsamer als bei der gängigen Theorie. Auch konnte mir bisher noch kein Vertreter der abiotischen Theorie erklären, wie das CO2 wieder zurück in den Boden gelangen soll, wo es dann wieder in O2 und C gespalten wird.
Peak Oil ist in dem Sinne auch keine Theorie, sondern ein ganz einfaches Modell, dass sich mathematisch, also streng logisch(!) aus dem folgenden Axiom herleiten lässt:
“Unsere Erde ist nicht unendlich groß”,

Da unsere Erde nicht unendlich groß ist, kann die Förderung von keinem Mineral, Ressource, oder sonstwas bis in alle Ewigkeiten gesteigert werden. Und den Höhepunkt dieser Förderung nennen wir dann eben Peak Oil.

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testbert 6. September 2014 at 12:44

Wie gut die Menschen in der Erdkruste zurecht kommen,
hat jeder bei DeepWater-Horizon erleben dürfen.
Das ÖL/Gas Firmen keine Lekagen produzieren ist natürlich ganz klar :wall

Hirn einschalten hilft vielleicht..

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kill1 11. September 2014 at 13:57

nicht jeder firma agiert so korrupt und rücksichtslos wie BP. nur weil BP scheisse gebaut heisst das nicht das man gleich allen anderen firmen das bohren verbieten sollte. es ist klar das man die firma bestrafen sollte wenn sie mist gebaut hat. es ist falsch gleichzeitig auch andere dafür zu bestrafen.

man verbietet ja auch nicht allen menschen direkt das autofahren nur weil einer einen unfall damit baut.

alle birgt letztlich risiken. wenn der nutzen geringer ist als das risiko dann sollte man es machen. bzw. sollt das jeder selber entscheiden.

aber sozialisten besitzen eh keine logik, moral, vernunft, anstand usw.
hauptsache alle über einen kamm scheren und allen alles verbieten.

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kill1 11. September 2014 at 13:58

edit: “wenn der nutzen größer ist als das risiko dann sollte man es machen. bzw. sollt das jeder selber entscheiden.”

so sollte es heissen 🙂

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