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COMPACT dreht Lesern ein uraltes Fake an zur B’nai B’rith und dem gesamten Freimaurertum

Kommentar

Das COMPACT-Magazin will sich bei dem verschwörungsinteressierten Publikum einschmeicheln und leiert deshalb einen Standard-Beitrag nach dem anderen herunter wie etwa zum Thema Freimaurertum. Hauptsache, man trommelt die Empörten zusammen und erzählt jenen dann den Unfug, dass die russische Diktatur für uns der Ausweg sei.

Russlands Geheimdienste verbreiten gerne das Märchen, Putin sei der strahlende Held gegen die vermeintliche jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung. Dass das Putin-Regime allerdings freudig mit westlichen Großbanken jüdischer Familien kooperiert, erfährt der COMPACT-Leser natürlich nicht in einer Spezial-Ausgabe.

In einem COMPACT-Spezial wird nun der Irrtum verbreitet, das Freimaurertum an sich sei jüdisch dominiert. Weil das angloamerikanische (NATO-) Imperium überall Logen hat, entsteht dem Leser wohl schnell der Eindruck, das gesamte angloamerikanische Imperium sei jüdisch dominiert. Wenn der Leser dann anderswo noch das alte Märchen aufschnappt, die jüdische Kleinstfamilie Rothschild hätte nach der Schlacht von Waterloo das britische Empire ungestraft abgezockt und übernommen, ohne ermordet zu werden, dann glaubt sich der Leser bestätigt in dem Glauben an eine jüdische Weltverschwörung. Und dann wird noch suggeriert, die einzige Hoffnung gegen diese Weltverschwörung läge in der russischen Diktatur.

In der COMPACT heißt es:

Im Grunde kann man die Freimaurerei als eine Weiterentwicklung der Kabbala ansehen – der heute fast vergessenen mystisch gnostischen Tradition im Judentum.

Das Freimaurertum begann in Schottland bereits mindestens 100 Jahre vor dem Jahr 1717, als die Hannoveraner Welfen auf dem britischen Thron die Gründung der Organisation vortäuschten und einen neuen Gründungsmythos schufen. Die Schotten waren infiltriert von den dänischen Welfen, die sogar eine ihrer Prinzessinen verheiraten konnten mit King James. Die Symbolik des Aufnahmerituals des ersten Grades des Freimaurertums, inklusive der Darstellung eines Tempelritters, fand sich bereits an der schottischen Rosslyn-Kapelle, die im 15. Jahrhundert erbaut wurde. Der Mann, der die Kapelle bauen ließ, war William Sinclair, der 1st Earl of Caithness, aus der einflussreichen Sinclair-Familie in Schottland. Schon früh ergab sich die Verbindung zwischen schottischem Adel und dänischem Adel. Der schottische König James III. (1451-1488) heiratete Margarethe von Dänemark, deren Vater aus dem Welfen-Haus Oldenburg stammte. William Sinclair, der Erbauer der Rosslyn-Kapelle, reiste 1422 in die dänische Hauptstadt Kopenhagen, um Ansprüche zu erheben auf den Titel „Earl“ (vergleichbar mit einem Grafen) und die damit verbundenen Besitztümer und Privilegien. Erst 1434 bekam er, was er wollte, von Erik VII. von Dänemark (mit Vorfahren aus dem Herzogtum Mecklenburg). Williams Tochter Lady Eleanor Sinclair heiratete John Stewart, einen Verwandten der Könige von Schottland. Lord Henry Darnley und dessen Sohn, König James VI von Schottland (der König von England und Freimaurer wurde und die King James-Bibel erstellen ließ) stammen ab von Eleanor Sinclair. Bereits 1590, also 127 Jahre vor der offiziellen Formierung des englischen Freimaurertums unter dem Welfen-König George I. von Großbritannien, war Schaw ein „Warden“ und dann „General Warden“ für die „Meister-Maurer“ von Aberdene, Banff und Kincarne. Diese Maurer bestanden aus dem schottischen Adel und anderen wichtigen Persönlichkeiten. Schaw wollte, dass die Freimaurer einen Sonderstatus vom König erhielten (eine sog. Royal Charter) und dass König James selbst den Posten des Großmeisters übernimmt. Die schottischen Maurer wollten aber stattdessen William Sinclair als Großmeister, den Laird of Roslin (Rosslyn) und Nachfahre des Erbauers der Rosslyn-Kapelle. Wie bereits erwähnt, stammte König James ab von Eleanor Sinclair.

Der Welfen-Adel benutzte das Freimaurertum für Spionagezwecke sowie als eine Art inoffiziellen neuen Adelsstand für eine immer größere und komplexere Gesellschaft. Mitglieder bekamen Privilegien und hatten auch Pflichten.

Der eigentliche Grund für alttestamentarische Fragmente in den Ritualen, wie etwa Solomons Tempel, war, dass man das Freimaurertum so konstruieren musste, dass es oberflächlich betrachtet kompatibel erschien mit dem Christentum, aber gleichzeitig in die Antike zurückführt. Diejenigen Mitglieder, die sich näher für die Antike interessierten, bemerkten schnell, dass neben dem winzigen jüdischen Reich riesige Imperien existierten mit ganz eigenen religiösen Inhalten und elitären Sekten, wie etwa Griechenland, Rom, Ägypten oder Babylon. Deswegen findet man in höheren freimaurerischen Gradsystemen eben einen Mischmasch aus verschiedensten antiken Mysterienkulten. Die verengte Betrachtung auf jüdische Mysterien (die ohnehin abgekupfert wurden von älteren Mysterien) ist hochgradig irreführend.

Logen wurden bislang auf alle möglichen Zielgruppen zugeschnitten, ob nun die völkische Szene in Deutschland und Österreich, Muslime oder eben Juden heute. Dass es eine rein jüdische Logenverbindung, den United Order of B’nai B’rith (U.O.B.B.) gibt, ist überhaupt kein Beleg dafür, dass das Freimaurertum und die gesamte Welt von Juden dominiert werden, die sich in ihrer gesamten Geschichte hindurch nie wirklich wehren konnten gegen die riesigen Imperien und immer irgendein Imperium als Schutzmacht akzeptieren mussten.

In der COMPACT heißt es:

Offiziell wird ein Zusammenhang zwischen dem U.O.B.B. und der herkömmlichen Freimaurerei abgestritten, manche Forscher mutmaßen jedoch, dass die Schotten- und die jüdische Maurerei ihr Vorgehen seit jeher aufeinander abstimmen. Es gibt jedenfalls ein Dokument vom 12. September 1874, das eine solche Verbindung nahelegt – und das für B’nai B’rith von Armand Lévy und für die «schottische» Seite von keinem Geringeren als dem US-amerikanischen Ritusbegründer Albert Pike unterzeichnet wurde. In dem in Charleston, South Carolina, geschlossenen Vertrag – von den Beteiligten «Konkordat» genannt – heißt es: «Das Oberste Dogmatische Direktorat der Universellen Freimaurerei erkennt die Jüdischen Logen an, so wie sie derzeit in den wichtigsten Ländern bestehen. Das zentrale Hauptquartier des B’nai B’rith wird sich in Hamburg befinden, und die souveräne Körperschaft wird den Titel einer Obersten Patriarchalischen Versammlung führen. Das Geheimnis des bestehenden Bündnisses wird strengstens von jenen Mitgliedern der Hochgradfreimaurerei, denen gegenüber das Oberste Dogmatische Direktorat es für angebracht hält, es zu eröffnen, gewahrt werden.»

Dieses Konkordat ist ein Fake des Schwindlers Leo Taxil. Darüberhinaus war der schottische Ritus mit Albert Pike nicht einmal das ursprüngliche schottische Freimaurertum. Die COMPACT bezieht sich auf Wolfgang Eggert, dem eigentlich bekannt sein müsste, dass es sich um ein Fake von Taxil handelt. Als Fußnoten in seinen Büchern gab Eggert mehrere Verschwörungsbücher an, die dieses Konkordat behandeln, und die alle letztendlich die Fälschung von Taxil als Quelle benutzen, entweder direkt oder indirekt. Eggert fiel auch früher herein auf den Fake-Briefwechsel zwischen den Führern der italienischen und der amerikanischen Hochgradfreimaurerei Giuseppe Mazzini und Albert Pike. Angeblich hätten die beiden Wissen gehabt über drei kommende Weltkriege, aber letztendlich hatten diverse Verschwörungsautoren einfach nur ein Fake von Leo Taxil weitergesponnen.

Von Taxil stammt auch der Schwindel über einen „palladischen“ Freimaurer-Ritus, den Eggert erwähnt als mögliche Kreation von Albert Pike, um eine zentrale, versteckte Koordinierungsstelle für das gesamte Freimaurertum zu schaffen.

Eggert sieht in seinem Buch England als „traditionell am stärksten dem Einfluß von Judentum und Loge ergeben“. In Wirklichkeit kontrollierte der Adel von Hessen-Kassel und die Verwandten vom britischen Thron die Karriere der Rothschilds wie auch den Rest des angloamerikanischen Fake-Kapitalismus. Auch das gerne herumgereichte Zitat, laut dem einer der Rothschilds das britische Geld kontrollieren würde und er sich deshalb nicht darum scheren müsse, wer auf dem britischen Thron sitzt, ist frei erfunden.

Im Bezug au Russland erwähnt die COMPACT nur, dass Logen benutzt worden waren, um die Zaren zu stürzen. Die gewöhnliche Verschwörungs-Schundliteratur betrachtet die Oktoberrevolution als jüdische Revolution, nur weil ein paar derjenigen, die Zahlungen aus dem Westen buchten, jüdische Bankiers waren, und weil manche prominentere Revolutionäre (atheistische) Juden waren. Die Fäden jedoch zogen angloamerikanische Geheimdienste und besonders der britische Welfen-Thron. Die Zaren waren ebenfalls Welfen, ihr Geheimdienst wurde von den Briten aufgebaut und die Revolution samt Bürgerkrieg diente hauptsächlich dazu, den gewöhnlichen russischen Adel endlich zu zerstören und zu vertreiben.

Das Freimaurertum war früh im russischen Zarenreich gelandet und die russische Tradition geht zurück auf die Mysterien des byzantinischen Reichs. Selbst heute ist Russland sehr okkult, was der COMPACT-Leser natürlich nicht erfahren darf.

1731 wurde Captain John Phillips der „Provincial Grand Master“ des Freimaurertums in Russland und man erregte zunächst wenig Aufsehen, da man erst langsam Logen aufbaute und behauptete, jene seien hauptsächlich für Diplomaten und Geschäftsleute aus Deutschland und England gedacht, und könnten die Kooperation fördern mit einflussreichen aristokratischen Russen aus Familien wie Sumarokow, Golowin oder Golitsyn. Mit ähnlichen Beschwichtigungen verbreitete sich das Freimaurertum auch zeitweise erfolgreich in der muslimischen Welt. Hinter der Freimaurerei in Russland steckte der “Royal Arch” in England und man hielt geheim, wer letztendlich die Befehle gab.

In Russland benutzte man zwischen 1750 und 1760 den Ritus der „Strikten Observanz“, der sich auf den alten Tempelritter-Orden bezog und eine gewisse Anziehungskraft auf die russischen Adeligen hatte, die oft im Militär dienten.

Franz Lefort, ein Offizier und Vertrauter von Zar Peter dem Großen, brachte ebenfalls das Freimaurertum nach Russland, genauso wie Jacob Bruce (der als Magier galt) und James Keith, der an der Verschwörung beteiligt war um Elisabeth Romanow zur Zarin zu machen und dessen Cousin zum freimaurerischen Provinzgroßmeister für Russland bei der Großloge von England wurde. Ivan Yelagin, Berater für Katharina die Große, war vertraut mit der Kabbala, Theosophie und ägyptischen Traditionen. Er verwarf den Ritus der Strikten Observanz und zog mit britischer Erlaubnis die russische Großloge hoch. Georg von Reichel aus Braunschweig, einer Hochburg des Welfen-Adels, etablierte ein weiteres freimaurerisches System in Russland, das später mit dem von Yelagin verbunden wurde.

Gustav III. von Schweden aus dem Herzoghaus Schleswig-Holstein-Gottorf, ein Nachfahre des britischen Königs George I. unter welchem das moderne organisierte Freimaurertum begonnen hatte, ging nach St. Petersburg, um den späteren Zaren Paul I. zum Freimaurer zu machen. Paul war zudem Großmeister des Malteserordens, die auch als Johanniter bezeichnet wurden und die Reste der Tempelritter aufgenommen hatten.

Prinz Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel und gleichzeitig Herzog von Braunschweig und Lüneburg, einem der wichtigsten Zentren des Welfen-Adels, war Großmeister der deutschen Logen und lud Johann Georg Schwarz, einen russischen Professor und Anhänger des Rosenkreuzer-Ordens, zum Wilhelmsbader Freimaurerkonvent im Jahr 1782 ein, wo Russland als 8. Provinz des Ritus der Strikten Observanz anerkannt wurde. Ferdinand war Generalfeldmarschall in kurhannoverschen (siehe die Hannoveraner Könige Britanniens) und britischen Diensten. 1789 wurde er Kommendator der Johanniterkommende Gorgast, eine Niederlassung des Johanniterordens, und außerdem diente er als Großmeister aller schottischen Freimaurerlogen. Er wurde im Jahr 1783, wie auch der Welfe Karl von Hessen-Kassel, zusätzlich noch Mitglied des bayerischen Illuminatenordens.

Die sogenannte „Strikte Observanz“ war ein Hochgradsystem, das mehr Grade als nur drei anbot und Elemente des Tempelritterordens benutzte und sich als Nachfolger der Templer betrachtete. Das konkurrierende schwedische Lehrsystem behauptete ebenfalls, im Besitz des letzten Geheimnisses der Tempelritter zu sein. Als Reaktion auf die desolaten Zustände der Strikten Observanz wurde bereits 1776 im Stillen der Illuminatenorden gegründet. Der offizielle Illuminaten-Anführer Adam Weishaupt hatte zwar jesuitische Bildungseinrichtungen besucht, war aber eingewickelt in das Umfeld der Welfen.

Katharina die Große wurde besorgt über die Ausbreitung des Freimaurertums und dass ihr Sohn Paul sich dem Orden angeschlossen hatte. Zudem war er de facto ein Großmeister des Johanniterordens, allerdings war er eher eine schwächliche Marionette, der bald die Logen wieder verbot, ohne die Konsequenzen abschätzen zu können.

Katharina hatte schon die Aktivitäten der Loge gebremst. Der Plan war, ihren Sohn Paul von der Thronfolge auszuschließen, was ihr aber nicht gelang. Sie fand für ihn als Frau die deutsche Welfen-Prinzessin Wilhelmina Luisa von Hessen-Darmstadt (die sich fortan Natalia nannte), Tochter des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Aus der Ehe gingen einige Kinder hervor, von denen Alexander völlig von Katharina dominiert und vereinnahmt wurde. Paul hatte regelrechte Panikattacken wegen seiner Mutter. Paul wurde ermordet; zwei Jahre nach seinem Verbot der Logen.

Alexander bekam als Erzieher und Ausbilder den russischen Militärgeneral und Großmeister des Malteserordens Nikolai Saltykow vorgesetzt sowie den schweizer „Aufklärer“ Laharpe, der ihm sehr nahe wurde. Frédéric-César de la Harpe war ein Politiker, der in hoher Gesellschaft Rom und Malta besucht hatte und in Neapel dem Freimaurerorden beigetreten war. Als Braut vorherbestimmt für Alexander war Prinzessin Louise von Baden, die künftig unter dem Namen Elisabeth Alexejewna auftrat. Luise war das dritte von acht Kindern des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden und seiner Frau Amalie von Hessen-Darmstadt.

Zar Alexander, der zwar wahrscheinlich Freimaurer wurde, aber offenbar nicht allzu tief eingeweiht war, vermutete eine satanische, jüdische „Octopus“-Verschwörung mit vielen Tentakeln. Die Großloge Astraea wurde 1815 geschaffen. Wenige Jahre nach seiner Initiation verbot er die Logen, deren Mitglieder und Hintermänner aber nicht mehr aufzuhalten waren. Alexander Labzin, der einflussreiche Freimaurer, der die St. Petersburger Loge „Die sterbende Sphinx“ gegründet hatte, musste ins Exil.

Ob Alexander 1825 wirklich in Taganrog an gesundheitlichen Problemen starb, lässt sich nicht zuverlässig beantworten. Der schottische Mediziner Dr. James Wylie war sein Leibarzt und hatte zudem noch das Sanitätswesen im russischen Militär erneuert. Da er bereits Leibarzt von Zar Paul I. gewesen war und den Totenschein gefälscht hatte mit der unwahren Todesursache „Schlaganfall“, steht er generell unter Verdacht. 1814 begleitete Wylie Zar Alexander I. als Leibarzt nach England. Dort wurde Wylie zum Ritter geschlagen und ihm dann auch noch der Titel eines Baronets verliehen. Seine Ausbildung hatte er von der Edinburgh University und dem King’s College bekommen. Eine Autopsie der Leiche von Alexander sei ohne plausiblen Grund erst 32 Stunden nach dem Ableben vorgenommen worden. Das Gesicht der Leiche wurde auf Anweisung mit einem Tuch verhüllt, der ganze Leichnam einbalsamiert und bei einer Exhumierung 1866 war der Sarg laut einem Mythos leer. Damals sei durch Schlamperei die Leiche stark verwest und das Gesicht nicht mehr erkennbar gewesen.

1995 gab es wieder eine Großloge in Russland, die von der englischen Großloge, der irischen und der schottischen Großloge anerkannt wurde. Der russische Großmeister Andrei Bogdanow bekam den 33. Grad des schottischen Ritus verliehen und wurde aufgenommen in den Holy Royal Arch in London.

Die DNA des Okkultismus wurde die DNA Russlands

Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete sich der Okkultismus als Ausprägung alter Mysterienkulte stärker in der breiteren russischen Gesellschaft. Wladimir Solowjow brachte die Kabbala im größeren Stil nach Russland. Die berühmtesten russischen Autoren wie Puschkin, Turgenew, Tolstoi und Dostojewski benutzten bereits okkulte Motive und Symbolik. Leo Tolstoi, der Autor von „Krieg und Frieden“ sowie „Anna Karenina“, entstammte dem Adel und hatte den Titel eines Grafen. Er wurde 1901 aus der Kirche ausgeschlossen, weil er die gängige christliche Doktrin ablehnte und erklärte:

„Die Lehre der Kirche ist eine theoretisch widersprüchliche und schädliche Lüge. Fast alles ist eine Sammlung von grobem Aberglauben und Magie.“

In „Krieg und Frieden“ zeigte er eine genaue Kenntnis von freimaurerischen Ritualen und den unterschiedlichen Arten von Freimaurern; vom Opportunisten bis hin zum großen Eiferer. Russische Autoren besuchten Paris und stießen dort auf Okkultisten, die der „hohen Magie“ von Eliphas Lévi folgten und der esoterischen Freimaurerei des Martinismus.

Am 14. März 1861 wurde Lévi in die Freimaurerloge „Rose du Parfait Silence“ in Paris aufgenommen, fand das Freimaurertum jedoch zu fade.

Der Martinismus war eine freimaurerische Strömung, die auch Sexualmagie und gnostische, kabbalistische und hermetische Elemente enthielt.

Die künstlerische Bewegung des “russischen Symbolismus” glaubten, dass bestimmte Worte magische Kräfte hatten und eine neue Welt schaffen konnten, eine Vorstellung aus dem alten Ägypten.

Die (britische) Theosophie verbreitete sich in Russland wie ein Virus und brachte Figuren hervor wie Roerich, Uspensky und Gurdjieff. Letzterer war jahrzehntelang durch Zentralasien, Nordafrika und Europa gereist auf der Suche nach alten Kultstätten und Geheimnissen. So überrascht es nicht, bei ihm Einflüsse zu finden wie den Sufi-Mystizismus, essenisch-christliche Mystik und pythagoräische Konzepte. Einer seiner Schüler war Captain John G. Bennett, Anführer des britischen Militärgeheimdienstes in Konstantinopel. Für Gurdjieff war das Böse nur eine Illusion, die die Unerleuchteten nicht verstehen würden.

Auch Superstar-Autor Maxim Gorky, der mit Lenin befreundet war, interessierte sich für die Theosophie, genauso wie Anatoli Lunatscharski, der Volkskommissar für Bildung.

Die Russin Helena Petrovna Blavatsky, die eine der wichtigsten Strömungen der Theosophie gründete, bediente sich in der Bibliothek ihres freimaurerischen und rosenkreuzerischen Urgroßvaters und konnte durch das Geld ihrer Familie durch die Welt reisen, wobei sie einerseits mehr Wissen sammelte über antike Mysterien-Kulte, andererseits aber auch einige hochtrabende Geschichten erfand. Die theosophische Gesellschaft gründete sie mit dem Amerikaner, Freimaurer und Ägyptologen George Felt, sowie mit dem Briten Charles Massey.

Russische Übersetzungen von klassischen okkultistischen Autoren wie Papus, Agrippa, Paracelsus, Boehme und Swedenborg verbreiteten sich. Der berüchtigte Rasputin war auch längst nicht der einzige Okkultist seiner Art bei den Zaren.

Inzwischen wird Rasputin von den regimetreuen Pseudo-Historikern zum orthodoxen Christen umgedichtet. Zar Nikolaus II. und dessen Frau sind inzwischen heiliggesprochen worden.

Kommunistische Propaganda verwendete okkulte Mysterien-Ikonografie wie zum Beispiel die Erleuchtung durch Prometheus bzw. Luzifer, der auch mit der Venus assoziiert wird:

Es wurden Schulen und Fakultäten eingerichtet wie die „Freie philosophische Akademie in Petrograd“ und die „Moskauer Spirituelle Akademie“; aber Okkultisten bekamen auch Positionen in größeren sowjetischen Bildungseinrichtungen, Ministerien und anderen Verwaltungsapparaten. Sowjetische Kunst und Kultur und Propaganda hatte einen starken okkultistischen Einschlag und der große sowjetische Anführer Lenin wurde nach seinem Tod zu einer Mumie einbalsamiert und in einem Mausoleum untergebracht, wo er wie ein Heiliger von Millionen Menschen besucht wurde. Leonid Krasin, der den Lenin-Kult entwarf, war ein Bewunderer von Fedorow, der an Wiedergeburt glaubte. Das Granit-Gebäude basiert auf antiken Mausoleen wie die Stufenpyramide des altägyptischen Königs Djoser und das Grab von Kyros II. Der Architekt Alexei Wiktorowitsch Schtschussew plante auch das Stadtkonzept beim Ausbau Moskaus, hatte zahlreiche Kultstätten in vielen Ländern besucht, und entwarf einige russisch-orthodoxe Kirchen. Er hatte die Sympathien der Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna, die eigentlich eine deutsche Prinzessin aus dem Welfen-Haus Hessen-Darmstadt und Enkelin der britischen Königin Victoria war.

In Lenins Umfeld und im Sicherheitsdienst OGPU tummelten sich die Okkultisten. Gleb Bokii, einer der wichtigsten Führungsleute bei der sowjetischen Geheimpolizei Tscheka und wahrscheinlicher Organisator der Gulags, versuchte die Theosophie und Tantra mit dem Kommunismus zu verbinden und vertiefte sich in großangelegte Expeditionen, um u.a. das mystische Königreich Shambhala zu finden. Bokiis Vertrauter, Alexander Wassiljewitsch Bartschenko, war vom selben Schlag und stand auch in Kontakt mit Menachem Mendel Schneerson von der Chabad-Bewegung, einer chassidischen Grupperung innerhalb des orthodoxen Judentums. Schneerson war der Sohn eines Kabbalisten und damit unter dem Einfluss der Mysterien. Sogar der Tscheka-Boss Feliks Dzierżyński schickte Bartschenko auf Expeditionen wie etwa auf die Krim, um geheime Eingänge zu suchen für die Ruinen antiker Zivilisationen. Bokii und Bartschenko hatten sogar Kontakt zu Karl Haushofer aus Deutschland, wo sich manche Nationalsozialisten ebenfalls für Mysterien und hochtrabende Expeditionen begeisterten. Gerüchteweise waren die beiden Sowjetfunktionäre in derselben Freimaurerloge wie Haushofer.

Stalin ließ seinen Personenkult schrittweise aufbauen, bis er als eine Art Gottheit verehrt wurde, dessen übermenschlichen Zauberkräfte auf die ganze Sowjetunion abstrahlten. Das bloße Aussprechen seines Namens soll Luftwaffe-Piloten und Arbeitern besondere Kraft gegeben haben. Stalins Reden waren wie die hypnotischen Mantras eines Schamanen.

Er ließ die als „sieben Schwestern“ bekannten Hochhäuser bauen, die heute u.a. das Außenministerium beherbergen. Es gab einige alternative Standorte, die den Bau vereinfacht hätten, aber man betrieb einen großen Aufwand, um ganz bestimmte Grundstücke nutzen zu können. Die Architektur ähnelt Vorstellungen von babylonischen Türmen und anderen mesopotamischen Bauwerken. Das Pentagramm, das den Kommunismus von Anfang an als Symbol begleitete, wurde die Form des Theaters der Roten Armee. Die staatlich vorgeschriebene Kunstform des „sozialistischen Realismus“ zeigte alles andere als die Realität, sondern eine magische Scheinwelt.

Auch Gorbatschow bewarb öffentlich das Roerich-Konzept eines „spirituellen Kommunismus“ und unterstützte ein großes Roerich-Zentrum in Moskau.

Die Vorstellung, dass eine jüdische Weltverschwörung die kommunistische Revolution durchgeführt und satanische Mysterien nach Russland brachte, ist falsch.

Mysterien gelangten viel früher nach Russland durch benachbarte Länder, über das byzantinische Reich und dann im größeren Stil durch den vermehrten Einfluss des Welfen-Adels, der nach langem Ringen mit den französischen und preußischen Konkurrenten den russischen Zaren-Hof übernahm. Während in Europa und den USA bereits die geheimdienstlich gesteuerte Pseudo-Demokratie und der Pseudo-Kapitalismus zunehmend aufgebaut wurden, verharrte das zaristische Russland ewig in einer klassischen Diktatur samt Bauernsklaverei, die viele Elemente des alten Roms enthielt. Als die Welfen im Zaren-Hof fest etabliert waren, versuchten sie mit dem Freimaurertum und anderen Ausprägungen der Mysterien, den alteingesessenen gewöhnlichen russischen Adel zu entmachten, die Bauernsklaverei zu beenden und einen Wandel  herbeizuführen, der den USA oder der konstitutionellen Monarchie des britischen Imperiums nachempfunden sein sollte.

Die Vorstellung, dass Wladimir Putin in Russland die letzten Überreste der jüdisch-satanischen Weltverschwörung vertrieben hätte und dass die russische Supermacht das Gegengewicht darstelle zu den jüdischen Illuminati der NATO, ist komplett falsch und eine gezielte Lüge aus der Propaganda. Russland mit seinen leistungsfähigen Geheimdiensten hätte (auch über Umwege) längst Enthüllungen präsentieren können, die den wichtigen Funktionären der NATO-Sphäre enorm schaden. Stattdessen kamen aus Russland nur billige Fälschungen wie die „Protokolle von Zion“, überschaubare Enthüllungen und andere abgedroschene Klischees aus der klassischen Verschwörungsliteratur.

Im russischen Fernsehen gab es Anfang der 2000er Jahre ein Explosion von okkulten TV-Programmen auf den größten Sendern wie z.B. die „Schlacht der Hellseher“, „Hellseher gegen Detektive“, „Die Mysterien der Welt“ oder die Dokumentar-Reihen auf TV-3 über okkulte Phänomene. Die verantwortlichen Sender gehören dem Energiekonzern Gazprom.

Ein wichtiger Organisator der neuen PR-Kampagne für den Okkultismus ist Wladislaw Jurjewitsch Surkow, der als „Kreml-Chefideologe“ gilt und als verantwortlich für die russische Innenpolitik. Im Jahr 2004 soll er maßgeblich zum Wahlsieg von Wladimir Putin bei den Präsidentschaftswahlen beigetragen haben.

Das Publikum wird bombardiert mit Programmen zu Hexerei, Telepathie, UFOs, Wahrsagerei, Kontaktaufnahmen mit den Toten und vieles mehr. Solche Inhalte bestimmen auch im Westen einen großen Teil der „alternativen“ Szene und überschneidet sich mit klassischen Verschwörungsmedien. 48% der Russen glauben Umfragen zufolge an Zauberei. Über eine Million Wunderheiler und andere esoterische Dienstleister bieten ihre „Fähigkeiten“ an. Victor Pelevin, einer der einflussreichsten Autoren in Russland, ist deutlich beeinflusst von den Mysterien. Der übernatürliche Thriller “Night Watch” von 2004, in dem Zauberer, Vampire und Formwandler auf der Seite des Guten und des Bösen existieren, wurde in Russland erfolgreicher als der erste Teil von „Herr der Ringe“. Die Romanvorlage enthält noch mehr schwarze Magie und Ähnliches.

„Der Fond für konzeptuelle Technologie“ fördert Verschwörungs-Filmchen im Internet, die altbekannte Enthüllungen über die westlichen Staaten verbinden mit dem Putin-Kult, der die Welt retten werde. Valery Pyakin, der eine der Führungsfiguren in dem Fond ist, ist Mitbegründer der „Volksbewegung für die göttliche monarchische Herrschaft“, die vom Sowjet-General Konstantin Petrow geschaffen wurde, der wiederum im Raumfahrtprogramm arbeitete und sich als Neo-Paganer outete nach dem Kollaps der Sowjetunion. Die Produktionsfirma Telekompaniya Meinstrim, deren Boss bei den Massenmedien gearbeitet hatte, verbreitet ebenfalls Verschwörungs-Filme auf Youtube.

Über den Okkultisten und Eurasier Alexander Dugin, der die westeuropäische rechte Szene bearbeitet, habe ich bereits ausführlich geschrieben. Seine PR-Leute nennen ihn einen gläubigen orthodoxen Christen. Für ihn ziehen sich „Fäden des alten Wissens“ zu „Marx, zu Necaev, zu Lenin, zu Stalin, zu Mao, zu Che Guevara.“ Nietzsche, Heidegger, Evola, Hitler und Mussolini „hüllten den gnostischen Willen in National- und Rassenlehre ein.“

Eigentlich würde man erwarten, dass die orthodoxe christliche Kirche ständig gegen den Okkultismus protestiert, aber stattdessen beschränkt man sich auf Themen wie Homosexualität und Rockmusik. Sogar der Patriarch Kirill schwieg über den Okkultismus in den Massenmedien. Kirill, der wahrscheinlich beim Geheimdienst KGB war, begeisterte sich für Telekinese und ähnliche mystische Dinge.

Die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti zitierte Experten des Innenministeriums, laut denen Satanismus eine größere Bedrohung für die nationale Sicherheit geworden sei als islamische Radikalisierung. In einem anderen Report von Ria Novosti erklärte ein führender russischer Psychologe, dass es im Land mehr okkulte Heiler als echte Ärzte gibt. Man schätzt 800.000 „Magier”. In russischen Zeitungen finden sich unzählige Kleinanzeigen, in denen die Mystiker und Okkultisten ihre Dienste anbieten oder neue Leute für ihre Gruppen anlocken wollen. Laut einer Erhebung des Levada-Meinungsforschungsinstituts haben 20% aller Russen bereits auf solche Anzeigen geantwortet.

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