Ein Kommentar von Alex Benesch

Der Papst tritt zurück und bringt den Vatikan wieder in die Schlagzeilen. Zuvor rumorte es auf Grund seines Kammerdieners Paolo Gabriele, der interne Dokumente an die Presse weiterleitete und von einem Klima der Angst sowie einem Mafia-ähnlichen Schweigekodex sprach. Die Vatikanbank geriet in das Blickfeld, genauso wie verschwundene Personen. Man könne „einen Mord begehen und dann ins Nichts verschwinden.“ Auch nach seiner Festnahme gelangten weitere Interna nach Außen.

Der Mafia-Boss Enrico DePedis soll 1 Milliarde Lire (rund 660.000 Dollar) dafür gezahlt haben, neben ehemaligen Päpsten und Kardinälen begraben zu werden. Er könnte laut den internen Aufzeichnungen eine Rolle gespielt haben bei dem Verschwinden der 15-jährigen Tochter eines Vatikan-Angestellten.

Der führende Exorzist der katholischen Kirche, der 85-jährige Gabriel Amorth, äußerte den Vorwurf dass das Mädchen Emanuela Orlandi für die Sex-Parties von Vatikan-Funktionären entführt worden wäre. Ein anoymer Hinweis führte die Polizei zu fremden Knochen in De Pedis Grab.

„Es wurde bereits von Monsignor Simeone Ducagesagt, einem Archivat im Vatikan, der mit Hilfe vatikanischer Gendarmen Mädchen für Parties rekrutieren sollte.“
„Ich glaube Emanuela landete in diesem Zirkel.“

Der International Narcotics Control Strategy Report nannte zum erstem Mal die Vatikanstadt als Ort, an dem Geld gewaschen werden könnte. Der Journalist und Empfänger der Geheimdokumente Nuzzi erklärte gegenüber dem SPIEGEL, dass der Papst nicht das Ziel der Enthüllungen sei und Benedikt sich angeblich für mehr Transparanz eingesetzt hätte. Wie dem auch sei, Benedikt ist nur eine Person in einem düsteren Geflecht, um das sich Spekulationen ranken hinsichtlich dessen globaler Bedeutung.

„Vatican Assassins“

Im investigativen Journalismus und unter kritischen Historikern gelten die verschiedene Zirkel hinter dem Vatikan als integriert in die Neue Weltordnung, als Partner der Global Governance-Phalanx aus diversen adeligen Gruppierungen und Banker-Clans. Ein Mann namens Eric Jon Phelps jedoch hält eine einzelne Gruppierung innerhalb des Vatikans für die „unbestreitbare“ Führungsmacht auf dem gesamten Planeten: Die Jesuiten.

Sein Buch „Vatican Assassins“ war zeitweise enorm trendy und wurde von manchen behandelt wie das letzte Wort in der Angelegenheit. Jeder Zweifler oder Agnostiker im Hinblick auf die Sichtweise, dass die Jesuiten praktisch die Welt regieren, jeder der nicht permanent auf diese Gruppe fixiert ist, wurde von Horden an Phelps-Fans und dem Meister persönlich verschrien als Agenten, genauer gesagt als „jesuit temporal coadjutors“.

Inzwischen ist Vatican Assassins eher aus der Mode gekommen. Der Autor war gezwungen zuzugeben, dass er mit israelischen Diamanten handelt, die aus den Kartellen von Oligarchen-Clans stammen wie DeBeers, Oppenheim, Gertler und Templeman. Israels Emaxon Finance Corp ist einer der großen Player an Orten wie dem Kongo. Er besucht regelmäßig befreundete politische Hardliner wie Barry Chamish in Israel, nennt sich selbst einen „hebräischen Israeliten“ und „Zionisten“, der ein Neues Königreich Israel anstrebe. Soviel zu seiner Unvoreingenommenheit als behaupteter Historiker und Analyst.

Desweiteren glaubt Phelps an esoterische Fantastereien wie die Hohlwelt-Theiorie oder Hörbigers Welteislehre, laut der meisten Körper des Welteis aus Eis bestünden. Hörbiger sah sich als das einzige deutsche Genie, das gegen ignorante Universitätsprofessoren anzukämpfen hatte. Fotografien, die zeigen, dass die Milchstraße aus Milliarden von Sternen besteht, tat er als Fälschungen reaktionärer Astronomen ab. Einem Kritiker schrieb er: „Entweder sie glauben mir und lernen, oder sie werden als der Feind behandelt!“ Im Dritten Reich erfuhr die Theorie einen regelrechten Aufschwung. Führende Nationalsozialisten, darunter Heinrich Himmler, waren Anhänger der Welteislehre. Auch Adolf Hitler soll der Lehre nach eigenen Worten „zugeneigt“ gewesen sein. Laut Phelps seien solche Ansichten biblisch. Die „Jesuitenmiliz des schwarzen Papstes“ sei auf Grund dieses nutzlosen Wissens in der Lage, oder werde in der Lage sein, Flugscheiben zu bauen.

Er dankt in seinem Buch dem „The Spectrum Newspaper“, eine braunesoterische Publikation voller Lob für theosophische Lichtgestalten wie Eustace Mullins, die sich wiederum Ezra Pound zutiefst verbunden fühlt, Theosoph und Faschist der für Hitler und Mussolini Radio machte. Die Esoterik-Expertin Constance Cumbey nennt Vatican Assassins ein „New Age Buch mit einer New Age Agenda“. Darin werden die Klassiker der okkulten Literatur zitiert wie „Isis Entschleiert“ von Helena Petrovna Blavatsky und „Occult theocrasy“ von Lady Jane Queensborough.

Sein Absicht scheint zu sein, ein protestantisches Publikum in Großbritannien und den USA in eine esoterische Pro-Israel-Richtung zu steuern.

Phelps‘ Fakten- und Behauptungen-Gulasch

Vatican Assassins ist ein ewig langes, konfuses Durcheinander aus Zitaten, Behauptungen und Schlussfolgerungen. Eine häufig angewandte Methode ist der Non Sequitur: Eine Person war an einer jesuitisch dominierten Bildungseinrichtung oder pflegte Kontakte zu einem der gerade einmal 12.000 Voll-Mitgliedern der Jesuiten, schon heißt es er oder sie hätte prinzipiell im Auftrag der hierarchisch höhergestellten Vatikanagenten gehandelt. Alle anderen wichtigen Gruppen würden selbstverständlich samt und sonders dem Vatikan „gehören“.

Bizarr ist die Liebesaffäre des Autors mit William I. von Orange und Königin Elisabeth I.,  beide werden wie Heilige verehrt. William wird bezeichnet als der „Vater der religiösen Freiheit“, „zutiefst geliebt von seinem Volk“. Er gab den Juden in Amsterdam soviel Freiheit dass diese es das „Neue Jerusalem“ genannt hätten. Sein Sohn Maurice sei der „großartigste Soldat seines Zeitalters gewesen“. Warum das überschwengliche Lob? Weil sie gegen das jesuitisch beeinflusste spanische Imperium gekämpft hätten.

Königin Elisabeth I. sei von niemand geringerem als Jesus Christus beschützt worden vor jesuitischen Attentasversuchen sowie Invasionsplänen der Spanier. Die Geschichte hätte bewiesen, dass die Herrschaft von Elisabeth die „Geburt der religiösen Freiheit, der Mittelklasse und des mächtigen Britischen Imperiums“ gewesen sei. „Mögen wie sie niemals vergessen in all ihrer Herrlichkeit.“

William I. (genannt „der Stille“) entstammt aus dem Haus Nassau und wurde später Prinz von Orange. Der Clan gilt als einer der bedeutendsten der Neuen Weltordnung; Königin Beatrix und ihr Ehemann waren u.a. instrumentell in der Schaffung der Europäischen Union durch die elitäre Bilderberg-Orgsnisation.

Königin Elisabeth I. regierte das erste britische Imperium bis zu ihrem Tod 1603. Ein paar Generationen später saßen Verwandte der britisch-deutschen und niederländischen Adeligen auf dem Thron Spaniens.

Eric’s game

Eric Jon Phelps spielt ein verheerendes Spiel. In einer Welt voller kooperierender und konkurrierender Tyrannen sehnt sich der einzelne Mensch nach starken Beschützern und Gemeinschaften. So kommt die Bauernfängerei zustande, wenn man alle Übel hauptsächlich auf eine Gruppe abwälzt und andere Organisationen als freundlich gesinnt und sogar heldenhaft präsentiert. Seine Besessenheit von den Jesuiten ist eine „Mystery Box“, ein künstliches Mysterium das nur solange interessant ist, wie es ein Mysterium bleibt. Der Jesuitenorden war und ist eine Mixtur aus einer Sekte und eines Geheimdienstes. Die verwendeten Methoden und Strukturen waren weder von den Jesuiten erfunden worden, noch waren sie irgendwelche Supermänner mit übernatürlichen Kräften.

Eric Jon Phelps sorgt mit Vatican Assassins und seinen ständigen Fatwas gegen ernstzunehmende Personen eher für mehr Vernebelung als Aufklärung über die Frage, wie einflussreich bzw. selbstständig der Vatikan heutzutage innerhalb der Neuen Weltordnung tatsächlich ist.

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