Wirtschaft

HRE: größerer Hebel = geringeres Risiko

von Peter Boehringer
goldseitenblog.com

Die Welt kann einfach sein. Wer einmal eine Bad Bank hat, der macht eigentlich per definitionem immer Gewinn. Den persönlichen toxischen Mülleimer für Fehlspekulationen stellt, garantiert und bezahlt ja der Steuerzahler. Und so sind Meldungen wie eben im Handelsblatt dann eigentlich „logisch“ in einem perfiden StaMoKap-System.

„Die Kernsparte der Hypo Real Estate hat im ersten Quartal des Jahres 52 Millionen Euro Gewinn gemacht. Dabei half ein kleiner Trick: Die HRE stellte sich mit der Bilanzierung der Bad Bank geschickt an.  […] Die HRE könnte womöglich um die im Raum stehende Zahlungsauflage von bis zu 1,59 Milliarden Euro für die Nutzung der Bad Bank herumkommen. Dieser Betrag könne eventuell mit dem Eigenkapital verrechnet und müsste dann nicht ergebniswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht werden. Das sei für die die HRE ohne neue Finanzspritzen zu verdauen. So könnte am Ende neben der pbb Deutsche Pfandbriefbank auch der Konzern einen Gewinn 2011 ausweisen. Die HRE hat ihre schlimmsten Wertpapiere und Kredite im Volumen von 173 Milliarden Euro im vergangenen Herbst in die Bad Bank FMS Wertmanagement ausgelagert, für die der Bund haftet. Seitdem ist die HRE-Gruppe wieder in den schwarzen Zahlen. Nachhaltige Gewinne sind die Voraussetzung, um das Institut, das in der Finanzkrise nur mit staatlichen Hilfen von rund 150 Milliarden Euro gerettet werden konnte, in einigen Jahren zu privatisieren. Dafür ist auch eine attraktive Rendite wichtig. Eine Abwicklung, wie sie manche Politiker in Berlin fordern, will Bankchefin Manuela Better auf alle Fälle verhindern.“

=> In einem normalen marktwirtschaftlichen System wäre ein solcher Laden entweder längst nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch insolvent. Oder aber die Anteilseigner müssten ein paar Hundert Jahre lang Schulden an den Staat zurückzahlen. Dies natürlich zur Entlastung der vorher (2010) unfreiwillig ausgepressten Steuerzahler. Statt dessen nun aber dies: Das Handelsblatt bezeichnet die Umgehung der Rückzahlungsauflage als „geschickten“ Bilanztrick. Mal sehen, ob die im Laufe der kommenden Jahrzehnte geschätzten 100 Mrd EUR real anfallender Verluste (Ausbuchung bzw. Teil-Abschreibung der toxischen Altlasten) ebenfalls mit dem Eigenkapital verrechnet werden können…

Dass sowohl diese Rückzahlungsverschleppung als auch die spätere Re-Privatisierung der auf unsere Kosten gesundeten HRE schon bei der sogenannten „systemrelevanten Rettung“ 2009/10 vorhergesagt worden war *), sei nur am Rande bemerkt. Natürlich nur von den Verschwörungstheoretikern und Bloggern … Und wir bemerken auch mal nur am Rande und nur fürs Protokoll, dass bei einem demnächst um 1,59 Mrd EUR reduzierten Eigenkapital der „Leverage“ bzw. der Zockerhebel der HRE selbst bei lediglich unveränderter Bilanzsumme wieder sehr signifikant steigen wird. Wie war das noch mit den Beschwörungen der Politik und der HRE-Manager nach der de-facto-Pleite und nach dem 12-stelligen Bailout, „nun aber wirklich“ konservativer wirtschaften zu wollen?

=> Der spätere erneute Börsengang der Neo-HRE wird interessante Begrifflichkeiten hervorbringen: „Re-IPO nach gelungener Restrukturierung“ wird in der Prospektüberschrift stehen. Und das Geschäftsmodell wird dort etwa wie folgt erklärt werden:

„Nachhaltige Gewinne erzielen wir bei der Neo-HRE, indem wir in alles anlegen, was uns interessant erscheint. Wir liegen (Disclaimer) zwar rein statistisch in 80% der Fälle falsch. Aber wir werden trotzdem keine Verluste, sondern mindestens 20% Gewinnrendite ausweisen, denn wir haben eine Bestandsgarantie des Staates, einen Bad Bank Mülleimer für die 80% Fehlinvestments, grenzenlose Garantien für den systemrelevanten Gesamtbetrieb und eine jederzeitige Option auf eine Bad Bank II, falls wir uns ganz dumm anstellen sollten. Unser Alleinstellungsmerkmal ist also offensichtlich! Und da wir sicherlich nicht ungehebelt arbeiten, werden wir die o.g. 20% natürlich um ein Vielfaches übertreffen. Je mehr wir hebeln, desto systemrelevanter werden wir, desto sicherer werden wir künftig immer wieder erneut gerettet, desto geringer wird unser Risiko. Genial – nicht: ‚Geringeres EK & wachsende Bilanzsumme = größerer Hebel = höhere Systemrelevanz = geringeres Risiko‘ ! Und wir haben aus guten alten DePfa-Zeiten auch eine Menge Erfahrung mit Hebeln von über 50x EK – wir waren damals fast so gut wie heute nur noch die DB und die angelsächsischen I-Banken.

Disclaimer II: Alle Aussagen gelten nur bis zur Herabstufung der Bonität unseres Garanten BRD GmbH auf unter BBB. Und auch nur bis zum Eintreten der Prognose des Chefs der Finanzdienstleistungsaufsicht Sanio – also bis zum Aufhängen der Bailout-Politiker durch die Steuerzahler.“

*) Zur Erinnerung ein Auszug aus „Deutsche Schuldenquote plus 8%-Punkte wg. HRE“ :

FAZ:

„Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sprach von einem zentralen Schritt zur Restrukturierung der HRE. ‚Ein Vorgang von solcher Größenordnung ist bisher einmalig und extrem komplex, aber er ist in den letzten Monaten gut vorbereitet worden und wird gelingen.‘ „

=> Klar „wird er gelingen“: Der Staat hatte nun seit der offiziellen Verstaatlichung fast ein ganzes Jahr (!) Zeit, das bekanntermaßen „komplex“ verpackte und in weiten Teilen toxische bzw. überbewertete HRE-Portfolio gründlich zu sichten und streng aufzuteilen! Die Guten (Assets) kamen ins Töpfchen der Good Bank – die Schlechten ins Kröpfchen der Bad Bank! So etwas dauert, selbst wenn die staatlichen Wirtschaftsprüfer den Luxus einer ex post – Betrachtung aller Asset fast drei Jahre nach deren Kauf hatten; und somit all das Wissen um Risiken und objektive Werthaltigkeit der toxischen Anleihenpakete, das die ex-HRE-Manager à la Bruckermann bis vor der Immokrise 2007 nicht haben konnten oder zwecks Sicherstellung ihrer Millionen-Boni nicht haben wollten oder schlichtweg inkompetent übersehen haben.

=> Wäre es anders, hieße die HRE-„Bad Bank“ übrigens auch nicht „Bad Bank“… Warum auch sollte Schäuble in der verbleibenden Good Bank schlechte Vermögenswerte belassen, wenn er heute als Staatsminister ohne jede regulatorische Aufsicht der Bad Bank jedes nicht voll werthaltige Asset aufladen kann wie einst Moses dem alttestamentarischen „Sündenbock“?

=> Und natürlich gehört auch nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, dass die „Good HRE“ nach einer Schamfrist wieder an die Börse gebracht wird, nachdem sie ja nun ent-müllt und entschuldet ist. Vielleicht ja dann zu Schleuder- äh Freundschaftspreisen an die gleichen Cayman-Eigner, denen bereits bis 2008 die HRE gehört hatte – wer weiß das schon im höchst anonymen Dschungel der karibischen Hedge-Fund-Eigentümer? Die Schamfrist für diesen IPO-Vorschlag schätze ich auf zwei Jahre.

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