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Ein Kommentar von Alexander Benesch

Die NATO wirft Russland vor, mit rund 1000 Mann und schwerem Kriegsgerät in die Ukraine eingefallen zu sein. Moskau weist alle Schuld von sich und lässt verbreiten, der Westen würde die Vorwürfe glatt erfinden.

Zwar geben die Terroristen in der Ostukraine zu, dass ohnehin schon ein paar tausend Russen auf ihrer Seite kämpfen, diese seien aber quasi „im Urlaub“ und verbringen nun ihre Freizeit beim Kampf auf „neurussischem“ Gebiet. Als zehn russische Fallschirmspringer 40 Kilometer innerhalb ukrainischem Staatsgebiets verhaftet wurden, hieß es von russischer Seite, die Herren hätten sich verirrt. Noch in den 1940er Jahren fanden russische Truppen den Weg nach Berlin, ohne sich zu verlaufen.

Die üblichen alternativen Medien zeigen erneut, dass sie keine drei Meter weit denken können, sondern in ihren Analysen einem primitiven Schema folgen. Kurt Nimmo von Infowars fragt beispielsweise in einer Überschrift, ob die russische Invasion der Ukraine nicht einfach nur eine Erfindung sei.

Selbstverständlich ist die Glaubwürdigkeit westlicher Regierungen in solchen Angelegenheiten dahin, nichtsdestotrotz muss man jedes einzelne Mal bei jedem neuen Vorfall genauer hinsehen. Die Amerikaner verbreiteten in der Vergangenheit falsche Angaben über Länder, deren Militärs zu den schwächsten der Welt zählten und die nicht von anderen Supermächten umlagert waren. Außerdem hatten die US-Regierungen im Hinblick auf den Irak, Afghanistan oder Libyen immer genügend Vorlaufzeit, Truppen zu bewegen.

Bei der Ukraine ist vieles anders. Erstens stehen zehntausende russische Truppen für eine Invasion bereit, zweitens ist die NATO dermaßen schwach in Europa, dass sie nicht rechtzeitig Truppen mobilisieren könnte, um die Ukraine oder weitere Länder der Region gegen Russland zu verteidigen. Der ehemalige Vize-NATO-Spitzenkommandeur Sir Richard Shirreff erklärte bereits offen, dass man eigentlich nicht einmal Westeuropa gegen einen russischen Ansturm verteidigen könnte. Man bekäme keine einzige Division von 20.000 Mann rechtzeitig in Gang gesetzt.

Nach dem inszenierten Fall der Sowjetunion wurden die NATO-Militärkapazitäten in Europa dramatisch verringert. Trotzdem verbreitet die russische Propaganda seit Jahren den uralten Mythos der „Einkreisung“ Russlands. Wer russisches TV guckt, oder die stupiden alternativen Blogs liest, gewinnt den falschen Eindruck, gewaltige NATO-Horden stünden vor Russlands Toren.

Ganz ähnlich wie heute sprach die stalinistische Propaganda auch damals davon, dass nicht Sowjetrussland nach Expansion strebe, sondern „die Vereinigten Staaten, die in der ganzen Welt Luftstützpunkte zur Einkreisung der Sowjetunion errichtet hätten“. Das hatte den Kreml in den Jahren zuvor jedoch nicht davon abgehalten, halb Europa unter sein Diktat zu zwingen und auch in den folgenden Jahrzehnten störten die „aggressiven US-Militärbasen, welche das sowjetische Lager einkreisten“ nur wenig beim Export der kommunistischen Revolution in alle Welt.

Wenn die NATO keine signifikanten Truppen in der Region hat, wird sie kaum irgendwelche idiotischen Aktionen fahren wie etwa den behaupteten Abschuss von Flug MH17 oder eine Lügenkampagne über einen russischen Einmarsch. Die NATO-Generäle sind nicht dumm. Sie wissen, dass man auf die Art Signale aussenden würde, die Russland erst recht dazu bewegen, die Ukraine in einer Blitzaktion einzunehmen. Zwar hätte der Westen dann den propagandistischen Vorteil, die Russen hätten aber die Ukraine und im nächsten Schritt wohl ganz Europa.

Es wäre ein kühner Plan, Europa auf dem Präsentierteller vor Russlands Nase zu halten und Russland gleichzeitig zu einem Durchmarsch bis zur Atlantikküste Portugals zu verleiten. Ein Szenario, dass man nicht ausschließen kann, das aber noch lange nicht bewiesen ist. Für die „alternativen“ Medien erzählt Russland immer die Wahrheit, der Westen immer nur glatte Lügen. In Wirklichkeit lügt Russland permanent, während im Westen gerne durch geschickte Auslassungen falsche Eindrücke verbreitet werden.

Die Verschwörung ist nicht, dass die Amerikaner einen russischen Einmarsch erfinden. Die Verschwörung ist, dass die Amerikaner Russland 20 Jahre lang hochgezüchtet und zugeschaut hatten, wie es sich in einen faschistischen, expansionistischen Staat verwandelte.

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Was die „alternativen Medien“ auch gerne verschweigen: Noch vor wenigen Jahren war es der Plan der hohen Politik und der Wirtschaft, die EU und Russland schrittweise anzugliedern. Russland bekam nach 1990 massive Kredite aus dem Westen, alle benötigten Technologielieferungen, Know-How für den Umbau zu einer pseudokapitalistischen Wirtschaft und jede Menge Waffentechnik. Mit dem Ex-Kanzler Schröder und Figuren wie Warnig baute man bereits fleißig an einer einheitlichen eurasischen Energie-Infrastruktur. Der ehemalige Bilderberg-Agent und erste Präsident des Europäischen Rates, Hermann van Rompuy, forderte im Dezember 2012 eine Anbindung von EU an Russland für „Global Governance“. Ein Reich von Lissabon bis Waldiwostok ist exakt das, was der sowjetische Überläufer Anatoliy Golitsyn bereits Mitte der achtziger Jahre als Teil der Langzeitpläne der Roten Aristokratie bezeichnete:

“Die Erschaffung eines einzigen Europa vom Atlantik bis zum Ural, einschließlich eines wiedervereinigten, neutralen Deutschlands.”

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