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70. Todestag: Erriet George Orwell, dass drei Supermächte an der Spitze kooperieren?

idesignf/shutterstock.com

Kommentar

Am 70. Todestag von George Orwell (eigentlich Eric Arthur Blair) könnte man die üblichen Parallelen herunterbeten zwischen seinem Bestseller “1984” und der heutigen Realität mit allgegenwärtiger Überwachung, Staatskontrolle und Militarismus.

Was praktisch jeder dabei vergisst, sind seine äußerst wichtigen Anspielungen darauf, dass die drei Supermächte in 1984 (Ozeanien, Eurasien und Ostasien) heimlich an der Spitze kooperieren und den schwelenden Dauerkonflikt gegeneinander nur inszenieren, um die diktatorischen Strukturen aufrechterhalten zu können.

Keine der drei Supermächte kann von einer Allianz der anderen beiden erobert werden, dennoch gibt es wechselnde Allianzen, die ständig von der Staatspropaganda begleitet werden, so als hätte es vorhergehende Allianzen nie gegeben.

Die Hauptfigur in 1984, Winston Smith, liest in dem illegalen Buch “The Theory and Practice of Oligarchical Collectivism”, dass die Ideologien der drei Superstaaten praktisch identisch sind und dass dieses Geheimnis mit aller Härte geschützt wird. Der “englische Sozialismus” ist also genauso totalitär wie der Neo-Bolschewismus in Eurasien oder wie die chinesische Doktrin der Auslöschung des Individuums.

Winstons Geliebte Julia vermutet, dass die sporadischen Bombardierungen Londons in Wirklichkeit von der eigenen Regierung durchgeführt werden, um der Bevölkerung damit konstant den Dauerkrieg ins Gedächtnis zu rufen.

In unserer heutigen Realität gibt es praktisch niemanden, der erforscht, ob die drei Supermächte an der Spitze heimlich kooperieren. Alle drei Supermächte gingen aus höchst verdächtigen Revolutionen hervor:

Die tiefsten Geheimnisse der Supermächte Band I

Bei China und Russland haben wir es mit klassischen Diktaturen zu tun; jeder sieht unmissverständlich, dass die kommunistische Partei bzw. die Putin-Partei herrscht und dass ein Überwachungsapparat Abweichungen rigoros verfolgt. Nicht ganz so rigoros wie in 1984, aber nahe dran.

Die westliche Supermacht ist dagegen wesentlich schlauer konstruiert; es gibt die Illusion von Demokratie und Wahlmöglichkeiten. Jeder kann sich seine favorisierte politische Ideologie auswählen und jene unterstützen, ohne dabei zu merken, dass alles heimlich kontrolliert ist. Alle politisch-ideologischen Gruppen befinden sich in einem Dauerkonflikt, der nicht von einer einzelnen Gruppe oder Koalition dauerhaft gewonnen werden kann. Viele Überwachungsmethoden werden von Bürgern freiwillig in Kauf genommen durch Handys und Computer. Mit diesen gewonnenen Daten und Psychometrie-Algorithmen können die Persönlichkeitsstrukturen der einzelnen Bürger automatisch vermessen werden, wodurch der Algorithmus die Menschen genauer kennt als deren engste Angehörige und sogar genauer als die Menschen sich selbst kennen.

Diejenigen Menschen, die merken, dass etwas an dem System überhaupt nicht stimmt, geraten auf die ebenfalls heimlich kontrollierte Schiene der Verschwörungsmedien und glauben irrtümlich, sie würden nun “außerhalb der Matrix” denken.

In 1984 liest Winston ein Exemplar des Buchs “The Theory and Practice of Oligarchical Collectivism”, das zumindest Grundzüge des Wesens und der Funktionsweisen der Diktaturen verrät. Winston ist (im Gegensatz zu Julia) höchst interessiert an diesem Verschwörungsbuch, aber er erfährt darin nichts Handfestes zu der Frage, wie man gegen die Diktatur kämpfen soll. Es ist nie klar, ob das Buch an sich nur eine gezielte Falle der Geheimpolizei ist, um Dissidenten aufzuspüren und zu inkriminieren. Winston bekam das Exemplar von O’Brien, der die Rolle eines ranghohen Dissidenten spielt, aber in Wirklichkeit nur für die Geheimpolizei Dissidenten jagt. Zwar erklärt sich Winston bereit, eine Art Agent zu werden für die mysteriöse Widerstandsorganisation “Bruderschaft” und folgsam Befehle auszuführen, egal wie brutal diese sein mögen, aber es ist zu bezweifeln, dass Winston jemals wirklich in der Lage wäre, solch unmoralische Aufträge zu erfüllen. Selbst hatte er überhaupt keine Ahnung vom Widerstandskampf und sein einziger Lehrmeister stellt sich als Mitglied der Geheimpolizei heraus.

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3 comments

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ALEXANDER GOTTWALD 22. Januar 2020 at 3:14

Meine Vermutung ist ja, dass Autoren wie H.G. Wells, George Orwell und Aldous Huxley, die allesamt der britischen Fabian Society angehörten, dazu da waren, die Agenda anzukündigen und nicht etwa davor zu warnen. Mit anderen Worten: Orwell kündigte die sogenannte 3-geteilte NWO an, über die Putin seit vielen Jahren spricht.

Es soll am Ende so aussehen, als hätten die USA verloren, als sei ihr Alleinherrscheranspruch gescheitert, dabei war der gar nicht das eigentliche Ziel des Spiels. Das eigentliche Ziel ist genau das, was Orwell beschrieben hatte: Eine dreigeteilte NWO, die wie Du richtig sagst, an der Spitze zusammenarbeitet.

Dahinter steckt das Wissen um die Macht des Dramadreiecks, eines Modells aus der Transaktionsanalyse. Es gibt dabei immer Täter, Retter und Opfer. Und die Rollen wechseln stetig. Nur Bewusstwerdung hilft dabei, das Spiel zu durchschauen und auszusteigen. Es funktioniert viel anhaltender als der zuvor inszenierte Konflikt der zwei Supermächte. Dualitäten brechen viel schneller zusammen, als die angedachten Trinitäten.

Da Großbritannien natürlich zu Orwells “Ozeanien” gehört, geht es natürlich auch nicht ohne Brexit. Der Rest der EU geht an Russlands “Eurasien”, das gemeinsame erklärte Ziel von Merkel und Putin. Dass China “Ostasien” dominiert, versteht sich von selbst…

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Dude 21. Januar 2020 at 16:35

“Was praktisch jeder dabei vergisst, sind seine äußerst wichtigen Anspielungen darauf, dass die drei Supermächte in 1984 (Ozeanien, Eurasien und Ostasien) heimlich an der Spitze kooperieren und den schwelenden Dauerkonflikt gegeneinander nur inszenieren, um die diktatorischen Strukturen aufrechterhalten zu können.”

Hervorragend! Vielen Dank, Alex, dass es mal wieder einer klar und deutlich herausstelt!

“In unserer heutigen Realität gibt es praktisch niemanden, der erforscht, ob die drei Supermächte an der Spitze heimlich kooperieren.”

Gibt es praktisch schon (obwohl ich statt dreien wie bei Onkel George, realiter zweie sehe) – auch wenns kaum beachtet wird…
https://dudeweblog.wordpress.com/2016/01/09/darstellung-des-ostwest-paradigmas-und-der-versuch-zur-klaerung-des-generell-verfaelschten-weltbildes/
https://dudeweblog.wordpress.com/2015/12/30/nwo-ost-und-west-spielen-das-gleiche-spiel-der-versuch-eines-blicks-hinter-den-spiegel/

BG und gute Verkäufe fürs Buch!

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Puzzlestück 21. Januar 2020 at 13:35

dann gibts ja noch diese “umstrittene Zone” – wo alle “Weltreiche” stress mit haben.
vergleicht die doch mal (gibt ja fiktionale karten der 1984 – welt) mit den Ländern, welche islamisch sind! etwa 70 bis 90 % übereinstimmung. zufall?
Und so haben ja auch die Russen, die Rotchinesen und der “westen” stress mit der islamischen Welt

aber mal eine andere Frage: Julia war doch ein honey pot / Agentin, hab ich doch richtig verstanden, oder?
sagt sie doch auch an einer STelle als so eine Rakete einschlägt, dass alles fake sei – wenn ich mich recht entsinne

wie dem auch sei. ein echt lehrreiches Buch. nur schade, dass es bei den meisten ungelesen im Regal steht, wenn überhaupt…
oder man liest es deshalb nicht, weil man denkt, es geht nur um langweilige Videoüberwachung (dachte ich früher^^)
bzw. man interpretiert es FALSCH… so gibt es NAZIS und vollblutkommunisten, welche die Orwellromane für “ihre” Zwecke missbrauchen -,-

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