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Allgemein Sicherheit

Fehlen von Orlando-Gräuelbildern führt zur kompliziertest-möglichen Verschwörungshypothese

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Kommentar

“If it bleeds, it leads.”

Dieser Spruch stammt aus dem Film Nightcrawler über das schmutzige Nachrichten-Geschäft. Es bedeutet soviel wie: Blut bedeutet Top-Meldungen. Große Nachrichtensender und Zeitungen verpixeln heutzutage blutige Fotos und Videoaufnahmen, zeigen ab einem bestimmten Punkt nur noch Ton und ein Standbild. Die Zeiten sind vorbei, in denen man nachmittags im US-Fernsehen das Ende einer Verfolgungsjagd sehen konnte, wo sich der Flüchtende selbst mit einer abgesägten Schrotflinte den Kopf wegschießt. Wenn in Panama oder Kolumbien die Drogenmafia auf offener Straße Menschen erschießt, hören Reporter sofort die Meldungen im Polizeifunk ab, düsen zu dem Tatort und filmen die frischen Leichen. In Mittel- und Südamerika bekommt man in den Nachrichten noch Einschusslöcher in Großaufnahme kredenzt.

Bei dem Orlando-Massaker am Pulse-Nachtclub hatten die Nachrichten-Teams und Fotografen keine Gelegenheit, in die Absperrungszone des Tatorts zu gelangen um Leichen zu filmen. Dies führte dazu, dass im Internet die kompliziertest-mögliche, unwahrscheinlichste Verschwörungshypothese am meisten Zulauf erhielt: Die ganze Sache soll nur Theater gewesen sein, mit Krisenschauspielern und eingeweihten Polizisten und Rettungskräften.

Es gibt keinen belegten historischen Vorfall, bei dem jemals so etwas gelungen war.

Inszenierungen finden normalerweise dort statt, wo möglichst wenige Zeugen und Mitwisser eingeplant werden müssen: In “Operation Northwoods” plante der Generalstab des US-Militärs im kalten Krieg, ein amerikanisches Schiff in Guantanamo Bay zu sprengen, Begräbnisse für non-existente Opfer abzuhalten und Kuba die Sache anzuhängen. Es wurde auch vorgeschlagen, eine unbemannte Drohne zu sprengen in der Nähe von Santiago oder Havanna. US-Rettungskräfte und Soldaten sollten dann eine Rettungsoperation durchführen um die nicht existierenden Überlebenden zu “evakuieren”. Alternativ sollte ein US-Pilot unter falscher Identität Funksprüche absetzen, dass er von kubanischen MIG-Abfangjägern angegriffen würde. Er sollte dann an einer sicheren Basis landen. Auch eine Terror-Kampagne in Florida wurde anvisiert. Diese Pläne aus dem Jahr 1962 wurden zwar nicht umgesetzt, allerdings erkennt man, dass für diese Operationen entlegene Orte gewählt wurden und Soldaten die ausführenden Personen sein sollten. Der Informationsfluss in den Medien war auch noch sehr langsam im Jahr 1962 und es gab keine Internetforen und keine sozialen Medien.

Viel einfacher war es für die CIA, Leute mit Drogen, Folter und Gehirnwäsche zu Auftragskillern zu machen. If it bleeds, it leads.

Geheimdienste aus Ost und West gaben Waffen und Sprengstoff an Terroristen, um echte Ereignisse zu provozieren. Oder man schritt nicht rechtzeitig ein. Bei dem Oklahoma City-Anschlag befanden sich Agenten mehrerer Behörden in der Terrorzelle. Eigentlich sollte das Gebäude nachts getroffen werden.

Die Bilder des Gebäudes und der Opfer, darunter auch einige Kinder, gingen um die Welt. Niemand hat damals die Hypothese zusammengesponnen, es habe sich nur um eine Inszenierung gehandelt.

Vielleicht war der Orlando-Killer Omar Mateen einfach nur ein psychopathisches Monster. Vielleicht war er auf psychiatrischen Medikamenten, wie so viele Killer vor ihm, und drehte auf Grund von Nebenwirkungen durch. Vielleicht war er ein dressierter Killer, vielleicht hat ihm jemand regelmäßig heimlich Substanzen verabreicht um ihn zu destabilisieren. All diese Hypothesen sind realistisch.

Seltsamerweise konzentrieren sich skeptische Menschen bei Massakern inzwischen auf die kompliziertest-mögliche, unwahrscheinlichste Verschwörungs-Hypothese einer kompletten Inszenierung. Selbst wenn es Gräuelbilder gibt wie beim Boston Marathon, dann heißt es von medizinischen Laien, dass die Wunden nicht echt seien und die Opfer nur Schauspieler.

In Orlando gab es 50 Opfer, 50 weitere Verletzte und viele weitere Club-Besucher, die heil davon gekommen sind. Jede von diesen Personen ist in Orlando bekannt, ob nun Mit-Studenten, Schülern, Angehörigen oder Freunden. Die Gay-Szene kennt die Gäste, die regelmäßig, in manchen Fällen seit Jahren durch die Nachtclubs zogen. Die Vorstellung, dass diese hunderte Personen allesamt Schauspieler sind mit völlig frei erfunden Identitäten, ist komplett absurd. Dann gibt es die ganzen Angehörigen und Freunde, die Kränze für die Toten niederlegen. Auch nur Schaupieler? Absurd.

Hunderte Polizisten, Rettungskräfte, FBI-Ermittler, Forensiker sollen auch in die Inszenierung eingeweiht worden sein? Absurd. Das Orlando Regional Medical Center nahm alleine 44 Patienten auf. Ist jetzt praktisch das gesamte Personal des Krankenhauses in die Verschwörung involviert? Jeder Krankenschwester müsste aufgefallen sein, dass keine echten Patienten reinkamen. Keine Operationen, kein gar nichts. Keine Anmeldungen von Patienten im System oder Scheinanmeldungen von Leuten, die gar nicht existieren und die keine Krankenversicherung kennt. Sind jetzt die Krankenversicherungen von den Fake-Patienten auch noch an der Verschwörung involviert?

Die ganze Idee ist irrational. Trotzdem werden, wie bei vergangenen Fällen auch, unsinnige Foto-Vergleiche gezogen werden um zu “beweisen” dass Opfer und Angehörige nur Schauspieler seien.

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1 comment

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H0L0gr4mm 18. Juni 2016 at 20:40

So macht man halt die alternative Szene unglaubwürdig, klappt doch gut!

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