Jan_delay-400

Ein Kommentar von Alexander Benesch

Vom Rapper zum Raggae-Artist, dann Popmusiker und nun Rocker: Jan Delay scheint wandelfähig, aber das bezieht sich leider nur auf seine Musik. Die linke Alt-68er-Erziehung die er genossen hat, wird man nie aus ihm rausbekommen. Sein neues Album heißt “Hammer & Michel”. Der Name erklärt bereits das gesamte Konzept: Verachtung gegen die Bourgeosie und Affinität zum Sozialismus. Alles wenig verhüllt hinter Wortspielchen. Vor Jahren wollte er auf seinem Reggae-Album in dem Lied “Söhne Stammheims” fragen, “wo die Terroristen sind”:

nun kämpfen die Menschen nur noch für Hunde und Benzin,
folgen Jürgen und Zlatko und nicht mehr Baader und Ensslin,
die, die Unheil und Armut und Krankheit verbreiten,
für sie herrschen sorglose Zeiten,
da kein bisschen Sprengstoff sie daran hindert, ihre Geschäfte zu betreiben,
endlich ham sie keine Angst mehr,
verkaufen fröhlich ihre Panzer,
jeden tag sieben Kinder abschieben,
und dann zum Essen mit dem Kanzler…

endlich sind die Terroristen weg,
und es herrscht Ordnung und Ruhe und Frieden,
und man kann wieder sicher Mercedes fahren,
ohne dass die Dinger immer explodieren.

Er forderte auch offen die Freilassung des RAF-Terroristen Christian Klar. Er könne sich vorstellen, dass die Kids später einmal “Baader-Meinhof-Shirts statt Che-Guevara-Shirts tragen werden.” Auf Drängen seines Vaters habe er den Song Söhne Stammheims entschärft.

“Mein Vater hat mich vor mehr Ärger bewahrt, als ich mit dem Song so schon hatte. Aber der Song hatte auch recht.”

Auf die Frage, ob man denn zumindest heute zum Protest Autos anzünden dürfe, antwortet er aktuell:

“Dazu darf auch ich nichts mehr sagen. Das musste ich gerichtlich unterschreiben.”

2007 begrüßte er das Anzünden von Autos, solange keine Menschen zu schaden kommen. Die Kids bräuchten wieder linke Idole.

Die RAF war eine Ansammlung politisch behinderter Sektierer, die im Ernst die kommunistischen Diktaturen im Osten abfeierten. Das auch heute noch unter Linken verbreitete Konzept der kommunistischen Stadtguerilla stammt direkt von Mao, der systematisch mehr als 40 Millionen seiner Landsleute verhungern, gnadenlos ausbeuten und terrorisieren ließ. Jahr für Jahr hatte Mao neue Schnapsideen, die mit aller Gewalt der Bevölkerung aufgedrängt wurden.

Delay wirkt wie jemand, der geistig im Alter von rund 16 Jahren stehengeblieben ist. Vielleicht liegt das am vielen Marihuana? Sogar sein Künstlername “Delay” bedeutet auf Deutsch “Verzögerung”. Verzögerte Entwicklung? Er sollte sich fragen, wieviele sozialismusfeindliche, revoluzzerische Künstler im Ostblock denn so Platten verkaufen und Konzerthallen füllen durften.

Alles an Delay ist irgendwie Nostalgie. Albumnahmen wie “Wir Kinder vom Bahnhof Soul”, die altmodischen Hüte die er auf der Bühne trägt, seine musikalischen Partner wie Udo Lindenberg, analoge Instrumente.

Er will zurück in die 1970er Jahre, wo die linke Fantasiewelt noch in Ordnung und klar umrissen schien. Es gab die UdSSR, China war noch nicht die Sklaven-Fabrik für kapitalistische Projekte und das westliche Establishment war noch nicht durchweg sozialistisch-grün-öko wie heute. Er gesteht, ein nützlicher Idiot für die kommunistische Sache zu sein:

“Ich bin Musiker, von der Hälfte der Themen habe ich keine Ahnung.”

Trotzdem will er mit einer verstaubten Geisteshaltung aus den 1970er Jahren seine subversive Agitprop-Nummer durchziehen, eingekleidet in Humor und unter Ausnutzung der Freiheiten, die es im Sozialismus nie gab.

…man nimmt den Kapitalismus hin als notwendiges Übel. […] Ich kann gegen Konzerne labern und trotzdem Nikes tragen. Das ist dann halt so. Cool, fett und geil.

“Cool”, “fett” und “geil” sind alles gängige Begriffe aus den 1990er Jahren.

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14 comments

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Stefan 16. April 2014 at 12:45

Alle sind vergiftet 😛

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André 11. April 2014 at 23:45

ihr habt echt alle sorgen…kreativer künstler…top…neue platte leider ne riesen enttäuschung…schlimmer ist nur noch was aus dieser “sendung hier geworden ist”…ende der durchsage

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asdf 13. April 2014 at 12:44

Ach, bist du beleidigt, weil man dein Steckenpferd angegriffen hat?

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Unbekannt 11. April 2014 at 17:25

Berichtigung lieber Herr Benesch. Das Konzept der Stadtguerilla stammt von Carlos Marighela. In Deutschland (meist nur antiquarisch) erhältlich unter:

Marighela, Carlos (1969): Handbuch eines Stadtguerillero, in: Dertez, Conrad (1971): Zerschlagt die Wohlstandsinseln der Dritten Welt, rohwolt, S. 39-84.

Das Konzept hat auch keinerlei Verbindung zu Mao’s “Guerilla”, obschon dessen “Theorie des Gurillakrieges” fünf Jahre zuvor im selben Verlag erschein. Das Wort “Guerilla” wurde dabei nicht von Mao benutzt und ohnehin beschreibt dieser (“didaktisch” stark überzogen) ein vollkommen anderes Konzept (“Mobilisierung” der Bauern und der Kleine Krieg als Übergangsstufe zum Aufbau regulärer Verbände). trotz der ieologischen Nähe beider Autoren haben die Konzepte nichts miteinander gemeinsam. Das mag am Aussagewert ihres Kommentars nichts ändern…eine kausale Brücke (außer einer ideologische-verklärenden) zwischen Mao und der “Stadtguerilla” bestand mithin nicht.

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Rapbell aka Revo 11. April 2014 at 16:59

http://www.youtube.com/revoone23

oder zu empfehlen ist auch pal one oder tatwaffe

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Rapbell aka Revo 11. April 2014 at 16:56

Um es in den Worten von Lakmann zu sagen : ” Für mich ist Jan Delay immer noch SCHEISS Eisfeldt ”

Bin selber Rapper und muss mich bei solchen Dingen schon fremdschämen. Die meisten im Rap sind linke Idioten. Das ist manchmal wirklich ein riesen abfuck wenn man damit groß geworden ist

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vollbremsung 11. April 2014 at 16:21

Treffender Kommentar. Beim Knilch Delay ist der Name halt Programm: sozusagen von gestern. Allerdings ist sein Band-Drummer (Jost Nickel) hörenswert.

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patrik 11. April 2014 at 11:19

schon mal kommando bauchladen gehört? da prangert er die gleichmachung an 😉 und auf den letzten 2 alben war auch nicht viel mit sozialismus.
hammer und michel klingt schon nach sozialismus, aber ich glaube das mit “michel” der deutsche gutmensch gemeint ist und er dazu den passenden hammer liefert.
was es genau wird, werden wir am 14. erfahren 😉

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Pascal 11. April 2014 at 13:23

Michel bezieht sich auf das Hamburger Wahrzeichen die St. Michaeliskirche (kurz Michel genannt von den Hamburgern) würd ich sagen. Der Hammer vieleicht auch eine Anspielung auf den Track “Hammerhart” (währe wieder das “früher war alles besser” Schema)?!? Auf Grund der sehr starken Hamburger linken Scene (jung wie alt), seiner Ausführungen zu den “linken Themen”(Schanze etc.) in Hamburg und alleine schon der Titel Bambule, eines der ersten Beginner Alben, würde ich Jan Delay auch dort einordnen.

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HeathenMan 11. April 2014 at 11:11

Trotzdem recht haltlos zurückgebliebenheit auf cannabiskonsum zurückzu führen oder?ich will die schädigende (für unter 18 jährige irrepable) wirkung auf die nervenenden nicht schönreden, aber bei aller wut gegen die angeprangerte person sollte man doch nicht die sachlichkeit missen lassen.

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Geran 11. April 2014 at 10:04

Tja der Jan nennt sich ja schon so wie er denkt:

Delay = Spät oder verspätet ….

Ich persönlich konnte dem Typen noch nie was abgewinnen und was er “Singen” nennt ist für mich nasales Gequacke. Offensichtlich habe ich nicht verpasst, wenn ich mir die Zitate vom Artikel durchlese.

Danke Alex 😉

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AlexBenesch 11. April 2014 at 10:25

Das hatte ich voll verpasst: Delay heißt Verzögerung!

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Orendel 11. April 2014 at 9:57

Schwallernde Werkzeuge der Gesellschaftsformer. Geschmeiß. Irgendwann demnächst wird auch noch das Immunsystem anschlagen, dann ist so ein Drops eh gelutscht.

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Niko 11. April 2014 at 9:45

Lustig , gestern hab ich mal wieder eine Beginner CD rausgekramt und mir sowas ähnliches gedacht , mit 16 fand ich das linke Geschwätz noch voll cool und jetzt kam ich bei jedem Lied irgendwann an eine Stelle wo ich wegen irgend nem dummen Satz aufs nächste geskipped habe.

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