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Von Alexander Benesch

Kommentierte Auszüge aus Reinhard Königs “New Age”

„Ganzheitliche“ Medizin

Die moderne Notfallmedizin und Chirurgie leisten Erstaunliches – selbst Schwerverletzte können heutzutage gerettet werden. Geht es jedoch um Prävention und Behandlung von Krankheiten, sieht es sehr schlecht aus. Die Industrie zieht es vor, aus Menschen abhängige „Dauerkunden“ zu machen. Bei dem größten Killer, den Herz-Kreislauferkrankungen, könnte eine Prävention durch Nährstoffe und körperlicher Bewegung all die tollen Maschinen und teuren Notmaßnahmen überflüssig machen. Die Krebsmedizin ist ein teures, ineffizientes und für den Patienten furchtbares Desaster. Die Gründe für die Misere liegen einerseits bei der Kriminalität innerhalb der Industrie, andererseits bei der mangelnden Selbstverantwortung der Menschen. Die Menschen wollen, wenn das Problem erst einmal akut ist, irgendeine schnelle und einfache Lösung.

Wenn nun eine bestimmte Ideologie, wie die des New Age, verlockende und „einleuchtende“ Strategien zur Gesunderhaltung und Heilung verkündet, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass mit den medizinischen Strategien auch die allgemeinen Strategien des New Age weiterentwickelt werden.

Die New Age-Szene wirbt mit allerlei Methoden, die natürlich wieder als „verbotenes, unterdrücktes Wissen“ vermarktet werden, obwohl man die Bücher und Filme an jeder Ecke bekommen kann und es auch so manche Bestseller in dem Bereich gibt: Blitzheilung mit Hilfe der Quantentheorie, fernöstliche Energie-Chakren-Heilung, Handauflegen oder Heilungen durch „positive Gedanken“. Hinter der scheinbaren Vielfalt stecken eigentlich immer die gleichen New-Age-Glaubensinhalte.

Es wird versucht, die geistigen Ursachen für die in dieser Lehre vorausgesetzte Disharmonie zwischen Körper und Geist zu beseitigen. Die noch immer bedrohliche Krebserkrankung wird ebenfalls als ein Zustand angesehen, der durch eine Disharmonie des Körper/Geist-Systems hervorgerufen wird. Die Vertreter der „ganzheitlichen“ Medizin sehen eine Behandlungschance in der positiven Beeinflussung des Geistes.

Nichts anderes steckt auch hinter der „Germanischen Neuen Medizin“ nach Ryke Hamer. Dieser ehemalige Arzt nahm vor vielen Jahren seinen Sohn mit auf eine Bootstour mit italienischen Aristokraten, von denen einer besoffen mit einer Waffe um sich feuerte und den Sohn verwundete, worauf dieser verstarb. Zu allem Übel bekam Hamer danach auch noch Krebs. Anstatt sich in Psychotherapie zu begeben, erlebte er einen Bruch mit der für ihn unerträglichen Realität. Er erfand sich mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung neu als Retter der Menscheit, als genialster Mensch mit der größten Entdeckung der Menschheitsgeschichte. Er nahm einfach die Grundzutaten der New Age-Medizin und bastelte sein eigenes System daraus. Alle möglichen Konflikte und Ängste im Leben würden „Programme“ im Körper auslösen, Tumore beispielsweise seien Teil des Heilungsprozesses. Nur wenn man den Konflikt löst, geht alles heil aus. Es ist das altbekannte New-Age-Strickmuster in neuer Verpackung. Eine Disharmonie müsse aufgelöst werden und der Patient würde daraufhin gesunden. Negative Gedanken oder gar Zweifel an Hamers Methode gefährden natürlich die Heilung.

Der Mann zog wie ein Wanderprediger durch die Lande und hinterließ überall einen Berg Leichen. Mehrmals entzog er sich dem Arm des Gesetzes. Wann immer jemand draufging und der Fall Aufmerksamkeit erlangte, erklärte Hamer im Nachhinein, dass jene Person einer Verschwörung zum Opfer gefallen wäre oder die Hamer’sche Behandlung nicht richtig durchgeführt hätte. Er agiert wie ein archetypischer, hochstaplerischer Heiler-Schamane. Im Nachinein erklären er und seine Sektenjünger jedes Endergebnis auf eine Art, die Hamer als Helden oder zumindest als Unschuldigen aussehen lässt.

Hamer trägt Mitschuld an dem Tod seines Sohnes und möglicherweise durch seine Lebensweise auch Mitschuld an seiner Krebserkrankung. Anstatt sich dies einzugestehen, entschied er sich, seinen Anteil an der Misere zu verdrängen und in den folgenden Jahrzehnten andere Menschen dahingehend zu manipulieren, dass sie sich selbst oder ihre Kinder ins Elend reißen. Er brachte tatsächlich viele Leute dazu, sich Schuld aufzuladen.

Die Masche ist immer die Gleiche: Den Betroffenen oder den Eltern der Betroffenen wird eine falsche Hoffnung auf eine einfache Heilung ohne Chemotherapie gemacht und darauf folgt eine immer stärkere Indoktrinierung mit der Heilslehre. Angehörige und Freunde der Betroffenen, die Zweifel und Kritik an der Methode äußern, gelten als Gefährder, die mit ihren negativen Schwingungen/Energien/Gedanken den Heilungsprozess gefährden. Die Schwester des Franzosen Serge B. berichtete:

Mein Bruder hatte beschlossen, seine beiden Therapien im Krankenhaus abzubrechen und wandte sich Scharlatanen in der Gegend Rhône Alpes zu. Darunter eine Kinesiologin, er sieht die Frau des öfteren und fühlte sich nach jedem Besuch leichter und glücklich, sie gesehen zu haben. Er müsse nun an sich und seiner Familie „arbeiten“, um zu verstehen, warum er krank wurde. Ein „Doktor“ der Methode „Decodage biologique“ (deutsch: „biologische Decodierung“) gab ihm die gleichen Empfehlungen wie die Kinesiologin. Serge bat mich schließlich, ihn zu besuchen, da sein Krebs fortschritt. Wegen des Tumors begann sein rechtes Auge, aus der Augenhöhle herauszutreten.

Von einem bestimmten Zeitpunkt an glaubte er an eine durch mich ausgelöste Leukämie, gleichzeitig sei ich jedoch nicht für seinen Tumor im Sinus maxillaris verantwortlich, vielmehr würde er in die Gironde reisen, um der Familie bestimmte Fragen zu stellen, um zu erkunden, warum der Tumor entstanden sei. Ich war wie am Boden zerstört.
Ein Heilpraktiker (naturopathe) schickte ihm per Email Links zu einer Klinik, die eine biologische Medizin betreibe und Serge hatte vor, dahin zu gehen!!!!

Wir waren hilflos gegen diese Behandlung, er glaubte daran. Indoktriniert, blind geworden durch die Einredungen, magerte er ab, aber für ihn war das normal. Unsere Mutter, eine starke und mutige Mama, konnte nur durch ihre Duldsamkeit und Pflege seine Schmerzensschreie beruhigen und die Blutungen pflegen… Sein Tumor wurde sichtbarer, er kam über das rechte Auge heraus.
Im April 2008 akzeptiert Serge widerwillig einen Krankenhausaufenthalt, obwohl ihn seine Beine nicht mehr trugen, hätte er das Krankenhaus auch verlassen können. Mein Bruder beendete das Leben als Blinder unter schrecklichen Schmerzen, sein Tumor breitete sich im Inneren des Kopfes über das ganze Gesicht aus.  Ab dem ersten Tag im Krankenhaus lassen sich die Scharlatane nicht mehr sehen, sie lassen ihn fallen. Es sind fünf.

Die richtig fanatischen Anhänger jeglicher New Age-Medizin scheren sich eigentlich nicht wirklich um den Patienten. Im New Age ist ein Toter sowieso keine Tragödie, der wird ja angeblich einfach per Reinkarnation wiedergeboren, bekommt eine neue Chance wie Super Mario im Videospiel oder er ist „befreit“ von seinem körperlichen materiellen Gefängnis. Es geht nicht um den Patienten, sondern nur um die Verbreitung der Sekte.
Hardcore-Sektierer teilen die medizinische Welt ein in zwei Kategorien: Die böse Schulmedizin und die gute New Age Medizin. Etwas anderes gibt es angeblich nicht. Lehnt jemand die New Age-Idiotie ab, wird derjenige angegriffen und als Befürworter der Chemotherapie bezeichnet. Die Masche der Sektierer wäre dahin, wenn es abseits der Notfallmedizin mehr anständige wissenschaftliche Medizin gäbe. Selbstverständlich werden die Hochstapler, wenn sie erstmal Tote zu verantworten haben, strafrechtlich und zivilrechtlich verfolgt. Dies wird von den Gurus und den Sektierern natürlich wieder nur als Selbstbestätigung gewertet. Man sei „verfolgt“, die eigene Lehre „unterdrückt“. Jeder Verrückte der in die Psychiatrie gehört, spielt sich auf als der nächtse Gustl Mollath.

Die Transformation

Wie wird jemand zu einem richtig verschworenen, aktiven Missionierer für das New Age-Sektierertum? Das ganze verläuft grob in vier Stufen:

1. Einstieg
Er kann durch alles ausgelöst werden, was unser altes Weltverständnis, die alten Prioritäten aufrüttelt. Gelegentlich handelt es sich dabei um eine aus Langeweile, Neugier oder Verzweiflung vorgenommene „Ersatz“-Invstition: Ein Zehn-Dollar-Buch, ein Hundert-Dollar-Mantra, ein Volkshochschulkurs. Für die meisten ist dieses auslösende Moment eine spontane, mystische oder psychische Erfahrung gewesen, die sich genauso schwierig erklären wie vereinen lässt. Oder es stellt sich als intensive, alternative Wirklichkeit dar, die durch eine psychedelische Droge ausgelöst worden ist.

Im Internet-Zeitalter heißt es: „Hey, sieh dir diesen Film auf Youtube an!“ oder „Lies dieses Verschwörungsbuch!“ Zuerst kommen meist (weltliche) Fakten, die den Leser bzw. Zuschauer beeindrucken, sein bisheriges Weltbild erschüttern sollen. Zwischendrin eingeschoben werden mehr oder minder subtil die New Age Inhalte. Am Ende des Films oder Buchs kommt dann die richtige Einführung die Welt des New Age. Das Strickmuster lautet: Die Probleme der Welt seien übernatürlicher, magischer Natur. Also könne man diese Probleme nur durch übernatürliche, magische Kräfte lösen.

2. Erforschung
Nachdem der einzelne spürt, dass es etwas Wertvolles zu finden gilt, beginnt er mit Vorsicht oder Enthusiasmus danach zu suchen. Möglicherweise versucht man eine besonders lohnende Erfahrung zu wiederholen [wie zum Beispiel ein spannendes Drogenerlebnis oder ein besonderes Gruppenritual oder das Bombardiert-werden mit Liebe und Aufmerksamkeit durch indoktrinierte Gruppenmitglieder]. In dieser Phase werden dann verschiedene Techniken und Lehrer durchprobiert – man vergleicht wie bei Einkaufen.

Dieses „Shopping“ verläuft nicht nach dem Grundsatz „Was ist am akkuratesten und glaubwürdigsten“ sondern „Was gefällt mir am besten und gibt mir die meiste Hoffnung“.

3. Integration
Die Intuition ist über das reine Verständnis hinausgewachsen. Der einzelne experimentiert, läutert sich, prüft Ideen, verwirft dieselben, schärft seine Sichtweise und dehnt seine Bewusstheit aus.

Man könnte es auch als Radikalisierung bezeichnen. Wurde man Anfangs noch angelockt mit Versprechen wie „Verbessern sie total ihr Leben mit nur zweimal fünf Minuten Meditation am Tag!“ verbringt man nun vielleicht schon Stunden täglich in diesen anderen Sphären oder mit anderen religiösen Tätigkeiten. Hat das Ganze begonnen mit einem einzelnen Wochenendseminar, frisst die Sekte nun immer mehr Freizeit und Geld auf. Man blickt verächtlich und mitleidig auf diejenigen herab, die nicht dem „Weg der Erleuchtung folgen“. Man bricht auch zunehmend den Kontakt ab zu Nicht-Gläubigen, die sich nicht rekrutieren lassen. Diese Nicht-Gläubigen reagieren ihrerseits mit Ablehnung und Rückzug, was den Sektierer in seiner Haltung bestätigt, besonders und anders zu sein.

4. Verschwörung
Es handelt sich hier um eine Verschwörung, die dazu bestimmt ist, eine Transformation zu ermöglichen – nicht um diese jenen aufzudrängen, die dafür weder reif noch daran interessiert sind; die Transformation sollte jenen ermöglicht werden, die nach ihr dürsten.

Man hat es mit indoktrinierten Menschen zu tun, für die der Zweck die Mittel heiligt. Alles was die globale New Age-Bewegung fördert, gilt als „gut“, alles was ihr schadet, als „schlecht“. Tarnen und Täuschen ist an der Tagesordnung. Gruppen lügen die Außenwelt und die äußeren Schichten ihrer Organisationen an. Man infiltriert weltliche, populäre Bewegungen, hängt sich an alles dran was populär ist: Konservative Kreise, die Verschwörungsszene, Medizin, Antikriegsbewegung etc. Die weltlichen Themen sind nur Mittel zum Zweck, nur eine Pflichtübung. Die Kür, das eigentliche Ziel, ist die Rekrutierung für New Age.

Psychedelika als Einstiegsdroge

Nahezu alle Autoren des New Age sehen in psychedelischen Drogen- wie etwa dem LSD – geeignete Instrumente zur Bewusstseinserweiterung.

Psychedelika sind aus der menschlichen Kultur nicht wegzudenken und hatten wahrscheinlich mehr Einfluss auf das historische Geschehen als wir wahrhaben wollen. In seriösen Büchern wie „Handbuch der Rauschdrogen“ werden wissenschaftliche Studien geschildert mit sauberen Psychedelika an physisch und psychisch gesunden Menschen unter medizinischer Überwachung. Die meisten Versuchspersonen beschrieben das Erlebnis als sehr positiv, vergleichbar mit der Geburt des ersten Kindes. Manche fanden es nervig und nutzlos.

Die Psychotherapie hat sich auch experimentell Drogen bedient und ein paar Erfolge erzielt, wie der gewünschte Effekt einer Abschwächung neurotischer Denk- und Verhaltensmuster durch das populäre Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Dummerweise kann die Substanz bei etwas längerem Konsum bereits zu Regress führen, kindlichem unvernünftigem Verhalten und mit einer Person, die wie ein patziges Kind reagiert, lässt sich schlecht arbeiten. Auch Narzissmus und Paranoia werden oft durch THC verstärkt.

Eine einfache, simple Lösung um die notwendige psychische Arbeit an sich durchzuführen gibt es noch nicht, und dennoch versuchen sich unzählige Menschen weitweit bewusst oder unbewusst selbst zu therapieren mit diversen Substanzen.

Ein aktueller Fall ist der amerikanische Irakkriegsveteran Adam Kokesh, dessen vermurkste Kindheit und dessen immer wieder durch eigenes Fehlverhalten gescheiterte Karrieren wohl eher der Grund für ihn waren, Alkohol mit Beruhigungspillen zu mischen, als irgendwelche Traumas von seinem kurzen Einsatz in einer Civil Affairs Einheit. Für ihn ist es heute sehr leicht, über das Internet von Unbekannt Marihuana oder eine chemische Droge wie DMT zu kaufen und diese einfach so mit seinen Freunden zu konsumieren. Seine Probleme scheint er damit nicht gelöst zu haben, ganz im Gegenteil. Irgendwelche neuen Erkenntnisse haben sich auch nicht ergeben.

Der New Age-Vordenker David Icke und Luke Rudkowski von We Are Change sprechen in diesem Video über ihre gemeinsamen Erfahrungen mit der halluzinogenen Rauschdroge DMT, in den USA eine verbotene Substanz der Kategorie 1. David nahm es in Form von Ayahuasca und hörte fünf Stunden einer weiblichen Stimme zu, die ihm von der „Realität“ erzählte. Die wichtigste Erkenntnis die sich daraus ergab: „Unendliche Liebe ist die einzige Wahrheit. Alles andere ist Illusion.“

Das heißt im Klartext, dass Gelesenes aus dem New Age-Bereich einfach nachhalluziniert wird.

DMT ist wohl der schnellste und bequemste Weg zu extremen halluzinogenen und gleichzeitig euphorischen Erfahrungen. Wo bei Pejote-Kakteen oder Magic Mushrooms der Rausch viel zu lange dauern kann und zuviel Aufwand und Risiko mit sich bringt, raucht sich eine Dosis DMT so schnell wie Marihuana oder ein Stein Crack. Der Rausch ist heftig aber kurz, hinterher kann man seinen üblichen Tätigkeiten nachgehen. Es ist verwandt mit dem körpereigenen Glückshormon Serotonin. Genauso wie sich gewöhnliche luzide Träume echt „anfühlen“ können, „fühlt“ sich das DMT-Kopfkino bei klinischen Versuchspersonen manchmal „realer als die Realität“ an. Elfen und Feen gibt es aber trotzdem nicht abseits des eigenen Kopfes.

Manche Atheisten sind so beeindruckt von der Sache, dass sie sich wieder irgendwelchen Religionen anschließen. Christen sehen sich durch den Rausch bestätigt, genauso aber auch Theosophen und alle anderen Glaubenssysteme, die jeweils die einzig wahre Religion sein wollen. Auch altertümliche grausame Kulte benutzen diese Substanzen und sahen sich durch den Rausch in ihren Lehren bestätigt.

Es gibt aber auch Atheisten die von der Sache nur mittelmäßig beeindruckt sind und erkennen, dass es sich um ein Illusion handelt. Nichts was nicht vorher schon an Informationen im Gehirn steckten, kann in den Halluzinationen auftauchen.

Der Erkenntnisgewinn beschränkt sich auf allgemeine Sätzchen wie „Alles ist eins“ oder man fühlt einfach das bestätigt, was man vorher lang und breit gelesen hat. Das wichtigste sind die Emotionen, die Beeindrucktheit, die Ehrfurcht, Begeisterung, Hoffnung. Um die Emotionen herum wird dann ein philosophisches Konstrukt aufgebaut.

Wissenschaftler ließen und lassen sich von Rauschdrogen inspirieren, motivieren. Nichtsdestotrotz brauchte es trockene empirische Wissenschaft um dann tatsächlich etwas von Wert zu schaffen. Wem nützen uns heute all die falschen Vostellungen alter Kulturen über die Welt, die durch Drogenrausch entwickelt wurden, über Schlangengötter und Wesen, die andere am Himmel gefressen und sich dann in etwas anderes verwandelt haben sollen? Die meisten alten Zivilisationen und Kulturen waren nicht die mythischen noblen Weisen wie sie gerne im Nachhinein in Beschreibungen zurechtgebogen werden, sondern genau der gleiche kriegerische dysfunktionale Haufen wie wir heute.

Die Theosophen und andere New Age-Zirkel benutzen gerne diese Methodik von Indoktrination + Drogen, entwickelten Vorstellungen von der Welt und dem Kosmos die keiner wissenschaftlichen Analyse standhalten. David Icke fing genauso an wie zahllose Leute vor ihm. Sie standen an einem Punkt der Frustration und Sinnsuche in ihrem Leben, die Realität wurde als grimm und inakzeptabel wahrgenommen. Also konsumierte man theosophische Literatur und Drogen wie DMT.

Heute, so lamentiert Icke, seien die Praxis des Konsums von Halluzinogenen und esoterischen Schriften „unterdrückt“. Um sich selbst zu verbessern und glücklicher zu werden, müsse man zurück zu dem was Menschen vor langer langer Zeit getan hätten. Das Problem an dieser Argumentation ist, dass Menschen in der Vergangenheit genauso durch ihre psychischen Störungen definiert waren wie heute, und der Rausch diese Probleme nicht notwendigerweise mindern sondern verstärken konnte. Die Geschichtsbücher sind voll von Aufzeichnungen über alte Kulturen, in denen die Priesterklasse ihren Stamm einer konstanten Gehirnwäsche unterzogen hat. Die Völker, die an Drogen-Ritualen teilnahmen, waren vorher verbal indoktriniert worden und „sahen“ das was sie sehen sollten.

Wie löst Icke dieses Dilemma, dass die Geschichte seiner Weltanschauung widerspricht? Er bastelt sich einfach die Geschichte zurecht und übernahm die erfundenen Science Fiction-Ideen von Erich von Däniken sowie Zecharia Sitchin. Letzterer beherrschte nicht einmal wirklich die alten Sprachen und Schriften, sondern interpretierte munter in Texte und Bilder hinein um seine Leser zu überzeugen, dass seine Alien-Seifenoper auf Groschenroman-Niveau historische Tatsachen seien. Damals, ganz weit früher, hätten die Menschen noch Zugang gehabt zu all dem mystischen, zauberhaften Wissen. Der bedröppelte Mensch von heute, der ohne Halluzinogene lebt und für alles trockene wissenschaftliche Beweise haben möchte, sei verklemmt und fürchte sich heimlich vor der „Magie“ und dem „Geheimnis des Kosmos“.

Es ist ein billiger Mythos, dass Halluzinogene den Menschen pauschal friedlicher und freundlicher machen würden. Eine reife Persönlichkeit kann sich durch den Rausch zusätzlich bestätigt sehen, genauso wie sich ein fanatischer Kontrollfreak bestätigt sehen kann.

Die Protestbewegung gegen das Establishment in den 60er und 70er Jahren war für das Establishment nie eine Gefahr. Im Gegenteil, man fütterte sie noch an. Die Rauschdrogen spielten dabei eine wichtige Rolle. Was sollte denn ein nüchterner CIA Case Officer denken, der wusste was die Kommunisten in einem Land anrichten können, wenn die amerikanische Jugend vögelnd auf LSD von Frieden und Liebe und Kommunismus sülzten?

Die Anti-NWO-Bewegung integriert auch in hohem Maße die Rauschdrogen als wichtiges Kernelement in sich ein, man soll immer neue Leute ansprechen und dafür begeistern. Eine Vermutung liegt nahe, weshalb Alex Jones bar jeder Logik erklärt, zu 95% mit David Icke übereinzustimmen: Er hat womöglich selber DMT probiert. Und wie jeder tiefreligiöse Mensch bewertet er die Erfahrung viel höher als was sie eigentlich wert ist.

Davids grundfalsche Ideen beschränken sich nicht nur auf seine Vorstellung von morphenden Reptilien-Wesen, die man Jahre vor seinem allerersten Buch schon in der Sci-Fi-Serie „V“ fand. Es sind unzählige unwissenschaftliche religiöse Dogmen die er abgekupfert, erweitert und ergänzt hat. Unzählige Male betonte er, früher noch wegen handfester Verschwörungsfakten ausgelacht worden zu sein, wohingehen er sich jetzt bestätigt sehe. Icke jubelt den Zuhörern hier etwas unter, er wurde ausgelacht weil er im landesweiten britischen BBC-Fernsehen nicht über Fakten gesprochen hatte, sondern weil er dort meinte, seine türkisfarbene Kleidung hätte ihn näher an Gott gebracht und all die negativen Energien der Leute würden bald Erdbeben und Flutwellen auslösen.

Gedöns über den Mond als Raumschiff, die Sonne als Tor zu anderen Sphären, Lemuria, die Erde als Gaia-Lebewesen das sich an den Menschen rächt, und 500 weitere Nonsens-Lehren die er von der Theosophie übernommen und nachhalluziniert hat. Immer wieder finden wir bei ihm „Visionen“, also Halluzinationen, als Beweise und Maßstäbe für seine Thesen und Lehren.

Wie üblich, ist Ickes Problembeschreibung über Politik und Banken die trockene Pflichtübung um Leute zu erreichen. Suchen diese dann nach Lösungen, sollen sie sich „von der Realität und von sich selbst und ihrer Lebensgeschichte lösen“, anstatt sich auf Psychoanalyse und Sport zu konzentrieren. In Watford sprach er in religiösen Phrasen. Der Mensch sei nicht das Individuum mit seiner persönlichen Lebensgeschichte, nein wir müssten uns nur in andere Sphären einklinken und uns an kosmische Kräfte hängen, wie bei einem Radio „die richtige Frequenz“ wählen. Der Express-Weg dafür sind Drogen.

David Icke ist exakt die Person, die eine grundsätzlich ablehnende und verzerrte Haltung zur Realität hat. In extremer Armut aufgewachsen im britischen System der gesellschaftlichen Klassen, war er als Junge in der Schule regelmäßig so nervös und ängstlich, dass er beinahe in Ohnmacht gefallen wäre. Jedes Mal wenn er ein Klopfen an der Tür hört, soll er eigenen Worten zufolge immer noch erschrecken, weil er sich damals immer vor der Mieteintreiberin verstecken musste. Seine Noten waren in allen Feldern katastrophal, Freunde hatte er in seiner prägenden Zeit keine. Sein Vater lehnte es ab, den Jungen zu einem Psychiater in Behandlung zu geben. Nicht alle Psychiater sind tablettenverschreibende Irre.

Das Fußballteam Coventry City entdeckte ihn als Torwart-Talent, wenige Jahre später beendete plötzlich die schwere rheumatoide Arthritis seine Karriere. Später entschied er sich allem Anschein nach weiterhin konsequent gegen die Hilfe von psychiatrischen Experten, sondern tauchte in die Welt der Rauschdrogen und Theosophie. Er versprach sich zunächst sogar irgendeine magische Form der Heilung für seine Arthritis, genauso wie viele oder vielleicht alle Anhänger okkulter Religiossysteme sich eine konsequente Lösung ihrer Probleme erhoffen. Wenn aber nicht einmal Icke damit seine Krankheit heilen konnte, werden andere es erst recht nicht können. Aber selbst dann würden Gläubige einfach argumentieren, dies sei halt nur ihr physisches Gefängnis, eine nervige Hülle die man später mit dem Tod abstreife und wie ein kosmischer Schmetterling gottgleich durchs Universum brause.

Es ist ein infantile Phantasie, man möchte bewusst oder unbewusst zurück zu dem Zustand eines Kleinkindes, das sich noch nicht als fehlbares und verwundbares Individuum begreift, sondern sich selbst für den gesamten Kosmos hält und – im positiven Falle – endlos mit Liebe und Nahrung ohne jede Anstrengung überschüttet zu werden. Wo Alex Jones Dämonen und Satan hinter den Dingen vermutet, sind es für Icke Reptilianerwesen aus anderen Dimensionen. Psychologie wird auch hier trotz zahlreicher Bücher und Videos nur sehr oberflächlich behandelt.

Sicherlich haben die magischen Verheißungen für sich bereits eine hohe Anziehungskraft. Sobald jemand neues sich wegen den Versprechungen hat rekrutieren lassen für irrationale religiöse Gruppen, folgt die übliche Mischung aus Ritualen, Vereinnahmung der Zeit und des Denkens sowie zwischenmenschlichen Dynamiken von „Meister“ und „Lehrling“. Ist der neue Rekrut genügend bearbeitet worden, so zeigen Studien, ist es ihm egal dass seine Gruppe und die Lehre die Versprechungen ihm jetzt nicht wahrmachen und dadurch nicht zweifelsfrei beweisen können, er hofft und wartet einfach gläubig weiter auf all die tollen Dinge die wohl erst nach seinem Tod kommen sollen. Der Kult trampelt auf der Realität herum, macht diese madig. Dies soll einzig und allein dazu dienen, den Mitgliedern logisches Denken auszutreiben. Wie Kulte funktionieren, wenn sie jemanden in ihre Fänge bekommen, ist gut untersucht.

Warum aber sind manche Menschen von vorneherein begeistert und sofort bereit, irrationale Ideen zu akzeptieren? Während ein gewöhnlicher Mensch höchst skeptisch wäre und zwanghafter Mensch die Wandlung und das Neue total scheut, kann es den hysterischen Personen gar nicht schnell genug gehen, sich in ein Abenteuer zu stürzen und ein Aufheben der Begrenzungen der Realität zu suchen.

Fritz Riemann schreibt in seinem Buch „Grundformen der Angst“:

Was geschieht nun, wenn man gültige Spielregeln des zwischenmenschlichen Zusammenlebens, wenn man Natur- und Lebensgesetzlichkeiten nicht anzunehmen bereit ist? Dann lebt man wie in einer Gummiwelt, die scheinbar beliebig nachgiebig und willkürlich dehnbar ist, deren Ordnungen man nicht letztlich nicht ernst zu nehmen braucht, weil ja auch sie sich immer wieder verändern.

In einer solchen Welt findet man immer ein Hintertürchen, um sich den etwaigen Konsequenzen seines Handelns zu entziehen. Das Gesetz der Kausalität, z.B. der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, mag im Bereich der physikalischen Natur zutreffen – ich bin nicht bereit, ihn für mich anzuerkennen, und wer weiß, vielleicht gilt er gerade hier und heute nicht.

Man fürchtet am meisten die uns unvermeidlich begrenzenden Seiten des Lebens und der Welt, die wir als die Wirklichkeit , die „Realität“ zu bezeichnen pflegen.

Mit dieser Realität geht man nun recht großzügig um: man stellt sie in Frage, man relativiert, bagatellisiert oder übersieht sie, man versucht sie zu sprengen, sich ihr zu entziehen oder was es sonst noch an Möglichkeiten gibt, ihr auszuweichen, sie nicht anzuerkennen.

Damit erlangt man eine Scheinfreiheit, die mit der Zeit immer gefährlicher zu werden pflegt, weil man so in einer unwirklichen, illusionären Welt lebt, in der es nur Phantasie, Möglichkeiten und Wünsche gibt, keine begrenzenden Realitäten.

Aber je mehr man sich von der Realität entfernt, um so mehr bezahlt man seine Scheinfreiheit damit, daß man sich in der „wirklichen Wirklichkeit“ nicht auskennt, mit ihr nicht umgehen kann. Das führt dann dazu daß die Versuche, sich doch mit ihr einzulassen, zu wenig gekonnt sind, und daher enttäuschend verlaufen, woraufhin man sich in seine Wunschwelt zurückzieht.

Kennzeichnend für die populären Schriften entscheidender theosophischer Autoren oder aus dem verwandten Spektrum okkulter Lehren, ist die Aufweichung klarer Begriffe und Gesetzlichkeiten der Moral und Unmoral. Es heißt, diese Begriffe seien bloße Erfindung und völlig relativ. Nur das Maß der persönlichen Erleuchtung sei bedeutsam. Auch die Verantwortung, das Böse innerhalb der Grenzen der Realität mit realen Methoden zu bekämpfen, wird geleugnet. Das sogenannte Böse hätte im kosmischen Gleichgewicht zu stehen mit dem was wir als „Gut“ bezeichnen, das Böse sei unumstößlicher Teil des Kosmos. Sogar ein Hitler und ein Stalin hätten ihren Platz im Kosmos, wird den Eingeweihten erzählt. Das bloße Nachdenken über Not und reale Übel würde laut kosmischen Gesetzen die Übel nähren und jene überhaupt erst materialisieren. Auch die Opfer von Naturkatastrophen seien selbst schuld wegen ihren negativen Schwingungen. Magische Rituale hingegen sollen die gewünschten Ergebnisse bringen. Der Wille und das Wünschen „mache“ Realität.

Ähnlich ist es mit der Ethik und der Moral. Wo käme man hin, wenn man sie verbindlich nähme, und wer tut das schon wirklich? […] Wer weiß schon, was gut und böse ist; letztlich ist ja doch alles relativ und abhängig vom Standpunkt, von dem aus man es betrachtet. […] Glücklicherweise sind die Gedanken frei, und wenn man überzeugend genug versichert, dass daß alles so gewesen ist wie man will, daß es gewesen sein soll – wer kann das Gegenteil beweisen?

Auch die Logik ist eine so lästige Realität. Aber auch ihr kann man sich weitgehend entziehen – die eigene Logik ist eben eine andere, als die der anderen, darum aber nicht minder logisch. Wenn man schon Gedankensprünge macht, bei denen der andere nicht mitkommt und die er deshalb als unlogisch bezeichnet, so ist das sein Problem; ich selber verstehe sie und finde sie logisch. Und welche phantastischen Möglichkeiten bietet die Sprache, wenn man erst einmal dahintergekommen ist, was man alles mit ihr machen und wie man andere mit ihr matt setzen kann! So entwickelt man eine Pseudologik. […] Wieder wird solchen Menschen die eigentliche Angst – hier vor der Notwendigkeit und Endgültigkeit – nicht bewußt.

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