2006, lange bevor das Wort Shitstorm überhaupt im Gebrauch war, ergoss sich eine Menge Wut auf den angesehenen texanischen Biologen Dr. Eric Pianka nach einer Rede vor der Texas Academy of Sciences über das Thema Umweltschutz und Bevölkerungskontrolle. Jemand aus dem Publikum namens Forrest Mims, der zu einer Fakultät der Akademie gehörte, beschwerte sich dass Pianka die Eliminierung von 90% der Weltbevölkerung durch einen Erreger wie Ebola befürwortet hätte. Mims‘ Kollege meldete sogar dem Heimatschutzministerium einen Verdacht wegen möglichem Bioterrorismus, worauf das FBI Pianka einen Besuch abstattete und unangenehme Fragen stellte wie „Haben sie vor, einen gefährlichen Virus zu verbreiten oder wissen sie über den Plan von jemandem, einen gefährlichen Virus zu verbeiten?“

Die alternativen Medien wie Drudge Report oder Alex Jones‘  Infowars griffen die Story auf und verbreiteten sie vor einem Millionenpublikum vornehmlich christlicher Südstaatler, was in Morddrohungen und anderen unangenehmen Begleiterscheinungen resultierte. Pianka und seine Sympathisanten aus der Wissenschaft und den linken Medien konterten mit dem Gegenvorwurf, dumme christliche Kreationisten vom rechten Rand hätten die Aussagen aus der Rede völlig verdreht und der Text sei doch frei zugänglich. Wer hat nun Recht? Ist Pianka wirklich „Dr. Doom“ oder ein missverstandener Umweltschützer?

Er erklärte, dass er die gleiche Rede mit dem Titel „The Vanishing Book of Life“ mehrfach gehalten hätte, wie etwa vor der St. Edwards University in Texas. Am krassesten jedoch war die Fragerunde nach der Rede vor der Texas Academy of Sciences. Dort meinte er:

„Ich fragte vor Jahren einen Fortpflanzungsforscher: ‚Kannst du ein Molekül entwickeln, das man nur einmal anwenden muss, das sich an die DNA bindet, Fortpflanzung unmöglich macht und den Mensch sterilisiert?‘ Und er meinte ‚ja, theoretisch schon‘. Und dann fragte ich ob er ein Gegenmittel entwerfen könnte dass kurzzeitig für ein paar Sekunden die Wirkung aufhebt? Und er sagte ‚ja, wahrscheinlich‘. Das ist genau was wir brauchen. Wir müssen jeden auf der Erde sterilisieren und das Gegenmittel jedem geben der bereit ist, dafür zu arbeiten.“

Hier haben wir also von vorneherein das klare Bekenntnis zur staatlichen Zwangssterilisation und zur Abschaffung der Grundrechte. In seinem Rede-Text „Vanishing Book of Life“ fordert er Strafsteuern auf Kinder:

„Die Leute leugnen das Problem und wollen einfach nicht die Realität konfrontieren. Wir erlauben Menschen immer noch, mehr als zwei Kinder zu haben. Wir ermutigen sogar noch Fortpflanzung. Man bekommt Steuernachlässe für Kinder. Stattdessen sollte man mehr Steuern zahlen müssen wenn man das erste Kind hat. Wenn man das zweite Kind hat sollte man noch viel mehr Steuern zahlen und beim dritten Kind sollte man gar nichts mehr rausbekommen und alles einbehalten werden.“

Sollen also Paare bei einem dritten Kind völlig enteignet werden und verhungern? Besonders bizarr ist diese Haltung angesichts der Tatsache, dass in westlichen Nationen die Geburtenrate erschreckend niedrig und eine Demographiekatastrophe fast schon unabwendbar ist. Kinder werden bereits längst durch staatliche Maßnahmen verteuert und verunmöglicht. Was ist aber mit seinen Kommentaren über Ebola und andere Killer?

Der Student Neil Sinhababu von der University of Texas meinte, dass laut seinen befreundeten linksliberalen Mitstudenten Pianka tatsächlich verrückt sei und eine Auslöschung von 90% der Weltbevölkerung durch Ebola oder „unseren Freund, das AIDS“, befürworte. Außerdem würde man vermeiden, dass neues Personal in der Fakultät Pianka als erstes kennenlernt. Die Universität zählt zu den größten der Welt und betreibt auch geheime Forschung für das Militär. Pianka, der „Echsenmann“, ist dort Professor. Natürlich muss man erwähnen, dass die religiöse Rechte in den USA ihre eigene Armegeddon-Vorstellung pflegt, in der alle Nicht-Gläubigen in der Hölle landen, dies macht jedoch Piankas Öko-Armageddon-Ideologie nicht besser.

Von der Fragerunde nach der Rede vor der Texas Academy of Sciences existierte eine Audioaufzeichung und ein partielles Transkript. Jemand aus dem Publikum erklärt, dass er nun die Nichtweitergabe von bestimmten Stoffen in einem anderen Licht sehe, worauf das Publikum lacht und Pianka antwortet: „Wissen sie, die Vogelgrippe ist auch gut!“

Die eigentliche Rede mit dem Titel „The Vanishing Book of Life“ ist eine Aufzählung der menschlichen Sünden an der Natur, ein Nachbeten von Umweltmythen und die deutliche Botschaft: Die Menschen müssen sich einem drakonischen Eugenik-Regime unterwerfen, ihre Rechte und den Kapitalismus aufgeben, weil ansonsten Seuchen wie Ebola wegen der Überbevölkerung automatisch die Menschen dezimieren werden. Einer der schlimmsten Feinde sei die Haltung, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe und anderen Wesen überlegen sei, mehr Rechte hätte.

Man nennt Pianka auch den „Eidechsen-Mann“ wegen seiner Vorliebe für kriechendes Getier, außerdem hat er eine kleine Büffelherde mit einem Bullen namens „Luzifer“. Als er in die Hügel außerhalb der texanischen Großstadt Austin zog und andere Menschen es ihm gleichtaten, beschwerte er sich dass die Klapperschlangen verdrängt wurden. Eine Nachbarin fragte ihn, wofür die giftigen Dinger denn gut seien, worauf er der Frau wütend antwortete: „Wozu sind SIE denn bitte gut?“ Er beschreibt dann den AIDS-Virus als „zu langsam“, um Bevölkerungen zu reduzieren. Stattdessen hätte Ebola Zaire „Potenzial“. Wenn es mutiert und durch die Luft übertragbar wird, würden 9 von 10 Menschen weitweit sterben:

„Und ich denke wirklich dass die Welt viel besser dran sein wird wenn nur 10 oder 20 Prozent von uns übrig sind.“

In einer längeren Textform der Rede meint er:

„Menschen hätten die Wächter der Erde und ihrer vielen Bewohner sein können, Mikroben, Pflanzen, Pilze und Tiere. Wir haben das Potenzial, gott-ähnlich zu sein. Stattdessen wurden wir zur Plage des Planeten wegen einem kurzsichtigen, kurzfristigen Bevölkerungsboom.“

Vielleicht lieg seine radikale Haltung eher in seiner Teenager-Zeit begründet als in seriöser wissenschaftlicher Forschung. Mit 13 Jahren wurde er bei einer Explosion verletzt und hatte fortan ein stark verkürztes, teilweise gelähmtes Bein und entwickelte eine krumme Wirbelsäule. Ein Jahr Highschool musste er im Bett verbringen. Entwickelte er wegen diesen Behinderungen einen Hass auf die anderen Menschen? Hatte er außer seinen Eidechsen und anderen Tieren irgendwelche engeren Freunde? Da er sich anderen Menschen nicht überlegen fühlen konnte, zog er sich in die stille Natur zurück, wo er gegenüber dem kriechenden Getier wie ein „gott-ähnlicher“ Wächter auftreten konnte. Der Narzissmus und die damit verbundene Sucht nach Kontrolle quillt aus allen Zeilen seines Textes: Er und seinesgleichen wollen die Masse der Menscheit verdrängen, reduzieren und managen wie Viecher. Wie Kühe sollen Menschen gezüchtet werden nach dem Wunsch der Wächter.

Man kann zwar noch nicht zweifelsfrei beweisen, dass er direkt die Auslöschung von Menschen durch Ebola bewürwortet, dennoch sind seine Aussagen erschreckend nahe dran, ganz zu schweigen von seinem anvisierten Eugenik-Regime und Zwangssterilisationen. Leider ist seine Geisteshaltung in der Biologenzunft recht weit verbreitet. Man muss sich fragen, wie diese Leute sich entscheiden würden wenn sie die Möglichkeit hätten, einen hochgefährlichen Erreger loszulassen ohne dabei ihre eigene Familie zu gefährden.

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