Rezension der Wikileaks-Bücher von Daniel Domscheit-Berg und dem SPIEGEL [Teil 2]

Posted on Aug 22 2011 - 10:12am by AlexBenesch

Alexander Benesch

Eine begrenzte Anzahl an Lesern wird es für nötig halten, mehr als ein Buch über Wikileaks zu lesen, insofern konkurrieren die SPIEGEL-Autoren natürlich mit Daniel Domscheit-Berg um Verkaufszahlen und Deutungshoheit. Die Hamburger Journalisten wollen sich, so der Eindruck, die Computer-Nerds als Quelle warmhalten, gleichzeitig hält man sie genügend auf Abstand um sie jeden Moment fallenlassen zu können, sollte sich die Situation ändern und etwa schwer Belastendes gegen die Leaker auftauchen. Trotz der persönlichen Zuammenarbeit, trotz Monaten an Vorsprung bei der Bearbeitung der diversen “Sensationsdokumente” wird erklärt, man hätte das Material behandelt als wäre es ihnen anonym per Post zugesandt worden. Was erfahren wir in dem Buch “Staatsfeind Wikileaks” über die in internationalen Medien berichteten Absprachen zwischen SPIEGEL, Guardian und New York Times und den jeweiligen Regierungsbehörden im Bezug auf die Veröffentlichung der Afghanistan-, Irak- und Cablegate-Dokumente? Rein gar nichts, nicht eine einzige Zeile. Es wird durch Auslassungen der Eindruck erweckt, die deutsche Bundesregierung, die Briten und die Amerikaner wären überhaupt nicht vorab von den Zeitungen informiert worden. Stattdessen beweihräuchert der SPIEGEL sich selbst und die Partner-Publikationen für ihre strikte Geheimhaltung, sogar im jeweils eigenen Haus, sowie für ihre “verantwortungsvolle” Berichterstattung. In einem Enthüllungsbuch erwarten wir eigentlich mehr Hintergrund, nicht weniger. Hier wird ganz offensichtlich ein bedeutsamer Teil der Geschichte unterschlagen. David Sanger, der bei der New York Times für die Bearbeitung der Cablegate-Dokumente zuständig war und als Mitglied des elitären Council on Foreign Relations vehementer Befürworter einer Ausweitung des Krieges gegen den Terror ist, drehte in einem Interview mit National Public Radio immerhin munter an einem Strick für Assange:

“Ich denke nicht [dass er ein Journalist ist], und der Grund dafür ist dass ich glaube, Journalisten graben nicht nur Informationen aus sondern filtern sie auch, erklären sie, bringen sie in den Kontext.”

“Er [Assange] geht mit einer politischen Motivation an die Sache heran. Wir Journalisten bei der Times und anderswo tun dies nicht. Wir gehen an die Sache heran um die Welt zu erklären. Er hat versucht – um seine eigenen Worte zu benutzen – die Vereinigten Staaten zu blamieren und klarszustellen dass Amerikas Handlungen sich von der Rhetorik unterscheiden würden. Wobei man jedoch sehen kann, wenn man diese Dokuente durchliest, dass Amerikas Handlungen gut übereinstimmen mit der Rhetorik.”

Hier wird ganz klar ein Trennstrich gezogen und dafür plädiert, Assange, Bradley Manning, Wikileaks und eigentlich jedem potentiellen Whistleblower den Schutz für Journalisten vorzuenthalten. Sanger stellt klar, dass er eher mit der Regierung kooperiert hat als mit Wikileaks:

“… Wir erklären was hier wichtig ist und was nicht. Und wir filtern es um die größten Gefahren für Individuen, für laufende Operationen usw. zu vermeiden.”

“…wissen sie, hätten wir gewartet bis alles im Internet erscheint und dann versucht der Sache hinterherzulaufen [...] wir hätten nicht die nötige Zeit gehabt um es zu verarbeiten oder so gründlich wie wir es schließlich getan haben darüber nachzudenken, was zensiert werden sollte und was nicht.”

“… wir bei der Times waren besorgt, das war einer der Gründe weshalb wir so gründlich alles durchsucht haben um Material zu zensieren von dem wir dachten, dass es Invidividuen schaden oder laufende Operationen sabotieren könnte. Und wir machten sogar den ungewöhnlichen Schritt, die rund 100 Depeschen über die wir schrieben, der US-Regierung zu zeigen und sie zu fragen, ob sie eventuell weitere Kürzungen vorschlagen.”

Datenwäsche

Domscheit-Bergs Erläuterungen ist zu entnehmen, dass Wikileaks ab der Übergabe der Afghanistan-Logs und der Zusammenarbeit mit SPIEGEL, New York Times und Guardian zu einem bloßen EDV-Dienstleister degradiert wurde. Wikileaks war ausgelastet damit, Rohmaterial von Namen und anderen Identifikationsmerkmalen zu bereinigen, und es in ein einfacher lesbares Format zu konvertieren, komplett mit Suchfunktion. Wie das Material letztendlich in seiner Gesamtheit einzuschätzen war, davon hatten die Computernerds keinen blassen Schimmer:

“Es konnte schon bald keine Rede mehr davon sein, dass wir Herren des Verfahrens waren.”

“Den Hinweis, die Threat Reports herauszulassen, hatten wir ja von den Medien bekommen. Wir hatten uns inhaltlich gar nicht mit den Dokumenten auseinandergesetzt, das war der Job der Journalisten gewesen.”

Interessanterweise entspricht diese Form der Zusammenarbeit genau dem vom SPIEGEL propagierten Konzept des “partizipativen Journalismus”. Die Regeln: Der Spiegel-Redakteur gibt vor, was tabu ist und wie der generelle Rahmen aussieht, der partizipative Bürger erledigt die Drecksarbeit bei Recherche, Bearbeitung und Übersetzung. Der deutsch-französische Regierungssender arte strahlte vor wenigen Jahren die Sendung  “Verloren im Nachrichtendschungel” aus, der Grundtenor lautete dass unregulierter Bürgerjournalismus ohne die Aufsicht durch beispielsweise die (interviewte) SPIEGEL-Redaktion ein gefährliches Schlupfloch sei für böswillige Verschwörungstheoretiker, den Iran oder al-Kaida und verboten gehöre.

In der Regel hätten Domscheit-Berg und Julian Assange bis zu der Kooperation mit den Massenmedien alleine und hauptsächlich mit Hilfe der Google-Suchmaschine versucht, die Echtheit eines Dokuments zu prüfen. Domscheit-Berg erklärt in “Inside Wikileaks” voller Stolz, nie einer Ente aufgesessen zu sein. Was er überhaupt nicht zu bedenken scheint, ist dass gestohlene und geleakte Daten zwar akkurat sein können, aber vielleicht von den Quellen aus zwielichtigen Motiven weitergereicht werden. Vielleicht möchte eine krumme Bank einfach ihre krumme Konkurrenz ausschalten? Oder man bekommt wie im Fall des Mossad-Whistleblowers Victor Ostrovsky Hilfe von einem führenden Offizier innerhalb des Geheimdienstes, der in Wirklichkeit nur die Karrieren seiner Kollegen torpedieren möchte um selbst aufzusteigen. Oder eine Regierung leitet eine stark selektierte Sammlung an Dokumenten weiter die genügend Peinliches enthält um als Köder attraktiv zu wirken, aber gleichzeitig genügend Propaganda um einen erheblichen Nutzen daraus zu ziehen? David Sanger von der New York Times betonte extra im NPR-Interview, dass die Cablegate-Dokumente Amerikas Außenpolitik bestätigen würden. Der Interviewer Gross fragte darauf:

“Oh, das ist interessant. Das ist also ein Beispiel für das was sie meinen, wie die Veröffentlichung der Dokumente sogar hilfreich sein könnte auf bestimmte Art und Weisen für amerikanische Interessen?”

worauf Sanger antwortet:

“Das könnte sich so herausstellen…”

Welche Sicherheitsmechanismen bestanden bei Wikileaks, um zu verhindern einer solchen Ente aufzusitzen und ihr auch noch Glaubwürdigkeit zu verleihen? Laut Domscheit-Bergs Buch gab es keine. Wikileaks war für die Establishment-Medien also nur eine dazwischengeschaltete Einzelstation die die Informationen auf ihrer Reise durchlaufen hatten. Offiziere im Irak und in Afghanistan fälschen bereits ihre Tagesberichte vor Ort (u.a. um eigenes Versagen und Massaker zu verschleiern), leiten sie an die nächste Einsatzzentrale weiter, diese ordnet sie ein und schickt sie (bearbeitet?) wieder irgendwohin weiter, etc. Irgendwo koordinieren höhere Militärs, welche Versionen der Datenbanken wem zugänglich sind. Wer hat den “Need to Know”? Wer kann seinen Job erledigen mit welcher zensierten Fassung? Man wird den Teufel tun und einer breiten Masse des Militärs in Schriftform offenbaren, wie inszeniert der Krieg tatsächlich ist, wie die Feinde systematisch unterstützt werden um die Spannung am Laufen zu halten, einen Vorwand zu liefern für den Bau langfristiger militärischer Brückenköpfe und das Einkassieren von unvorstellbaren Menge Cash der Steuerzahler. Vergessen wir nicht: Die Militärs des Irak und Afghanistans zählten vor den letzten US-Einmärschen zu den schlechtesten der welt, etwa auf dem Niveau bettelarmer afrikanischer Staaten. US-Spezialabteilungen für psychologische Kriegsführung müssen ständig das reguläre amerikanische Militär täuschen mit gefälschten Funksprüchen die dann abgefangen werden, gefälschten Dokumenten die erbeutet werden, gefälschten Geständnissen die erfoltert werden, Anschlägen unter falscher Flagge sowie mit gefälschten Waffen die aussehen sollen als wären sie im Iran hergestellt worden. Die Falschinformationen landen in den Händen regulärer Truppen die wenig Möglichkeiten haben, die Scharade zu durchschauen, und sie leiten die  Daten an die nächste Stelle weiter. Die Daten wurden somit erfolgreich “gewaschen” und sickern wie Gift in die verschiedenen Informationssysteme. Eine höchst unvollständige und mit Falschinformationen saturierte Version der Afghanistan- und Irak-Datenbank landet dann vielleicht in den Händen eines jungen “Whistleblowers”, der sie dann an Wikileaks weiterreicht die sie wiederum an die Establishment-Medien durchreicht, welche dann hunderttausende Seiten eindampfen auf überschaubare Artikel.

Allem Anschein nach ist der inzwischen verhaftete nachrichtendienstliche Analytiker Bradley Manning mindestens die Quelle von Cablegate und dem Collateral Murder-Video. In einem Chat-Gespräch mit dem Hacker, der ihn schließlich an die Behörden verriet, soll er erklärt haben, es handle sich um Daten die öffentlich und der Bevölkerung zugänglich sein sollten. Er verdeutlicht seine Intention mit der Feststellung, dass jemand mit weniger hehren Motiven alles auch an ausländische Geheimdienste hätte verkaufen können. Er schien der Hackerszene weitaus mehr zu trauen als den Establishment-Zeitungen, deshalb auch die Übergabe des Materials an Wikileaks. Es scheint mindestens der Fall zu sein, dass er es in den Whistleblower-Postkasten von Wikileaks hochgeladen hat. Die Faktenlage, die der SPIEGEL aus diversen internationalen Nachrichten für das Buch “Staatsfeind Wikileaks” zusammengetragen hat, lässt es gut möglich erscheinen, dass er auch über Hacker-Kontakte in Boston direkt mit Wikileaks involviert gewesen war. Es ist die Rede von der physischen Übergabe eines Datenträgers sowie von Chats mit Assange und exklusiven Uploads auf einen speziellen, nichtöffentlichen elektronischen Briefkasten. Domscheit-Berg spielt in seinem Buch den Ahnungslosen fast ein wenig zu vehement, er verbreitet die Minimalposition, dass der E-Postkasten von Wikileaks designt war um Daten zu waschen, ergo habe man keine Verbindung zur Quelle. Außer ein paar harmlosen Hacker-Streichen und hin und wieder einem Joint sei seine Weste – so sein Buch – absolut rein.

Der SPIEGEL hat weniger Probleme damit, sowohl Fakten als auch Spekulatives auszubreiten über diesen Knackpunkt. Immerhin entscheiden sich an der Beziehung Manning/Wikileaks sowohl mögliche Gerichtsprozesse als auch die Zukunft des Whistleblowings. Man lässt ein paar kleinere Bomben platzen und erklärt, der Hacker Adrian Lamo und die Quelle Bradley Manning hätten gemeinsame Freunde aus der Hackerszene und ersterer hätte letzterem in einem Chat versichert, als Journalist und geweihter Priester absolute Vertraulichkeit garantieren zu können. Also doch von vorneherein das gezielte Täuschungsmaneuever eines Regierungsinformanten der andere Hacker ausspioniert? Die SPIEGEL-Autoren begnügen sich mit der Erklärung über Lamos Gewissensbisse über mögliche Gefahren für die Nationale Sicherheit durch ein Leaken sensiblen Materials sowie Lamos zufälligen Freunden aus dem Militärgeheimdienst, die ihm angeraten hätten die Behörden zu verständigen. Eine weitere Geschichte um die Domscheit-Berg einen Riesenbogen macht, ist in dem Konkurrenzbuch enthalten: Der Großteil der Dokumente die Wikileaks in der Anfangszeit besessen hätte (1 Million Seiten), soll nicht etwa von gewissenhaften Whistleblowern eingereicht, sondern gestohlen worden sein. Chinesische Hacker wären auf Datenjagd gegangen und hätten als Transportkanal für ihre Diebesbeute das bei Hackern populäre TOR-Anonymisierungsnetzwerk benutzt; irgendwie – so der Vorwurf – konnte Wikileaks das Material abgreifen. Betrieb jemand aus dem engeren Wikileaks-Kreis einen der so wichtigen Ausgangs-Tor-Server und kopierte eifrig den chinesischen Datenverkehr mit? Die SPIEGEL-Autoren zitieren beinahe komplett eine interne Wikileaks-Email, in der der Coup euphorisch gefeiert wird. Wohlgemerkt beinahe komplett:

“Wir haben sie am Arsch,” schreibt er. Hacker überwachen den chinesischen und andere Geheimdienste, und während die ihre Ziele attackieren, wenn sie Daten absaugen, tun wir das auch.” Es gäbe einen unerschöpflichen Vorrat an Material, “fast 100 000 Dokumente/Mails pro Tag. Wir sind dabei, die Welt zu knacken und lassen das in etwas Neues einfließen.” Das abgesaugte Material betreffe die Niederlande, die amerikanische Forschungseinrichtung Freedom House, die Situation in Afghanistan bis zum Jahr 2005. Über die indische Regierung gebe es “fast alles”, dazu ein halbes Dutzend ausländische Ministerien und Konsulate, Material von politischen Parteien, der Weltbank, Teilen der Vereinten Nationen, der chinesischen Falun Dafa-Bewegung und sogar der russischen Mafia, die sich auf den Diebstahl von Kontodaten spezialisiert hat. Wikileaks-Mitarbeiter, die damals mit dem Material gearbeitet haben, sagen, dass unter den Dokumenten fast die gesamte Kommunikation des pakistanischen Außenministeriums sei. Die Sammlung, die intern das “chinesische Paket” genannt wird, sei “überwältigend”, schwärmt einer der Wikileaks-Leute. Es ist ein unfassbares Datenpaket, das scheinbar herrenlos durch den Cyberspace geistert. “Wir kennen nicht einmal ein Zehntel dessen, was wir haben oder auch nur, wem das Material gehört. Wir haben bei einem Terabyte mit dem Speichern aufgehört.”

Soweit der SPIEGEL. Die betreffende Email, die von der Plattform Cryptome veröffentlicht wurde, ist in furchtbarer Grammatik verfasst, enthält Slang und ihrer genauen Bedeutung kann man sich in bestimmten Details nur im Kontext annähern. Folgendes ist meine eigene, direkte Übersetzung, manche Stellen sind von mir hervorgehoben:

To: John Young
From: Wikileaks
Subject: martha stuart pgp
Date: Sun, 7 Jan 2007 12:20:25 -0500
—–BEGIN PGP MESSAGE—–

Version: None

J. Wir werden sie alle ficken. Hauptsächlich die Chinesen, aber kein vollständiges Täuschungsmaneuver.
Es strotzt vor Invention. Lügen und Verzerrungen werden überall für Schutz benötigt. Hacker beobachten chinesische und andere Nachrichtendienstinformationen und graben sich in ihre Ziele ein, wenn sie sich zurückziehen, ziehen wir uns zurück. Eine unerschöpfliche Menge an Material. Fast 100.000 Dokumente/Emails pro Tag. Wir werden die Welt aufbrechen und sie in etwas Neues erblühen lassen. Wenn es uns nützt, die CIA zu schröpfen, dann tun wir das. Wir haben Pullbacks von NED, CFR, Freedomhouse und anderen CIA-Zitzen. Wir haben alles über Afghanistan vor 2005. Fast alles über Indien. Ein halbes Dutzend Außenministerien. Dutzende politische Parteien und Konsulate, die Weltbank, apec, UN-Abteilungen, Handelsgruppen, tibet und fulan dafa Partner [...] und die russische Phishing Mafia die überall Daten abzieht. Wir ertrinken. Wir wissen nicht einmal von einem Zehntel von dem was wir haben, was es ist oder wem es gehört. Wir haben bei einem Tb aufgehört es zu speichern.

Am auffälligsten ist natürlich dass die SPIEGEL-Autoren jede Erwähnung der CIA unterschlagen. Man macht auch aus der “CIA teat Freedomhouse” einfach die “Forschungseinrichtung Freedom House”. Es überrascht nicht dass es den linken Aktivisten bei Wikileaks absolut bekannt gewesen war, wer hinter dem National Endowment for Democracy (NED), dem Council on Foreign Relations (CFR) und Freedomhouse steckt. Weshalb wollte Wikileaks trotzdem frühzeitig zu diesen Organisationen Kontakte knüpfen und Gelder anfragen? “Wir haben sie am Arsch” ist auch eine verzerrende Übersetzung von “We will fuck them all”. Das Verb ficken in dem Zusammenhang kann auch leicht “betrügen” oder “hereinlegen” bedeuten. Hat man chinesische Hacker hereingelegt mit falschen Versprechungen, etwa über das TOR-Anonymisierungsnetzwerk? Welche “Lügen und Verzerrungen” gehörten zu den Schutzmaßnahmen von Wikileaks? In welcher Form wollte man die CIA “schröpfen” (das Verb to fleece tendiert zu einer finanziellen Bedeutung)? Der Investigativreporter Wayne Madsen berichtete unter Berufung auf seine asiatischen Geheimdienstquellen:

“Wikileaks ist eng beteiligt an einer CIA-Operation im Umfang von 20 Millionen Dollar, im Zuge derer chinesische Dissidenten in den USA sich in Computer in China einhacken. Manche dieser chinesichen Hacker benutzen ein spezielles Hackingprogramm auf den Computern in China, die dann Computersysteme der US-Regierung und des US-Militärs angreifen.”

“Unsere Quellen in Asien glauben dass Wikileaks es sich mit ihren Zahlmeistern von der CIA verscherzt hatte, nachdem sich herausstellte dass Teile von Wikileaks’ “Beute” [gestohlene Daten] an den Mossad weitergereicht wurden anstatt an die Gönner in Langley.”

Welche seltsamen Deals liefen da im Hintergrund? In ihrer Anfangszeit listete Wikileaks noch prominente chinesische Dissidenten in ihrem Beraterstab, die allesamt verbunden sind mit Frontorganisationen des US-amerikanischen Geheimdienstapparats wie Radio Free Asia oder das NED. Kooperierte Wikileaks mit der CIA und anderen Geheimdiensten um Geld zu verdienen mit gestohlenen Daten? Verschaffte man sich auf kriminellen Wegen Starthilfe?

Sowohl die SPIEGEL-Autoren als auch Domscheit-Berg beäugen Assanges Handhabung von Finanzen mit kritischem Blick. Der Aussteiger ist hier jedoch weitaus investigativer und neugieriger, stellt nach einem entsprechenden Kapitel sogar einen zusätzlichen Fragenkatalog am Schluss auf, in der Hoffnung dass diese wichtigen Punkte nicht untergehen. Betreibt Assange genau die Art von Vernebelung und Verschleierung von Geldströmen, Offshore-Konten und Briefkastenfirmen wie die Banken die er seit jeher ins Visier nehmen will? Warum sperrte sich der Finanzjongleur selbst nachdem hunderttausende Dollars eingegangen waren von mehreren Spenenkanälen, grundlegende Ausgaben zu genehmigen? Warum machte er inkorrekte, weit übertriebene Angaben über die laufenden Kosten der Organisation? Wieviel Geld hat Assange tatsächlich wo gebunkert?

Nach den internen Streitereien gingen der mysteriöse deutsche Superprogrammierer namens “Architekt”, Domscheit-Berg, die isländische Politikerin Birgitta Jonsdottir sowie weitere Mitglieder Ende 2010 und nahmen unter anderem die fortgeschrittene Technik mit die der Architekt entworfen hatte. Assange beschreibt wie üblich alle Abtrünnigen als unbedeutende Randfiguren und Versager. Seitdem aber, bis zum heutigen Tag, hat Assange keinen funktionierenden elektronischen Whistleblower-Postkasten mehr. Domscheit-Berg schreibt:

“Julian hat ja uns gegenüber mit seinen vielen neuen Mitarbeitern angegeben, seinen hundert neuen Pferden im Stall. Aber auch von denen war keine in der Lage, das System wieder zum Laufen zu bringen. In Schweden hatte er angeblich 30 oder 35 Unterstützer, die ihm geholfen haben, zwei oder drei Wochen lang. Ich habe gehört dass alle gegangen sind weil es ihnen zu anstrengend mit Julian wurde.”

Inzwischen nutzt Assange das seiner Organisation gespendete Geld u.a. dafür, Staranwälte zu bezahlen die gerichtlich gegen Domscheit-Berg vorgehen sollen.

About the Author

Der in Bayern geborene und aufgewachsene Alexander Benesch startete nach seinem Abitur im Jahr 2006 die investigative Medienplattform INFOKRIEG.TV. Zwei Jahre später machte er sich zusammen mit seiner Frau selbstständig und erweiterte die Medientätigkeit um ein E-Commerce-Business für Outdoor und Survival.

20 Comments so far. Feel free to join this conversation.

  1. hugo 21/02/2011 at 17:09 - Reply

    Sorry Alex, aber das ist nicht mehr nachvollziehbar und ich weiß nicht was…

    Also deiner Meinung nach, düfte es solche Plattformen nur geben, wenn sie absolut perfekt sind, es nichts zu meckern gibt. Sonst sind sie natürlich gefährlich und schlecht.

    Ausserdem änderst du ständig deinenen Standpunkt wie du über Wikileaks schreibst. Zwar nciht komplett, aber immer aus einer anderen Sicht, welche mit den anderen Artikeln nicht mehr übereinstimmen.
    Klar, man informiert sich und lernt dazu.. aber wohl nicht genug.

    Und sonstige Kritik ist berechtigt, aber macht keinen Sinn. Natürlich steht in den Dokumenten von WIkileaks nicht die absolute Wahrheit, alles über den Krieg usw.. sondern man kann nachlesen, was irgendjemand über irgednwas geschreiben hat. Da wir alle unseren eigenen Kopf haben, kann man es dann dort einordnen wo man es für richtig hält.

    Aber ein Argument gegen Wikileaks sit das nicht!

    Noch was, wie wärs mal mit nem gespräch zwischen Freeman und Alex? Wär schon spannend…

  2. Areopagraf 21/02/2011 at 19:33 - Reply

    Es geht hier erst einmal um die Frage was Wikileaks überhaupt ist. Wenn das für dich klar ist, schön. Für mich leider nicht.

    Perspektiven verändern sich mit jeder neuen hinzugewonnen Informationen, die man auf die Waagschale legen kann.

    In dem Artikel sind einige Spekulationen wie auch Fragen vorhanden. Diese müssen aber gestellt werden, vor allem, wenn sie gerechtfertigt sind und es um einen undurchschaubaren Komplex geht.

    Sich mit ASR „anzulegen“ denke ich, ist im Moment nicht zielführend. Zudem kann ich dir sagen, dass ich auch einige Standpunkte vertrete, die Infokrieg so nicht vertritt ;)

    Choose your side! Ich habe meine eigene gewählt ;=)

  3. Blume 21/02/2011 at 19:50 - Reply

    Warum trägt eigentlich Assange eine elektronische Fußfessel und nicht Alex?? Oo

    Warum interessiert sich hier keiner für die absolut absurden Vorwürfe, die Assange gemacht werden???

    • Gärtner mit Sense 21/02/2011 at 20:17 - Reply

      Weil sie garnicht so absurd sind wenn mann sich damit beschäftigt hatt. Es geht ja nur um den Aidstest!

    • Areopagraf 21/02/2011 at 20:35 - Reply

      Alles hier in diesem Leak nachzulesen:
      http://publicintelligence.net/julian-assange-swedish-sex-allegations-documentation/

      Einfach dannach googeln… es gibt mittlerweile auch (gute?) Übersetzungen.

    • Blume 21/02/2011 at 20:37 - Reply

      Fandest du es denn nicht absurd, dass jemand wegen einem fehlenden HIV-Test per Interpol gesucht wurde?

      Zumal ja immer von Vergewaltigung gesprochen wird, dabei haben die Frauen anscheinend gerne mit ihm geschlafen. Erst als sie von einander erfuhren haben sie sich überlegt, was sie ihm anhängen können.

    • Gärtner mit Sense 21/02/2011 at 23:09 - Reply

      1.Ok ich glaub jetzt nur noch Leuten mit Fussfesseln ^^.

      Ich fand es auch absurd das so jemand wie Gutenberg Verteidigungsminister wurde oder Scheuble überhaupt irgendwas ich meine die hatt doch keiner gewählt.
      Es gibt halt viel Absurdes!

      Ich fand es auch unglaublich wie mann ein Stasispitzel oder Gestapospitzel werden kann.
      Das ist für mich die gleiche Art Mensch wie ein Fahrkartenkontrolleur.
      Ein Mentaler Looser halt

      Aber da kannst du dich ja besser reinversetzen .

    • Blume 22/02/2011 at 00:53 - Reply

      Oo Gärtner

      Meinst du vielleicht Guttenberg und Schäuble? Anscheinend gab es genug Idioten, die sie gewählt haben.

      Dass du von “Gestapospitzeln” auf “Fahrkartenkontrolleure” kommst zeigt deutlich in was für einer komischen Paralellwelt du lebst.
      (Aber es freut mich, dass du auch für einen staatlichen Nahverkehr bist, der für alle Bürger umsonst ist. Die Abzocke der privaten Verkehrsbetriebe suckt!)

      Einfach mal weniger I-Net, Infokrieg und Games. Öfter Bücher lesen, rausgehen und echte Leute kennenlernen.

    • Blume 22/02/2011 at 00:56 - Reply

      Aber man darf sich ja wohl mal fragen warum Wikileaks unter Feuer steht und nicht Infokrieg.

    • buddha69 24/02/2011 at 22:38 - Reply

      was geht denn hier ab????????????????????
      kommt mir so vor als wär ich auf der falschen website…
      schade das selbst infokrieg dazu gehört..kein einziger artikel der letzten woche ist ernst zu nehmen..wo bleiben aktuelle berichte über die revolutionen rund um uns?? wo ist die solidarität zu assange, dass er durch wikileaks die welt über die diktatorischen greueltaten der amerikanisch regierung aufmerksam gemacht hat?
      damit outet sich diese seite,das wird übrigens anderswo auch schon bemerkt.. lest mal andere seiten..

      infokrieger wo bist du??

  4. horst_264 21/02/2011 at 20:53 - Reply

    Sehr interresannter Artikel Alex, danke!

    halb OT:
    mit dieser Software ist es möglich ein zensurresistentes Forum aufzubauen.
    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Osiris_%28Serverless_Portal_System%29

    Wenn jemand Interesse hat mit mir daran zu Arbeiten meldet sich bitte hier:
    http://ik-idee.piratenpad.de/Forum
    passwort: infokrieg

  5. ExecutiveOrder11110 24/02/2011 at 07:08 - Reply

    (2) Denn auch wenn die US-Regierung durch die gegenwärtige Veröffentlichung den Spott erntet, den Schaden tragen ihre Gegner davon. Dies nährt den Verdacht, dass es sich bei Wikileaks um eine Art „kontrollierte Opposition“ handeln könnte.
    “Wem nutzt wikileaks?” (Quelle: http://www.hintergrund.de/201011301262/hintergr…nutzt-wikileaks.html )

  6. Morti 22/08/2011 at 15:19 - Reply

    Es gibt mehrere Gründe für die ablehnende Haltung gegenüber Wikileaks und jetzt Openleaks.
    Es werden nicht die Daten veröffentlicht, die man sich wünscht, bzw. die einem Bestätigung geben, sondern eher gegenläufiges. Das war vor ein paar Jahren noch anders, als die Irak-Videos veröffentlicht wurden. Das wollte man sehen und daher war der Jubel über Wikileaks damals noch groß.

    Zum anderen werden die Infokrieger selbst den Anspruch haben brisante Daten entgegenzunehmen (unter Gewährleistung Informanten zu schützen), auszuwerten und zu publizieren. Jedoch fehlt das Know-How bzw. es fehlen die Fachkräfte um so ein Projekt aufzuziehen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich Menschen mit spezifischen Kenntnissen, in dem Fall Infomatiker/Hacker, eher selten zu Infokriegern werden.
    Die Hoffnung einer würde ein Infokriegleaks-Projekt starten, hat sich bisher noch nicht erfüllt. Das ist das große Dilemma der Infokrieger, sich stets darauf verlassen, dass jemand anderer die Initiative bzw. die Führung übernimmt.

  7. Freigeist 22/08/2011 at 19:40 - Reply

    Anscheinend ist einigen Kandidaten hier die öffentliche Wahrnehmung von Wikileaks bzw. die Auswirkung auf die öffentliche Wahrnehmung durch Wikileaks entgangen.

    Wikileaks hat durch Schlampigkeit oder Absicht der Propagandaagenda des Pentagons geholfen(!). Assage ist ein großkotziger Narzist der von politischer Realität keine Ahnung hat und dem Pentagon geholfen hat Pakistan und Iran einen Imageschaden zu verpassen aufgrund von unhaltbaren und falschen Vorwürfen die aus den Propagandameldungenm die er an die Medien verkauft hat, resultierten. Wikileaks hat gewusstes bestätigt aber nichts neues vorgebracht und viele Falschmeldungen verbreitet. Der Medienhype von Null auf Hundert hätte schon alle Alarmglocken läuten lassen müssen.

  8. Tony Ledo 22/08/2011 at 20:12 - Reply

    @Morti – warum sollte man sich viel Arbeit machen, wenn sie noch nicht einmal anständig entlohnt wird? So wie das läuft und laufen wird, werden immer mehr Hacker auf den Trichter komen, dass Informationen sehr viel bares, schnelles und unzuversteuerndes Geld wert sind. Bedingung: Man muss sie unter der Hand verkaufen, man muss entsprechende Kontakte aufbauen und Netzwerke aufsuchen. Es sieht für mich danach aus, dass die rein kommerziell interessierte Seite den uneigennütziger Arbeitenden vom anderen Ufer ihre Jobs verdammt schwer machen wird, indem in deren Reihen immer öfters Mitglieder und Verschworene schwanken und sich um den Erwerb eines U-Boot-Fürherscheins bemühen könnten.

  9. Felix 22/08/2011 at 21:50 - Reply

    1. Anstatt auf die berechtigte Frage “WIE” diese Informationen zusemmengekommen sind, einzugehen, wird in unnützen und späkulativen diskusionen um das “WAS” gestritten.

    2. Über den “Krieg” als solches gibt es nur eine Hand voll Warheiten, für die man mit sicherheit kein Wikileaks oder den CIA braucht. Eine davon ist das Krieg immer für den jenigen Gerecht ist, dem er nützt. Eine weitere ist das dabei Menschen sterben. Alles andere ist späkulieren auf hohem Niveau.

    bestimmte regeln über konstruktives debattieren könnten dies von vornherein verhindern.

    z.b diese hier…

    1. nicht nur kritisieren, sondern im gleichen atemzug einen verbesserungsvorschlag machen.

    2. keine bewertungen verwenden wie z.b. wann etwas sinnfoll ist.

    3. nicht interpretieren, stattdessen nachfragen.

    Ergänzen ist erwünscht und ich bin gespannt was ihr davon haltet.

    PS.: Trotzdem schade dass manche menschen nicht bereit sind ohne regeln und zwang sich anständig zu verhalten. das ist wohl der grund warum der staat immernoch ein notwendiges übel darstellt.

    @Blume
    Großes Lob an dich, wie du es immer wieder schaffst die Fakten zu umschiffen. Wenn du was zu sagen hast, dann sage es. wenn du infos hast die wir nicht haben, dann raus damit.

    @Alex
    weiter so und lass dich nicht unterkriegen. Ist eine deutsche syncro zu “a soviet story” geplant?

    MfG – was?

    Mit freundlichen Grüßen…

    Felix

  10. Freigeist 23/08/2011 at 10:16 - Reply

    @Felix

    “The Soviet Story” ist bereits vom Kopp Verlag auf deutsch erschienen.

  11. Your Name... -= mbr @mbr =- 28/08/2011 at 19:33 - Reply

    gefunden bei :>
    http://www.gulli.com/news/16969-lamo-erklaert-verrat-an-manning-und-kritisiert-assange-2011-08-27
    ———————————————————-
    Lamo erklärt Verrat an Manning – und kritisiert Assange

    Ex-Hacker Adrian Lamo lieferte im vergangenen Jahr den mutmaßlichen Whistleblower Bradley Manning an die US-Regierung aus. In einer aktuellen Stellungnahme verteidigt und erklärt Lamo diese Entscheidung. Daneben übt er auch massive Kritik an Julian Assange – und schlägt einen möglichen Nachfolger für die Leitung von WikiLeaks vor. Dieser allerdings ist über diese Ehre weniger begeistert.

    Er sei nicht stolz auf das, was er getan habe, erklärt Lamo. Er habe vielmehr vor einer Entscheidung gestanden, bei der es keine richtige Lösung gegeben habe. “Ich konnte jemanden verraten, den ich nach der kurzen Zeit, den ich ihn kannte, als Freund betrachtete, und dadurch Diplomatie, operative Sicherheit und menschliches Leben vor weiterer Gefahr schützen, oder ich konnte mich zurücklehnen und diesen Dingen feige erlauben, stärker beschädigt zu werden, als sie es ohnehin schon waren, indem ich nichts tat,” beschreibt Lamo in einer Stellungnahme auf Twitter seine damalige Situation.

    “Es wäre so einfach gewesen,” schreibt Lamo, “den ‘Informationen wollen frei sein’-Ausweg zu wählen – frei ohne Rücksicht darauf, wem es schadet, welche Prozesse es gefährdet, welche Ereignisse es im Stillen hinter den Kulissen stört, wo es die Öffentlichkeit weder sieht noch sich dafür interessiert, bis negative Ereignisse sich entwickeln und sie sich wundern, warum sie geschehen. Aber ich hätte nicht mit mir selbst leben können. Also habe ich meinen Freund verraten. Das war auch nicht die richtige Entscheidung. Es war die am wenigsten falsche Entscheidung von den beschissenen Möglichkeiten, die sich mir boten. Ich habe nie darum gebeten, vor diese Wahl gestellt zu werden. Das hat Bradley Manning implizit getan, als er seinen Mund aufgemacht hat. Fühle ich mich sicher in meinem Patriotismus in dem Wissen, das Richtige getan zu haben? Nein. Es ist immer noch schwer, mit mir selbst zu leben. […] Manchmal gibt es im Leben keine richtigen Entscheidungen, nur verschiedene Grautöne, und alle führen zu negativen Folgen für einen selbst.”

    Er habe aber sein Ziel erreicht, erklärt Lamo: es habe keine weiteren militärischen Leaks gegeben, kein “weiteres Geheimmaterial, das WikiLeaks falsch handhaben kann”. Lamo erklärt, er glaube an “den Geist und das Anliegen von Organisationen wie WikiLeaks”. WikiLeaks selbst aber sieht er auf einem falschen Weg. “Julian Assanges Führung hat WikiLeaks zu radioaktiv gemacht, um jemals wieder ohne grundlegende Änderungen in Führung und Politik auf höchster Ebene vertrauenswürdig zu sein.” Ebenso sei das von WikiLeaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg gegründete Portal OpenLeaks “zu autokratisch und launisch, um zum jetztigen Zeitpunkt ohne große und fortgesetzte Demonstrationen guten Glaubens durch seine Entwickler Vertrauen zu verdienen”. Beide Plattformen kämen ihm “verlogen” vor, so Lamo.

    Nach eigenen Angaben glaubt Lamo noch immer daran, dass viele Transparenz-Aktivisten “talentierte und wirklich gute Leute” seien. Er wolle glauben, dass die meisten dieser Leute Materialien, bei denen “der Kollateralschaden schwerer wiegt als das öffentliche Interesse”, nicht veröffentlichen würden.

    Lamo macht sogar einen Vorschlag, wer Assange bei WikiLeaks “beerben” könnte: Cryptomes Nadim Kobeissi. Dieser solle aufhören, WikiLeaks “anzufeuern” und handeln, da er “sich mehr Gedanken um die Wahrheit als um sein Ego macht”. Den WikiLeaks-Unterstützern, die “im Geiste der Wahrheit” handeln, statt “eine billige Gelegenheit, eine Regierung fertig zu machen, die sie nicht mögen” zu suchen, wünsche er das Beste, betont Lamo. Diese Aktivisten sollten daran denken, dass “die Wahrheit nicht ein irgendein reines Ding ist, das Licht bringt und Rosenblätter verstreut, wo immer es geht”, sondern dass sie “Menschen verletzen kann, die nicht verdienen, verletzt zu werden,” gibt Lamo ihnen mit auf den Weg. “Sie [die Wahrheit] hat Dornen. Behandelt sie vorsichtig,” betont der Ex-Hacker.

    Der von Lamo vorgeschlagene Assange-Nachfolger Kobeisse veröffentlichte als Antwort auf Lamos Äußerungen mittlerweile ebenfalls eine Stellungnahme. Diese ist in einem äußerst ironischen bis sarkastischen Tonfall gehalten. Er sei schockiert und verwirrt über “die Demut und Bescheidenheit”, die Lamo in seiner Stellungnahme zum Ausdruck bringe, so Kobeissi. Ihm sei bewusst gewesen, dass der Ex-Hacker “eine Säule menschlicher Wahrhaftigkeit” sei. In seiner Stellungnahme stelle er sich jedoch zudem als “endlosen Ozean der Selbstlosigkeit, der die nobelsten Opfer der Menschheit ertränkt” dar. Dementsprechend schlage er vor, dass, sollte Assange jemals als WikiLeaks-Chef zurücktreten, Lamo selbst der geeignetste Nachfolger sei. “Adrians Historie von Integrität, Kompetenz und Patriotismus resultierte in den nobelsten Festnahmen aller Zeiten. Er hat tragische Opfer gebracht – versucht, den freien Fluss von grauenhaften Videos wie Collateral Murder daran zu hindern, die Öffentlichkeit zu erreichen, da, wie wir alle wissen, es diese Videos selbst sind, die Tode von US-Bürgern verursachen – nicht die Barbarei, die sie zeigen.” Es sei bereits eine große Ehre, “den selben Planeten mit so einem fähigen, bescheidenen, talentierten Führungstalent wie Adrian Lamo zu teilen”. Man dürfe aber auch dessen Verdienste um die Transparenz-Bewegung nicht unterschätzen.

    Obwohl sich Kobeissi in seiner Stellungnahme über Lamo lustig macht, verfasste dieser eine offenbar ernst gemeinte Antwort darauf, in der er Kobeissi auffordert, die vorgeschlagene Möglichkeit ernster zu nehmen. Assange könne seinen Ruf nicht mehr retten, so Lamo. Kobeissi dagegen habe “die Jugend, das Talent und die Ideale, die für ein solches Unterfangen benötigt werden”. Er habe eine weiße Weste und das Vertrauen anderer Aktivisten. Zudem habe er nicht “die Hintergedanken, die Daniel [Domscheit-Berg] und Julian [Assange] zeigen”. Es wäre “eine Tragödie”, wenn Kobeissi jahrelang warte, um festzustellen, dass er “einen egoistischen Blender” und “ein Projekt, das von einer politischen Agenda beschwert wird” unterstützt habe. “Ich weiß, dass du versuchst, schlagfertig zu sein, aber tu das nicht zu deinem eigenen Nachteil. Du hast Möglichkeiten in deinem Leben, derer du dir nicht bewusst bist.” Kobeissi solle seine “Brillanz” nicht an Leute verschwenden, für die er nur ein Mittel zum Zweck sei.

    Auf Twitter zeigte sich Kobeissi auch von dieser Stellungnahme unbeeindruckt. Es ist mehr als zweifelhaft, dass Lamos Vorschläge tatsächlich jemanden außer ihm selbst beeindrucken. Die Motive des Ex-Hackers, dem häufig vorgeworfen wurde, es mit der Wahrheit nicht allzu genau zu nehmen, sind unklar. Ist sein Verhältnis zu WikiLeaks tatsächlich derartig ambivalent, oder handelt es sich womöglich um einen Versuch, Kobeissi und Assange gegeneinander auszuspielen? Sollte letzteres der Fall sein, hält sich der Erfolg anscheinend in Grenzen. In jedem Fall zeigt dieses sommerliche Kammerspiel trotz seiner letztendlich eher geringen Relevanz, wie verwirrend es momentan in der Whistleblowing-Szene zugeht.

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