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Libertarismus und das Feld der Politik

PolitikLibertarismus und das Feld der Politik

Von Alex Benesch

Alle konkurrierenden politischen Philosophien basieren auf Zwang, bis auf eine. Alle politischen Philosophien erklären den Regierungsapparat für heilig und voller mythischer Bedeutung bis auf eine. Diese eine Sichtweise, der Libertarismus, möchte die Regierungsmaschinerie auf ein Minium reduzieren oder sogar durch ein Privatrechtssystem ersetzen. In den USA fordern auch klassische Konservative den Minimalstaat und den Noninterventionismus, während man in Europa klassische Konservative eher mit preußischem Gehorsam und kaiserlichen Dekreten verbindet.

Erst kommt aber der Mensch mit seiner Psyche, dann erst die Politik: Narzisstische Gestalten würden eingehen wie unbegossene Blumen wenn sie nicht konstant Gewalt ausüben und anderen ihren Willen aufzwängen können. Ob sie nun mit linkem, rechtem oder religiösem Anstrich herrschen, ist letztendlich egal und häufig eher durch Zufall bestimmt. Diejenigen mit Unterwürfigkeitsstörung brauchen den Ausbeuter und Vordenker als festen Halt in ihrem Leben, so etwas wie Freiheit erscheint ihnen wie der blanke Horror. Dann gibt es noch die Mitläufer-Typen, die traditionell einfach den Narzissten hinterherlaufen und schließlich diejenigen, die Freiheit wirklich wollen und bereit sind, den steinigen Weg auch zu gehen.

Freiheit ist zu 95% ein sehr hartes Brot, später dann ein Paradies auf Erden. Staatliche Zwangssysteme sind 5% der Zeit gerade noch erträglich, aber zu 95% die pure Hölle. Wer in eine non-libertäre, angeblich politikfreie Aussteigergemeinschaft hineingeht und etwas „anderes“ erwartet wird häufig enttäuscht. Ist der lange Arm des staatlichen Gesetzes zu kurz um in die Parallelgesellschaft hineinzureichen, bleiben ganz konkrete Fragen: Wer entscheidet wie darüber, welche Ressourcen wie lange wo eingesetzt werden? Wer hat das Auge auf die Kasse? Was passiert wenn mir ein Unrecht entsteht? Wer setzt meine Ansprüche durch? Wie wird ein Täter von wem betraft? Was passiert wenn mich der Guru in seinem Jesuskostüm begrapscht? Was ist wenn jemand seine Kinder begrapscht? Kann jemand bestimmen, wen ich heiraten muss? Muss ich an den gemeinsamen religiösen Ritualen teilnehmen? Was passiert wenn ich Missstände anprangere, ich aber dann ausgegrenzt werde? Herrschaftsverhältnisse sind, selbst wenn sie mit klassischer Politik Anzug tragender Parlamentarier nichts zu tun haben, zu 99% nichts weiter als das Ergebnis eines Wettbewerbs der Narzissten.

Monarchen wussten um ihre Verwundbarkeit, also traten sie vor 100 Jahren zunehmend in den Hintergrund und inszenierten das Schauspiel der Politik. Zum ersten Mal waren die sichtbaren Verantwortlichen für Misswirtschaft und Unterdrückung nicht mehr ein und derselbe Clan, sondern die jeweils vorgeblich herrschenden, vom Volk gewählten Politiker. Endlich konnte man die breite Bevölkerung stärker in die narzisstische Dynamik miteinbeziehen: Die Sozialisten wählen um die Mittelschicht zu bestehlen und in der Hoffnung, irgendwann eine sozialistische Diktatur zu etablieren und Grundrechte abzuschaffen. Die Konservativen wählen meist, um ihr eigenes Portfolio zu vergrößern und Großkonzernen Sonderrechte zu verschaffen, alles was irgendwie mächtig ist, und sei es noch so kriminell, gilt als unterstützenswert.

Erinnern sie sich an die Szene am Ende von Lawrence von Arabien: Der Protagonist vom britischen Militär hat es geschafft, verstrittene arabische Wüstenstämme kurzzeitig zur Zusammenarbeit zu bewegen um den Türken die Stadt Damaskus mit Gewalt abzunehmen. Die neuen Herren stehen vor dem Problem, dass sie nicht wissen, wie sie das beschädigte Wasserwerk oder die Stromversorgung wieder in Gang bekommen sollen. Im Parlamentssaal sind die Politik-Laien dicht gedrängt wie die Zuschauer eines Rockkonzertes und schreien sich gegenseitig an. Das britische Empire bietet „technische“ Hilfe an, unter der Vorraussetzung, Strom und Wasser dann auch vertraglich dauerhaft kontrollieren zu dürfen. Die Araber, insbesondere König Faisal, wissen dass die Briten Damaskus für sich selbst haben wollen und ihnen jedes Druckmittel recht ist.

Bei all dem Schmutz ist es nicht überraschend, Slogans von Libertären zu hören wie „Wählen ist ein Gewaltverbrechen“ oder „Nichtwähler sind Helden“. Der Kanadier Stefan Molyneux lacht wie ein Besessener über die Vorstellung, dass man als Freiheitlicher die Politik infiltrieren und eine Gruppe dazu bringen kann, sich gegen ihre eigenen Interessen zu wenden.

Selbstverständlich wirkte es überheblich, als viel zu junge Mitglieder in höheren Positionen der Ron Paul-Kampagne ankündigten, die Republikaner infiltrieren und nachhaltig verändern zu wollen. Nichtsdestrotrotz ist die Infiltrationsidee überhaupt nicht so absurd wie Molyneux es uns weismachen will. Immerhin arbeitete das republikanische Establishment nach Kräften daran, die Ron Paul Revolution zu infiltrieren. Agenten wie Jesse Benton heirateten in den Paul-Clan ein und bereinigten die Ränge von den fähigsten Leuten, während gegen Alex Jones agitiert wurde, der Paul überhaupt erst einem Massenpublikum näher gebracht hatte. Es gelang, weitere zwielichtige Figuren als Berater zu plazieren, die eine weiche Linie und faule Kompromisse empfahlen.

Die Tea Party Bewegung, ursprünglich libertär und sich bewusst über Verschwörungen, ist inzwischen über die Koch-Brüder, Glenn Beck und FOX eingebunden. Die Republikanische Partei selbst war einst noninterventionistisch, marktliberal und für eine kleine Regierung, wurde aber infiltriert von Wall Street-finanzierten Trotzki-Anhängern, die sogenannten Neokonservativen. Es gelang tatsächlich das, worüber Molyneux sich so schieflacht, man drehte die Inhalte von Gruppen um zu Lasten der Mitglieder.

Es gibt zuviele geschichtliche Beispiele von erfolgreichen Infiltrationen verschiedenster bedeutender Organisationen, um hier auch nur einen Bruchteil davon adäquat aufzulisten. Soll man deshalb Organisationen prinzipiell meiden? Es ist unralistisch, dass heute ein jeder wie vor 200 Jahren im Westen der USA einsam seine Landwirtschaft betreiben kann und fast komplett in Ruhe gelassen wird. Sind die Freiheitlichen zu unorganisiert, sind sie leichte Beute für ihre Gegner.

Was ist dann mit dem Argument, libertäre Kandidaten zu wählen sei kontraproduktiv, weil man das Parteiensystem damit unterstütze? Wieder ist zu bedenken: Erst kommt der Mensch mit seiner Psyche, dann die Politik. Wenn die meisten noch nicht einmal jemanden in unmittelbarer Nähe richtig einschätzen können, wieso sollen sie dann jemandem weit fern mit ihrer Stimme ein wenig mehr Macht verleihen? Dies ist aber ein universelles Problem, der Sozialist kann genausogut den Falschen für einen Ratsposten wählen oder der Marktwirtschaftler geht einen Vertrag mit einem Troublemaker ein.

Wenn wir nicht vorher genau hinschauen, bekommen wir hinterher schlechte Amtsträger oder Pferdefleisch. Man darf sich von der Politik natürlich nicht zuviel versprechen, dafür gibt es zuviele andere Schlachtfelder, aber jemanden Hochanständiges mit richtig Biss ins Rennen zu schicken, hat seine Vorteile. Es waren unter anderem Politiker gewesen, die die subversive Zentralbank mehrfach für lange Zeit in den Vereinigten Staaten abschafften, es waren einzelne Politiker gewesen die beinahe den Kindersex-Ring in der Republikanischen Partei sprengten der bis ins Weiße Haus reichte (leider sprengte jemand vorher das Flugzeug des Abgeordneten). Es waren Politiker die überall Gesetzesvorschläge erfolgreich verabschieden konnten gegen eine unrechtmäßige Ausweitung der Bundesregierung durch Heimatschutzgesetze oder Waffenverbote. Politiker und andere Staatsangestellte wie Polizisten, Militärs, Staatsanwälte, Richter und Militäroffiziere konnten ihr Gewicht in die Wagschaale werfen um Mafia-Gruppen hochnehmen zu lassen, Regierungsverbrechen zu verfolgen und Ähnliches.

Ron Paul und andere können konkrete Pläne erstellen, wie man ein Land schnell in einer Übergangsphase aus der Zwangsjacke befreit, ohne dass über Nacht die Sozialhilfe komplett gekappt wird und alles im Chaos versinkt. Deutsche Beamte haben solange SPD und CDU gewählt, dass nun laut Steuerzahlerbund ein Loch von 2000 Milliarden Euro in den zukünftigen Etats klafft für die Pensionen und Besoldungen. Das Geld ist fort und mit sozialistischer Politik wird es nicht wiederkommen. Die meisten Beamten leiden unter der Ineffizienz und würden auch lieber viel mehr Geld in einer florierenden Wirtschaft verdienen als irgendwann trotz Beamtenstatus Essensmarken zu bekommen.

Etablierte Parteien sind häufig an der Basis und in der mittleren Ebene hoffnungslos inkompetent und hätten größte Schwierigkeiten, mit echten Männern und Frauen zu konkurrieren. Warum sollte man den Kontrollfreaks dieses gesamte Feld kampflos überlassen?

Alex Jones konnte zahllose Konservative, Linke und auch Staatsbedienstete überzeugen, sich von ihren alten Positionen abzuwenden und sich neu auszurichten. Freiheitlich gesinnte Menschen müssen Medien aufbauen, anständige politische Kandidaten in Ämter wählen, Prepping betreiben, gute Eltern und Freunde sein, gute Handwerker, Anwälte, Buchhalter oder Unternehmer, Geschichtskenner, Politikbewanderte und nicht zu vergessen: Menschenkenner.

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