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Das Bankenspiel mit Griechenland ist eine schizophrene Theateraufführung

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KOMMENTAR

Es wird eine fast geschlossene Zustimmung im Bundestag für die „Kompromisslösung“ für Griechenland geben, eine Atempause bis zum Sommer, wo dann Alexis Tsipras erneut mit heraushängenden Hosentaschen die Schultern zuckt. Soviel ist sicher. Tsipras weiß aber viel viel mehr. Die internationalen Top-Banken auch. Die ranghohen Politiker im deutschen Bundestag ebenso.

Tsipras bekam seine fake Rebellen-Show auf der internationalen Bühne, Schäuble bekam seine Gelegenheit zum Posieren, die deutschen Parteien bekamen ihre Minuten am Mikrofon. Warum casten wir nicht gleich richtige Schauspieler? Ich wäre für Morgan Freeman als US-Präsidenten, eine Rolle die er bereits mehrfach in Kinofilmen zuverlässig gespielt hat. Ian McDiarmid (Star Wars) sollte Schäubles Rolle einnehmen, weil er der bessere grimmige Imperator ist. Andy Serkis (Gollum, Herr der Ringe) wäre viel besser als Alexis Tsipras, weil er das schizophrene Verhalten viel besser darstellen kann.

Die griechischen Reformpläne sind laut Finanzminister Gianis Varoufakis „in Abstimmung mit anderen Euroländern absichtlich unbestimmt formuliert“. Er bezeichnete dieses Vorgehen als „produktive Undeutlichkeit“. Varoufakis darf also mit Segen der der EU Wischi-Waschi machen und spricht im griechischen Radio schon von viel weitergehenden Umschuldungen. Das darf aber in Deutschland jetzt noch nicht laut gesagt werden, deshalb ist Schäuble sauer. Dass sich diese vermaledeiten Griechen auch nicht ans Drehbuch halten!

Varoufakis erhielt seine schauspielerische Ausbildung in ökonomischem Theater an der University of Essex und der University of Birmingham. Als ökonomischer Schauspiel-Instrukteur lehrte er sogar an Cambridge. Er veröffentlichte sogar ein rebellisch klingendes Buch über die Wirtschaftskrise und trat auf in den Sendern BBC, CNN, SkyNews, RT und Bloomberg TV. Er brillierte jederzeit als Schauspieler in der Rolle des Bankenkritikers. Worte wie die folgenden gehen ihm spielend leicht von den Lippen:

„Es wurden hohe Verluste aus den Büchern der Banken auf die schwachen Schultern der griechischen Steuerzahler verschoben in dem vollen Bewusstsein, dass die Kosten, weil die griechischen Schultern zu schwach dafür waren, auf Deutschland, die Slowakei, Finnland, Portugal und anderen überschwappen würden“.

Nicht Griechenland sei gerettet worden, sondern Banken und verschiedene Hedgefonds. Da durch die drastischen Sparauflagen die Einkommen der Menschen um ein Viertel reduziert wurden und gleichzeitig die Lebenshaltungskosten stiegen, sei es sowohl für die öffentliche Hand als auch für den privaten Sektor in Griechenland unmöglich geworden, alte und neue Kredite zurückzuzahlen.

Ich möchte ihn für eine Oscar-Auszeichnung vorschlagen für Sätze wie die folgenden:

„Der Euro ist nicht zukunftsfähig. Die Art und Weise, wie die EU diese Krise anging, war monumental idiotisch. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Situation nicht unter Kontrolle, Europas Bankensystem bleibt weiterhin fragmentiert, und wir bewegen uns eher in Richtung Nationalisierung der Politik als in Richtung Fiskalunion. Wenn wir Europas Probleme weiterhin so behandeln wie bisher, dann wird es in ein paar Jahren keinen Euro mehr geben.“

Nun, da er mit den Linken an der Macht ist, wendet er sich ausgerechnet an die elitärsten internationalen Banken, wie den US-Investment-Giganten Lazard. Die soll nämlich für Varoufakis die Umschuldung des griechischen Staates managen. Und das wird unangenehm für die EU-Steuerzahler: Die Gläubiger sollen auf 100 Milliarden Euro verzichten, um Griechenland zu retten.

Matthieu Pigasse, Generaldirektor der Lazard France, war von 2010 bis 2012 einer der Berater der damaligen griechischen Regierung und führt das Beratungsteam der jetzigen Regierung an.

Die Großbank UBS meinte schon im Januar, dass das Spiel weitergehen wird wie bisher. Die EZB würde selbstverständlich den Griechen weitere Zeit für den Schuldendienst einräumen. Nach Meinung des Generalanwalts am EU-Gerichtshof darf die EZB unter bestimmten Voraussetzungen massenhaft Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten aufkaufen.

Banken die in Griechenland Geld gesteckt haben, verlassen sich auf die Garantien, dass u.a. deutsche Steuerzahler Zwangsinvestoren, Garanten und Hafter bleiben.

Die Investmentfirma Third Point von Daniel Loeb wollte einen Hedge-Fonds starten, der Vermögenswerte im angeschlagenen Griechenland billig aufkauft. Die Gesellschaft konnte schon 2012 von der Rettung des Landes profitieren. Konkurrenten sind Oaktree Capital und Fortress Investment.

Der ehemalige Finanzsprecher der FDP und Gegner der Eurorettung Frank Schäffler schrieb:

Griechenland muss nicht mehr einen Primärüberschuss im Haushalt von 3 Prozent in diesem Jahr und 4,5 Prozent im nächsten Jahr erreichen. Damit kommt Varoufakis seinem dritten Ziel ein gutes Stück näher: Einem Schuldenerlaß. Dadurch, dass er die Höhe der Haushaltsüberschüsse relativiert hat, bekommt er plötzlich für dieses Ziel einen Fuss in die Tür. Denn eine Laufzeitverlängerung und/oder eine weitere Zinsreduktion kommt einem Schuldenschnitt gleich. Es wäre dann der dritte.

Frappierenderweise scheinen Top-Banken mit einem Aufschwung zu rechnen. Laut der Financial Times wetten der Hedgefonds Paulson & Co des Milliardärs John Paulson und andere Firmen auf die rasche Erholung der griechischen Finanzbranche. Sein Fonds halte beträchtliche Anteile an den größten Geldinstituten des Landes, der Piräus Bank und der Alpha Bank.

Wegen des Engagements der Hedgefonds drängen dem Blatt zufolge große Geldhäuser die griechische Regierung, eine Reprivatisierung der Branche zu beschleunigen. Weitere Fonds, die stark in griechische Banken investieren, seien laut Presseberichten Baupost, Eaglevale, Dromeus Capital, Falcon Edge, York Capital und Och-Ziff, Wellington Capital Group und Fidelity.

Verstehen sie wie dieses irre Spiel funktioniert? Die griechische Regierung verkauft Staatsanleihen an die griechischen Großbanken, internationale Investoren und an die EZB. Die cleveren Banken machen dabei Profite, immerhin können sie ein Vielfaches an Geld verleihen das sie tatsächlich haben. Wenn der griechische Staat die Tilgunsraten bzw. Zinsen nicht zurückzahlen kann, bekommen die cleveren Banken Bailouts und Garantien vom EU-Steuerzahler. Verluste durch Schuldenschnitte werden soweit wie möglich an den Steuerzahler abgewälzt, denn der Bankensektor ist ja „too big to fail“ und „systemrelevant“. Bevor große Privatbanken abschmieren, springt wieder die EZB ein und erschafft Geld aus dem Nichts und es gibt wieder Bailouts.

Das Ziel war von Anfang an ein EU-Superstaat mit eingebauter Ausbeutungsmaschinerie. Dafür mussten die einzelnen Staaten weichen. Die Einführung des Euro ermöglichte eine Insolvenzverschleppung Griechenlands die heute immer noch weitergeführt wird. Irgendwann gehört alles, aber auch restlos alles den Banken und Hedgefonds.

Deutschland ist mit 2 Billionen Euro bei Banken verschuldet. Diese Banken dürfen ein Vielfaches von dem Geld verleihen das sie besitzen.Geschaffen hat das Geld die EZB. Kann der deutsche Staat die Rückzahlungen nicht mehr ordentlich leisten, müsste er sich an Rettungsschirme wenden für die der deutsche Staat selbst zu einem großen Teil haftet. Die EZB wiederum könnte Staatsanleihen aufkaufen mit dem Geld das sie aus dem nichts erschafft, damit die Privatbanken zufrieden sind die wiederum eigentlich abhängig sind von dem Geld, das sie bei der EZB leihen.

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AlexBenesch
AlexBenesch
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