Wie man sich wirklich gegen Internetzensur in Deutschland wehrt

Kommentar Die politisch tätige Internet-Zunft sieht sich momentan konfrontiert mit Razzien, Sperrungen und Maßnahmen zum Austrocknen von Finanzierung. Wie reagieren manche Betroffenen darauf? Mit blankem Hass, noch stärkeren Provokationen,...

Kommentar

Die politisch tätige Internet-Zunft sieht sich momentan konfrontiert mit Razzien, Sperrungen und Maßnahmen zum Austrocknen von Finanzierung. Wie reagieren manche Betroffenen darauf? Mit blankem Hass, noch stärkeren Provokationen, der Hoffnung auf Putin und einem Umsturz sowie der Androhung von späteren Tribunalen gegen die Zensoren. Damit reiten sich die Betroffenen noch weiter in den Untergang und liefern den Zensoren eine Scheinbestätigung für die Zensurmaßnahmen.

Provokation statt Qualität

Provokationen verschaffen leicht Aufmerksamkeit und versprechen schnellen Erfolg, während Qualitätsarbeit meistens vom Publikum nicht erkannt wird. Dieses Klima und der Mangel an Moderatoren bei den Internet-Riesenfirmen schufen die Illusion, dass auf Facebook und Youtube fast alles durchgeht. Inzwischen werden aber nicht exakt definierte Mindeststandards durchgesetzt und die Internet-Nutzer sehen sich ihrem wichtigsten Werkzeug, der Provokation, beraubt.

Politiker beschäftigen aus gutem Grund professionelle Sprecher, PR-Experten und Politikwissenschaftler, weil jeder einzelne Satz eine Bedeutung hat und vor Veröffentlichung abgewogen wird auf die psychologische Wirkung auf das Zielpublikum. Meistens liegen Statements diverse Meinungsforschungen zugrunde.

Diejenigen im Internet, die glauben sie könnten einfach nur mit genügend Provokationen und Geschrei die Kanzlerin stürzen, tippen oft nach dem dritten Bier etwas Undurchdachtes ins Keyboard oder lassen sich von Emotionen, ihrer jeweiligen Filterblase und der Geltungssucht leiten. Auch Politikern der AfD passierten immer wieder solche PR-Desaster, anstatt von Anfang an mit höchster Disziplin nach außen zu kommunizieren.

Die Leute von der CDU oder der SPD wissen, dass ihre Karrieren durch einen einzigen Satz beendet werden könnten. Die AfD hingegen gab freie Fahrt für maximale Provokationen und ließ sich von tausenden Nadelstichen der Linken in Form von physischen Angriffen sogar noch zu mehr und stärkeren Provokationen verleiten. Für den wütenden AfD-ler im Chat mag es eine kleine Provokation sein, von Änderungen der Deutschen Außengrenzen zu labern, um Dampf abzulassen, aber solche Dinge setzen Hebel und Mechanismen in Bewegung, die schnell die Geheimdienste auf den Plan rufen. Verdeckte Ermittler agieren oft einfach nur als Provokateure; sie heizen die Stimmung weiter an und überschreiten schrittweise Grenzen, bis alles um sie herum im Extremismus versinkt.

Praktisch kein gewöhnlicher Polizist hat Lust darauf, wegen dummem Geschrei auf Facebook Hausdurchsuchungen vorzunehmen, Geräte und Datenträger zu beschlagnahmen und dann endlose Berichte zu tippen und sämtliche Dateien zu durchforsten. Aber der Staat hat nun einmal einen Haufen Gesetze auf seiner Seite und Facebook, Google und Youtube haben als Privatunternehmen ihre AGBs. Da braucht sich jemand, der den Koran auf seinem Youtube-Kanal verbrennt, nicht wundern, wenn ihm der Account dicht gemacht wird. Niemand kann Youtube zwingen, das zu hosten.

Die hohe Politik hat interne Organisationsstrukturen und etablierte Sanktionsmechanismen, während die Internet-Rebellen im heutigen Klima darauf angewiesen sind, sich einigermaßen zu benehmen und unter sich auf die Einhaltung von Mindeststandards zu pochen. Aber die Internetrebellen versinken bei dem Versuch, so etwas wie Ordnung zu etablieren, natürlich nach drei Sekunden im Chaos. Kein Schreihals lässt sich nach drei Bier von einem anderen etwas sagen. Genau das gleiche Problem herrscht in der AfD vor, wo die Provokations-Strategie nach hinten losging, aber nun alle Angst haben vor dem rechten Flügel, der sich eine feuchten Kehricht schert darum, was Mindeststandards anbetrifft.

Merkel und ihre Getreuen wissen, dass ihre effektivste Waffe die Emotionalität und der Narzissmus der Opposition sind.

Der KOPP-Verlag stellt nun sein Partnerprogramm ein, mit dem zahlreiche Blogs Provisionen verdienten. Eine Erklärung wird nicht geliefert, allerdings lässt sich spekulieren: Mir sind schon KOPP-Banner auf Seiten aufgefallen, die anonym bzw. aus dem Ausland betrieben werden und sich nicht viel scheren um deutsche Gesetze. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis Denunzianten das melden und der KOPP-Verlag sich mit rechtlichen Auseinandersetzungen herumschlagen muss. Als Alternative müsste KOPP ja die Partner-Blogs ständig überwachen, was kaum durchführbar ist und KOPP dann von den Bloggern den Vorwurf einbringen würde, zu zensieren und keine echten Patrioten zu sein.

Der Staat kocht zwar nur mit Wasser, aber kann das um Meilen effektiver als die Internetrebellen. Die Antwort kann nur lauten, Mindeststandards zu etablieren und mit Qualität zu provozieren anstatt ständig nur haarscharf am Rechtsbruch oder darüber hinaus zu agieren. Facebook nutzt dermaßen wenig Moderatoren, dass die in wenigen Sekunden entscheiden müssen, ob sie etwas sperren oder nicht. Es ist nichts anderes als ein gigantisches Forum, bei dem der Betreiber theoretisch für alles haftet. Deshalb kommen auch immer wieder völlig legale User unter die Räder.

Schauen Sie sich an, wie der KGB sein Netz aus linken Umstürzlern in Deutschland gesponnen hatte: Nur ein winziger Teil waren Terorristen und Provokateure. Das allermeiste waren Frontgruppen, die peinlichst genau auf die Einhaltung der Gesetze achteten. Die Systemparteien mussten sich jeden Schritt gegen solche Frontgruppen genau überlegen.

Deutsche Patrioten müssen realistische Ziele und realistische Maßnahmen anvisieren, anstatt sich von Narzissten anführen zu lassen und von Grenzverschiebungen, Putins Panzern und Rachetribunalen zu faseln.

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Medien
7 Comments on this post.
  • H0l0gr4mm
    9 Juli 2017 at 18:12
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    Nun ja so ist es aber, aber man sieht ja (Das mim Koran Verbrennen bezieht sich vorallem auf die vulgäre Analyse nehm ich mal an), sowas erreicht nunmal Leute. Ich gebe auch zu, ich schau mir das gern zur Unterhaltung an, weils halt so schön befreihend ist sowas zu sehen, auch wenn mir natürlich klar ist, das er sich durch seine extrem provokante Art nur Probleme einhandelt. Da finde ich Leute wie den „Doktorant“ deutlich besser, da er sich nicht völlig gehen lässt. Dennoch wird auch er nicht seine eigene Rechts und Medienabteilung haben die ihm Tipps gibt wie er sich besser artikulieren kann und die ihm vor Strafen schützen würde.

    @Admin Ich sag dir das aber auch schon, dir würde sowas auch gut tuhen, deine Analysen sind Messerscharf, aber sorry das ich das so sage, du hast keine Ausstrahlung. Mir ist sowas egal, den meisten aber nicht. Und du solltest echt mal überlegen, dich mit den ein oder anderen gescheiteren Leuten etwas zusammen zu tuhen. Schau dir mal den Kanal vom „Doktorant“ an (https://www.youtube.com/channel/UCiVuRSoLiet2lCTzQUOwHow). Mit ihm kann man sich sicherlich unterhalten. Es muss ja nix weltbewegendes sein, aber wenn du dich mal mit ihm in Verbindung setzt und ihr bissel redet, vll. kommt da ja was bei rüber.

    Und ne andere Sache betrifft die Website: Es ist ja verständlich, dass dieses Popup kommt das einem zum Shop führt, aber wenn das bei jeder Aktualisierung der Seite erscheint, lädt das nicht dazu ein sich hier umzuschauen. Cookies hab ich akzeptiert und Addblock auf der Seite ausgeschaltet, ich benutze Firefox. Gut möglich, dass es so nicht sein sollte, aber es nervt halt schon wenn man sich hier bissel umschauen will 😉

    • anda
      10 Juli 2017 at 9:59
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      Sorry, aber die Vulgäre Analyse und Doktorant sind stark unter Beneschs Niveau.

      • H0l0gr4mm
        10 Juli 2017 at 19:49

        Die Vulgäre Analyse, ja da stimm ich dir zu, aber beim Doktorant sehe ich schon Potential.

      • abgelehnt83
        10 Juli 2017 at 19:50

        Benesch + DVA?? das wäre wie Marcel Reich-Ranicky und Stefan Raab xD in einer Sendung
        Informationgewinn = 0, dafür Unterhaltung und PR

        Also ich hätte nix gegen ein „infokriegerisches Quartett“ oder Quintett!
        aber wen haben wir da sonst??
        Flacherdtony?
        Diesen komischen knakki deluxe, den ich am Anfang interessant fand, aber mittlerweile… lassen wir’s
        ???

  • abgelehnt83
    9 Juli 2017 at 14:02
    Leave a Reply
  • abgelehnt83
    9 Juli 2017 at 13:24
    Leave a Reply

    Was man gegen Internetzensur tun kann?
    AUF DIE BARRIKADEN !!
    nee, so nicht, nicht in diesem Zustand.
    ernsthaft:
    folgende Ideen/Hirnfürze
    mehr Print, weniger Internet = google + facebook etc.pp, eigene Seiten kann man mittlerweile eh vergessen, die sind unbekannt und bleiben es auch, außerdem: Hackerangriffe durch Linke sind möglich – aber: u.U. ist der Druck und Vertrieb teurer, und man hat nur eine lokal begrenzte Reichweite
    erzähl-Form:
    mehr Satire, Fiktionales, Fabeln – Gefahr: rafft keine Sau, außerdem hat die Zensur der vergangenen Jahrhunderte auch dort zugegriffen! damals aber in Erster Linie, um die Denker einzuschüchtern
    die jetzigen Denker sind entweder Systemlinge oder gleiten in illegale Aktivitäten (deep web) und damit Schwulitäten ab …
    über die selten bis kaum beachteten Hintergründe aufklären, z.B. dass die Ablehnung von „Hass“, ja ein spinnertes esoterisches Konzept ist. Die meisten Leute verachten diese Esospinner ja – Problem: könnte zu sehr offtopic gehen und man verliert sich in Details
    also:
    eine hieb- und stichfeste Weltanschauung zimmern, welche logisch und schlüssig die Werte (wie etwa Liberalismus) aufgreift, welche unsere „Gesellschaft“ ja angeblich so schützen möchte, diese analysiert/zuende denkt und so immer einen Kompass zu haben für alle möglichen Entscheidungen und selbst falls diese „rechtspopulistisch“ erscheinen mögen, dass diese – speziell im Gesamtzusammenhang – im freiheitlichen Denken fußen – jedoch: die breite Masse steigt da irgendwann aus und die intelligenteren = verkopften sind so borniert, die nennen alles was mal auf eine höhere Ebene geht, aber sich nicht an die akademischen „Regeln“ hält ein „Geschwurbel“ und notfalls, falls es einfach aber genial gehalten ist als „vereinfachtes Welterklärungsmodell“
    Tja, schwierig, die feinde der Freiheit haben an ALLES gedacht, wie es scheint

    Aber es ist nun mal so: Der mensch hasst nun einmal, es ist normal, zu hassen!
    Eine gesunde Gesellschaft kann das auch ab
    Das heißt: unsere Gesellschaft/kollektiv ist massiv gestört
    Natürlich werden die Intellektuellen immer sagen: tja, es ist halt alles so kompliziert geworden bla bla blubb
    Die Verschwörungsleugnerei hat auch einen neuen Tiefpunkt erreicht und sogar die Wahrheitsbwegung/truther erreicht! via Kreml
    aber gut
    Wenn man sagt, dass man nicht mehr hassen darf, dann verwandeln wir uns über kurz oder lang in genau die sterile Psychopathengesellschaft a la 1984, welche auch gewollt sein könnte, wie in diesen widerwärtigen Dystopien, wo die Leute die Wahl haben zwischen wie die Schweine im Dreck zu leben (die Proles) oder in total gleichgeschalteten Einrichtungen … gruselig! wehret den Anfängen!
    Deshalb sollte man sich auch solidarisch mit allen möglichen Gegnern der Zensur und Einschränkung der Freiheit erklären, wohlgemerkt wegen der Sache, nicht wegen der – evtl narzisstischen oder verbldenten – Person
    so bin ich etwa auch dafür, einem TTA die Meinungsfreiheit zu belassen, auch wenn ich seine rassistischen Ansichten ablehne!
    Hier geht es ums Prinzip

    Aber das ändert alles nix daran, dass man – wie überall – auch in diesem Punkt für ein politisches Wirken und sei es auch nur als Schreiberling, sich seine „Genossen“ so auswählen sollte, dass sie das bessere Drittel oder eventuell die besten 10 % einer Bevölkerung sind. Also iSv Anstand, Vernunft und Mut.
    Mehr fällt mir dazu auch nicht ein
    nur soviel: gilt dieser Post schon als „Hetze“? komm da nicht mehr hinterher -,-

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