Udo Ulfkotte ist verstorben: Der Mann der mit dem Feuer spielte

Ein Nachruf Der bekannte Autor Udo Ulfkotte erlag am Freitag nach Informationen der JUNGEN FREIHEIT einem Herzinfarkt. Ulfkotte wurde 56 Jahre alt. Viel Aufregung gab es bereits in den...

Ein Nachruf

Der bekannte Autor Udo Ulfkotte erlag am Freitag nach Informationen der JUNGEN FREIHEIT einem Herzinfarkt. Ulfkotte wurde 56 Jahre alt.

Viel Aufregung gab es bereits in den vergangenen Monaten. Einen Tag kämpft er noch mit Windows und musste sein geplantes Interview für Recentr TV verschieben, am nächsten Tag kämpfte er ums Überleben.

Er war ein Mann, der mit dem Feuer spielte. 17 Jahre lang veröffentlichte er nach eigenen Angaben Propaganda der Geheimdienste, Gefälligkeitsartikel über Regime sowie Talking Points der NATO. Er ließ sich in 5-Sterne-Hotels bedienen, schamlos mit manipulativen Journalistenpreisen eindecken, vom BND mit Material versorgen, er rekrutierte neue Leute für die Dienste und verbesserte kontinuierlich seine Beziehungen zu den mächtigsten Männern des Landes.

Irgendwann sollen die Schlapphüte Ulfkotte sogar soweit getraut haben, dass sie ihm gleich „stapelweise Geheimdokumente“ gaben, die er auswerten durfte. So werden Stars der Enthüller-Branche gemacht.

Ausländische Dienste sollen auch Reisen bezahlt haben, genauso wie die Leute des Diktators von Oman. Bei Gruner + Jahr telefonierte er gar mit dem CIA-Chef Woolsey, dessen Frau beim German Marshall Fund tätig war. Für eben jene Orgnaisation wurde Ulfkotte dann laut seinen Angaben 1993 für sechs Wochen von seinem Arbeitgeber freigestellt. Als er nach einer luxuriösen Reise wohlwollend über Shell schrieb, warf ihm ein anderer Journalist vor, „geschmiert“ worden zu sein. Eine Klage der FAZ gegen diese Einschätzung lief ins Leere. Das tat der Karriere aber keinen Abbruch, genausowenig wie unzählige Gefälligkeitsinterviews mit nahöstlichen und afrikanischen Staatschefs und Ministern.

„Wie ehrlich war es denn, wenn man in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba vom 5-Sterne-Hotel in einem klimatisierten Hubschrauber bequem ins heiße Hochland flog, dort kurz mit Böhm ein Interview über Armut machte und danach im klimatisierten 5-Sterne-Hotel beim Luxusbuffet einen Artikel über Armut in Äthiopien verfasste, während rundherum die Menschen verhungerten.“

Sebst wenn mal ein Problem auftauchte wie etwa wütende Islamisten, stellte BMW ihm eine Panzerlimousine und er bekam ein Bedürfnis bescheinigt für das Führen einer Waffe. Er war Gast in im Feriendomizil der Konrad-Adenauer-Stiftung in Italien, einen Steinwurf entfernt von der Rockefeller-Stiftung. Der „Journalist“ Ulfkotte aus einem ärmeren Elternhaus hatte den „Jackpot“ gezogen; in den Zeitungen landeten als Artikel getarnte Werbetexte.

Der Wendepunkt kam, als er von einem Spitzenpolitiker gebeten worden sein soll, einen Konkurrenten auszuspionieren. Von da an ging es abwärts, es folgten Durchsuchungen wegen „Geheimnisverrats“.

Außerdem soll er bei einem seiner Auslandsaufenthalte schwere gesundheitliche Folgen zu tragen gehabt haben. Das Establishment, mit dem er sich so gut verstand, ließ ihn fallen und er wechselte zu der Rolle eines Establishment-Kritikers. Mit seinen Büchern der letzten Jahre nahm er einigen Lesern die Illusionen und schuf ein vergrößertes Sicherheitsbewusstsein. Für seine Kritiker war er natürlich der fiese Übertreiber.

In seinen letzten Jahren wandelte er sich noch von einem Russlandkritiker zu einem Russlandversteher. Er schockierte nach dem Anschlag im französischen Nizza mit einem heftigen Kommentar:

Wie werden Politik und Medien nach dem jüngsten islamischen Massenmord reagieren? Wahrscheinlich werden sie Lichterketten bilden und gemeinsam rufen »Islam ist Frieden«. Bis zum nächsten Terroranschlag. Die Russen haben einen anderen Weg gefunden, um islamischen Terror zu bekämpfen: Sie beantworten Terror mit Gewalt, Terror und extremen Sicherheitsmaßnahmen. In Tschetschenien hat das offenkundig funktioniert. Und nicht nur in Tschetschenien.

Es deutet eine gewaltige Menge Beweise darauf hin, dass Putins Geheimdienste den „tschetschenischen“ Terror in Moskau selbst inszeniert hatten, und zweitens unterdrückt Russland die Tschetschenen seit langer Zeit. Die Russen eroberten die islamisch geprägte Gegend rücksichtslos im Jahr 1864, schlugen einen Aufstand 1877/1878 nieder, erklärten sie 1921 zur „sowjetischen Gebirgsrepublik“, deportierten 1944 zwangsweise insgesamt 400.000 Tschetschenen  in Viehwaggons nach Kasachstan und Mittelasien, und lehnten auch nach 1990 die Soveränität Tschetscheniens ab und schickten Panzer und Truppen dorthin.

Ulfkotte schien tief beeindruckt von den russischen Methoden gewesen zu sein:

Ich erinnere mich daran, dass in den ersten Jahren, als ich regelmäßig in die Kriegsgebiete des Nahen Ostens reiste, im Libanon Diplomaten und andere westliche Ausländer entführt und als Geiseln genommen wurden. Mit Russen haben das die Orientalen im Libanon ein einziges Mal gemacht und dann nie wieder. Während westliche Staaten nach einer solchen Entführung sofort über diplomatische Kanäle Kontakte zu den kriminellen Entführern suchten, diskret Lösegeld und jedwede Hilfe anboten, beendeten die Russen die Entführung ihrer Staatsbürger mit einem klaren Signal, das im Nahen Osten jede Großfamilie versteht: Moskaus Geheimdienst ließ in Erfahrung bringen, aus welchen Großfamilien die Kidnapper stammten, dann eines der männlichen Familienmitglieder entführen und diesem die Hoden abschneiden. Und die wurden der Großfamilie dann mit einer Fristsetzung zur Freilassung der russischen Diplomaten übergeben, verbunden mit dem Hinweis, ansonsten nach und nach die ganze Sippschaft zu kastrieren und das auch öffentlich bekannt zu machen.

Mal abgesehen davon, dass solche kranken Mafia-Methoden in Russland auch gegen das eigene Volk benutzt werden, insbesondere gegen aufmüpfige Bürger, sollte man bedenken, dass Russland auch nach den jüngsten Anschlägen in Nizza zu den Profiteuren zählt. Destabilisierung in Europa, oder gar Bürgerkriegszustände, schwächt den Kontinent und Russland kann sich zunehmend als Ordnungsmacht profilieren.

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Politik
One Comment
  • Phrontistes
    15 Januar 2017 at 12:55
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    Ulfkotte 2008: „Ich bin aus der Kirche ausgetreten, hab gedacht, der Islam ist meine Zukunft. Ich bin in Moscheen beten gewesen.“ – „Sie haben ja selbst beschrieben, dass Sie vom Islam so begeistert waren. Sie sind ein Rekonvertit.“ – „Ich war völlig begeistert. Richtig, richtig.“
    https://www.youtube.com/watch?v=LEbpeL8-T64

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